Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Motivation zum Schritt in die Selbstständigkeit von Gründern privater, ambulanter Pflegedienste im Landkreis Vechta. Hierzu wird zunächst der Forschungsstand skizziert. Anschließend werden im Kapitel Methodik die verwendeten theoretischen Konzepte der Datenerhebung und –analyse vorgestellt, bevor die
Untersuchungsgruppe eingegrenzt wird.
Ziel der vorliegenden Ausarbeitung und Forschung ist es, angelehnt an die Studie von Claudia Gather und Lena Schürmann, variable Gründungsmotive von Gründern privater, ambulanter Pflegedienste im Landkreis Vechta zu identifizieren und zu beschreiben. Außerdem wird der Konflikt zwischen gerechter Kundenfürsorge und dem vorhandenen Kostendruck skizziert, bevor das Fazit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Methodik
3.1 Theorien der Datenerhebung und Datenauswertung
3.2 Untersuchungsgruppe
3.3 Interviewleitfaden
4. Ergebnisse
4.1 Die verschiedenen Motive
4.1.1 Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis
4.1.2 Idealistische Vorstellungen adäquater Mitarbeiterführung und inhaltlicher Arbeitsgestaltung
4.1.3 Familiäre Motive
4.1.4 Wirtschaftliche Vorzüge
4.1.5 Selbstverwirklichung
4.2 Vereinbarkeit von gerechter Kundenfürsorge und Kostendruck
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe für den Schritt in die Selbstständigkeit von Gründern privater, ambulanter Pflegedienste im Landkreis Vechta. Dabei steht insbesondere die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie diese Gründer den inhärenten Konflikt zwischen einer ethisch orientierten, gerechten Kundenfürsorge und dem ökonomischen Kostendruck im Gesundheitssektor bewerten und in ihrer täglichen Arbeitspraxis auflösen.
- Motive zur Unternehmensgründung im ambulanten Pflegesektor
- Einfluss von Arbeitsbelastung und Hierarchien auf die Entscheidung zur Selbstständigkeit
- Vereinbarkeit von wirtschaftlicher Effizienz und idealistischer Pflegequalität
- Methodik der qualitativen Experteninterviews zur Motivationsforschung
- Bedeutung von Selbstverwirklichung und Handlungsspielräumen für Pflegeunternehmer
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis
Einer 2018 in Berlin durchgeführten Studie zufolge ist die Arbeitsbelastung für Kranken- und Altenpfleger überdurchschnittlich hoch. Vor allem setzen die oft engen Zeitrahmen für die operativen Tätigkeiten am Klienten die ausführenden Kräfte unter Druck. Nach Umfragen, die im Zuge des DGB-Index Gute Arbeit durchgeführt wurden, fühlen sich 4 von 5 KrankenpflegerInnen durch ihren Arbeitsalltag gescheucht. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, aufgrund der vorherrschenden Umstände qualitative Einbußen in der Leistungserstellung hinnehmen zu müssen, um ihr Pensum schaffen zu können (Vogler, 2018, S. 60). Frau M. äußert sich zwar nicht über einen Mangel an Qualität, spricht allerdings von Stress, wenn sie retrospektiv die Arbeit vor der Selbstständigkeit betrachtet: „es war einfach dieser Stressfaktor, den ich auf der Intensivstation erlebt habe. Dieses gleich handeln müssen. Dieses direkte im Notfall handeln zu müssen“ (Frau M., Z. 55-57). Nach syntaktischer Analyse dieses kurzen Auszugs fällt hier besonders die Dopplung des Begriffs handeln müssen an den Satzenden auf, was die belastende Bedeutung der alternativlosen Notwendigkeit des 100-prozentigen Einsatzes während besagter Notfälle hervorhebt.
Auch Frau Z. wollte nicht mehr „in diesem Bereich Anästhesie-Intensiv […], und dann [wurde sich] überlegt, dann machst du mal diese ambulante Schiene“ (Z. 84-86). Eine vorhergehende Unzufriedenheit charakterisiert allerdings nicht nur die GründerInnen, die vorher in der Intensivpflege tätig waren. Frau K., die den Geschäftsführer und Gründer des ambulanten Pflegedienstes, für den sie tätig ist, seit Gründung begleitet, zitiert ebendiesen mit den Worten, er wolle „jetzt nicht im Krankenhaus versauern, sondern andere Bereiche, die im Gesundheitsbereich sind, noch mit anbieten (Z. 61-62). Die gesetzten Rahmenbedingungen und im letzten Fall auch die gefühlt anregungsarme, karge Krankenhauslandschaft haben hier offensichtlich einen großen Teil zur Unzufriedenheit beigetragen. Die Unzufriedenheiten hier wurden durch die Arbeitsumgebung und die Arbeitsinhalte induziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Pflegelandschaft ein und skizziert das Forschungsinteresse an den Gründungsmotiven privater, ambulanter Pflegedienste.
2. Forschungsstand: Hier werden bestehende Studien zur Motivation von Dienstleistungsunternehmern im Pflegebereich aufgearbeitet, um den theoretischen Kontext für die eigene Erhebung zu setzen.
3. Methodik: Dieses Kapitel erläutert den qualitativen Ansatz der Experteninterviews nach Siegfried Lamnek sowie die Auswahl der Untersuchungsgruppe und die Struktur des Leitfadens.
4. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die verschiedenen Motive für die Selbstständigkeit, unterteilt in Unzufriedenheit, Idealismus, familiäre Gründe, wirtschaftliche Anreize und den Wunsch nach Selbstverwirklichung.
5. Fazit: Das Fazit bündelt die Erkenntnisse der Studie und kommt zu dem Schluss, dass für alle Befragten eine gerechte Kundenfürsorge mindestens gleichwertig zum Kostendruck gewichtet wird.
Schlüsselwörter
Pflegebranche, ambulante Pflegedienste, Selbstständigkeit, Existenzgründung, Motivation, Arbeitsbelastung, Kundenfürsorge, Kostendruck, Arbeitszufriedenheit, qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Selbstverwirklichung, Landkreis Vechta, Pflegemanagement, Gesundheitsökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die persönlichen und professionellen Beweggründe von Gründern ambulanter Pflegedienste im Landkreis Vechta, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Untersuchung deckt die Bereiche Arbeitsbedingungen in der Pflege, unternehmerische Motivation, den Konflikt zwischen Ökonomie und Fürsorge sowie die Arbeitszufriedenheit ab.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, die variablen Gründungsmotive zu identifizieren und zu beschreiben, wie Unternehmer den Spagat zwischen Kostendruck und gerechter Patientenversorgung bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem Experteninterviews mit Gründern privater, ambulanter Pflegedienste geführt und anschließend ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Herleitung, die Darstellung der verschiedenen Gründungsmotive sowie eine Analyse der Vereinbarkeit von Kundenfürsorge und wirtschaftlichem Druck.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie ambulante Pflege, Gründungsmotivation, unternehmerisches Handeln und Pflegeethik beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Motivation aktiver und passiver Gründer gemäß des Forschungsstandes?
Die Studie unterscheidet zwischen aktiven Gründern, die gezielt nach Autonomie und Erfolg streben, und passiven Gründern, die eher durch äußere Umstände in die Selbstständigkeit rutschen.
Inwiefern beeinflusst der vorherige Angestelltenstatus die Entscheidung zur Selbstständigkeit?
Alle befragten Gründer berichteten von einer hohen Unzufriedenheit in ihren vorherigen Anstellungen, insbesondere durch starre Hierarchien und mangelnde Handlungsspielräume bei der Pflegequalität.
- Quote paper
- Tim Hilmes (Author), 2019, Kundenfürsorge und Kostendruck im privaten und ambulanten Pflegedienst. Motivation zur Selbstständigkeit der Gründer im Landkreis Vechta, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133647