Die Heterogenität der Terrorismusforschung. Eine Analyse von Radikalisierungstheorien und Radikalisierungsprozessen in der "Roten Armee Fraktion" (RAF)


Bachelorarbeit, 2021

41 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen
2.1. Sozialrevolutionärer Terrorismus
2.2. Radikalisierung
2.2.1. Französische Soziologie
2.2.2. Theorie des Framings

3. Anwendbarkeit von Radikalisierungstheorien
3.1. Der Untersuchungsgegenstand: Die Rote Armee Fraktion (RAF)
3.2. Radikalisierung aufgrund soziologischer Faktoren
3.2.1.Sozioökonomische Marginalisierung
3.2.2. Nachbarschaftliche Solidarität der Ummah
3.2.3. Mangelnde Bildung und Gruppenzwang
3.3. Radikalisierung mittels Framing
3.3.1. „Die Rote Armee aufbauen!“
3.3.2. „Das Konzept Stadtguerilla“
3.3.3. Radikalisierung innerhalb der Gruppe?

4. Zusammenfassung und Fazit
4.1. Radikalisierung gemäß französischer Soziologie
4.2. Radikalisierung mittels Framing

Literaturverzeichnis

Gendererklärung

Zur besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Es wird das generische Maskulinum verwendet, wobei beide Geschlechter gleichermaßen gemeint sind.

1. Einleitung

Der Takbir „Allahu akbar“ ist eine arabische Redewendung, welche die Größe Gottes wider­spiegelt. Der gebräuchliche arabische Ausdruck wird in verschiedenen Kontexten von Musli­men und Arabern auf der ganzen Welt verwendet. Beim formellen Salah (Gebet), beim Adhan (islamischer Gebetsruf) als informeller Ausdruck des Glaubens, in Zeiten der Not, Freude aber auch um Entschlossenheit oder Trotz auszudrücken. Während dieser Ausruf Glücksmo­mente im arabischen Sprachraum prägen, erlangt diese Formel in der westlichen Welt ver­mehrt traurige Bekanntheit, da sie wiederholt von Terroristen verwendet wird. Doch wie kommt es zur extremen Gewaltbereitschaft? „Radikalisierung ist der Begriff, den Wissen­schaftler und Journalisten seit den Anschlägen von London 2005 zunehmend verwenden, um zu erklären, was mit Terroristen passierte, bevor sie Bomben zündeten. Zwar wird nicht jede radikalisierte Person Terrorist. Aber jeder Terrorist hat einen Prozess der Radikalisierung durchlaufen. Deswegen setzt die Terrorismusforschung voraus, dass es ohne Radikalisie­rungsprozess nicht zu terroristischen Anschlägen kommt.“ (Baehr 2019 : 112) Seit den An­schlägen des 11. September 2001 steht der religiös-motivierte Terrorismus im Zentrum der wissenschaftlichen Forschung, während andere Ausprägungen, wie z.B. der sozialrevolutionä­re Terrorismus, sich „auf dem Abstellgleis“ (Straßner 2008: 10) befinden.

Zahlreiche Radikalisierungstheorien bieten Ansätze, um diesen Prozess bei religiös-motivier- ten Aktivisten zu erklären. Es gilt somit an dieser Stelle zu fragen: Inwiefern lassen sich Radi­kalisierungstheorien, welche für den religiös-motivierten Terrorismus ausgelegt sind, auf so­zialrevolutionäre Vereinigungen anwenden? Da es sich bei den zwei Typologien um verschie­dene ideologische Basen handelt, ist die Anwendbarkeit vorerst zu verneinen.

Um die leitende Fragestellung dieser Arbeit zu prüfen, wird zuerst der theoretische Rahmen vorgestellt. Die Ausprägung des sozialrevolutionären Terrorismus wird mithilfe von Alexan­der Straßner vorgestellt, gefolgt von einer Begriffsdefinition der Radikalisierung durch Anja Daalgard-Nielsen. Die Radikalisierungstheorie ist entsprechend der französischen Sozialfor­schung nach Roy, Gilles und Khosrokhavar vorzustellen. Diese bieten vier Erklärungsansätze der Radikalisierung: sozioökonomische Marginalisierung, nachbarschaftliche Solidarität, mangelnde Bildung und Gruppenzwang. Darauf folgend ist die zweite Radikalisierungstheo­rie des Framings nach Quintan Wiktorowicz vorzustellen. Diese nimmt an, dass Radikalisie­rung mithilfe von Frames innerhalb kleiner Gruppen entsteht. Dabei wurden drei Kernaufga­ben des Framings ermittelt: Erstens konstituieren Frames einen Zustand als Problem, welcher Behoben werden muss. Zweitens werden Lösungen angeboten, um das Problem zu beheben. Drittens dienen Begründungen, um Unterstützung und kollektives Handeln zu motivieren. Eine kurze Chronologie der Rote Armee Fraktion wird anschließend als Hauptuntersuchungs­gegenstand vorgestellt. Die Analyse erfolgt gemäß der französischen Soziologie, unter den Punkten der sozioökonomischen Marginalisierung, der nachbarschaftlichen Solidarität der Ummah und zusammengefügt, die des Gruppenzwangs und der mangelnden Bildung. An­schließend verläuft die Analyse der Framing Theorie unter dessen drei Kernaufgaben. Dabei liegt der Fokus der Analyse im Frame selber. Aufgrund mangelnder Einsicht in kommunikati­ve Prozesse innerhalb der Gruppe, wird nicht auf diese eingegangen. Analysiert werden folg­lich die Schriften „Die Rote Armee aufbauen!“ und „Das Konzept Stadtguerilla“, welche hin­terher miteinander verglichen werden. Ziel dabei ist es, eine stattgefundene Radikalisierung ihrer Ansichten zu ermitteln.

Zusammenfassend wird auf drei Ebene eingegangen: Micro, Macro und Meso. Untersucht wird, inwiefern die Radikalisierung der ersten Generation der RAF auf persönlicher- und Gruppenebene widerspiegelt als auch der Ebene des Staates. Es wird grundsätzlich auf fol­gende Gruppenmitglieder zurückgegriffen: Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Der Untersuchungszeitraum ist dabei in Bruchstücken von der Kindheit der RAF, bis kurz nach dem Zeitpunkt der Publizierung von „Das Konzept Stadtguerilla“ einzugrenzen. Wichtig für die Ideologie der RAF stellt auch die Publikation von 1972 „Dem Volk dienen. Stadtguerilla und Klassenkampf“ dar. Auch innerhalb der Framingtheorie wird vor allem auf die Texte und Materialien der RAF verwiesen, da diese einen guten Einblick in das Weltbild der RAF verschaffen.

Die Typologie des sozialrevolutionären Terrorismus wird durch Alexander Straßner (2009) vorgestellt wobei die Definition der Radikalisierung von Anja Dalgaard-Nielsen (2010) an­zuwenden ist. Die Radikalisierungstheorie der französischen Soziologie nach Gilles Kepel (2004), Farhad Khosrokhavar und David Macey (2005) und Oliver Roy (2004) wird ebenfalls durch Dalgaard-Nielsen ergänzt. Die Theorie des Framings wird mithilfe der Publikationen durch Quintan Wiktorowicu (2004), Benford und Snow (2000) dargelegt und gleichermaßen mithilfe von Anja Daalgard-Nielsen erweitert. Zur Chronologie der RAF trägt Susanne Kailitz (2007) bei. Über die Analyse hinweg erstreckt sich diese, mithilfe der durch die RAF publi­zierten Schriften, wie „Die Rote Armee aufbauen“ (1970), „Das Konzept Stadtguerilla“ (1971) und „Dem Volk dienen. Stadtguerilla und Klassenkampfs“ (1972), wel­che durch den ID-Verlag herausgegeben wurden (1997). Da die RAF diese Schriften als Kol- lektiv publizierte und kein konkreter Verfasser dahintersteht, werden diese fortführend als sol­ches gekennzeichnet.

Grundsätzlich besteht keine einheitlich formulierte Vorstellung unter dem Begriff der Radika­lisierung (vgl. Baehr 2019: 123), was zu einer erschwerten, als auch uneinheitlichen Theorie Formulierung führen kann. Zwar besteht eine allgemein akzeptierte Radikalisierungsdefiniti­on durch Daalgard-Nielsen, jedoch ist Radikalisierung ein, durchaus vom Individuum ausge­hender Prozess, sodass Vereinheitlichungen problembehaftet sind. Radikalisierung kann ko­gnitiv, motorisch oder beides zugleich sein. Die amerikanische Soziologie hat vor allem die Verhaltensradikalisierung betont und Formen des ideologischen Extremismus, die in der anglo-amerikanischen Kultur der Meinungsfreiheit nicht per se als verwerflich gelten, oft ausgeklammert. Im Gegensatz dazu, wird in der europäischen und insbesondere in der franzö­sischen Soziologie, die kognitive Radikalisierung als unverzichtbar angesehen. Sie geht der gewaltättigen Radikalisierung oft voraus und scheint diese zu nähren und vorzubereiten (vgl. Crettiez 2016: 709). Die Theorie der Radikalisierung ist keineswegs eine fertige Erklärung für Terrorismus oder Radikalisierung, vielmehr geht es darum einen Ansatz zu erstellen, womit er möglicherweise erklärt werden könnte. Auch ist die Radikalisierungstheorie auf religiös-mo- tivierte Vereinigungen ausgelegt, sodass die Radikalisierung von anderen Ausprägungen grundsätzlich vernachlässigt wird.

Die mangelnde Einigung auf eine einheitliche Definition des Terrorismus, aufgrund seiner verschiedenen Ausprägungen und Zielen, erschwert die Forschung zudem selbst. Dies lässt sich beispielsweise beim sozialrevolutionären Terrorismus erkennen, welcher als „alter Terro­rismus“ abgestempelt, und durch den „neuen Terrorismus“ in den Schatten gestellt wird. Da­mit ist ein Mangel an Forschung und der verfügbaren Literatur in Verbindung zu bringen.

Die Forschung des Terrorismus erschwert sich zudem aus Gründen der Nachvollziehbarkeit. Denn man kann sich nicht in die Gedankengänge hineinversetzten, ebenso wenig wie es in der Psychologie möglich ist. Sie begrenzt sich somit auf die vorhandene Literatur oder auf eige­nen Interpretationen und liefert damit keine festen Beweismittel.

2. Theoretischer Rahmen

Das folgende Kapitel dient der Übersicht des theoretischen Rahmens. Die Typologie des sozi­alrevolutionären Terrorismus ist kurz zu erläutern. Anschließend wird eine Begriffsdefinition der Radikalisierung durch Anja Dalgaard-Nielsen vorgelegt. Darauf folgend ist die Theorie der Radikalisierung gemäß der französischen Soziologie vorzustellen. Abschließend wird auf den theoretischen Rahmen des Framings eingegangen.

2.1. Sozialrevolutionärer Terrorismus

Der sozialrevolutionäre Terrorismus ordnet sich in die traditionelle Form des Terrorismus. Diese haben das Ziel, gewaltsam den Umsturz des politischen Systems und gesellschaftlichen Konventionen nach den Vorstellungen von Karl Marx oder der mit dem Marxismus verwandte Ideologien hervorzubringen (vgl. Straßner 2008: 20f.). Diese Gruppierungen sind vor allem in den Verlierer Ländern des Zweiten Weltkriegs entstanden (vgl. ebd.: 30).

Angestrebt werden diese Ziele aus Gründen der perzipierten sozialen bzw. ökonomischen Un­gerechtigkeit, welche auf systemkonformen Wegen nicht zu beseitigen sind, da die Eliten des Systems, welche die Veränderung des bestehenden Systems, versuchen zu verhindern (vgl. ebd.: 21). Diese Erscheinungsform gilt als „revolutionär“, da sie die Umwälzung von beste­henden staatlichen Strukturen anstrebt und ist als „sozial“ insofern zu verstehen, als sie den ökonomisch unterdrückten, bzw. benachteiligten Bevölkerungen eine materielle Verbesserung verschaffen möchte (vgl. ebd.: 22). Hierbei ist anzumerken, dass jene unterdrückte Bevölke­rung nicht den Aktivisten zugehörig ist. Die Aktivisten sehen sich als kämpfende Avantgarde für, sowohl wirtschaftlich als auch politisch Benachteiligte und unterdrückte Dritte und stre­ben einen Anstoß zur Mobilisierung der Massen für eine gerechtere Welt an (vgl. ebd.: 21f.). In ihrem Selbstverständnis besteht ihr Aktivismus im Kampf gegen ein als ungerecht empfun­denes System, in dem sie sich selber nicht als Terroristen sehen, sondern als „legitime Wider­stands- und Freiheitskämpfer“ (ebd.: 12). „Während die Behörden diese Erscheinungsform stets als Verbrechen deklarieren, stellt der sozialrevolutionäre Terrorismus in seinem Eigen­verständnis den revolutionären Kampf einer „Guerilla“ für eine gerechtere und humanere Welt dar.“ (ebd.: 22)

Speziell für sozialrevolutionäre Vereinigungen ist die hierarchische Organisierung, in welcher die Führungsebene sich aus den zuverlässigsten und gewaltbereitesten Protagonisten zusam­mensetzt, welche einer strengen Vorselektion untergehen bevor sie in die Führungsstruktur einbezogen werden (vgl. ebd.: 24). Die Ziele solcher Organisationen sind an ideologischen Ausrichtungen geknüpft und daher gut einzugrenzen. So lassen sich sowohl, die Ausrichtun­gen der Erscheinungsformen auf bestimmten Etappenzielen, als auch die Zahl der möglichen Opfer gut bestimmten. Der Aktionismus dieser Gruppen ist national eingegrenzt und eine in­ternationale Tendenz daher nicht ablesbar (vgl. ebd.: 25). Ebenso typisch für sozialrevolutio- !4 näre Vereinigungen ist das Bedürfnis der schriftlichen Begründung des eigenen Aktionismus, um zusätzliche Legitimität zu verschaffen. Ziel hierbei ist es, eigene Ideen unter der Bevölke­rung zu verbreiten, um ein breites Unterstützungs- und Rekrutierungsresevoir zu schaffen (vgl. ebd.).

Grundsätzlich bestehen aus ideologischen Gründen, kaum Querverbindungen zur organisier­ten Kriminalität, oder semilegalen Organisationen aus Wirtschaftszweigen. Das Liquiditäts­problem von sozialrevolutionären Vereinigungen führte somit zur maßgeblichen Einschrän­kung ihres Aktionismus. Banküberfälle der Führungsebene, zur Finanzierung der Revolution, gefährdeten jedoch grundsätzlich die eigene Organisation (vgl. ebd.).

2.2. Radikalisierung

Nicht nur ist die Diskussion um die Terminologie des Terrorimsus weitereichend umstritten, sondern auch die, der Begriffe „Radikal“ und „Radikalisierung“ (vgl. Straßner 2008: 13; Dal- gaard-Nielsen 2010: 789). Allerdings wurde durch Dalgaar-Nielsen eine weitreichend akzep­tierte Definition vorgelegt (vgl. Bock 2017: 451), an welche die folgende Arbeit anzuknüpfen ist:

„Here, a radical is understood as a person harboring a deep-felt desire for fundamental so- ciopolitical changes and radicalization is understood as a growing readiness to pursue and support far reaching changes in society that conflict with, or pose a direct threat to, the existing order. [...] - a process in which radical ideas are accompanied by the development of a willingness to directly support or engage in violent acts.“ (Dalgaard-Nielsen 2010: 789)

2.2.1. Französische Soziologie

Gilles Kepel (2004), Farhad Khosrokhavar und David Macey (2005) und Oliver Roy (2004) verkündeten, dass Radikalisierung nicht eine Reaktion politischer Unterdrückung, oder öko­nomischer Entbehrung sei. Vielmehr tritt Radikalisierung auf, wenn Individuen versuchen, eine verlorene Identität, in einer als feindselig und verwirrend empfundenen Welt zu rekon­struieren (vgl. Daalgard-Nielsen 2010: 799). Diejenigen, welche auf der Suche nach einer überzeugenden Identität sind, fühlen sich besonders zu radikalen Gruppen und Ideologien hingezogen, die sowohl Identitäts- als auch Verhaltensrichtlinien bieten (vgl. Veldhuis/Staun 2009: 70).

Eine einzige Erklärung für gewalttätige Radikalisierung oder auch ein Täterprofil für Radikale in Europa gibt es nicht. Vielmehr dienen klassische soziologische Faktoren wie sozioökono­mische Marginalisierung, mangelnde Bildung, nachbarschaftliche Solidarität und Gruppen­zwang, als Erklärung für Radikalisierung innerhalb Europas unteren Schichten (vgl. Khosrok- havar/Macey 2005: 25). Allerdings besteht die Möglichkeit für eine radikale und gewalttätige Auslegung des Islams auch für Mitglieder einer wohlhabenden, scheinbar gut integrierten, muslimischen Mittelschicht in Europa. Also den Personen, denen es offensichtlich nicht an Bildung, Arbeitsmöglichkeiten oder Ressourcen fehlt (vgl. ebd.).

Im Kern entsteht Radikalisierung jedoch aus den besonderen Herausforderungen, denen sich eine zunehmend verwestlichte Generation junger Muslime in Europa gegenübersieht, die ver­sucht ihre Identität zu finden (vgl. Daalgard-Nielsen 2010: 799f.). Vor allem bei der zweiten und dritten Generation muslimischer Einwanderer, führen westliche Trends wie Individuali­sierung und Werterelativismus zur vermehrten Suche nach Identität, Sinn und Gemeinschaft. Diese Generation ist insoweit verwestlicht, als sie sich nicht mehr als Teil der Gemeinschaft der Heimat ihrer Eltern fühlen, sondern als heimatlos (vgl. Khosrokhavar/Macey 2005: 185). Sie erleben verschiedene Formen der Diskriminierung und sozioökonomischer Benachteili­gung in manchen europäischen Gesellschaften, was nach Khosrokhavar und Roy zu einem Gefühl der doppelten Nicht-Zugehörigkeit führt (vgl. Dalgaard-Nielsen 2010: 800; Veldhuis/ Staun 2009: 41).

Die Ummah oder auch „neo-ummah“, ist ein weiteres Schlüsselkonzept des militanten Isla­mismus und wird hierbei zu einer transnationalen, sogar virtuellen Gesellschaft (vgl. Dal- gaard-Nielsen 2017: 800/ Veldhuis/Staun 2009: 35), welche als Ventil für Frustration des all­täglich empfundenen Rassismus dienen soll (vgl. Daalgard-Nielsen 2010: 800). Der universel­le Islam zieht vor allem junge Muslime an, die sich in westlichen Gesellschaften entfremdet, diskriminiert und ausgeschlossen fühlen. Er bietet eine Reihe von Verhaltensregeln, während diese auch innerhalb der Ummah eine befriedigende Identität finden, die sie mit anderen Mus­limen verbindet, für die die Nationalität irrelevant wird (vgl. Veldhuis/Staun 2009: 36,41). Gleichzeitig verweist dieser auf die Dekadenz und Korruption der europäischen Gesellschaft und erlaubt somit dem Einzelnen, seinen perzipierten Ausschluss nicht als ein Ergebnis des eigenen Versagens anzusehen, sondern als Resultat einer feindseligen westlichen Kultur, in der es keinen Platz für Muslime gibt (vgl. Kepel 2004: 250; Khosrokhavar/Macey 2005: 175). Die Konstruktion eines Gefühls von Solidarität von Muslimen in Europa, mit den Muslimen in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt wird dabei angestrebt und durch Bilder von leiden­den Zivilisten in Konfliktgebieten und emotionalen Appellen zu ihrer Rettung im Propagan­damaterial militanter Gruppen untermauert. Lokale Erfahrungen aus erster Hand mit ver­schiedenen Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung in Europa, ob tatsächlich oder vermeintlich, werden so mit dem Leiden von Muslimen auf der ganzen Welt verknüpft und nähern daher das Bild eines arroganten, überheblichen Westens, der mit korrupten und unde­mokratischen lokalen Regimen verbündet ist und Muslime in aller Welt durchgehend angreift und demütigt (vgl. Dalgaard-Nielsen 2017: 800). Diese Art von emotionalem Appell ist ein bemerkenswertes Merkmal der „home-grown radicalization“, indem er mithilfe der Viktimi- sierung von muslimischen Mitmenschen diejenigen ansprechen, welche sich mit der Gemein­schaft der Gläubigen (der Ummah) am meisten identifizieren und denen, die am Ehesten auf das wahrgenommene Leid der Mitglieder stark reagieren. Also denen, für die das Muslim­Sein am wichtigsten für das Selbstverständnis ist (vgl. Veldhuis/Staun 2009: 51).

2.2.2. Theorie des Framings

Wissenschaftler Quintan Wiktorowicz auf der anderen Seite spricht dafür, dass gewaltsame Radikalisierung innerhalb kleiner Gruppen stattfindet. In dieser führen zwischenmenschliche Bindungen, Gruppenzwang und Indoktrination, zur veränderten Weltsicht des Einzelnen, in­dem radikale Ideen innerhalb sozialer Netzwerke übertragen werden (vgl. Dalgaard-Nielsen 2010: 801). Ein Frame ist dabei die Weltsicht eines Individuums, bestehend aus Werten (Vor­stellungen über richtig und falsch) und Überzeugungen (Annahmen über die Welt, Eigen­schaften von Dingen und Mechanismen der Verursachung) (vgl. ebd.). Diese Frames stellen einen wichtigen Bestandteil für soziale Bewegungen dar, da sie der Produktion und Dissemi­nation von Bewegungsinterpretationen dienen, sowohl der Mobilisierung von Teilnehmern als auch der Unterstützung (vgl. Wiktorowicz 2004 : 15).

David Snow und Robert Benford (1988) identifizierten drei Kernaufgaben des Framing für soziale Bewegungen:

1. Erstens konstruieren Bewegungen Frames, die einen Zustand als ein Problem diagnosti­zieren, das behoben werden muss. Dazu gehören Zuschreibungen von Verantwortung und Schuldzuweisungen.
2. Zweitens bieten Bewegungen Lösungen für das Problem an, einschließlich spezifischer Taktiken und Strategien, die als Mittel zur Verbesserung der Ungerechtigkeit dienen sol­len.
3. Und drittens liefern Bewegungen eine Begründung, um Unterstützung und kollektives Handeln zu motivieren. Auch wenn potenzielle Teilnehmer gemeinsame Erkenntnisse über Ursachen und Lösungen für ein bestimmtes Problem haben, werden motivierende Rahmen benötigt, um potenzielle Teilnehmer davon zu überzeugen, sich tatsächlich zu engagieren, um so die Zuschauer in Teilnehmer der Bewegung zu verwandeln (vgl. Wiktorowicz 2004:16).

Die Frame-Resonanz stellt hierbei eine kritische Dimension des Framing Prozesses dar, da die Fähigkeit, Mobilisierungspotenzial in tatsächliche Mobilisierung umzuwandeln, an der Fähig­keit des Rahmens und den potenziellen Teilnehmern abhängt. Sobald auf indigene kulturelle Symbole, Sprache und Identitäten zurückgegriffen wird, wirkt die Nachhaltigkeit der Anhän­ger fördernd auf die Mobilisierung (vgl. ebd.). Jedoch ist die Resonanz zudem vom Ansehen der Person/Gruppe, die den Rahmen artikuliert, als auch von der persönlichen Bedeutung, der Konsistenz und der Glaubwürdigkeit, abhängig (vgl. Benford und Snow 2000: 619).

Framing Theorie versucht zusammenfassend, gewalttätige Radikalisierung und Terrorismus durch die ausgeprägte konstruierte Realität zu erklären, in die Mitglieder gewalttätiger Grup­pen sozialisiert werden. Die konstruierte Realität und/oder Weltanschauung rahmt Probleme nicht als Unglücksfälle, sondern als Ungerechtigkeiten. Es werden Argumente für die Wirk­samkeit oder moralische Rechtfertigung der Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten kon­struiert, um das wahrgenommene Unrecht zu korrigieren. (vgl. Dalgaard-Nielsen 2010: 802)

3. Anwendbarkeit von Radikalisierungstheorien

Im folgenden Abschnitt werden die Theorien, aus dem vorangegangenem Kapitel, in ihrer Anwendbarkeit auf die Roten Armee Fraktion genauer analysiert. Zuvor wird der Untersu­chungsgegenstand der RAF kurz vorgestellt.

3.1. Der Untersuchungsgegenstand: Die Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Rote Armee Fraktion, vorerst bekannt unter der Baader-Meinhof Gruppe, hatte ihren Ur­sprung in den Protesten der 60er Jahre.1 Die Tatsache, dass in den Augen der Studenten, die öffentliche Meinung durch die Springer Presse manipuliert wurde, führte schlussendlich zu den Massendemonstrationen im Jahr 1967 (vgl. Straßner 2008: 212). Während der Revolte fanden leninistisch-avantgardistische Ansichten ihre ersten Legitimationsgrundlagen für wei­tere Tätigkeiten, welche während den Demonstrationen des 2. Juni 1967 ihren Höhepunkt der Studentenproteste erreichten. Benno Ohnesorg, welcher gegen das persische Schah-Regime demonstrierte, fiel des Todes Opfer durch die Polizei. (vgl. Straßner 2008: 213)

„Der Initiationsakt des bundesdeutschen Linksterrorismus fand am 2. April 1968 statt, als die „noch ungeübten Hobbyanarchisten“ Andreas Bader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnelein in zwei Frankfurter Kaufhäuser Feuer legten.“ (Kailitz 2007: 69) Daraufhin wurden die Brandstifter zu drei Jahren Haft verurteilt und widmeten sich einem Frankfurter Sozialprojekt, bei dem sie in Kontakt mit der bekannten Hamburger Journalistin Ulrike Mein­hof kamen. Während des Prozesses wurden Ensslin und Baader durch Horst Mahler vertei­digt, jedoch Erfolgslos und setzten sich deshalb in Italien ab - kehrten allerdings auf Zurede Mahlers wieder nach Berlin zurück. Mahler schlug vor, eine militante Gruppe aufzubauen und bildete somit, aus einer Fusion zweier konkurrierender Initiativgruppen, den Kernkader der RAF (vgl. Kailitz 2007: 69).

Im April 1970 nahm die Polzei, Andreas Baader bei einer Verkehrskontrolle fest. Die gewalt­same Befreiung Baaders am 14. 05. 1970 markiert dabei die Geburtsstunde der RAF. An der Aktion hatten sich Gudrun Ensslin, Horst Mahler als auch Ulrike Meinhof beteiligt, welche hiermit ihre journalistische Karriere beendete und mit den anderen in den Untergrund ging (vgl. Kailitz 2007: 70). Nach der Befreiung Baaders reiste der Kernkader bestehend aus Baa­der, Ensslin, Mahler und Meinhof, in Begleitung von 20 weiteren militanten, in ein jordani­sches Ausbildungslager, nach El Fatah, wo Mahler durch Baader und Ensslin degradiert wur­de und diese selbst die Führung übernahmen. Bald schon kam es zu Spannungen mit den pa­lästinensischen Gastgebern und die Gruppe kehrte nach Berlin zurück, wo sie den bewaffne­ten Kampf vorbereiteten. So erschien im Juni 1970 in der Subkultur Zeitschrift Agit 883 die erste öffentliche Erklärung der RAF unter dem Titel „Rote Armee Fraktion aufbauen“ und kündigte darin den Beginn ihres Kampfes an: „Die Klassenkämpfe entfalten. Das Proletariat organisieren. Mit dem bewaffneten Widerstand beginnen. Die Rote Armee aufbauen!" (Kailitz 2007: 71) Nach der Rückkehr aus Jordanien überfiel die Gruppe zunächst mehrere Banken und brach in ein Rathaus ein, um sich Geld und Blankopapiere zu beschaffen und den bewaff­neten Kampf finanzieren zu können. Im Oktober desselben Jahres wurde Horst Mahler ver­haftet. Meinhof wurde schließlich beauftragt, ein Manifest mit den Zielen der Gruppe zu ent­wickeln und veröffentlichte „Das Konzept der Stadtguerilla. Hierin tauchte erstmals der Name Rote Armee Fraktion auf. (vgl. ebd.) Die RAF kündigte hiermit den Beginn „des antiimperia­listischen Kampfs in der Bundesrepublik durch eine Stadtguerilla an.“ (Kailitz 2007: 71) Im Mai 1972 brach daraufhin die Terror-Offensive los. Innerhalb weniger Tage verübte die RAF Bombenanschläge auf das Hauptquartier des V. Armeekorps der US-Streitkräfte in Frankfurt am Main, das Augsburger Polizeipräsidium, das bayerische Landeskriminalamt in München, den Wagen des Bundesrichters Wolfgang Buddenberg, das Hochhaus des Springer Verlags in Hamburg und das Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Europa in Hei­delberg. „Die Anschläge hatten den Tod von Menschen nicht nur in Kauf genommen, sondern geplant.“ (Kailitz 2007: 72) Wenige Wochen später wurden nach Hinweisen aus der Bevölke­rung erst Holger Meins, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe festgenommen und schließlich auch Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Nichtdestotzrotz versuchten die Führungskräfte aus der Haft, den Kampf fortzusetzen, indem sie über ein Info-System untereinander und mit ih­ren Anwälten kommunizierten. Mithilfe von sogenannten „Schulungsbriefe[n] für RAF Sym­pathisanten, formierte sich eine zweite Generation der RAF und erhielt konkrete Anweisun­gen aus dem Führungskader. Innerhalb der Haftanstalt führte die erste Generation der RAF Hungerstreiks durch. Sie versuchten bessere Haftbedingungen zu erzwingen, forderten die Gleichbehandlung politischer und anderen gefangener, sowie die Aufhebung der Isolation. Die Hungerstreiks führten schließlich im November 1974 zum Tod Holger Meins.

Ab 1975 waren Meinhof, Ensslin, Baader und Raspe gemeinsam in der Justizvollzugsanstalt Stammheim untergebracht. Im April desselben Jahres besetzte das „Kommando Holger Meins“ die deutsche Botschaft in Stockholm, forderte die Freilassung 26 politisch gefangener und töteten im Verlauf der Geiselnahme zwei Botschaftsmitglieder.

Am 21. Mai 1975 begann das „Stammheim-Verfahren“ gegen den Gründerkader der RAF. Ulrike Meinhof wurde am 08. Mai 1976 tot in ihrer Zelle aufgefunden. Die offiziellen Unter­suchungen besagten, dass sich Meinhof in ihrer eigenen Zelle erhängt hatte, was zu zweifeln­den Stimmen führte (vgl. Kailitz 2007: 73). Folglich ermordete das „Kommando Ulrike Meinhof“ am 07. April 1977 den Generalbundesanwalt Siegfried Buback und verantworten- diesen für die Ermordung an Holger Meins, Siegfried Hausner und Ulrike Meinhof. Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe wurden zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt, welche sie im eigens umgebauten Stammheimer Terroristentrakt, in den weitere RAF Mitglie­der verlegt worden waren, verbringen sollten.

Im September 1977 entführte das „Kommando Siegfried Hausner“ den Arbeitgeberpräsiden­ten Hans Martin Schleyer, wobei vier seiner Begleiter ums Leben kamen. Sie forderten die Freilassung von elf RAF Mitgliedern, inklusive Baader und Ensslin. Für den damaligen Bun­deskanzler Schmid kam die Verhandlung mit Terroristen nicht infrage und er entschied sich gegen die Freilassung.

Am 13. Oktober 1977 entführten daraufhin palästinensische Terroristen die Lufthansa Ma­schine Landshut, ermordeten die Piloten und forderten ebenso die Freilassung der Terroristen. In derselben Nacht begingen in Stammheim Jan-Carl Raspe, Andreas Bader und Gudrun Ens­slin Selbstmord und am nächsten Tag fand man Hans Martin Schleyer tot in seinem Wagen.

Der Tod des Führungskaders hatte dem deutschen Linksterrorismus einen schweren Schlag zugeführt (vgl. Kailitz 2007: 75). Der jahrelange Versuch der zweiten und dritten RAF Gene­ration drehte sich um die Frage, wie man den Führungskreis befreien könnte. So verübte in den 80er und 90er Jahre die dritte Generation mehrfach Anschläge, mit absichtlich gezielter Tötung von Menschen, um der revolutionären Wirkung mehr Gewicht zu verleihen (vgl. Kai- litz 2007: 75). Am 20. April, nach fast 30 Jahren, erklärte die Gruppe in einem Schreiben an die Nachrichtenagentur Reuters, ihre Auflösung.

3.2. Radikalisierung aufgrund soziologischer Faktoren

Mangelnde Bildung, nachbarschaftliche Solidarität, sozioökonomische Marginalisierung und Gruppenzwang werden als Erklärungsansatz innerhalb der französischen Soziologie zur Radi­kalisierung herangezogen. Diese Punkte werden in der folgenden Analyse, am Beispiel der RAF, näher untersucht.

Generell entstehen sozialrevolutionäre Gruppierungen, wie die RAF, unter Prämissen von so­zialen Schieflagen und gesellschaftlicher Verkrustungen. Also dort, wo ein revolutionärer Umsturz notwendig erscheint, da die staatliche Autorität nicht dem Wohle der Gesamtbevöl­kerung dient, sondern nur der Bourgeoisie und dem Kapital (vgl. Straßner 2008: 21). Die RAF in Kombination mit der einhergehenden Ideologie, setzte sich im Kampf für Unterdrückte und materiell Ausgebeutete einer anderen Schicht ein. Sie sahen sich selbst als marxistische Avantgarde im Kampf für eine „gerechtere Welt“. Diese Stellvertreterschaft lässt sich in den vielen Aktionen der RAF, wie zum Beispiel der Bombenanschläge auf US-Amerikanische Hauptquartiere, wiederspiegeln. Die Radikalisierung der Baader Meinhof Gruppe lässt sich somit, entgegen der Theorie, als Reaktion auf politische Unterdrückung oder ökonomische Entbehrung zurückführen, da sie sich als avantgardistische Revolutionäre für Unterdrückte der dritten Welt einsetzten.

3.2.1. Sozioökonomische Marginalisierung

Es stellt sich die Frage, ob die Radikalisierung der RAF unter der Voraussetzung auftrat, so­fern eine verlorene Identität in einer, als feindselig und verwirrend empfundenen Welt, welche zu rekonstruieren versucht wird. Also ob sich die Baader Meinhof Gruppe aufgrund westli­cher Trends wie Individualisierung und Werterelativismus vermehrt der Suche nach Identität, Sinn und Gemeinschaft hingab. Auch ist zu untersuchen, ob bei ihnen eine sogenannte dop­pelte Nicht-Zugehörigkeit bestand, welche in Form einer Heimatlosigkeit vorlag.

In Deutschland führte Ende der 60er-Jahre die kulturelle und normative Infragestellung der gesellschaftlichen Ordnung, durch die Studenten und Lehrlinge und die „Tatsache, dass eine echte parlamentarische Opposition angesichts der strukturellen und quantitativen Schwäche der FDP im Bundestag nicht mehr gewährleistet werden konnte“ (Straßner 2007: 103), zur vermehrten Aktivität auf der Straße. Diese sich nun als außerparlamentarische Opposition be­zeichnende, verfügten über das nötige Rüstzeug um auf die eigenen Anliegen aufmerksam machen zu können (vgl. Straßner 2007: 103). Der andauernde Krieg in Vietnam, insbesondere die Napalm-Bombardements der USA auf weite Landstriche in Südvietnam, waren Hauptbe­weggründe der 68er-Protestbewegungen, sowie die wahrgenommene Ausbeutung und Unter­drückung der „Dritte-Welt-Länder“ durch die Industrienationen, und lassen einen deutlichen Feind erkennen. Auch kritisierte die außerparlamentarische Opposition sowohl das westliche Konsumverhalten, als auch den Luxus und identifizierte sich stattdessen mit den armen Län­dern der Dritten Welt (vgl. Moghandam 2012: 158). Während die Auseinandersetzungen mehrfach in den Medien ausgetragen wurden, aber durch diese unwesentlich beeinflusst bzw. angefacht wurden, sahen die Studenten die öffentliche Meinung der Bundesrepublik, durch die konservative Springerpresse manipuliert (vgl. Straßner 2007: 104). Der Feind an sich ist nicht mehr nur der Imperialismus der US Amerikaner, sondern auch der latent faschistische Staat der Bundesrepublik: „Durch Entwicklungs- und Militärhilfen an den Aggressionskrie­gen der USA beteiligt, profitiert die Bundesrepublik von der Ausbeutung der Dritten Welt, ohne die Verantwortung für diese Kriege zu haben, ohne sich deswegen mit einer Opposition im inneren Streiten zu müssen. Nicht weniger aggressiv als der US-Imperialismus ist sie doch weniger angreifbar. Die politischen Möglichkeiten des Imperialismus sind hier weder in ihrer reformistischen noch in ihrer faschistischen Variante erschöpft; seine Fähigkeiten, die von ihm selbst erzeugten Widersprüche zu integrieren oder zu unterdrücken, nicht am Ende.“ (o.V. 1997: 33)

[...]


1 Hiermit wird kein kausaler bzw. linearer Zusammenhang der Studentenbewegung und der Gründung der RAF konstituiert. Vielmehr sollen erste Gewaltereignisse, welche im Rahmen der Studentenbewegung stattfanden, einen Rückschluss auf die Umstände der RAF-Radikalisierung ziehen lassen.

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Die Heterogenität der Terrorismusforschung. Eine Analyse von Radikalisierungstheorien und Radikalisierungsprozessen in der "Roten Armee Fraktion" (RAF)
Hochschule
Universität Regensburg  (Politikwissenschaft)
Note
2.0
Autor
Jahr
2021
Seiten
41
Katalognummer
V1133827
ISBN (eBook)
9783346509680
ISBN (Buch)
9783346509697
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Terrorismus, RAF, Rote Armee Fraktion, Radikalisierung, Radikalisierungstheorie
Arbeit zitieren
Nicole Brandlmeier (Autor:in), 2021, Die Heterogenität der Terrorismusforschung. Eine Analyse von Radikalisierungstheorien und Radikalisierungsprozessen in der "Roten Armee Fraktion" (RAF), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133827

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