Der weltweite Handel spielt in einer Zeit, die von voranschreitender Globalisierung und einem Zusammenwachsen der Märkte geprägt ist, eine bedeutende Rolle für die beteiligten Volkswirtschaften. Trotz aller Vorteile, die Außenhandel mit sich bringt, müssen auch dessen Risiken in Betracht gezogen werden, um handelshemmende Auswirkungen aufzuzeigen und diese gegebenenfalls zu beseitigen bzw. zu reduzieren.
Mit dem Zusammenbruch des Festkurssystems von Bretton Woods und dem damit
verbundenen Übergang von festen zu flexiblen Wechselkursen sehen sich die Wirtschaftssubjekte zusätzlich zu den bereits im Festkurssystem existierenden Außenhandelsrisiken schwankenden Wechselkursverhältnissen gegenüber. Ferner mussten Erwartungen, die mit der Einführung flexibler Wechselkursverhältnisse in Wissenschaft und Politik verbunden wurden, auf Grund des zu beobachtenden Ausmaßes der Veränderungen der nominalen und realen Wechselkurse – die anfänglich als vorübergehendes Phänomen angesehen wurden – weitgehend revidiert werden. Vielmehr scheint vor dem Hintergrund gestiegener Wechselkursvolatilitäten eine Bewertung der Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf den Welthandel notwendig. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, einen theoretischen Überblick über die Wirkungszusammenhänge von Wechselkursschwankungen auf die Handelsaktivität zu geben
und diese anhand von empirischen Untersuchungen auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Als Vorraussetzung werden in Kapitel 2 die erforderlichen Grundlagen geschaffen. Neben einer Einordnung des internationalen Handels in das wirtschaftliche Geschehen wird ein Überblick über die wichtigsten erklärenden Theorien des Außenhandels und ihre Weiterentwicklungen gegeben. Anschließend werden in Kapitel 3 die für ein Unternehmen im Auslandsgeschäft bestehenden Risiken dargestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Wechselkursrisiko mit seinen auf ein Unternehmen unterschiedlich wirkenden Komponenten. Hieran anknüpfend werden im folgenden Kapitel 4 auf betriebswirtschaftlicher Ebene mögliche kurzfristige Abwehrmaßnahmen von Unternehmen auf Wechselkursrisiken sowie langfristige Unternehmensstrategien
und die damit verbundenen ökonomischen Folgen abgeleitet. Der Schwerpunkt dieser
Arbeit bildet das Kapitel 5. Darin versuchen mikroökonomische Ansätze Erklärungen zu geben, warum Wechselkursschwankungen Auswirkungen auf das Außenhandelsvolumen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen des internationalen Handels
2.1 Stellenwert des internationalen Handels
2.2 Klassische Außenhandelstheorie
2.2.1 Absolute Kostenvorteile
2.2.2 Ricardos Theorie der komparativen Kosten
2.3 Neoklassische Außenhandelstheorie
2.3.1 Heckscher-Ohlin-Theorem
2.3.2 Leontief-Paradoxon
2.4 Neue Außenhandelstheorie
2.4.1 Steigende Skalenerträge
2.4.2 Monopolistischer Wettbewerb und Außenhandel
2.4.3 Intrasektoraler Handel
3. Risiken im Außenhandel
3.1 Politisches Risiko
3.2 Wirtschaftliches Risiko
3.3 Wechselkursrisiko
3.3.1 Umrechnungsrisiko
3.3.2 Ökonomisches Risiko
3.3.3 Transaktionsrisiko
3.4 Klassifizierung nach Gehrmann, Scharrer, Wetter
3.4.1 Das Angebotsrisiko
3.4.2 Das Kredit- oder Zahlungsrisiko
3.4.3 Das Wettbewerbs- und Absatzrisiko
4. Unternehmensreaktionen auf Wechselkursrisiken
4.1 Mengenreaktionen
4.2 Preisreaktionen
4.3 Implementierung von Wettbewerbsbeschränkungen
4.4 Allokationsprobleme
4.5 Arbeitslosigkeit
4.6 Finanzielle Kurssicherungsmaßnahmen
4.6.1 Risikovermeidung
4.6.2 Risikokompensierung
4.6.2.1 Devisentermingeschäfte
4.6.2.2 Finanzhedging
4.6.2.3 Leading und lagging
4.6.2.4 Netting und Matching
4.6.2.5 Forderungsverkäufe
4.6.2.6 Wechselkursversicherungen
4.6.3 Risikoverringerung
4.6.4 Risikovorbeugung
5. Wirkungen von Wechselkursvolatilität auf den Außenhandel
5.1 Diskussion - festes versus flexibles Wechselkurssystem
5.2 Übersicht über die theoretischen Modelle
5.2.1 Traditionelle Argumente
5.2.2 Neuere mikroökonomische Grundmodelle
5.2.2.1 Das Modell von Clark
5.2.2.2 Das Modell von Baron
5.2.2.3 Das Modell von Hooper und Kohlhagen
5.2.3 Erweiterungen der Grundmodelle
5.2.3.1 Modell von de Grauwe
5.2.3.2 Absicherung durch Terminmarktgeschäfte
5.2.3.3 Relativierung des Wechselkursrisikos
5.2.3.4 Gewinnchancen durch Wechselkursschwankungen
5.2.4 Zusammenfassung der theoretischen Modelle
5.3 Eine kritische Betrachtung empirischer Studien
5.3.1 Vorbemerkungen
5.3.2 Zeitreihenanalysen
5.3.3 Querschnittsanalysen
5.3.4 Unternehmensbefragungen
5.3.5 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf die internationale Handelsaktivität theoretisch zu analysieren und anhand empirischer Untersuchungen auf ihre Validität zu prüfen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Unternehmen auf die Unsicherheiten reagieren, die aus dem Übergang von festen zu flexiblen Wechselkurssystemen resultieren.
- Theoretische Grundlagen des internationalen Handels
- Kategorisierung und Analyse von Wechselkursrisiken (Umrechnungs-, ökonomisches und Transaktionsrisiko)
- Unternehmensstrategien zur Risikobewältigung und Kurssicherung
- Mikroökonomische Modellierung von Wechselkursvolatilität und deren Einfluss auf den Handel
- Empirische Bewertung der Auswirkungen von Wechselkursschwankungen
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Transaktionsrisiko
Das Transaktionsrisiko knüpft an dem Konzept des ökonomischen Risikos an, indem es die aus einzelnen Zahlungstransaktionen entstehenden Risiken untersucht.
Im Auslandsgeschäft kann durch das zeitliche Auseinanderliegen von Vertragsabschluss und Zahlungstermin eine offene Fremdwährungsposition entstehen. Diese unterliegt insofern einem Risiko, als dass sie auf Grund von Wechselkursänderungen zu einem ungünstigeren als dem erwarteten Wechselkurs bewertet werden muss. Ein tatsächlicher Verlust wird allerdings erst mit Umtausch der Position in die eigene Währung realisiert. Das Konzept des Transaktionsrisikos sieht deshalb nur solche Fremdwährungsgeschäfte als risikobehaftet an, bei denen eine Devisenkonvertierung stattfindet.41
Ist ein Exporteur einen in Fremdwährung fakturierten Vertrag eingegangen und tauscht nun die erhaltene Zahlung in Inlandswährung um, so entsteht ihm ein Verlust, wenn die Auslandswährung relativ zur Inlandswährung abgewertet hat. Dieses Transaktionsrisiko wird zwar in der Zeitspanne zwischen Vertragsabschluss und Zahlungstermin berücksichtigt, aber die zeitlich vorgelagerte Angebotsunterbreitung bleibt dabei außer Acht, obwohl sie nach Herrmann42 den Zeitraum bis zur endgültigen Zahlung erheblich verlängern kann und damit die Unsicherheit über die Entwicklung des Wechselkurses erhöht. Gehrmann, Scharrer und Wetter43 haben diesem Sachverhalt Rechnung getragen und in ihrer Klassifizierung der Wechselkursrisiken den Typ des Angebotsrisikos eingeführt.44
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des internationalen Handels im Zeitalter der Globalisierung und führt in das Wechselkursrisiko als Folge des Übergangs zu flexiblen Wechselkurssystemen ein.
2. Grundlagen des internationalen Handels: Dieses Kapitel ordnet den Welthandel ein und erläutert klassische sowie neoklassische Außenhandelstheorien und Konzepte der neuen Außenhandelstheorie.
3. Risiken im Außenhandel: Es werden verschiedene Risikoarten im Auslandsgeschäft definiert, wobei der Schwerpunkt auf der detaillierten Analyse des Wechselkursrisikos und seiner Komponenten liegt.
4. Unternehmensreaktionen auf Wechselkursrisiken: Hier werden kurz- und langfristige betriebswirtschaftliche Abwehrmaßnahmen und Strategien zur finanziellen Kurssicherung für international tätige Unternehmen dargestellt.
5. Wirkungen von Wechselkursvolatilität auf den Außenhandel: Dieses Kapitel bildet den Schwerpunkt und analysiert mikroökonomische Ansätze zur Erklärung der Auswirkungen von Wechselkursunsicherheit sowie eine kritische Betrachtung empirischer Studien.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass kein eindeutiger handelshemmender Einfluss von Wechselkursunsicherheit nachweisbar ist, da Unternehmen verschiedene Möglichkeiten der Risikobewältigung nutzen.
Schlüsselwörter
Internationaler Handel, Wechselkursschwankungen, Wechselkursrisiko, Außenhandelstheorie, Finanzhedging, Transaktionsrisiko, Wechselkursvolatilität, Protektionismus, Risikomanagement, Devisentermingeschäfte, Wettbewerbsfähigkeit, Kurssicherung, Export, Import, ökonomisches Risiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen, die Wechselkursschwankungen auf den internationalen Handel und die Handelsaktivitäten von Unternehmen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Außenhandelstheorie, verschiedene Risikotypen im Auslandsgeschäft, strategische Unternehmensreaktionen und die Auswirkungen von Wechselkursvolatilität auf das Handelsvolumen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen theoretischen Überblick über die Zusammenhänge zwischen Wechselkursunsicherheit und Handelsaktivität zu geben und diese durch empirische Untersuchungen zu verifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Modellanalyse mikroökonomischer Ansätze sowie eine kritische Aufarbeitung empirischer Studien (Zeitreihen- und Querschnittsanalysen) und Unternehmensbefragungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Handels, die Klassifizierung von Risiken, betriebswirtschaftliche Reaktionen und eine fundierte Analyse mikroökonomischer Modelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Wechselkursrisiko, Handelsvolumen, Kurssicherung, Volatilität, Außenhandelstheorie und mikroökonomische Modelle.
Wie unterscheidet sich das Umrechnungsrisiko vom ökonomischen Risiko?
Das Umrechnungsrisiko (Translationsrisiko) bezieht sich auf die bilanzielle Anpassung bei der Konsolidierung ausländischer Tochtergesellschaften, während das ökonomische Risiko die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf den gesamten zukünftigen Kapitalwert eines Unternehmens betrachtet.
Welche Rolle spielt das "Ratchet-Effekt" bei der Analyse von Preisreaktionen?
Der Ratchet-Effekt (oder Sperrklinkeneffekt) beschreibt das Phänomen, dass Preissteigerungen, die durch Wechselkursschwankungen ausgelöst wurden, bei einer späteren Beruhigung des Wechselkurses nicht wieder in gleichem Maße zurückgenommen werden.
Warum kommen neuere Studien zu anderen Ergebnissen bezüglich des Handelsrückgangs als ältere Modelle?
Neuere Modelle berücksichtigen Faktoren wie Flexibilität bei der Produktionsanpassung, Portfoliodiversifikation und fortgeschrittene Absicherungsinstrumente, was die Annahme eines rein negativen Handelseffekts durch Volatilität relativiert.
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- Dipl. Hdl. Christian Pabst (Author), 2008, Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf den internationalen Handel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113370