Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich der Lernraum aufgrund umfangreicher Veränderungen in der Gesellschaft durch die Digitalisierung verändert. Der Autor beginnt mit einer Betrachtung der aktuellen Digitalisierungsprozesse, einhergehend mit einer breiten Sammlung von Prognosen aus Wirtschaft, Pädagogik und Psychologie. Darauf folgt eine Analyse des Raumbegriffs und seiner Bedeutung für die Schule. Diese Ausführungen münden in einer Analyse und Weiterentwicklung des Lernraumbegriffs. Abschließend werden Entwicklungsschritte für den Lernraum unter dem Einfluss der Digitalisierung in der Schule aufgezeigt.
Aus der JIM-Studie 2019 geht hervor, dass Jugendliche ein breites Repertoire an Mediengeräten in ihrem Haushalt nutzen und über 93% aller 12-19 Jährigen selbst ein Smartphone besitzen. In der alljährlichen Datenerhebung der Mediensituation in Deutschland wird bei den 14-19 Jährigen von einer täglichen Nutzung von audiovisuellen Medien (einschließlich PC) von über fünf Stunden berichtet. Diese Zahlen zeigen, wie begehrt digitale Medien für insbesondere Jugendliche sind. Auch vor dem Schultor macht die Digitalisierung nicht halt. So beschloss die Kultusministerkonferenz Ende 2016 ein Strategiepapier mit dem Titel "Bildung in der Digitalen Welt".
Für die Bildung unterschiedlicher Kompetenzen ist auch die Schule mitverantwortlich. Im hessischen Schulgesetz § 2 Abs. 1 findet sich folgende Formulierung: Schulen "tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Persönlichkeit in der Gemeinschaft entfalten können". Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, muss Schule die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen genau beobachten, analysieren und sich gegebenenfalls neu orientieren und anpassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das digitale Zeitalter
2.1 Die Digitalisierung
2.1.1 Eine Revolution
2.1.2 Geschwindigkeit und Versäumnisse der Revolution
2.2 Zu erwartende Veränderungen
2.2.1 Gesellschaftliche Veränderungen
2.2.2 Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt
2.2.3 Veränderungen in der Schule
2.2.4 Antworten der Medienkritik
2.2.5 Exkurs: Soll die Schule auf gesellschaftliche Veränderungen vorbereiten?
3 Die Bedeutung des Raums für die Schule
3.1 Raumtheorien
3.1.1 Raumbegriffe im Zwiegespräch
3.1.2 Spezifizierung des Raumbegriffs
3.2 Der heutige Lernraum
3.2.1 Die Entwicklung des Schulgebäudes nach Michael Göhlich
3.2.2 Vom Raum zum Lernraum
3.2.3 Beispielhafte Darstellung der aktuellen Begriffsbestimmung des Lernraums
4 Erweiterung des Lernraums
4.1 Von der absolutistischen zur relationalen Raumbetrachtung
4.1.1 Durch Digitalisierung bedingte Entgrenzungsprozesse
4.1.2 Virtuelle Räume
4.2 Der Lernraum im digitalen Zeitalter
4.2.1 Entgrenzung des Lernraums
4.2.2 Digitale Lernräume
4.2.3 Medien im Lernraum: Aus analog mach digital?
4.3 Weiteres relationales Lernraumkonzept: Der außerschulische Lernraum
4.4 Wirksamkeit von Medien in Bildung
4.4.1 Individuelle Perspektive der Schülerinnen und Schüler
4.4.2 Perspektive des Unterrichtsprozesses bzw. der Lehrkraft
4.5 Beispiel: Schule im Fernunterricht
5 Diskussion: Entwicklungsschritte für die Schule
6 Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich der Lernraum im Zuge tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen durch die Digitalisierung verändert. Das primäre Ziel ist es, die Charakteristika dieser Digitalisierungsprozesse zu beschreiben, die Auswirkungen auf den traditionellen Lernraum der Schule zu erörtern und daraus konkrete Entwicklungsschritte für die Schule im digitalen Zeitalter abzuleiten.
- Analyse der Digitalisierung als Epochenumbruch und ihre gesellschaftlichen Folgen
- Kritische Auseinandersetzung mit dem absolutistischen vs. relationalen Raumbegriff
- Untersuchung der Entgrenzung von Lernräumen durch digitale Technologien
- Diskussion der Wirksamkeit von Medien im Bildungssektor und der Rolle der Lehrkraft
- Entwicklung eines Modells für zukunftsfähige Schulentwicklungsschritte
Auszug aus dem Buch
Die Digitalisierung
„Digitalisierung klingt simpel: Aus analog mach digital“ so beschreibt Pousttchi, ehemaliger Professor für Digitalisierung, das engere Begriffsverständnis von Digitalisierung (2018, S. 32f). Er meint damit die Überführung eines Papierdokuments durch Einscannen in ein digitales Dokument, welches dann elektronisch abgespeichert und verarbeitet wird. Pousttchi stellt aber klar, dass Digitalisierung schon längst deutlich mehr meint und erweitert den Begriff. Digitalisierung im weiteren Sinne bedeute, die gesamte Welt mit digitalen Techniken zu scannen und zu verarbeiten, aber auch wieder analog erfahrbar zu machen.
Ein Beispiel wäre, dass ein Reisebus durch Sensoren Hindernisse erkennt und eine Zwangsbremsung durchführen kann, was für die Insassen eine sehr spürbare Erfahrung wäre. Der Bus übernimmt eine Aufgabe, die eigentlich eine Busfahrerin oder ein Busfahrer übernehmen sollte. So kann das Überführen in digitale Prozesse auch bedeuten, dass „Aufgaben, die bisher vom Menschen übernommen wurden, auf den Computer“ übertragen werden (Ries, 2018, S. 45). Dies stellt erneut eine Begriffserweiterung dar. Volkens & Anderson fassen in diesem Sinne Digitalisierung wie folgt zusammen:
„Unter Digitalisierung verstehen wir die Konversion von Produkten und Dienstleistungen, Strukturen, Prozessen und Geschäftsmodellen unter Nutzung neuer Technologien und Arbeitsweisen.“ (2018, S. 26)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Digitalisierung als "Gespenst" der modernen Gesellschaft, das einerseits Ängste weckt, andererseits tiefgreifende Veränderungen und Chancen für die Bildung mit sich bringt.
2 Das digitale Zeitalter: Dieses Kapitel definiert Digitalisierung als epochalen Einschnitt, analysiert Auswirkungen auf Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Schule und hinterfragt kritisch die Rolle traditioneller Wissensvermittlung.
3 Die Bedeutung des Raums für die Schule: Es erfolgt eine theoretische Fundierung des Raumbegriffs, wobei der Übergang von einer absolutistischen Sichtweise hin zu einem relationalen Verständnis von Schul- und Lernräumen erarbeitet wird.
4 Erweiterung des Lernraums: Hier wird die durch Digitalisierung bedingte Entgrenzung analysiert, wobei virtuelle Räume und die Wirksamkeit von Medien im Bildungssektor sowie außerschulische Lernorte im Fokus stehen.
5 Diskussion: Entwicklungsschritte für die Schule: Basierend auf den vorangegangenen Analysen werden sieben konkrete Schritte für die Schulentwicklung abgeleitet, die von der gedanklichen Erweiterung des Begriffs bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen reichen.
6 Abschließende Bemerkung: Das Fazit fasst die Kernergebnisse zusammen und betont, dass die Schule den relationalen Lernraum anerkennen und aktiv gestalten muss, um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Lernraum, Schule, Digitales Zeitalter, Raumbegriff, Medienpädagogik, Schulentwicklung, Entgrenzung, Virtuelle Räume, Medienwirksamkeit, Lehrkräftebildung, DigitalPakt, Relationaler Raumbegriff, Bildung, Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich der Lernraum durch gesellschaftliche Veränderungen infolge der Digitalisierung wandelt und wie sich Schule als Institution zukunftsorientiert weiterentwickeln kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Raumtheorien, den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Bildungssystem, der Wirksamkeit von digitalen Medien im Unterricht sowie auf der Transformation des Lernraums.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Charakteristika der Digitalisierung zu beschreiben und daraus fundierte Entwicklungsschritte für eine zukunftsfähige Gestaltung von Lernumgebungen in Schulen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Zusammenstellung aktueller soziologischer, pädagogischer und wirtschaftspsychologischer Diskurse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung der Digitalisierung, die raumtheoretische Fundierung des Lernraums sowie die Diskussion von konkreten Entwicklungsschritten für die Schulpraxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitalisierung, Lernraum, Schulentwicklung, Entgrenzung, Medienpädagogik und der relationale Raumbegriff.
Warum reicht der klassische Begriff des Klassenzimmers heute nicht mehr aus?
Aufgrund der durch digitale Medien ausgelösten räumlichen und zeitlichen Entgrenzung ist der Lernraum heute vielschichtiger und umfasst weit mehr als das physische Klassenzimmer.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Digitalisierung von Unterricht?
Die Lehrkraft ist der entscheidende Faktor. Sie fungiert weniger als reine Wissensvermittlerin, sondern vielmehr als Kuratorin und Gestalterin von Lernumgebungen, die digitale Medien gezielt zur Förderung individueller und kollaborativer Lernprozesse einsetzt.
- Arbeit zitieren
- Viktor Holst (Autor:in), 2021, Die Schule im digitalen Zeitalter. Wie verändern digitale Medien den Lernraum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133506