Alterserwerbstätigkeit und Ruhestand im Vergleich zwischen Deutschland und Polen

Erwerbsbeteiligung und Renteneintritt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswahl der Länder

3. Entscheidende Vergleiche
3.1. Der demographische Wandel
3.2. Zeitliche Voraussetzungen für den Übergang in den Ruhestand
3.3. Frühverrentung und Folgen für die Betroffenen
3.4. Auswirkungen des Übergangs in den Ruhestand auf objektive Ressourcen und subjektive Befindlichkeiten bei den Deutschen

4. Schlussdiskussion

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland hat in den letzten Jahren das Interesse an den älteren Arbeitnehmern und der frühzeitigen Beendigung des Erwerbslebens stark zugenommen. Hierbei ist entscheidend, dass diejenigen länger im Erwerbsleben verbleiben und wie dieser Zustand herbeizuführen ist. Wichtige Faktoren, um dieses Ziel zu erreichen, sind die demografisch bedingten Veränderungen des Arbeitskräftepotenzials, die Finanzierbarkeit des gesetzlichen Rentensystems und vor allem die Stabilisierung des Beitragssatzes.[1] Besonders in die Kritik gekommen sind die Frühverrentung und die Frühausgliederung aus dem Erwerbsleben. Diese Probleme wollte man durch einen Paradigmenwechsel beheben, indem man zahlreiche Neuregelungen im Arbeits- und Sozialrecht eingeführt hat.

Anders als in Deutschland steht in Polen die Regelung des Übergangs in den Ruhestand völlig unter dem Eindruck, dass Arbeitskräftemangel herrsche. Sowohl die Anwendung der flexiblen Altersgrenze wie auch die Erhöhung materieller Anreize zur Fortsetzung des Erwerbstätigkeit sind auf das Ziel hin orientiert, die Arbeitnehmer möglichst lange im Arbeitsverhältnis zu halten, um so mehr Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben.[2] Der Anreiz zur Weiterarbeit nach Erreichen des Rentenalters wird entweder durch niedrige Renten oder durch spezifische Entlohnungssysteme gefördert.

Der folgende Beitrag zeigt die Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern (Deutschland und Polen) hinsichtlich der Alterserwerbstätigkeit und dem frühzeitigen Eintritt in den Ruhestand.

Das Ziel der Arbeit lässt sich durch die Anwendung eines Vergleichs verwirklichen und geht auf vier Fragen ein:

- Wie sieht der demographische Wandel in den zu vergleichenden Ländern aus?
- Welche zeitlichen Voraussetzungen gibt es bei dem Übergang in den Ruhestand hinsichtlich der beiden Länder?
- Welche Folgen hat Frühverrentung für deutsche und polnische Erwerbstätige? Was sind die Auswirkungen des Übergangs in den Ruhestand auf objektive Ressourcen und subjektive Befindlichkeiten bei den Deutschen (Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland)?

2. Auswahl der Länder

Für die Auswahl der Länder war ausschlaggebend, dass es einen Vergleich zwischen „Osteuropa“ und „Westeuropa“ gibt. Unter dem Begriff „Osteuropa“ wird diejenige Region verstanden, die während des kalten Krieges kommunistisch war. Westeuropa setzt sich aus den Ländern zusammen, die während des kalten Krieges kapitalistisch waren.

Als westeuropäisches Land wird hier Deutschland herangezogen, da hier das Alterssicherungssystem ein Sozialversicherungssystem darstellt. Das Sozialversicherungs-system wird aus Beiträgen der Versicherten und deren Arbeitgebern finanziert. Die gewährten Leistungen sind von der Dauer der Versicherung und der Höhe des versicherten Einkommens abhängig. Hierbei wird das Ziel verfolgt, den Lebensstandard zu sichern.

Im Gegensatz dazu wird ein osteuropäisches Land, in dem Fall Polen, gezeigt. Polen ist ein Land, das als erstes den Weg zu marktwirtschaftlichen Reformen beschritten hat und seit 1993 wieder positive Wachstumsraten verzeichnet.[3] Außerdem ist es eines der ersten Länder in Osteuropa, das grundlegende Reformen im Bereich der Alterssicherung durchgeführt hat.

3. Entscheidende Vergleiche

Im Folgenden werden verschiedene Vergleiche zwischen den beiden Ländern dargestellt, um zu zeigen, wie sich die Erwerbstätigkeit im Verlauf des Alters und der frühzeitige Vorruhestand anhand von diversen Faktoren entwickelt haben.

3.1. Der demographische Wandel

Als erstes wird hier der demographische Wandel in beiden Ländern gezeigt.

In Deutschland besteht hierbei ein großes Problem, denn es ist vorherzusagen, dass die Bevölkerung drastisch schrumpfen wird. Gründe dafür sind Reformen in der Rentenversicherung, im Gesundheitswesen, bei den Steuern und Abgaben, aber auch bei Arbeitskosten und der Bildung.[4]

Abbildung 1: Bevölkerung: Die Pyramide gerät außer Form

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sassen. Deutschland altert – die demographische Herausforderung, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2004, S. 5

Anhand dieser Abbildung zeigt sich, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter wird. Während es 1950 ca. 3,6 Millionen Neugeborene in Westdeutschland gab, kamen im Jahre 2002 nur ca. 4 Millionen Neugeborene in „Ganz-Deutschland“ zur Welt. Betrachtet man sich die Werte der Pyramide weiter in Richtung Spitze, dann stellt man fest, dass die Anzahl der angehenden Rentner im Alter von 60 – 64 drastisch gestiegen ist. Hier gab es im Jahr 2002 ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland.

Gesamt kann man sagen, dass die Anzahl der Jüngeren in Deutschland gesunken ist und die Menge der Älteren gestiegen ist. Dies zeigt eine enorme Problematik in Deutschland, da das Rentensystem hierzulande nur funktioniert, wenn es genug jüngere Arbeitnehmer gibt, denn jenige müssen Steuern und Abgaben an den Staat abtreten und finanzieren somit die Renten der älteren Bevölkerung. Um die Bevölkerungszahl stabil zu halten, genauer gesagt die Elterngeneration zu ersetzen, müssten je 100 Frauen etwa 210 Kinder geboren werden.[5]

Bei der raschen Zunahme der Rentnerzahlen spielten in Polen die demographischen Faktoren ebenfalls eine wichtige Rolle.

Tabelle 1: Bevölkerung nach Altersklassen in Polen in Prozent der Gesamtbevölkerung von 1977 bis 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1997 für das Ausland, S. 200; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1991 für das Ausland, S. 208; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1987 für das Ausland, S. 137; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistik des Auslandes. Reihe 1.1. Stand und Entwicklung der Bevölkerung im Ausland, 1977 (1979), 1981 (1982), S. 50, 51

Wie Tabelle 1 verdeutlicht, hat sich von 1977 bis 1997 der Anteil der Menschen, die 65 und älter sind, um 1 Prozent erhöht. Der Anteil der 15-65 jährigen, also der erwerbsfähigen Bevölkerung, hat sich im selben Zeitraum ebenfalls um 1 Prozent erhöht, während der Anteil der unter 15jährigen um 2 Prozent gesunken ist. Internationale Prognosen belegen, dass der Anteil der Menschen, die 65 oder älter sind, auch in Zukunft weiter ansteigen wird (um 11 Prozent im Vergleich zum Jahre 1977).

Der Prozess des demographischen Wandels wird ebenfalls, wie in Deutschland, durch einen starken Geburtenrückgang geprägt.

Tabelle 2: Zusammengefasste Geburtenziffern in Polen von 1960 bis 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1997 für das Ausland, S. 225; Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1992 für das Ausland, S. 22

In den 60er Jahren lag die zusammengefasste Geburtenziffer auf einem sehr hohen Niveau (3,0). Zwischen den 70er und 90er Jahren ist sie schwach abgesunken, trotzdem aber stabil geblieben (zwischen 2,25 und 2,2). Erst im Jahre 1995 ist die Geburtenziffer auf einen Wert von 1,88 gesunken und hat somit ihren Tiefpunkt erreicht.

In beiden Ländern ist das Finanzierungsproblem der gesetzlichen Rentenversicherung auf die Steigerung der Zahl der Rentner und der gleichzeitigen Senkung der Zahl der Arbeitnehmer zurückzuführen.

[...]


[1] Vgl. Engstler (2006), S. 1

[2] Vgl. Globokar (1983), S.1

[3] Vgl. Velitchkova (2002). S. 7

[4] Sassen (2004), S. 4

[5] Sassen (2004), S. 6

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Alterserwerbstätigkeit und Ruhestand im Vergleich zwischen Deutschland und Polen
Untertitel
Erwerbsbeteiligung und Renteneintritt
Hochschule
Universität Mannheim  (Universität Mannheim)
Veranstaltung
Demography of Aging
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V113468
ISBN (eBook)
9783640138630
ISBN (Buch)
9783640138784
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alterserwerbstätigkeit, Ruhestand, Vergleich, Deutschland, Polen, Demography, Aging
Arbeit zitieren
Bartosch Mielcarek (Autor), 2006, Alterserwerbstätigkeit und Ruhestand im Vergleich zwischen Deutschland und Polen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113468

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