Ursprünglich war vorgesehen, dass sich diese Studienarbeit ausschließlich auf die Zeit des Nationalsozialismus bezieht. Dies ergab sich aus der Gestaltung der Lehrveranstaltung und der einschlägigen Literatur von Harald Welzer.
Während der Vorbereitung dazu wurde mir die Aktualität des Phänomens „Massenmord“ bewusst. Es ist erstaunlich, wie häufig man bei bewusster Betrachtung der Medien mit entsprechenden Gewalttaten konfrontiert wird. Dies sind beispielsweise gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppen auf anderen Kontinenten oder Amoktaten im eigenen Land. Auffällig ist, dass man dabei schnell dazu neigt, die von den Medien propagierten Gründe unreflektiert übernimmt.
Allerdings lassen sich bei genauerer Betrachtung eine Vielzahl weiterer auslösender Faktoren finden. Bei deren Bewertung sind die in der Zeit des Nationalsozialismus relevanten Auslöser auf die heutige Zeit durchaus in Teilen übertragbar. Die Grausamkeit der damaligen Taten soll durch die Auseinandersetzung mit den aktuellen Geschehnissen nicht abgeschwächt werden. Es ist aus meiner Sicht gerade deshalb wichtig, sich mit den Auslösern zu befassen, um weiteren Taten vorzubeugen.
In den nachfolgenden Ausführungen befasse ich mich zunächst mit den gesamtgesellschaftlichen Deutungsmustern und im Anschluss daran mit der sozialen Situation der Täter. Daneben gehe ich kurz auf die individuelle psychische Disposition der Täter, sowie sonstige Einflussfaktoren ein. Bevor ich mit einer Zusammenfassung ende, stelle ich noch die aktuellen Tendenzen dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionen
2. Erklärungsansätze
2.1 Gesamtgesellschaftliche Deutungsmuster
2.1.1 in der heutigen Zeit
2.1.1.1 Akzeptanz und Verständnis von Gewalt
2.1.1.2 Gesellschaftliche Integrationsmöglichkeiten für den Einzelnen
2.1.1.3 Auswirkungen kultureller und religiöser Traditionen
2.1.2 zur Zeit des Nationalsozialismus
2.1.2.1 Klare Befehlsstruktur bewirkt Wertewandel
2.1.2.2 Mechanisierungen der Taten als psychologischer Schutz
2.2 Soziale Situation der Täter
2.2.1 Persönliche Faktoren
2.2.2 Umweltbedingte Auslöser
2.3 Individuelle psychische Disposition
2.4 Sonstige Einflussfaktoren
2.4.1 Physische Erkrankungen
2.4.2 Intoxikationen
3. Aktuelle Tendenzen
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Studienarbeit untersucht die Entstehung von Massenmördern und analysiert, wie scheinbar normale Menschen zu solch extremen Gewalttaten fähig werden, wobei ein besonderer Fokus auf die Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Deutungsmustern, der sozialen Lebenssituation und der individuellen psychischen Disposition liegt.
- Analyse gesamtgesellschaftlicher Einflussfaktoren in Geschichte und Gegenwart.
- Untersuchung der sozialen Situation und persönlicher Faktoren bei Tätern.
- Psychologische Dispositionen und ihre Rolle bei der Entstehung von Gewalttaten.
- Aktuelle Tendenzen bei sogenannten „School Shootings“ in Deutschland.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Präventionsnotwendigkeit.
Auszug aus dem Buch
2.1.2.2 Mechanisierung der Taten als psychologischer Schutz
Welzer beschreibt die Ausführungen der Massenmorde als eine „Mechanisierung der Taten“. Aus Vernehmungsprotokollen zieht Welzer den Schluss: „Dass die Tötungsarbeit zwar als Zumutung, aber doch als unvermeidbar wahrgenommen wurde, ebenso wie das Akkordhafte, Mechanische, aber auch das Perfektionistische der Arbeit, schließlich die Arbeitsteiligkeit des Tötens selbst.“ (vgl. Welzer, 2005, S. 260)
Anfangs bestand zumindest vereinzelt Kindern gegenüber noch eine gewisse Hemmschwelle. Innerhalb weniger Monate wurden die Tötungen Normalität und reines Handwerk und auch diese Hemmung fiel.
Es fand eine Entwicklung des Tötungsprozesses statt, die es den Mördern ermöglichte, eine emotionale Distanz zu den Opfern zu wahren. Die Hinrichtungen erfolgten oft ohne Pausen, so dass für die Täter keine Zeit zum Nachdenken blieb.
Auch Jahre danach, dies belegen Vernehmungen der Täter, empfinden diese weder Schuldgefühle noch Reue. (vgl. Welzer, 2005, S. 218-219)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen: In diesem Kapitel werden grundlegende Fachbegriffe wie Massenmord, Täter, Gewalt und Amok anhand lexikalischer Definitionen geklärt, um eine einheitliche Basis für die weiteren Ausführungen zu schaffen.
2. Erklärungsansätze: Hier erfolgt eine differenzierte Untersuchung der verschiedenen Faktoren, die zur Entwicklung von Tötungsbereitschaft führen können, unterteilt in gesellschaftliche, soziale, individuelle und sonstige Aspekte.
3. Aktuelle Tendenzen: Dieses Kapitel widmet sich modernen Phänomenen wie den „School Shootings“ und untersucht die kriminologischen Erkenntnisse zu Täterprofilen und Auslösern bei jugendlichen Gewalttätern.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, betont die Bedeutung der gesellschaftlichen Wertvorstellungen und unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema Manipulation und Gewaltprävention nicht zu tabuisieren.
Schlüsselwörter
Massenmord, Gewalt, Nationalsozialismus, Psychologie, Gruppendynamik, Soziale Situation, Individuelle Disposition, Amok, School Shootings, Prävention, Manipulation, Täter, Aggression, Wertewandel, Kriminologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe und psychologischen sowie gesellschaftlichen Bedingungen, die dazu führen, dass Menschen zu Massenmördern werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf gesamtgesellschaftlichen Deutungsmustern, der sozialen Lebenssituation der Täter und deren individuellen psychischen Verfassungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die den Übergang vom „normalen“ Menschen zum Täter ermöglichen, und dabei Parallelen zwischen historischen und aktuellen Geschehnissen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, kriminologischer Studien und historischer Quellen basiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Im Hauptteil werden neben gesellschaftlichen Deutungsmustern (einschließlich des Nationalsozialismus) auch persönliche Faktoren, umweltbedingte Auslöser, individuelle Dispositionen sowie physische Erkrankungen und Intoxikationen beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Massenmord, Gruppendynamik, Manipulation, psychische Disposition sowie Prävention im schulischen Kontext.
Wie unterscheidet die Arbeit die Täter im Nationalsozialismus von modernen Fällen?
Die Arbeit stellt fest, dass während im Nationalsozialismus klare Befehlsstrukturen und eine Mechanisierung der Taten entscheidend waren, bei modernen Taten oft individuelle Kränkungen und dysfunktionale soziale Situationen im Vordergrund stehen.
Welche Rolle spielt die „Mechanisierung der Taten“ für die Täter?
Die Mechanisierung diente laut den zitierten Quellen als psychologischer Schutzmechanismus, um emotionale Distanz zu den Opfern zu wahren und moralische Skrupel durch eine Arbeitsteiligkeit des Tötens zu umgehen.
Warum wird das Thema „School Shootings“ als besonders brisant eingestuft?
Die Autorin sieht hier eine besondere Dringlichkeit, da sie den schulischen Bereich als ein Feld mit besseren Interventionsmöglichkeiten betrachtet als bei erwachsenen Gewalttätern.
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- Stephanie Kaiser (Author), 2008, Wie werden aus ganz normalen Menschen Massenmörder?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113392