In der hier vorliegenden Arbeit soll der Fragestellung nachgegangen werden, inwiefern der Einsatz von Instrumenten der systemischen Managementlehre im Unterricht dazu beitragen kann, dass es den Lernenden ermöglicht wird, sich in komplexen Problemsituationen möglichst begründet für eine Lösungsalternative zu entscheiden und die Folgen der ausgewählten Lösung für das komplexe System Unternehmen bereits im Zeitpunkt der Entscheidung abzuschätzen. Um dieser Fragestellung nachgehen zu können, wird folgender Ablauf gewählt: Zunächst ist es entscheidend, dass wir Klarheit darüber gewinnen, was wir im Rahmen dieser Arbeit unter einer komplexen Problemstellung verstehen wollen und warum der Einsatz eben dieser Problemstellungen im Unterricht für die Kompetenzentwicklung der Lernenden von ganz besonderer Bedeutung ist (Kapitel 2 und 3). Der vierte Abschnitt dient der Erläuterung, warum systemische Ansätze für das Lösen komplexer Problemsstellungen als besonders geeignet erscheinen und stellt zwei Instrumentarien der systemischen Managementlehre vor, die in der durchgeführten Unterrichtsreihe Verwendung fanden. Kapitel fünf beschreibt die praktischen Rahmenbedingungen für die Durchführung der Unterrichtsreihe, während in Kapitel sechs die Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtsreihe im Mittelpunkt stehen. Diese praktische Durchführung und Auswertung der Unterrichtsreihe stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar und greift exemplarisch eine komplexe Problemstellung aus dem Lernfeld 6 des Bildungsganges Industriekaufmann/ -frau auf, welche mit Hilfe von systemischen Managementinstrumenten durch die Lernenden bearbeitet und bewertet werden soll. Als Abschluss dient der letzte Abschnitt (Kapitel 7), wo wir auf unsere Ausgangsfrage zurückkommen und beleuchten, inwiefern die durchgeführte Unterrichtsreihe und insbesondere der Einsatz der systemischen Instrumente zur Förderung von ganzheitlichen Lösungsstrategien in komplexen Problemsituationen geeignet war.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Begründung der Vorgehensweise
2 Problemorientierung
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Problemorientierung als didaktisches Prinzip im (BWL-)Unterricht
2.3 Aspekte der Umsetzung der Problemorientierung in der Unterrichtsgestaltung
3 Komplexität
3.1 Begriffsabgrenzung
3.2 Komplexität als Merkmal der modernen Gesellschaft
3.3 Implikationen der zunehmenden Komplexität für den BWL-Unterricht
4 Vernetztes Denken
4.1 Vernetztes Denken als Voraussetzung zur Bewältigung komplexer Probleme
4.2 Die Systemarchetypen nach Senge
4.3 Ganzheitliches Problemlösen nach Ulrich und Probst
5 Die praktischen Rahmenbedingungen bei der Durchführung der Unterrichtsreihe
5.1 Mein Konzept
5.2 Der Lehrplan
5.3 Die Lerngruppe
6 Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtsreihe
6.1 Makroplanung
6.2 Das Unterrichtsgeschehen vor Beginn der Berichtsstunden
6.3 Planung, Durchführung und Reflexion der Berichtsstunden
6.3.1 Die Doppelstunde am 23. Oktober 2007 (Berichtsstunde 1)
6.3.1.1 Planung
6.3.1.2 Durchführung und Reflexion
6.3.2 Die Doppelstunde am 6. November 2007 (Berichtsstunde 2)
6.3.2.1 Planung
6.3.2.2 Durchführung und Reflexion
6.3.3 Die Doppelstunde am 20. November 2007 (Berichtsstunde 3)
6.3.3.1 Planung
6.3.3.2 Durchführung und Reflexion
6.3.4 Die Doppelstunde am 21. November 2007 (Berichtsstunde 4)
6.3.4.1 Planung
6.3.4.2 Durchführung und Reflexion
7 Der Einsatz von systemischen Managementinstrumenten – Eine kritische Würdigung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie der Einsatz von Instrumenten der systemischen Managementlehre im BWL-Unterricht dazu beitragen kann, Lernende zu befähigen, komplexe Problemsituationen ganzheitlich zu erfassen, Lösungsalternativen begründet zu wählen und die Folgen dieser Entscheidungen für das System Unternehmen realistisch abzuschätzen.
- Förderung von ganzheitlichen Lösungsstrategien bei komplexen Problemen.
- Anwendung systemischer Managementinstrumente (Systemarchetypen und Netzwerk-Methode).
- Entwicklung von Handlungskompetenz durch authentische Praxisprobleme.
- Überwindung einperspektivischen, kausalanalytischen Denkens bei den Lernenden.
- Reflexion über die Anwendbarkeit systemischer Ansätze im schulischen und beruflichen Kontext.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Systemarchetypen nach Senge
Die erste systemische Problemlösetechnik die in unserer Unterrichtsreihe zum Einsatz kommen soll ist die Anwendung der von Senge entwickelten Systemarchetypen. Die Systemarchetypen sind eine Darstellung von Strukturmustern, welche typischerweise in einem System häufig vorzufinden sind. Die Erforschung und Entwicklung dieser Systemarchetypen beruht auf einer wichtigen Erkenntnis der systemtheoretischen Forschung: In jedem System scheint es ständig wiederkehrende Strukturmuster zu geben. Die vielleicht erstaunlichste und für die Lösung komplexer Probleme wichtigste Erkenntnis ist dabei die, dass diese Strukturmuster nicht nur typisch für ein bestimmtes System (z.B. das Unternehmen x) sind, sondern für eine Vielzahl von komplexen Systemen überhaupt (für das Unternehmen x, die Volkswirtschaft y oder die Familie z).37 Der Zweck der Systemarchetypen beim Lösen komplexer Probleme besteht nun darin, dass man durch die Einordnung einer Problemlage in einen Systemarchetyp die grundlegende Struktur des Problems erkennen kann. Wenn ein Systemarchetyp einmal erkannt wurde, erhält der Problemlöser den entscheidenden Vorteil, dass er sich nun begründet für eine bestimmte Problemlösung entscheiden kann, denn ein Systemarchetyp zeichnet nicht nur das aktuelle Strukturmuster des Systems auf, sondern gibt konkrete Hinweise darauf, an welchen Stellen des Systems ein Eingriff mit einer besonders großen Hebelwirkung erfolgen kann. Die Bereiche des Systems wo lediglich Eingriffe mit einer geringen Hebelwirkung stattfinden können, können vom Problemlöser als Eingriffsmöglichkeit ausgeblendet werden.38
Neben der begründeten Entscheidung für einen Problemlöseansatz haben die Systemarchetypen weiterhin den Vorteil, dass ein geübter Anwender eine Problemlage recht schnell als eine solche erkennen und die Grundstrukturen des Problems darstellen kann. Weiterhin ist es dem Anwender möglich die von ihm erkannte Problemlage anderen Entscheidungsträgern in einer systematischen und begründeten Art und Weise zu verdeutlichen, was merklich dazu beiträgt, dass alle Entscheidungsträger die Problemeinschätzung sehr differenziert nachvollziehen können. Die Systemarchetypen liefern hier also eine Sprache mit der Einschätzungen und Entscheidungen explizit werden können, die ansonsten lediglich ein bloßes Managementurteil bleiben.39
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und Begründung der Vorgehensweise: Einleitung in die Problematik komplexer Systeme am Beispiel der Daimler-Chrysler-Fusion und Herleitung des Ziels, Lernende durch systemische Instrumente in die Lage zu versetzen, solche Probleme besser zu bewältigen.
2 Problemorientierung: Definition der Problemorientierung als didaktisches Prinzip und Abgrenzung von reinen Übungsaufgaben, um Kompetenzentwicklung durch selbstständige Bearbeitung realer Problemstellungen zu fördern.
3 Komplexität: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Komplexität und dessen Bedeutung in der modernen Gesellschaft sowie die daraus resultierenden Anforderungen an den BWL-Unterricht.
4 Vernetztes Denken: Vorstellung von Instrumenten zur Komplexitätsbewältigung, namentlich der Systemarchetypen nach Senge sowie der Methode des Ganzheitlichen Problemlösens nach Ulrich und Probst.
5 Die praktischen Rahmenbedingungen bei der Durchführung der Unterrichtsreihe: Erläuterung der didaktischen Konzeption, der Einbettung in den Lehrplan und der Analyse der spezifischen Lerngruppe.
6 Planung, Durchführung und Reflexion der Unterrichtsreihe: Detaillierte Darstellung der Makroplanung sowie die konkrete Beschreibung und Reflexion der vier durchgeführten Berichtsstunden inklusive der eingesetzten Lernmittel.
7 Der Einsatz von systemischen Managementinstrumenten – Eine kritische Würdigung: Synthese und Bewertung der Ergebnisse, ob die gewählten Instrumente zur Förderung von ganzheitlichem Problemlösen bei den Lernenden erfolgreich beigetragen haben.
Schlüsselwörter
Systemische Managementinstrumente, Systemarchetypen, Ganzheitliches Problemlösen, Komplexität, Vernetztes Denken, Problemorientierter Unterricht, Industriekaufmann/-frau, Folgenabschätzung, Entscheidungsfindung, Handlungskompetenz, Rückkoppelung, Kausalanalytisches Denken, Lernfeld 6.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung von Strategien zur Bewältigung komplexer Problemstellungen im BWL-Unterricht, indem systemische Managementinstrumente eingeführt und angewendet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Problemorientierung, dem Verständnis von Komplexität und dem Training von vernetztem Denken durch spezifische Werkzeuge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Lernende in die Lage zu versetzen, komplexe Situationen zu analysieren, begründete Entscheidungen zu treffen und die systemischen Folgen ihres Handelns vorab besser abzuschätzen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine Unterrichtsreihe durchgeführt, in der die Lernenden die Systemarchetypen nach Senge und die Methode des Ganzheitlichen Problemlösens nach Ulrich und Probst auf eine realistische Problemstellung anwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Rahmenbedingungen der Unterrichtsreihe sowie die detaillierte Planung, Umsetzung und Reflexion der Unterrichtseinheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Systemarchetypen, Ganzheitliches Problemlösen, Vernetztes Denken, Komplexitätsbewältigung und Handlungskompetenz.
Warum wird gerade der "Systemarchetyp Eskalation" im Unterricht genutzt?
Dieser Archetyp wurde gewählt, weil er sehr anschaulich zu Systemänderungen führt und für eine einführende Darstellung besonders geeignet ist, um das Verhalten von Konkurrenten zu modellieren.
Wie bewerten die Lernenden den Einsatz der Instrumente?
Die Rückmeldungen zeigen, dass die Lernenden die Instrumente als hilfreich empfanden, um Entscheidungen transparenter und begründeter zu treffen, auch wenn die Einarbeitungszeit als Herausforderung wahrgenommen wurde.
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- Markus Baldus (Autor), 2008, Lösungsstrategien bei komplexen Problemstellungen. Einsatz systemischer Managementinstrumente im BWL-Unterricht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113373