Mit der Weiterentwicklung der Internettechnologie in den letzten zehn Jahren geht die vermehrte Verbreitung von Musik in digitaler Form einher, was nicht zuletzt an der Zunahme von Bandbreiten und damit schnelleren Übertragungsmöglichkeiten der Daten liegt. Mit dem Terminus ‚Musik im Internet‟ assoziieren viele Menschen vorrangig illegale Downloads, Tauschbörsen und Urheberrechtsverletzungen. Doch tatsächlich tritt Musik im Internet in vielen verschiedenen Facetten auf - von Hintergrundmusik auf Webseiten über den elektronischen Versand von Noten und sich präsentierenden Verlagen hin zu Musikportalen in Form von eZines und Webseiten, die Videoclips zur Verfügung stellen.
Jedes musikalische Genre weist hierbei spezifische Merkmale auf, die auch die jeweiligen Erscheinungsformen der Angebote im Internet beeinflussen. Das Gros der Liebhaber von klassischer Musik, Weltmusik, Blues und Jazz verfügt in der Mehrzahl über einen überdurchschnittlichen Bildungsstand und sozialen Status, ist meist jenseits der 45 Jahre und oft nicht mit den neuen Medien vertraut, weshalb dieses Hörerklientel dazu geneigt ist, Tonträger und Zeitschriften im Handel zu erwerben. Infolgedessen stellen einerseits die Internetauftritte der Zeitschriften meist nur Inhaltsverzeichnisse der aktuellen Ausgabe bereit, andererseits weisen die Verkaufszahlen im Jazz- und Klassikbereich weniger Einbrüche durch illegale Downloads auf, wie sie beispielsweise im Popbereich festzustellen sind, bei dem ‚kurzlebige Hits„ immer mehr illegal beschafft werden - die Maxi-CD hat die stärksten Einbrüche der gesamten Musikbranche zu verzeichnen und verkam in den letzten Jahren mehr und mehr zum reinen Promotioninstrument. Volksmusik und Schlager sprechen wie auch der Jazz größtenteils ein älteres, konservativeres Publikum an, das die Tonträger im Handel erwirbt anstatt sie herunterzuladen - nicht zuletzt aus der Angst der unkontrollierten Datenpreisgabe beim Kauf im Internet heraus. Reggae, Hip Hop und R&B bleiben in ihrer Reinform in Deutschland eher Nischenerscheinungen, die durch nur wenige Fanzines im Internet und spezialisierte Magazine im Handel vertreten sind.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Das neue Medium Internet
2.1 Vom ARPANet zum www
2.2 Besonderheiten des Internet im Vergleich zu bisherigen (Massen-)medien
2.2.1 Definition von Massenmedien
2.2.2 Das Internet: Zwischen Massen- und Individualitätskommunikation
III Urheberrecht und verwandte Leistungsschutzrechte
3.1 Urheberrecht und verwandte Schutzrechte
3.2 Weltweite Bestimmungen und deren Umsetzung
3.3 GEMA und GVL
3.4 Creative Commons License
IV Subkulturen - Teilkulturen - Gegenkulturen - Jugendkulturen
V Die Punkbewegung
5.1 Entstehung der Punkbewegung
5.1.1 Begriffsdefinition
5.1.2 Vorläufer und Einflüsse
5.2 Entwicklungstendenzen
5.2.1 USA
5.2.2 England
5.2.3 Deutschland
5.3 Aufsplittung in Subgenres
5.3.1 Hardcore
5.3.2 Grunge und Riot Grrrl-Bewegung
5.3.3 Antifolk
5.3.4 Weitere Subgenres
VI Die Entwicklung der Elektronischen Musik
6.1 Von der Musique concrete zum HipHop
6.2 Von Chicago und Detroit nach Europa
6.3 Frankfurt und Berlin
6.4 Ausdifferenzierung der elektronischen Musik
VII Kommunikations- und Distributionsformen von Punk und Elektro im Vergleich
7.1 Tonträger
7.1.1 Entwicklung: Vom Phonographen zur mp3
7.1.2 Tonträger in Punk und Elektro
7.2 Musikmagazine und Fanzines
7.2.1 Magazine
7.2.2 Fanzines
7.2.2 Printmedien des Punks
7.2.3 Von Groove bis De:Bug
7.3 Online-Fanzines
7.4 Künstler-Webseiten und deren myspace-Auftritte
7.4.1 Homepages
7.4.2 myspace.com
7.4.3 Punkbands
7.4.4 DJs
7.4.5 Das Gesamtkonzept Cocoon
7.5 Radios und Webradios
7.5.1 Webradio vs. Radio im Web
7.5.2 Radionutzung von Punk und Elektro
7.6 physische und non-physische Distributionsformen
7.6.1 P2P-Filesharing-Netzwerke
7.6.2 Music-On-Demand
7.6.3 Kostenlose, legale Angebote
7.6.4 Versandhandel
7.6.5 Vertriebe
7.7 Label und Netlabel
7.7.1 Label
7.7.2 Netlabel
7.7.3 Punk-Label
7.7.4 elektronische Label
7.8 Podcasts
7.9 Videoclips und Konzertübertragungen
7.10 Flyer
7.11 Liveauftritte
7.12 Newsletter und Foren
7.13 Plattenläden als Szenetreffpunkt
XIII Punk vs. Elektro - Gemeinsamkeiten und Differenzen
8.1 Gesellschaftliche Vergleichsaspekte
8.2 Kleidung
8.3 Do It Yourself (DIY)
IX Zusammenfassender Vergleich der Kommunikations- und Distributionsformen beider Teilkulturen
X Ausblick
XI Literaturverzeichnis
XII Interviewpartner
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kommunikations- und Distributionsstrategien der beiden musikalischen Teilkulturen Punk und elektronische Musik ("Elektro") in Deutschland im Kontext des Internets. Das primäre Ziel ist es, aktuelle Entwicklungstendenzen dieser Genres zu analysieren, wobei Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Nutzung digitaler Medien und in der Produktion musikalisch relevanter Inhalte hervorgehoben werden, unter besonderer Berücksichtigung der Rahmenbedingungen des Urheberrechts.
- Historische und kulturelle Entwicklung von Punk und elektronischer Musik
- Einfluss des Internets auf Distribution, Promotion und Kommunikation innerhalb der Szenen
- Rolle von physischen Tonträgern, Fanzines und Konzerten im Vergleich zu digitalen Angeboten
- Vergleich der DIY-Kultur und des Umgangs mit dem Urheberrecht
- Analyse von Subgenres und ihrer spezifischen Mediennutzung
Auszug aus dem Buch
7.1.1 Entwicklung: Vom Phonographen zur mp3
Die Erfindung des Phonographen durch Thomas A. Edison revolutionierte die Musikwirtschaft nachhaltig: die bislang nicht greifbare Musik wurde sichtbar, tragbar, wiederholbar und sogar manipulierbar. Mit Alexander Graham Bells Grammophon, das ab 1895 das Trägermaterial Schellack verwendete, verbesserten sich die Klangqualitäten der Wiedergabe 1885 erneut um ein Vielfaches. Der Nachteil der geringen Speicherkapazitäten konnte schließlich von der durch Peter Carl Goldmark für die Firma RCA entwickelten Polyvinylchlorid-Single (Vinyl), die sich durch 45 U/min und statt den bisherigen 85 Rillen/Inch durch 224-300 Rillen auszeichnete, abgelöst werden. Der Mitbewerber Columbia brachte wenig später stattdessen eine Langspielplatte mit 33 1/3 U/min und einer Spieldauer von 23 min je Seite auf den Markt.
Seit den zwanziger Jahren verbesserten Innovationen bei elektrischen Aufnahmesystemen die Qualität der Wiedergabe durch die Verbreiterung des reproduzierbaren Frequenzbereiches auf 100 bis 5.000 Hertz (zuvor lag er bei mechanischen Aufnahmen zwischen 168 und 2.000 Hertz), was sich durch die Erfindung des Full Frequency Range Recording im Verlauf des Zweiten Weltkrieges auf 14.000 Hertz steigerte. Etwa zeitgleich mit den elektrischen Aufnahmesystemen kamen die ersten Mikrophone für elektroakustische Aufnahmen auf den Markt, die zusammen mit der von BASF entwickelten Magnettonaufzeichnung die bisherige Aufnahmepraxis auf Wachsplatten ablösten und die Tonbearbeitung durch kostengünstige Wiederholbarkeit der Aufnahmen um die Möglichkeiten der Veränderung und Montage erweiterten.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Auswirkungen der Internettechnologie auf die Musikverbreitung und setzt den Fokus der Untersuchung auf die Kommunikations- und Distributionsformen von Punk und elektronischer Musik.
II Das neue Medium Internet: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Internets und erläutert dessen spezifische Eigenschaften, die es von traditionellen Massenmedien abheben.
III Urheberrecht und verwandte Leistungsschutzrechte: Hier werden die rechtlichen Grundlagen der Musikverwertung beleuchtet, einschließlich der Rolle von GEMA, GVL und internationaler Abkommen.
IV Subkulturen - Teilkulturen - Gegenkulturen - Jugendkulturen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis durch soziologische Definitionen von Subkulturen und deren Abgrenzung zum Mainstream.
V Die Punkbewegung: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Entstehung des Punks in den USA, England und Deutschland sowie dessen Aufspaltung in verschiedene Subgenres.
VI Die Entwicklung der Elektronischen Musik: Der Autor beschreibt die historische Genese elektronischer Musik von der Musique concrete bis hin zu den verschiedenen modernen Ausprägungen wie Techno und House.
VII Kommunikations- und Distributionsformen von Punk und Elektro im Vergleich: Dieses umfangreiche Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Kanäle wie Tonträger, Fanzines, Webseiten, soziale Netzwerke, Radios und Live-Events.
XIII Punk vs. Elektro - Gemeinsamkeiten und Differenzen: Hier werden die Szenen hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Aspekte, Kleidung und des DIY-Ethos vergleichend gegenübergestellt.
IX Zusammenfassender Vergleich der Kommunikations- und Distributionsformen beider Teilkulturen: Eine Synthese der Ergebnisse, die die unterschiedlichen Strategien der beiden Szenen im Umgang mit dem Internet bewertet.
X Ausblick: Der Ausblick diskutiert zukünftige Entwicklungen und die Wahrscheinlichkeit, dass physische Tonträger durch digitale Angebote ersetzt werden.
Schlüsselwörter
Punk, Elektronische Musik, Elektro, Internet, Musikdistribution, Tonträger, Fanzines, Urheberrecht, DIY, Netlabel, Musikwirtschaft, Kommunikation, Social Networks, Live-Events, Online-Vertrieb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht und vergleicht die Kommunikations- und Distributionsstrategien der beiden musikalischen Teilkulturen Punk und elektronische Musik im Kontext der Digitalisierung und der modernen Internettechnologien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung von Tonträgern, die Rolle von Musikmagazinen und Fanzines, den Einfluss von Künstler-Webseiten und sozialen Netzwerken sowie die Bedeutung von Live-Veranstaltungen und rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem Urheberrecht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die spezifischen Unterschiede und Ähnlichkeiten in der Mediennutzung und Vermarktung der beiden Genres zu verstehen und zu erklären, wie diese Szenen auf die Herausforderungen der digitalen Musikwelt reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Grundlage der Arbeit bilden schriftliche Kurzinterviews mit Labelchefs, Betreibern von Mailordern und Vertrieben sowie Künstlern, ergänzt durch teilnehmende Beobachtung bei Events und eine qualitative Analyse von Internetauftritten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Abrisse zu Punk und Elektro sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Distributionsformen – vom physischen Tonträgerhandel und Fanzines bis hin zum P2P-Filesharing, Webseiten und modernen Netlabels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Punk, Elektro, Digitalisierung, Urheberrecht, DIY-Ethos, Distribution und Subkultur geprägt.
Warum wird zwischen Punk und Elektro unterschieden?
Obwohl beide Genres im Untergrund entstanden sind, zeigen sie unterschiedliche Affinitäten zu Technologie und Mainstream, was sich in ihrer jeweils spezifischen Kommunikation und Art der Selbstorganisation widerspiegelt.
Wie gehen die beiden Szenen mit dem Urheberrecht um?
Während beide Szenen Herausforderungen durch die Digitalisierung erleben, zeigen sie unterschiedliche Ansätze, etwa durch den Einsatz von Creative Commons Lizenzen oder die Gründung eigener Netlabels als "Gegenpol" zur etablierten Musikindustrie.
Welche Rolle spielen Fanzines heute noch?
Trotz der zunehmenden Digitalisierung fungieren Fanzines – sowohl in gedruckter als auch in Online-Form – weiterhin als essenzielle Informationsmittel und Identitätsanker für beide Musikszenen.
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- M.A. Josephine Mahler (Author), 2008, Kommunikations- und Distributionsstrategien von 'Punk' und 'Electro', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113419