Dynamic Packaging im Internet


Seminararbeit, 2008

61 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Definition und Abgrenzung von Dynamic Packaging
1.3 Das Internet und die Technik

2 Stärken und Schwächen für Reiseveranstalter
2.1 Stärken
2.1.1 Online Profiling
2.1.2 eCRM und One-to-One-Marketing
2.1.3 Kosteneinsparungspotenzial
2.1.4 Flexibilitätssteigerung
2.2 Schwächen
2.2.1 Technische Ausstattung und Kosten
2.2.2 Schwächung der Homogenität der Zielgruppe
2.2.3 Vertriebskanal Internet
2.2.4 Disintermediation und Kannibalisierung eigener Produkte
2.2.5 Beschwerdemanagement

3 Stärken und Schwächen für den Endkunden
3.1 Stärken
3.1.1 Individualitäts- und Flexibilitätssteigerung
3.1.2 Stärkung der Marktstellung und Veranstalterhaftung
3.1.3 Kosteneinsparungspotenzial
3.2 Schwächen
3.2.1 Online-Sicherheit und Datenschutz
3.2.2 Beratungsqualität und Bezahlung
3.2.3 Preis- und Markttransparenz

4 Fazit

III. Anhang

IV. Literaturverzeichnis

II. Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis

Abbildungen im Text:

Abbildung 1- 1: Online-Reisemarkt Europa (eigene Darstellung)

Abbildung 1- 2: Die Bausteine des Dynamic Packaging (eigene Darstellung)

Abbildung 1- 3: Das System von Dynamic Packaging (eigene Darstellung)

Abbildung 1- 4: Prinzip des stabilen Lösungsraums Quelle: (eigene Darstellung)

Abkürzungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Der Kunde will heutzutage nicht mehr nur einer unter vielen sein, er will als Individuum wahrgenommen werden. Er will nicht mehr „nur“ in den Urlaub fahren, sondern

Kreativität erfahren und den Urlaub zur Sinnsuche nutzen. [1] Die Gesellschaft unterliegt

einem stetigen Wandel. Dies wird begünstigt, durch eine in den letzten Jahren ge-stiegene technologische Weiterentwicklung im Bereich der Elektronischen Daten-verarbeitung und der Wandlung des Kunden vom reinen Konsumenten zum Co-Designer seiner Urlaubsreise.[2] Die neuesten Megatrends des Gottlieb Duttweiler

Instituts unterstreichen diesen gesellschaftlichen Wandel. Danach zählen Individualisierung, Flexibilisierung, Erlebnisökonomie und Globalisierung mit zu den kommenden Megatrends. Diese Trends verdienen es, primär von Seiten der Tourismusindustrie

beobachtet zu werden.[3] Die Megatrends und die rasante technologische Entwicklung in den letzten Jahren, spiegeln sich auch in den Zuwächsen bei den Onlineumsätzen der Branche wider. Allein 2007 stieg der Umsatz des Europäischen Onlinereisemarktes auf 49,5 Milliarden Euro, dies sind 19,4% des gesamten europäischen Reisemarkts und ein Wachstum gegenüber 2006 von 3,3 %. In den nächsten Jahren wird dieser Wert weiter ansteigen, der Verband Internet Reisevertrieb e.V. (V.I.R.) geht davon aus, dass sich der Umsatz bis auf circa 70 Milliarden Euro im Jahr 2009 fast verdoppeln wird. Dies entspräche 25 % des gesamten europäischen Reisemarktes.[4]. Allein die Internetnutzung der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland, hat sich von 31 % im Jahr 2001 bis auf 62 % im Jahr 2008 gesteigert. In der für die Reisebranche wichtigen Kategorie der Buchungen im Internet, ist eine signifikante Steigerung zu verzeichnen, die auch in den nächsten Jahren weiter anhalten wird. Der Anteil der Online-Kunden, die das Internet für Buchungen genutzt haben steigerte sich von 4 % im Jahr 2000 auf 24 % in 2008. Der Anteil derer, die das Web rein zur Informationsgewinnung nutzen, stieg im selben Zeitraum um 30 %.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1- 1: Online-Reisemarkt Europa

Quelle: Centre for Regional and Tourism Research http://www.v-i-r.de/cms/upload/bilder/Daten_und_Fakten_2008/daten_und_fakten_2008s.pdf, S. 12 (eigene Darstellung)

In Anbetracht der zukünftigen Trends und Zahlen sollte jeder in der Reisebranche, die Grundlagen von Dynamic Packaging, sowie die Stärken und Schwächen dieser An-gebotsform für die Marktteilnehmer, kennen.

1.2 Definition und Abgrenzung von Dynamic Packaging

Die Tourismusbranche diskutiert seit mehreren Jahren über den Begriff Dynamic

Packaging, seine zukünftige Bedeutung für die Tourismusbranche und die Aus-wirkungen auf den Reisemarkt. Es handelt sich bei Dynamic Packaging um eine An-gebotsform, bei der der Kunde unter Umgehung der klassischen touristischen

Leistungskette alle Reisekomponenten selbst auswählt, konfiguriert und im Internet direkt bucht und bezahlt. [6] Eine offizielle Definition existiert zwar noch nicht, aber in den letzten Jahren, hat sich immer mehr die Definition der Firma Amadeus durchgesetzt, die Dirk Rogl erweitert hat.

„Dynamic Packaging ist die in Echtzeit erfolgte kundengerechte Auswahl, Bündelung und Buchung von Reisekomponenten aus unterschiedlichen Quellen nach den Regeln des Veranstalter-Geschäfts zu einem Gesamtpreis. Die Reise wird erst bei der Abfrage konfiguriert, kalkuliert und als Pauschalreise mit Sicherungsschein verkauft. Weil nur ein Gesamtpreis ausgewiesen wird, erhält der Veranstalter Zugriff auf Veranstalter-Tarife, die als Einzelbausteine nicht buchbar sind.“[7]

Die Basisbausteine von Dynamic Packaging lassen sich aus dieser Definition gut

deduzieren: Individualität, Gesamtpreis sowie Echtzeitzusammenstellung, Reise-komponenten aus unterschiedlichen Quellen und Leistungsbündelung, die Regeln des Veranstalter-Geschäfts und die Technik des Internets.[8] Der Baustein Technik und das Internet, soll im Folgenden als einziger näher beleuchtet werden, da dieser Baustein die Grundlage der Angebotsform des Dynamic Packaging darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1- 2: Die Bausteine des Dynamic Packaging (eigene Darstellung)

1.3 Das Internet und die Technik

Der Schlüsselbaustein ist das Internet und die zugrunde liegende Dynamic Packaging Software und Technik. Das Internet als offenes, kostengünstiges und immer mehr

flächendeckendes Medium ermöglicht es Veranstaltern, wie auch Leistungsträgern

direkt und kostengünstig an den Verbraucher heranzutreten. Die Grundlage von

Dynamic Packaging bildet dabei die Dynamic Packaging Software. Mit ihrer Hilfe ist es jederzeit möglich über Extensible Markup Language-Schnittstellen[9] und Internet-Gateways[10] auf die internationalen Computerreservierungssysteme und die einzelnen Datenbanken der Leistungsträger zuzugreifen. Diese Programme schaffen die grund-legenden Verknüpfungen von zuvor völlig unabhängigen Systemen und Datenbanken. Im Dynamic Packaging Programm werden die Daten über Vakanzen, Preise,

Buchungsbedingungen und Tarife bei der Bündelung zusammengeführt, kombiniert und aktualisiert. Die Quellendatenbanken sind alle in ihren eigenen Programmiersprachen geschrieben, darin besteht auch die große Herausforderung für die Dynamic Packaging Software. Sie muss primär die verschiedenen Programmiersprachen, in denen die

Datenbanken der Leistungsanbieter programmiert sind, lesbar und für das Dynamic

Packaging Portal verwertbar machen. Ist dies geschafft, kann der Kunde über das

Dynamic Packaging Portal des Online-Reiseveranstalters seine Reise individuell, nach seinen Vorlieben, zusammenstellen. Ein Beispiel für die gelungene Umsetzung einer Dynamic Packaging Software kommt von der Firma GK-System und znt-Travel. Ihr Programm, das sich Dyna-Pack® nennt, hat den großen Vorteil, dass jede Leistungs-trägerdatenbank unabhängig von ihrer Programmiersprache angebunden werden kann. Damit ist ein großes Hemmnis bei der Verknüpfung der verschiedenen Systeme gelöst. Zugleich arbeitet das Programm mit beliebigen Mid- und Backoffice-Programmen zusammen, was eine einfache Implementierung in vorhandene Systeme verspricht. Die Pflege der Vakanzen, Preise und der Datenbanken obliegt dabei den einzelnen Datenbankbetreibern[11]. Andere Software Entwickler bieten nicht nur ein Schnittstellen- und Gateway-Programm an, sondern ganze Dynamic Packaging Komplettangebote. Diese All-in-one Programme verfügen über Customer-Relationship-Management Module und ebenfalls über bereits fertige Anbindungen an verschiedene, vertraglich an den Softwarehersteller gebundene Leistungsträgerdatenbanken. Als Beispiel kann hier die Software Lösung GQDynamic®, vom englischen Anbieter GoQou, genannt werden. Dieses Unternehmen bietet nicht nur ein Schnittstellenprogramm an, sondern eine

Dynamic Packaging Komplettlösung. Von den Leistungsanbieter-Datenbanken über das eCRM-Modul bis zum bereits implementierten Abrechnungssystem ist im Software-paket alles enthalten, um sofort mit einer Dynamic Packaging Seite online zu gehen.[12] Es werden heute aber nicht nur Reiseleistungsträger in das Angebot eingebunden, sondern auch eine Vielzahl von Nebenleistungen wie Reiserücktrittsversicherungen oder Auslandskrankenschutzversicherungen[13]. Die Verwendung von neuen Web-Technologien wie Asynchronous JavaScript and XML kurz AJAX[14] und Dynamic Hypertext Markup Language kurz DHTML[15], sowie die Weiterentwicklung von bereits bestehenden Technologien, werden in Zukunft einen immer wichtigeren Beitrag zur Nutzung des Internets in der Reisebranche leisten. Durch sie werden die Abläufe im Netz zunehmend einfacher, schneller, sicherer und übersichtlicher. Ausgehend von diesem Baustein,

sollen im nächsten Kapitel die Stärken und Schwächen von Dynamic Packaging für Reiseveranstalter und Endkunden betrachtet werden. Dadurch soll eine differenzierte Sichtweise auf die Angebotsform des Dynamic Packaging ermöglicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1- 3: Das System von Dynamic Packaging (eigene Darstellung)

2 Stärken und Schwächen für Reiseveranstalter

2.1 Stärken

2.1.1 Online Profiling

Einen großen Vorteil für einen Reiseveranstalter bietet das Dynamic Packaging durch die erweiterten Möglichkeiten in der Marktforschung, Datenspeicherung, Kunden-bewertung und im daraus resultierenden Online-Profiling. Online-Profiling beschreibt die Gesamtheit der Datensammlung und Kundenbewertung und ist somit ein un-verzichtbares Mittel, um im hoch individuellen Dynamic Packaging Bereich erfolgreich agieren zu können. Dabei eignen sich alle Interaktionen, die der Kunde auf der Web-seite durchführt, als Basisinformationen für das Online-Profiling. Ein mühseliges Sammeln von Kundendaten entfällt weitgehend, da der Verbraucher die Daten freiwillig und von selbst durch sein Onlineverhalten liefert. Die Daten müssen nicht mehr umständlich beim Konsumenten erfragt werden, da es sowieso zwingend notwendig ist persönliche Daten bei der Bezahlung oder Buchung im Netz anzugeben. Dies erleichtert das Sammeln der sogenannten Reaktivdaten, also der Daten die der Kunde selbst aktiv zur Verfügung stellen muss. Zusätzlich hinterlässt ein Reisesuchender auf der Webseite nicht-reaktive Daten. Dies sind eindeutige und aussagekräftige Spuren durch sein

Surfverhalten im Web, welche der Reiseveranstalter mit Hilfe verschiedener Analysemethoden zur Individualisierung seines Angebots und seiner Marketingmaßnahmen nutzen kann. Die so gesammelten Daten reichen von der zuletzt besuchten Webseite, über andere Einkäufe die im Web getätigt wurden, bis zu Informationen über Besuche von Partnerseiten. Sie werden im Hintergrund gesammelt, wenn sich die Kunden zum Beispiel über ein Land informieren, Multimediadateien ansehen und downloaden, nach Produkten suchen oder sich mit Beiträgen in Foren beteiligen. All diese Daten, könnten vom Reiseveranstalter genutzt und gespeichert werden. Die so kombiniert gewonnenen Daten werden in einem sogenannten Data-Warehouse, einer Sammelstelle für alle

Kundendaten und Marktforschungsdaten, gespeichert und sortiert. Die Aufbereitung der Daten übernimmt ein Data Mining Programm, das diese hinsichtlich Vorhersagen, Schätzungen, Klassifizierungen und Segmentierung auswerten kann. So lassen sich die Online-Kunden des Reiseveranstalters, in genaue Segmente und Kundentypencluster einteilen. Diese Einteilung erlaubt eine wesentlich komplexere Analyse, als die herkömmliche Segmentierung nach demographischen oder sozialen Gesichtspunkten. Es können darüber hinaus Wahrscheinlichkeiten berechnet werden, inwieweit ein Kunde wieder kaufen würde, welche Vorlieben beziehungsweise Hobbies er hat und welche Produkte dieser Verbraucher sonst noch online kauft oder nachfragt.[16] Diese kom-binierten Daten bilden die Grundlage, mit deren Hilfe aussagekräftige Kundenprofile erstellt werden. Diese Profile werden bei einem Dynamic Packaging Anbieter entweder für eine Personalisierung der Webseite, oder zur Individualisierung von Werbe-maßnahmen verwendet. Personalisierte Webseiten bieten die Möglichkeit Zusatzangebote, Inhalte und Informationen gemäß den spezifischen Vorlieben der Kunden zu implementieren oder das Aussehen der Webseite nach den Präferenzen des Ver-brauchers zu gestalten. Aus der Automatisierung des Vorgangs, mit Hilfe von Softwareagenten, resultiert ein erhebliches Einsparungspotential, im Marketingsegment, für den Reiseveranstalter. Zusätzlich wird der Streuverlust der Werbemaßnahmen, durch die Konkretisierung der Zielgruppe reduziert. Die Pflege und Erstellung von Kunden-profilen wird in Zukunft unabdingbar für Dynamic Packaging Anbieter werden, da Internetnutzer sehr wechselhaft und unbeständig in ihrem Kaufverhalten sind und ihr Buchungsverhalten sich schnell ändert. [17] Nicht zuletzt können die so gewonnenen Daten zur Kundenbindung eingesetzt werden.

2.1.2 eCRM und One-to-One-Marketing

Besonders im schnelllebigen Web, in dem das nächste Angebot nur einen Klick entfernt liegt, ist es wichtig, dass Kunden möglichst dauerhaft treu bleiben.[18] Bei Dynamic

Packaging werden nicht nur Pauschalreisen verkauft, sondern in erster Linie die individuellen Bedürfnisse des Kunden befriedigt. Hierzu passt das Zitat, „Wer eine Reise kauft, bezahlt einen Traum und erhält dazu gratis Flug, Hotel und Verpflegung.“[19]. Die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden stehen im Vordergrund bei der Beziehung

zwischen Käufer und Verkäufer.[20] Diese hohe Personalisierung kann nur durch eine intensive Interaktivität mit dem Kunden, wie sie beim Dynamic Packaging gegeben ist, erreicht werden. Der Kunde muss als Co-Designer an der Produktion seiner Reise mitwirken und seine Ideen in das Produkt mit einbringen. Das Konzept des One-to-One-Marketings baut auf dem vorher beschriebenen Kunden-Profiling auf. Bei dieser Art von Marketing handelt es sich um eine individuelle Ansprache des Kunden, die einen Zusatznutzen für den Verbraucher schaffen soll. Nur durch eine Verzahnung des

Online-Profiling und den hoch personalisierten Konsumentendaten mit dem eCRM, kann diese Art des Marketings umgesetzt werden. Das One-to-One-Marketing wäre ohne den Onlinecharakter von Dynamic Packaging und der hohen intensiven Interaktion zwischen Kunde und Reiseveranstalter nicht, oder nur sehr schwer denkbar. Die Kosten an die benötigten persönlichen Daten der Kunden zu gelangen, um ein effektives Marketing zu betreiben, wären sehr hoch. Das One-to-One-Marketing wird in Ansätzen schon von verschiedenen Online-Reiseveranstaltern, wie zum Beispiel Expedia ein-gesetzt. Expedia nutzt ein Forum, in dem alle Urlauber, die eine Expedia Reise gebucht haben, ihre Leistungsträger bewerten können. Weiter soll hier Amazon genannt werden, die diese Art von personalisiertem Marketing konsequent und erfolgreich zur Pflege der Kundenbeziehung einsetzen. Besucht bei Amazon, ein bereits registrierter Kunde die Webseite, wird er mit Namen begrüßt. Dazu muss er sich nicht einmal extra einloggen. Die Daten werden aus seinem Browser, den gespeicherten Daten und seiner IP-Adresse automatisch ausgelesen. Es wird aus seinen bisher gesammelten Daten, eine individualisierte Webseite erstellt und auf ihn zugeschnittene Angebote werden darin implementiert. Bei Neuerscheinungen aus dem Sortiment werden persönliche News-letter versendet. Diese sollen den Konsumenten, der schon einmal Interesse an dem Produkt oder einem ähnlichen gezeigt hat, auf das neue Angebot aufmerksam machen. So würde dieses System dem Dynamic Packaging-Reiseveranstalter erlauben, den Kunden zum Beispiel von einem neuen Hotelangebot oder einem besonderen Event im zuletzt gebuchten Urlaubsland automatisch in Kenntnis zu setzten. Die Online-Reisebranche steht in dieser Beziehung noch am Anfang. Dabei ist One-to-One-Marketing ein wichtiger Baustein für den Erfolg von Dynamic Packaging. und dem

Onlinevertrieb[21] Durch die beschriebenen Möglichkeiten des One-to-One-Marketing steigern sich für den Kunden die Opportunitätskosten und es macht für ihn wenig Sinn zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Neukundenakquisitionen kosten im Schnitt das Fünffache gegenüber der Pflege der bestehenden Kunden. Somit ist es durchaus auch aus der Kostensicht sinnvoll den Kunden langfristig ans Unternehmen zu binden.[22] Der Dynamic Packaging Reiseveranstalter kann die gesammelten Daten dazu nutzen, um Wechselwahrscheinlichkeiten von Verbrauchern vorherzusagen, sogenanntes Churn-Prediction. Dabei werden die Kundendaten untersucht und diejenigen Konsumenten gefiltert, die eine hohe Wechselneigung aufzeigen[23]. Diese Kunden werden in der Folge dann gezielt angesprochen und mit spezifischen Offerten, Newslettern, Sonder-angeboten oder E-Mails am Wechsel gehindert oder wieder zurückgewonnen. Doch nicht nur die Bindung, Zufriedenheit von Kunden und eCRM sind Stärken von Dynamic Packaging für die Reiseveranstalter. Kostenersparnis und Effektivitätssteigerung sind für den Reiseveranstalter ebenfalls interessante Gesichtspunkte. In diesem Zusammenhang soll das Prinzip der Mass Customization kurz vorgestellt werden.

2.1.3 Kosteneinsparungspotenzial

Mass Customization wird seit längerem in der Betriebswirtschaft als neuer Ansatz zum Ausbau der Wertschöpfung diskutiert. Der Begriff ist ein Widerspruch in sich und kombiniert die Begriffe „Mass Production“ und „Customization“. Mass Customization ist die Bereitstellung von individuellen Informationen, Produkten und Dienstleistungen für einen großen Absatzmarkt mit einer Vielzahl von verschiedenen Kundensegmenten. Die hierfür erforderlichen Leistungserstellungs- und Kommunikationsprozesse werden dabei mit dem Kunden zusammen, in einem Interaktionsprozess definiert und zu nahezu den selben Kosten vergleichbarer, massenproduzierter Standardleistungen realisiert.[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1- 4: Prinzip des stabilen Lösungsraums

Quelle: Piller, Walcher., Konsumentenrente, 2007, S. 455: Mass Customization in der Reisebranche, (eigene Darstellung)

Ein zentrales Element von Mass Customization im Dynamic Packaging ist es, trotz der Individualisierung der Produkte, und der Kundenintegration einen Kostenvorteil zu

realisieren. Die Herausforderung ist, die Produkte für eine große Käuferschicht erschwinglich zu machen und dabei eine gewisse Massenproduktionseffizienz zu erreichen.[25] Dies kann primär durch eine konsequente Nutzung von Massen-produktionsvorteilen bei, für den Kunden nicht als wichtig erachteten Leistungen, erreicht werden. Wichtig dabei sollte sein, diese Leistungen für jedes Kundensegment speziell zu konkretisieren, um Standardisierungsmöglichkeiten zu identifizieren. Unter-stützt wird dieser Prozess durch den Onlinecharakter des Dynamic Packaging und das zuletzt vorgestellte Online-Profiling, bei dem eine Vielzahl von Verbraucher-informationen gesammelt werden können. Es bietet sich besonders beim Dynamic

Packaging an, vorhandene Grundausstattungen und Kernprodukte der touristischen Leistungen zu vereinheitlichen und nur einzelne Komponenten wie Nutzungszeitpunkt, Leistungsumfang, Preis und Zusatzangebote zu individualisieren. Dadurch erreicht der Dynamic Packaging Anbieter eine höchstmögliche Effektivität und Effizienz und spart Kosten. Die Herausforderung dabei ist, den optimalen Ansatz zwischen kundenindividueller Leistung und (massen) effizienter Leistungserstellung zu finden.[26] Ein weiterer Vorteil für den Online-Reiseveranstalter, im Zusammenhang mit der Kostenreduktion, ist die Möglichkeit sich direkt ohne Intermediär mit dem Kunden in Verbindung zu setzen. Als Transaktionskosten zählen dabei alle Kosten, welche für Organisation und Koordination von Tauschbeziehungen oder Transaktionen zwischen Kunde und Hersteller anfallen.[27] Dadurch kann sich der Dynamic Packaging Reiseveranstalter, beim Direktvertrieb über das Internet, anfallende Provisionszahlungen an Zwischenhändler und zusätzliche Distributionsausgaben sparen. Der Dynamic Packaging Reise-veranstalter spart auch die Kosten, für falsche Kundenberatung von Absatzmittlern und daraus resultierenden teuren Beschwerdeabwicklungen. Er kann diese Kosten-einsparungen an den Kunden weitergeben, oder selbst als zusätzlichen Gewinn behalten. Doch die neue Angebotsform des Dynamic Packaging verfügt nicht nur über den Vorteil der Kostenreduktion. Sie bietet auch eine ganze Reihe von Stärken hinsichtlich der Flexibilitätssteigerung des Dynamic Packaging Reiseveranstalters.

2.1.4 Flexibilitätssteigerung

Dynamic Packaging ermöglicht eine große Flexibilität hinsichtlich der Anzahl von verschiedenen preispolitischen Vorgehensweisen. In der Preisdifferenzierung, der Preisgestaltung und der psychologischen Preiswahrnehmung bieten sich mit Dynamic Packaging einige Möglichkeiten.[28] Es muss zwar ein Gesamtpreis bei der Dynamic

Packaging Reise, wie bei der Pauschalreise am Ende der Buchung ausgewiesen werden, aber nicht zwingend nur ein Gesamtreisepreis während des Bündelns angezeigt werden.[29] Durch den Onlinevertrieb des Dynamic Packaging, kann der Preis auch differenziert angezeigt werden. Thomas Cook bietet einen Warenkorb mit Einzelpreisen, die zu

einem Gesamtpreis addiert werden.[30] Dabei eröffnet sich dem Dynamic Packaging Reiseveranstalter die Möglichkeit die individuelle Zahlungsbereitschaft, also die Konsumentenrente, des Kunden optimal auszunutzen.[31] Ein Kunde der sich eine Urlaubsreise für 1500 € leisten will, kann so seine Reise ganz individuell an diesen Betrag anpassen. Der Dynamic Packaging Anbieter bricht damit aus der Vergleichbarkeit mit anderen Konkurrenten aus, da die Markttransparenz durch die individuellen Preise für den Kunden schwindet.[32] Ein weiterer Vorteil hinsichtlich der Flexibilitätssteigerung von Dynamic Packaging liegt darin, dass der Dynamic Packaging Reiseveranstalter sehr schnell auf Marktveränderungen reagieren kann. Ob das nun Naturkatastrophen, Terroranschläge oder einfach nur Preisänderungen sind. Der Dynamic Packaging Anbieter kann in relativ kurzer Zeit auf diese Veränderungen eingehen, in dem er einfach bestimmte Angebote aus dem Sortiment nimmt oder die Preise anpasst. Des Weiteren treffen ihn plötzliche Veränderungen auch nicht so hart, da der Kunde selbst entscheidet welche einzelnen Elemente seine Reise beinhaltet und einfach diese Elemente dann in der Folge nicht mehr nachfragt. Doch Dynamic Packaging ist nicht nur vorbehaltslos als positiv zu betrachten, sondern weist durchaus auch einige nicht zu unterschätzende Schwächen auf.

2.2 Schwächen

2.2.1 Technische Ausstattung und Kosten

Ein großer Nachteil von Dynamic Packaging sind die Kosten für die Anschaffung und den Betrieb der technischen Einrichtung und der Software. Es ist für einen Dynamic Packaging Anbieter nicht möglich ohne spezielle Soft- und Hardware ein Dynamic

Packaging Angebot auf den Weg zu bringen. Besonders schwierig, kostenintensiv und langwierig ist es, in das komplizierte Dynamic Packaging Geschäft mit seinen viel-fältigen Verknüpfungen der einzelnen Leistungsträgersysteme erfolgreich einzusteigen. Es müssen leistungsstarke Server gekauft, aufgestellt und betrieben werden. Die

Dynamic Packaging Software muss in der Regel bei einem Spezialisten gekauft werden und wird in das eigene bestehende System integriert, oder komplett neu aufgespielt. Danach müssen alle bereits bestehenden Leistungsträger an das neue System

angebunden werden, dabei ist normalerweise immer mit technischen Problemen in der Anfangszeit zu rechnen. Diese Kosten können ganz erheblich sein, da Server ausfallen oder bestimmte Anbindungen an Leistungsträger Probleme bereiten. So konnte Flyloco, als es 2003 mit seinem Dynamic Packaging startete, mit Air Berlin nur eine Fluglinie anbieten, da alle anderen Fluglinien die Anbindung an das System nicht rechtzeitig schafften.[33] Auch während des Betriebs, wenn alle technischen Einrichtungen laufen, müssen diese ständig gewartet und aktualisiert werden. Da es sich meist um sehr

komplizierte Systeme und Softwarekomponenten handelt, kann dies nur von Experten durchgeführt werden. Dabei entsteht ein laufender Fixkostenblock. Dies bedeutet besonders in der ersten Zeit, wenn das Dynamic Packaging System anläuft, eine immens hohe Investition, sowie hohe Wartungs- und Aktualisierungskosten für den Dynamic Packaging Reiseveranstalter. Dabei fallen nicht nur Belastungen für den Betrieb und die Wartung der Anlage an, sondern es entstehen auch Kosten für die Anbindung von Web 2.0-Inhalten oder Infoseiten die mitbenutzt werden. Auch Leistungen für die Nutzung der Suchmaschinen, ohne die die eigene Seite im Internet nur schwer gefunden wird, müssen eingerechnet werden. So können sich die Gebühren für die Listung in Such-maschinen, im billigsten Fall auf 149 € belaufen. Damit wird die eigene Seite in 150 verschiedenen Suchmaschinen gelistet.[34] Dies ist aber bei weitem keine Garantie, dass die Seite auch gefunden wird, da diese Methode nicht sehr effektiv ist. Die teurere, aber wesentlich effizientere Methode ist es, sich in eine Suchmaschine einzukaufen. Der Anbieter bezahlt dort, für jeden Klick auf seinen Link einen Betrag an die Suchmaschine, was sehr schnell sehr hohe Unkosten verursachen kann.[35] Wie wichtig eine effektive Suchmaschinenplatzierung im Onlinegeschäft ist, zeigt das Beispiel der Internetseite Ab-in-den-Urlaub.de., bei der es der Besitzer Thomas Wagner geschafft hat, durch gute Suchmaschinenoptimierung seine Webseite und sein Reisebüro zum Erfolg zu führen.[36]

[...]


[1] Vgl. o.V., Sinnsuche, 2007, S. 28.

[2] Vgl. Reichwald Ralf, Piller, Frank., Mass Customization, 2006, S. 285.

[3] Vgl. Kotler Philip, Keller Kevin Lane, Bliemel Friedhelm., Marketing-Management, 2007,

S. 234 ff.

[4] Vgl. Verband Internet Reisevertrieb e.V.: Reisebericht 08, 2008, S. 12, http://www.v-i-r.de/cms/upload/bilder/Daten_und_Fakten_2008/daten_und_fakten_2008s.pdf (Eingesehen 14.04.2008) Anhang Nr. 1.

[5] Vgl. Verband Internet Reisevertrieb e.V.: Reisebericht 08, 2008, S. 14, http://www.v-i-r.de/cms/upload/bilder/Daten_und_Fakten_2008/daten_und_fakten_2008s.pdf (Eingesehen 14.04.2008) Anhang Nr. 2.

[6] Vgl. Freyer W., Grundlagen Tourismus, 2006, S. 136.

[7] Rogel Dirk., Haste keinen, 2008, S. 30.

[8] Vgl. Stengel, Nico, Groß, Sven., Bausteine, 2008, S. 475.

[9] Die Sprache des Internets ist XML.

[10] Ein Gateway erlaubt es Netzwerken, die auf völlig unterschiedlichen Protokollen basieren, miteinander zu kommunizieren.

[11] Vgl. Küçükçankaya Gökhan., DynaPack, 2008, http://www.gksystem.de/html/dynapack.html (Eingesehen 26.04.2008) Anhang Nr. 3.

[12] Vgl. GoQuo., DP, 2008, http://www.goquo.com/dynamic_packaging.asp (Eingesehen 26.04.2008) Anhang Nr. 4.

[13] Vgl. Expedia., Reiserücktritt, 2008, http://www.expedia.de/pub/agent.dll?qsfr=cmfd&itid=&itdx=&itty=&ecid= (Eingesehen 20.04.2008) Anhang Nr. 5.

[14] AJAX bezeichnet ein Konzept der asynchronen Datenübertragung zwischen einem Server und dem Browser, das es ermöglicht, innerhalb einer HTML-Seite eine Anfrage durchzuführen, ohne die Seite komplett neu laden zu müssen. Die eigentliche Neuerung besteht darin, dass nur gewisse Tei-le einer Seite oder auch reine Nutzdaten bei Bedarf nachgeladen werden, womit Ajax eine Schlüsseltechnik zur Realisierung des Web 2.0 darstellt.

[15] DHTML dient der Benutzerfreundlichkeit und macht Webseiten dynamisch, so können nach dem laden der Webseite Teile der Website verändert werden.

[16] Vgl. Kollmann, Tobias., Online-Marketing, 2007, S. 74 ff.

[17] Vgl. Kollmann, Tobias., Online-Marketing, 2007, S. 205 ff.

[18] Vgl. Kollmann, Tobias., Online-Marketing, 2007, S. 209 f.

[19] Eisenrith, Eduard., Tourismus-Management Vorlesung Bedarfselemente, 2007.

[20] Vgl. Kollmann, Tobias., Online-Marketing ., 2007, S. 210 f.

[21] Vgl. Teggatz, Timo., Datenmüll, 2008, S. 40.

[22] Vgl. Kotler Philip, Armstrong Gary, Saunders John, Wong Veronica., Grundlagen, 2007, S. 553 f.

[23] Vgl. Kollmann, Tobias., Online-Marketing, 2007, S. 231.

[24] Vgl. Piller, Frank, Walcher, Dominik., Konsumentenrente, 2007, S. 454

[25] Vgl. Piller, Frank., Customization, 2008, http://www.mass-customization.de/glossary.htm (Eingesehen 16.04.2008) Anhang Nr. 6.

[26] Vgl. Reichwald Ralf, Piller, Frank., Mass Customization, 2006, S. 198 ff.

[27] Vgl. Kotler Philip, Keller Kevin Lane, Bliemel Friedhelm., Marketing-Management, 2007, S. 992 ff.

[28] Vgl. Kotler Philip, Keller Kevin Lane, Bliemel Friedhelm., Marketing-Management, 2007, S. 630 f.

[29] Vgl. Schroder Günter., Tourismus-Lexikon, 2007 S. 87.

[30] Vgl. Thomas Cook., Warenkorb, http://booking5.thomascook.de/mixtravel_toc_de/flightSearchForm.do (Eingesehen 05.05.2008) Anhang Nr. 7.

[31] Vgl. Piller, Frank, Walcher, Dominik., Konsumentenrente, 2007, S. 467.

[32] Vgl. Reichwald Ralf, Piller, Frank., Mass Customization, 2006, S. 292.

[33] Vgl. Büchsel, C., Anbindung, 2005/31, S. 35 http://appl.welt.de/media/download/51634f059e20c1edb994cd8f948bfaf1/2005-07-31_archiv_33-34-35-36-37-38-39-40-41-42.pdf (Eingesehen 09.05.2008) Anhang Nr. 8.

[34] Vgl. Axandra., Suchmaschinenkosten, 2004, http://www.internet-marketing-hilfe.de/suchmaschinen-marketing/kosten.html (Eingesehen 09.05.2008) Anhang Nr. 9.

[35] Vgl. Axandra., Suchmaschinenbezahlung, 2004, http://www.internet-marketing-hilfe.de/suchmaschinen-marketing/bezahlte-suchmaschinen-li.html (Eingesehen 09.05.2008)

Anhang Nr. 10.

[36] Vgl. Rogl, Dirk., Suchmaschinen, 2008, S. 19.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Dynamic Packaging im Internet
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Veranstaltung
Seminar Schwerpnukt Reiseveranstalter
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
61
Katalognummer
V113371
ISBN (eBook)
9783640144167
Dateigröße
19829 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dynamic, Packaging, Internet, Reiseveranstalter, Dynamic Packaging, Tourismus
Arbeit zitieren
Florian Hoffrohne (Autor), 2008, Dynamic Packaging im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113371

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