Die Radikalaufklärung. Rekonstruktion eines gemeinsamen Programmes


Hausarbeit, 2021

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschung

3. Die Radikalaufklärung
3.1 Kirche und Religion
3.2 Volonté générale und Volkssouveränität
3.3 Spinozas Erbe

4. Der Kontext der europäischen Aufklärung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Aufklärung bezeichnet jene Zeit der großen Reformbewegungen und Denker, welche sich gegen die Ordnung des Ancien Regime auflehnten und dies in Ideen artikulierten. Diese Ideen folgten gewissen Prinzipien, die ihre Form mit der Zeit durch verschiedene philosophische Einflüsse erhielten und sich deutlich vom bisherigen Status Quo unterschieden. Die französische Aufklärung kann jedoch nicht nur als Epochenbegriff verwendet werden, sondern beschreibt auch eine „Art zu denken“, der sich hiermit gewidmet wird.1Die Phase ist zeitlich im 18. Jahrhundert zu verorten und hatte sowohl eine Erneuerung der überlieferten Wissensbestände als auch ein Exempel für zukünftige Überzeugungen zur Folge, die jedoch von den Zeitgenossen unterschiedlich wahrgenommen wurde.2

Die Französische Revolution stellt ein Ereignis dar, welches sinnbildlich für den Umbruch innerhalb der Gesellschaft steht und ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses, der mehr im Verborgenen, als in der Öffentlichkeit stattfand. Auf anfängliche Revolten gegen die Finanzpolitik des Königs Ludwig XVI. folgte der Ruf nach der Abschaffung aller Privilegien, worauf wiederum immer radikalere Forderungen nachkamen, wie etwa eine französische Verfassung, samt der Deklaration der Menschenrechte. Um diese neuartige Situation besser nachvollziehen zu können, treibt der der britische Historiker Jonathan Israel seit nunmehr zwei Jahrzehnten seine These der Radikalaufklärung an, welcher sich schon mehrere Forscher angeschlossen haben. Diese macht die Quelle des Widerstands an denphilosophesfest, die ebenjene Ideen und Bewusstsein förderten, welche mit dem „Mainstream“ nicht kompatibel waren. Die Radikalaufklärung war in gewisser Weise eine intellektuelle Reaktion auf die Gegensätze und Widersprüche innerhalb der Gesellschaft.3

Diese Seminararbeit setzt sich zum Ziel den Begriff, bzw. das Konzept der Radikalaufklärung - hauptsächlich im Sinne von Israel gebrauchend - zu untersuchen und ihre Grenzlinien zu der „moderaten“ Aufklärung zu verorten. Dabei konzentriert sie sich auf die wichtigsten Punkte rund um Kirche/Religion, dem Begriff der Volkssouveränität und - in Bezug auf Israel - den philosophischen Einfluss Spinozas. Anhand dieser Themen soll ermittelt werden, ob es so etwas wie ein gemeinsames Programm der Radikalaufklärung gibt, welches für eine solche Strömung spezifisch wäre.4

Die Arbeit beginnt zunächst mit dem Stand der Aufklärungsforschung. Dieses Kapitelbeschäftigt sich mit den unterschiedlichen Ansätzen und Kontroversen, die sie beeinflusst haben. Anschließend folgt der Hauptteil, wo mittels der wichtigsten Punkte versucht wird, das geistige Programm der Radikalaufklärung zu rekonstruieren. Eingangs wird die Religionsfrage und die Kirche als Institution erläutert und wie sie von den unterschiedlichen Akteuren der Aufklärung aufgenommen wurde. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit ihrem Demokratieverständnis, eng verbunden mit ihrer Auffassung von Volkssouveränität und dem Begriff desvolonté générale. Das Kapitel „Erbe Spinozas“ beschäftigt sich mit dem philosophischen Einfluss des Niederländers, um die Tragfähigkeit von Israels These zu analysieren. Dies erfolgt durch das Nachzeichnen seiner zeitgenössischen Rezeption und der Analyse seiner Schriften, die sein Weltbild wiedergeben. Abschließend werden die Punkte in den Kontext der europäischen Aufklärung gesetzt, wo sie unter dem Umstand der gesellschaftlichen und politischen Tendenzen des 18. Jahrhunderts in ihrer Entwicklung und Wirkung dargestellt werden.

Speziell zur Radikalaufklärung existiert bis heute noch kein umfangreicher Bestand an Literatur. Diesbezüglich stellt das Sammelband „Radikalaufklärung“ das beitragsreichste Werk dar, welches sich mit dem Thema beschäftigt. In „The Enlightenment that failed“ bringt Israel seine These der Radikalaufklärung auf den neuesten Stand und wirft einen Blick auf die verschiedenen nationalen Ableger der Bewegung. Sein Buch „Die Französische Revolution - Ideen machen Politik“ versucht hauptsächlich die Ereignisse rund um das letzte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts in diesen Kontext zu übertragen. Weitere Werke wären „Moderne aus dem Untergrund“ von Martin Mulsow und „Böse Philosophen“ von Philipp Blom, dessen Behandlung mit der personellen Konstellationen der Radikalaufklärung von besonderem Interesse für diese Arbeit ist. „Der politische Tod Gottes“ und „Traktat über die drei Betrüger“ bringen vor allem in Bezug auf den religiösen Teil der Arbeit zahlreiche Erkenntnisse. Zum Verständnis rund um das Thema Volkssouveränität undvolonté généraleliefern die Werke „Rousseau und die Physiokraten“, „Rousseaus Begriff dervolonté générale“und „Der Bürger als Souverän“ die wichtigsten Beiträge. Zu Spinoza wird schon seit längerem wieder gezielt mehr geforscht, was sich auch in der Literatur niederschlägt. Für die Arbeit wurden hier „Die Begründung der Wissenschaft aus reiner Vernunft“ und die Sammelbänder „Baruch de Spinoza“ und „Spino- zismus als Modell“ verwendet. Weitere wichtige Monographien, die wiederum einen Überblick über die gesamte Entwicklung der Aufklärung bieten sind „Despotie der Vernunft“, „Legitimationswandel und Revolution“, „Sieg der Vernunft über den Aberglauben“ und „Die Lücke der Welt“. Hilfreiche Sammelbänder diesbezüglich stellen „Auf dem Weg in die Moderne“, „Das Projekt einer Ideologie“, „Das Jahrhundert Voltaires“, „Aufklärung“ und „Aufklärung und Moderne“ dar.

2. Forschung

Die Aufklärungsforschung hatte in der Vergangenheit viele Umbrüche und unterschiedliche Ansätze durchlebt, welche unter anderem auch von den jeweiligen Disziplinen geprägt sind. Ähnlich sah es bis vor einigen Jahrzehnten bei der Debatte um die Hauptursachen der Französischen Revolution aus, wo sich derweilen ein Ansatz des „soziokulturellen Interpretationsmodus“ eingebürgert hat, welcher seinen Fokus auf Diskursfelder und deren personellen Kontexte legt. Jedoch reicht dies nicht alleine aus, um die Sprengkraft zu erklären, mit welcher dasAncien Régimeaus den Angeln gehoben wurde. Mithilfe der These der Radikalaufklärung sollen nun auch verstärkt die philosophischen Hintergründe und Rezeptionsprozesse beleuchtet werden, um das Momentum des Umbruchs klarer artikulieren zu können.5

Bis ins 20. Jahrhundert war es in der Forschung noch geläufig von einem „unitarischen“ Modell der Aufklärung zu sprechen. Dieser Ausgangspunkt lehnt eine Aufspaltung der Aufklärung in unterschiedliche Lager ab, sowie die Dichotomie moderater und radikaler Strömungen innerhalb der Bewegung. Jedoch ist dieser Ansatz veraltet und übersieht die - aus dieser Dualität entspringenden - Dynamiken, welche schon in zeitgenössischen Darstellung wahrgenommen und identifiziert wurden.6Eine Differenzierung ist auch daher unablässig, um die Richtungen ausfindig machen zu können, welche im Falle der Radikalaufklärung, eine vorbehaltslose und konsequente Kritik zum Programm hatten.7

Eine Schwierigkeit erweist sich dann, wenn dieses philosophische Programm einer kohärenten Gruppe oder Individuen zugeordnet wird. Gerade im 18. Jahrhundert weisen viele Denker ambivalente Positionen auf, was dem sozialen Kontext geschuldet ist. Wichtig ist daher, nicht nur die öffentlichen Stellungnahmen miteinzubeziehen, sondern auch die Aktivitäten im Untergrund, wo sich das Profil eines Gelehrten am besten bestimmen lässt.8Diesbezüglich stellt die Quellengattung der klandestinen Literatur die fruchtbarste Quelle für die Erkenntnis der tatsächlichen Lehrmeinungen dar und wird seit Ende des 20. Jahrhunderts immer systematischer erforscht. Diese Sorte der Literatur stellt ein intellektuelle Parallelwelt zu den öffentlichen Debatten dar, die zur Zeit der ketzerischen Verfolgungen und Zensur rar gesät waren und die Risse innerhalb der Gesellschaft nicht im Ansatz ausdrücken konnten wie es die anonymen und ungedruckten Schriften der klandestinen Szene taten. Daher ist dieses Forschungsgebiet von besonderem Interesse, um die zunehmend radikalen Reformbestrebungen gegen Ende des 18. Jahrhunderts kontextuell einordnen zu können.9

Ein weiteres Problem stellt sich im Hinblick der Bewertung von Radikalität aus heutiger Sicht dar. Radikalität ist in Relation zu den zeitspezifischen Zuständen und nicht vom heutigen Standpunkt her zu betrachten. Es wäre anachronistisch zu behaupten, dass die Akteure der Radikalaufklärung mit der uns gegenwärtigen Terminologie gearbeitet und gedacht hätten, vor allem in Bezug auf Werte wie Demokratie, Freiheit oder Menschenrechte. Ein fixer Kriterien- katalog, der durch heutige Maßstäbe geprägt ist, hätte eine teleologische und somit verwässerte Perspektive auf die tatsächlichen Intentionen der Autoren zur Folge, die den Blick auf die damaligen Umständen verengen würde.10

Die Dichotomie der Aufklärung ist heutzutage Konsens. Jedoch sind die Ansichten über die wegweisenden Impulse der Radikalaufklärung divergent. Die These von Jonathan Israel, dass die Radikalaufklärung von 1670-1830 generell einen Zusammenhang mit dem philosophischen Erbe Spinozas aufweist, ist höchst umstritten und wird oft als „pauschalisierend“ be- zeichnet.11Dies wird meist damit argumentiert, dass sowohl ein direkter historischer Bezug zwischen Spinoza und der Radikalaufklärung fehle als auch die Rezeption des niederländischen Philosophen von ihren Vertretern ziemlich marginal ausfällt.12Andere wie Margaret C. Jacob heben den Einfluss der politischen Krise im England des 17. Jahrhunderts auf die Entwicklungen hervor, was zeigt, dass auch der jeweilige nationale Kontext unterschiedlich gewichtet wird.13

3. Die Radikalaufklärung

3.1 Religion und Kirche

Die Kirche als Institution war jahrhundertelang sowohl ein mächtiger Akteur als auch die wichtigste Legitimationsquelle desAncienRégime. Nicht ohne Grund wurden deshalb auch alle Gefahren, welche diese Macht gefährdeten, strengstens von ihren Anhängern unterbunden. Als Indiz für die Radikalität einer Idee, welche den Obrigkeiten missfiel, kann dementsprechend die Gegenreaktion gelten, die sich meist in Form des Vorwurfs der Ketzerei gegen die Kritiker wendete. Als Beispiel sei hier Spinoza genannt, welcher in der Rezeption des 18. Jahrhunderts des Öfteren als „Erz-Ketzer“ betitelt wurde.14Der Vorwurf der Ketzerei konnte hierbei schon das Todesurteil bedeuten. Hinzu kam die strenge Zensur, welche eine neuartige Literaturgattung hervorbrachte, nämlich die der klandestinen Literatur.15

Die Schutzmechanismen des Klerus und des Adels konnten jedoch nicht den regen Austausch verhindertn, denn die Idee des Widerstands gegen die Stützen der alten Ordnung kreisten schon unlängst in den Kreisen derphilosophes.Aus Sicht von Denis Diderot, Claude Helvetius und anderen Radikalaufklärern war die zeitgenössische Gesellschaft auf Aberglauben und irrationalem Mystizismus aufbaut. Dieser Aberglaube führe laut ihnen zu den vielen Missständen innerhalb der Gesellschaft und der ihr zu Grunde liegenden Ordnung. Paul Henri Thiry d'Hol- bach (1723-1789) beschrieb diese Herleitung mit dem Begriff desdogme de la spiritualite. Die fehleitenden Glaubensätze der Kirche führen infolgedessen zu Intoleranz und demnach zu politischer Unterdrückung.16

Die Radikalaufklärung hinterfragt ebenjene Verbindung zwischen Religion und Gesellschaft, welche die Kirche propagierte. Dieses Konzept wurde vor allem zu Anfang des 18. Jahrhunderts mit der „Betrugshypothese“ zu widerlegen versucht worden, welche die Propheten der großen Weltreligionen Jesus, Moses und Mohammed als „Schwindler“ darstellt. Diese argumentiert, dass die Propheten nur den Wunsch der Menschen nach Wunder und Offenbarungen für sich zu instrumentalisieren wussten und insgeheim machtpolitische Bestrebungen verfolgten.17Während sich die Kirche weiterhin auf ebenjene „Ikonen“ der eigenen Erzählungen stützte, um die gesellschaftliche Ordnung zu legitimieren, wuchs die Kritik an diesem Narrativ. Anstelle der autoritativen Erzählung der Kirche, sollte die Vernunft als Maßstab gelten und die Richtlinien der Gesellschaft aufzeigen.18Die Kirche wurde nicht nur als Institution angegriffen, sondern auch in ihrer Rolle als „Verteidigerin der Heiligkeit der Krone“.19

Mit der Religionskritik war zum großen Teil ebenjener Drang verbunden, tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft zu bewegen. Aus der Einflussnahme der Kirche auf alle wichtigen Institutionen des Landes entwickelte sich das Bewusstsein, dass Notwendigkeit bestehe, diesen unrechtmäßigen Status Quo zu bekämpfen, um ebenjene politische und soziale Reformen durchführen zu können. Diese Reformen entsprangen einer politischen Theorie des Republikanismus und standen somit diametral zur Monarchie, der einzig legitimen Ordnung im zeitgenössischen Frankreich.20

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts wurden zahlreiche Werke verfasst, welche auch als Symbol für die Denkumbrüche gesehen werden können, die sich zu der Zeit innerhalb der intellektuellen Elite Europas ereignet haben. Das religionskritische Traktat „Traite des trois im- posteurs“ist eines der wichtigsten Schlüsselwerke der frühen Radikalaufklärung, sowie in der Geschichte des Atheismus. Der Autor ist unbekannt, womit das Werk der klandestinen Literatur zugeordnet werden kann. Die Anonymität des Autors ergibt sich aus dem extremen Inhalt, denn in der Öffentlichkeit hätte eine solch offene und radikale Auseinandersetzung mit allen bekannten Offenbarungsreligionen der Welt strikt das Todesurteil zur Folge. Religionskritik war nicht selten, jedoch dehnt das Traktat seine Vorurteilskritik auf alle Bereiche des Glaubens aus und lehnt den Vorgang und Sinn einer Offenbarung an sich grundlegend aus.21Es werden in dem Stück außerdem mehrere Textstellen von Spinoza übernommen und als Referenz vorgetragen.

Vor allem seine bibelkritischen Passagen liefern die Grundlage hierfür, weswegen das Traktat unter anderem auch alsL'Esprit de Spinozabezeichnet wird.22

Das Thema Religion war sowohl in der Aufklärung als auch zu der Zeit der Französischen Revolution ein großer Streitpunkt, welcher die Diskrepanzen zwischen den moderaten und radikalen Fraktionen zunehmend vergrößerte. Jedoch hatten die demokratischen Republikaner der Nationalversammlung nicht nur den gemäßigten Flügel des Parlamentes mit ihren Forderungen diesbezüglich auf der Gegenseite, sondern im Grunde genommen nahezu die gesamte Bevölkerung. Anfeindungen auf der politischen Bühne erhielten sie vor allem aus dem Lager der Jakobiner rund um Maximilien de Robespierre, die schon früh das Volksbegehren für sich zu nutzen wussten. Im Gegensatz zum Kosmopolitismus und Atheismus derparti de philosopheshielten sie Patriotismus und Zivilreligion entgegen.23Der größte Teil der Bevölkerung war auch zu Hochzeiten der Aufklärung noch zu sehr den alten Traditionen verbunden und konnte mit dem geistigen Programm der Radikalaufklärern nicht viel anfangen. Dieser fehlende Rückhalt in den ungebildeten Schichten des Landes hatte zur Folge, dass neben den Debatten innerhalb gewohnter Kreise auch zahlreiche Versuche unternommen wurden, die Kluft zwischen beiden sozialen Schichten zu verringern. Als Beispiel sei hier D'Holbachs Auflage desTraite des trois imposteursaus dem Jahr 1768 genannt, welches sich vor allem an die einfache Bevölkerung richtete und ihnen atheistische Ideen in simpler Sprache näher bringen sollte.24

Ein weiteres wichtiges Merkmal der Radikalaufklärung ist die Deutungshoheit, welche sie in Glaubensfragen erlangen will. Im Gegensatz zum Kompromiss, den gemäßigten Aufklä­rer wie David Hume, John Locke und Gottfried Wilhelm Leibniz propagierten, wollte man auf Seiten D'Holbachs und Diderot nur die Vernunft als einzigen Maßstabg akzeptieren.25Einen entscheidenden Gedanken dazu liefert Pierre Bayle (1647- 1706), welcher die Unvereinbarkeit von Glauben und Vernunft argumentierte. Ihm zur Folge schließt die Existenz des Bösen (bzw. schlechten) aus, dass eine vollkommene Göttlichkeit die Welt lenkt, da dies im Widerspruch zueinem allmächtigen Schöpfer stehe. Daher müsse man sich „zwischen der Philosophie und der Heiligen Schrift entscheiden“.26 Solche Fragen, die bis zur letzten Instanz gehen, beantwortete der größte Vertreter der moderaten Aufklärung Voltaire (1694-1778) damit, dass eine Gesellschaft ohne Religion nicht existieren könne. Zwar kritisierte er die Korruption und negativen Ausschweifungen der Kirche, jedoch nahm er in dieser Hinsicht immer eine funktionalistische Sichtweise ein, die vehement gegen die radikale Religionskritik argumentierte. Die Religion erfülle, ableitend aus dieser Begründung, die Funktion einer sinnstiftenden Institution, welche die Gesellschaft zusammenhalte. Diese Autorität in dem Maße anzugreifen wie es d’Holbach und Diderot taten, war in den Augen des Schriftstellers hingegen eine Gefahr für den inneren Frieden.27

[...]


1 Heyer, Andreas (2020): Voltaires politisches Denken und die Encyclopédie. In: Campagna, Norbert/ Voigt, Rüdiger (Hg.) (2020): Das Jahrhundert Voltaires. Vordenker der europäischen Aufklärung. Baden-Baden: Nomos, S. 69.

2 Reidenbach, Christian (2018): Die Lücke in der Welt. Eine Ideengeschichte der Leere im frühneuzeitlichen Frankreich. Würzburg: Königshausen & Neumann GmbH, S. 13-14.

3 Israel, Jonathan (2019): The Enlightenment that Failed. Ideas, Revolution, and Democratic Defeat, 1748-1830. Oxford: University Press, S. 15.

4 Vgl. Van Bunge, Wiep: Radikalaufklärung neu definiert: eine holländische Perspektive. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 143-145.

5 Israel, Jonathan (2017): Die Französische Revolution. Ideen machen Politik. Princeton: University Press, S. 18.

6 Mulsow, Martin/ Israel, Jonathan (2014): Was ist Radikalaufklärung? - eine aktuelle Debatte. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 9.

7 Schröder, Winfried: Radikalaufklärung in philosophiehistorischer Perspektive. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 191.

8 Mulsow, Martin (2002): Moderne aus dem Untergrund. Radikale Frühaufklärung in Deutschland 1680-1720. Hamburg: Felix Meiner Verlag, S. 19.

9 McKenna, Antony: Klandestine Philosophie. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklä­rung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 153.

10 Mulsow, Martin: Radikalaufklärung, moderate Aufklärung und die Dynamik der Moderne. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 208-210.

11 Israel, Jonathan (2019): The Enlightenment that Failed. Ideas, Revolution, and Democratic Defeat, 1748-1830. Oxford: University Press, S. 3-5.

12 Van Bunge, Wiep: Radikalaufklärung neu definiert: eine holländische Perspektive. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 143-145.

13 Jacob, Margaret C.: Die Krise des europäischen Geistes: Ein erneuter Blick auf Hazard. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 24.

14 Blom, Philipp (2010): Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. München: Carl Hanser Verlag, S. 117

15 McKenna, Antony (2014): Klandestine Philosophie. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 152.

16 Bach, Reinhard (2018): Rousseau und die Physiokraten. Politische Ideengeschichte im begrifflichen Wandel zwischen Aufklärung und Revolution. Köln: Böhlau Verlag, S. 180.

17 Asal, Sonja (2007): Der politische Tod Gottes. Von Rousseaus Konzept der Zivilreligion zur Entstehung der Politischen Theologie. Dresden: Thelem, S. 80-81

18 Lottes, Günther (2007): Laizismus und Fundamentalismus als Erbe der Aufklärung. In: Bader-Zaar, Birgitta/ Grandner, Margarete/ Saurer, Edith (Hg.) (2007): Auf dem Weg in die Moderne. Radikales Denken, Aufklärung und Konservatismus. Innsbruck: Studienverlag, S. 25.

19 Neumayr, Anton (2016): Sieg der Vernunft über den Aberglauben. Die französische Aufklärung im 18. Jhdt. und Jean-Jacques Rousseau, Voltaire, Denis Diderot im Spiegel der Medizin. Wien: European University Press, S. 219-220

20 Israel, Jonathan (2019): The Enlightenment that Failed. Ideas, Revolution, and Democratic Defeat, 1748-1830. Oxford: University Press, S. 12-13.

21 Schröder, Winfried (Hrsg.) (1992): Traktat über die drei Betrüger. Hamburg: Felix Meiner Verlag S. VIII.

22 McKenna, Antony (2014): Klandestine Philosophie. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 166.

23 Israel, Jonathan (2017): Die Französische Revolution. Ideen machen Politik. Princeton: University Press, S. 30-31

24 Schröder, Winfried (Hrsg.) (1992): Traktat über die drei Betrüger. Hamburg: Felix Meiner Verlag, S. XXV.

25 Mulsow, Martin/ Israel, Jonathan (2014): Was ist Radikalaufklärung? - eine aktuelle Debatte. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 10-11.

26 McKenna, Antony (2014): Klandestine Philosophie. In: Israel, Jonathan/ Mulsow, Martin (Hg.) (2014): Radikalaufklärung. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 158.

27 Campagna, Norbert (2020): Voltaire und die Staatsräson. In: Campagna, Norbert/ Voigt, Rüdiger (Hg.) (2020): Das Jahrhundert Voltaires. Vordenker der europäischen Aufklärung. Baden-Baden: Nomos, S. 29-31.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Radikalaufklärung. Rekonstruktion eines gemeinsamen Programmes
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
25
Katalognummer
V1133515
ISBN (eBook)
9783346506313
ISBN (Buch)
9783346506320
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufklärung, Französische Revolution, Philosophie, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Alexander Schmidt (Autor:in), 2021, Die Radikalaufklärung. Rekonstruktion eines gemeinsamen Programmes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133515

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