In welcher Weise sind Religion und Sexualität miteinander verwoben? Was ist eine legitime Ehe? Was ist Prostitution?
Diese und mehr Fragen beantwortet Lucinda Ramberg in ihrer Ethnographie „Given to the Goddess. South Indian Devadasis and the Sexuality of Religion“. Sie befasst sich mit der zentralen Rolle der weiblichen Sexualität in der sozialen und politischen Ordnung einer Gesellschaft.
Im Folgenden werde ich die Ethnographie analysieren. Zunächst werde ich einen Überblick über den Aufbau, Inhalt und den argumentativen Schwerpunkt des Buches geben. Daraufhin werde ich das Erkenntnissinteresse und den Schreibstil der Autorin herausarbeiten. Schließlich werde ich auf die verwendeten Daten und Methoden eingehen und das Werk theoretisch verorten.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
2. Aufbau
3. Inhaltlichen Schwerpunkt
4. Erkenntnisinteresse
5. Schreibstil
6. Daten
7. Theorie
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit analysiert die Ethnographie "Given to the Goddess" von Lucinda Ramberg, um die darin angewandten Theorien und Methoden zur Untersuchung der Lebenswelt von Jogatis im Kontext von Sexualität, Religion und staatlicher Gewalt zu explizieren.
- Verhältnis von Religion, Sexualität und sozialer Ordnung
- Postkoloniale Kritik an staatlichen Modernisierungs- und Reformbestrebungen
- Agency religiöser Frauen im Spannungsfeld von Tradition und Kriminalisierung
- Interaktion zwischen lokaler Kosmologie und globalen Machtstrukturen
- Theoretische Verortung der Ethnographie (Strukturalismus, Postmoderne)
Auszug aus dem Buch
1. Zusammenfassung
In welcher Weise sind Religion und Sexualität miteinander verwoben? Was ist eine legitime Ehe? Was ist Prostitution?
Diese und mehr Fragen beantwortet Lucinda Ramberg in ihrer Ethnographie „Given to the Goddess. South Indian Devadasis and the Sexuality of Religion“. Sie befasst sich mit der zentralen Rolle der weiblichen Sexualität in der sozialen und politischen Ordnung einer Gesellschaft.
Devadasis oder Jogatis sind Töchter, die mit der Göttin Yellamma verheiratet werden. In ihrem Namen können sie Riten ausüben und empfangen Gaben von den Gläubigen. Auch Söhne können mit Yellamma eine Ehe eingehen, sie werden Jogappas genannt. Lucinda Ramberg konzentriert sich jedoch auf die weiblichen Devadasis.
Nach dem Vorbild ihrer Göttin können sie ihre Sexualität ungebunden ausleben. Im dörflichen Milieu bleiben die Devadasis jedoch oft lebenslang einem höherkastigen Patron verbunden. Diese Patronage bietet ihnen ökonomische Einkünfte und ist einer Ehe in vielem ähnlich. Dennoch sind Devadasis im Gegensatz zu konventionellen Ehefrauen nach dem Vorbild ihrer Muttergöttin ungebunden. Sie können ihren Patron jederzeit verlassen. So war auch Yellammas Kraft in ihrer Ungebundenheit am stärksten. In Großstädten sind Jogatis oft in Bordellen beschäftigt. Sie bieten ihre sexuellen Dienste an, um Geld für ihre Familien und Kinder zu erwirtschaften.
Denn mit der Heirat zu Yellamma nehmen sie die Stellung des ältesten Sohnes ein. In der Familienhierarchie stehen sie weit oben und sind für das Wohlergehen aller verantwortlich.
In Yellamma vereinen sich Heil (gifts) und Unheil (trouble). Durch Gaben wird die Göttin besänftigt und Unheil abgewehrt, das sie mit ihrer aufwühlenden Art in die Welt bringt. In ihrem Spiel überschreitet Yellamma Grenzen des sozialen Geschlechts und der Kasteneinstufung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Forschungsgegenstände, insbesondere die Rolle der Devadasis und die Verknüpfung von Religion und Sexualität.
2. Aufbau: Das Kapitel erläutert die Gliederung der Ethnographie in drei inhaltliche Teile: Yellamma, Gaben und Unheil.
3. Inhaltlichen Schwerpunkt: Hier wird das Spannungsfeld von Sexualität, Religiosität und staatlicher Gewalt als zentrales Thema identifiziert.
4. Erkenntnisinteresse: Das Kapitel untersucht, wie staatliche Modernisierung als repressive Macht wirkt und die Lebenswelt der Jogatis durch Kriminalisierung delegitimiert.
5. Schreibstil: Hier wird Rambergs narrative Methode analysiert, die eigene Feldforschung, Transkripte und theoretische Einbettung "schichtet".
6. Daten: Das Kapitel beschreibt die empirische Basis, einschließlich der Feldforschung in Karnataka, Interviews und der Nutzung von Feldnotizen.
7. Theorie: Dieser Abschnitt verortet das Werk im Strukturalismus, Postkolonialismus und der Postmoderne, insbesondere in Bezug auf Macht, Wissen und Gender.
Schlüsselwörter
Devadasis, Jogatis, Yellamma, Religion, Sexualität, Kriminalisierung, Modernisierung, Agency, Gabentausch, Postkolonialismus, Strukturalismus, Macht, Wissenskomplex, Gender, Indien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Lucinda Rambergs Ethnographie über Devadasis (Jogatis) in Indien und untersucht, wie die Autorin die Verwebung von Religion und Sexualität darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Leben der Jogatis, der Einfluss staatlicher Modernisierungs- und Reformpolitik sowie die Rolle von Religion und Geschlecht in dieser Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die verwendeten Theorien und Methoden der Ethnographie herauszuarbeiten und zu analysieren, wie Ramberg die Lebenswelt der Devadasis legitimiert und gegen westliche Vorurteile verteidigt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Lucinda Ramberg nutzt Methoden der teilnehmenden Beobachtung, narrative Interviews, die Analyse von Legenden und transkribierte Gespräche aus ihrer langjährigen Feldforschung in Karnataka.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Rambergs Aufbau, ihrem Erkenntnisinteresse, dem Schreibstil sowie den verwendeten Daten und theoretischen Bezugspunkten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Devadasis, Agency, Postkolonialismus, Kriminalisierung, Religion und Macht charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von NGOs und Regierung?
Die Autorin kritisiert, dass Modernisierungsbestrebungen oft auf einem Unverständnis der lokalen Kultur beruhen und durch "White Saviourism" die Agency der betroffenen Frauen untergraben, anstatt sie zu unterstützen.
Was bedeutet der Begriff "Worlding the World" im Kontext der Arbeit?
Der Begriff beschreibt, dass die Jogatis eine eigene, legitime Welt bewohnen, die nach den Regeln ihrer Göttin Yellamma funktioniert und die jenseits westlicher oder säkularer Logiken existiert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Theorien und Methoden in der Ethnographie "Given to the Goddess" von Lucinda Ramberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133076