Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über bisherige Forschungen im Bereich des berufsbedingten Pendelns zu verschaffen. Hierfür kommt es zunächst einmal zu einer Klärung des Begriffes Pendeln und ab wann Pendler überhaupt einen Anstieg des subjektiven Stressempfindens erleben. Dabei werden die Determinanten, die zu Stress führen und die damit verbundenen Folgen für die Pendler herausgearbeitet. Es wird zudem untersucht, warum die Zahl der Pendler in den letzten Jahren weiter gestiegen ist und ob es Gründe für das Pendeln gibt und diese zwanghaft oder auf freiwilliger Basis seitens der Pendler sind.
Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Arbeit auf die Theorien und Modelle zur Entstehung von Stress und wie dieser Begriff im großen und komplexen Konstrukt Gesundheit einzugliedern ist. Dabei wird auch Stress beim Pendeln detailliert dargestellt und explizit in diesem Konstrukt eingeordnet. Anschließend werden Bewältigungsstrategien im Allgemeinen und speziell auf Stress bei Pendlern dargestellt. Diese werden auf ihre Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit hin kritisch betrachtet. Das Job Characteristics Model von Glaser et al. (2012) soll als aktuelles Beispiel eines multimodalen Ansatzes zur Stressbewältigung im Berufsleben herangezogen und beschrieben werden. Das Modell zur Entstehung von Stress bei Pendlern von Koslowsky (1997) zeigt, dass es sich beim Pendeln um eine zusätzliche Belastung für Arbeitnehmer handelt, so dass beide Modelle gut miteinander verknüpft werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Die Flexibilisierung der Arbeitswelt
1.2 Pendeln als notwendiges oder gewolltes Übel?
2 Zielsetzung
3 Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Pendeln
3.1.1 Pendeln in der Bundesrepublik Deutschland
3.1.2 Gründe zum Pendeln
3.2 Stressmodelle
3.2.1 Selye und Canon
3.2.2 Lazarus
3.2.3 Salutogenesekonzept nach Antonovsky
3.2.3.1 Sense of coherence SOC
3.2.3.2 Generalisierte Widerstandressourcen
3.2.4 Model of psychosocial work characteristics and consequences of strain
3.2.5 Stress bei Pendlern
3.2.6 Die Doppelbelastung der Frau und deren Auswirkung auf das Stresserleben beim Pendeln
3.2.7 Die gesundheitlichen Folgen des Pendelns
3.3 Grundlagen der Stressbewältigung
3.3.1 Coping
3.3.2 Coping beim Pendeln
3.3.3 Resilienz
4 Methodik
4.1 Definition der Fragestellung
4.2 Definition der Ein- und Ausschlusskriterien
4.3 Literatursuche
4.4 Informationen aus den eingeschlossenen Manuskripten
5 Diskussion
5.1 Ergebnisinterpretation
5.2 Ergebnisdiskussion
5.3 Methodenkritik
5.4 Ausblick
6 Ergebnisse
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, einen narrativen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu den gesundheitlichen Auswirkungen des beruflichen Pendelns zu geben. Dabei steht die Untersuchung von Stressoren, gesundheitlichen Folgen und Bewältigungsstrategien für Pendler unter Berücksichtigung soziodemografischer Faktoren im Mittelpunkt.
- Gesundheitliche Auswirkungen von Pendeldauer und Pendelstrecke
- Einfluss unterschiedlicher Verkehrsmittel auf das Stresserleben
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Stressbelastung durch Pendeln
- Analyse theoretischer Stressmodelle im Kontext der Pendelmobilität
- Methodische Ansätze zur Stressbewältigung für Berufspendler
Auszug aus dem Buch
Die Flexibilisierung der Arbeitswelt
Die Bedingungen in der Arbeitswelt haben sich in den letzten Jahren immer mehr verändert. Neue Informationswege und Möglichkeiten zur Kommunikation, eine gesteigerte Flexibilität, die Individualisierung und die vermehrt kognitive Arbeit sind Trends einer fortwährenden Globalisierung (Cox, Griffiths, Rial-González, 2000). Vor dieser Erneuerung der Arbeitswelt gab es für Arbeiter unbefristete Arbeitsverträge, standardisierte Arbeitsabläufe und stabile soziale Beziehungen. In der heutigen Zeit gibt es verschiedene Anstellungsformen (Teil-, Vollzeit, Minijobs), aufgrund neuer Kommunikationstechnologien neue Arbeitsorganisationen (Projektteams, Home-Office), sowie durch den demographischen Wandel ganz neue Herausforderungen (ältere Arbeitskräfte) (Glaser et al 2015).
Kauffeld (2011) beschreibt diese Veränderungen als chronologischen Wandel des Economic Man zum Social Man zum Self-actualizing Man zum Complex Man hin zum Virtual Man und konstatiert, dass der Wandel der Gesellschaft zu elementaren Veränderungen für den arbeitenden Menschen führt. „Die starke Flexibilisierung der Arbeit, Zeitarbeit und befristete Verträge, der permanente Druck der Optionsvielfalt und das konstante Unsicherheitsgefühl in der modernen Arbeitswelt haben das Stresspotenzial der Arbeit drastisch erhöht.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in den gesellschaftlichen Wandel der Arbeitswelt ein und beleuchtet das steigende Stresspotenzial durch zunehmende Flexibilisierung und Pendelaufkommen.
2 Zielsetzung: Hier werden der Zweck des Reviews sowie die leitenden Forschungsfragen zur gesundheitlichen Belastung von Pendlern definiert.
3 Gegenwärtiger Kenntnisstand: Dieser umfangreiche Teil behandelt die Definition von Pendeln, verschiedene psychologische Stressmodelle und die Grundlagen der individuellen Stressbewältigung.
4 Methodik: Beschreibt das systematische Vorgehen bei der Literaturrecherche, einschließlich der Kriterien zur Auswahl der 17 einbezogenen Primärstudien.
5 Diskussion: Reflektiert die Ergebnisse der Studien hinsichtlich der Auswirkungen von Pendeldauer und Verkehrsmittelwahl auf die Gesundheit und diskutiert methodische Limitationen.
6 Ergebnisse: Bietet eine tabellarische Zusammenfassung aller untersuchten Studien inklusive ihrer Probandencharakteristik, der verwendeten Instrumente und der wesentlichen Erkenntnisse.
7 Zusammenfassung: Fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von betrieblichem und individuellem Gesundheitsmanagement für Pendler.
Schlüsselwörter
Pendeln, Stress, Gesundheit, Pendeldauer, Stressbewältigung, Coping, Resilienz, Arbeitswelt, Mobilität, Pendler, Psychische Belastung, Stressmanagement, Prävention, Verkehrsmittel, Soziale Unterstützung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht in Form eines narrativen Reviews die gesundheitlichen Auswirkungen des beruflichen Pendelns auf Erwerbstätige.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Zusammenhänge zwischen Pendelaufwand (Zeit, Strecke), Verkehrsmittelwahl, Geschlechtsunterschieden und psychischen sowie physischen Stressreaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Stand der Forschung zu systematisieren und herauszufinden, ob und wie berufliches Pendeln die Gesundheit beeinflusst und welche Rolle Bewältigungsstrategien dabei spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein Scoping Review, das methodisch an das PRISMA-Statement und Cochrane-Standards angelehnt ist, um relevante Primärstudien zu identifizieren und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Stressmodelle, Coping, Resilienz), das methodische Vorgehen bei der Literaturrecherche sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse aus den identifizierten Studien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Pendeln, Stress, Gesundheit, Pendeldauer, Coping und Mobilität charakterisieren.
Was besagt der „healthy commuter effect“?
Dies ist eine Hypothese in der Pendelforschung: Sie besagt, dass nur Menschen, die körperlich und psychisch fit genug sind, lange Pendelzeiten über längere Zeiträume tolerieren, während gesundheitlich angeschlagene Pendler das Verhalten oder die Dauer anpassen.
Welchen Einfluss hat das Verkehrsmittel auf das Stressempfinden?
Die Studien deuten darauf hin, dass aktives Pendeln (Rad, Zu-Fuß) teilweise positiver wahrgenommen wird als passives Pendeln mit dem Auto oder dem ÖPNV, wobei dieser Zusammenhang auch stark vom Grad der Urbanisierung abhängt.
Warum leiden Frauen laut der Arbeit häufiger unter Pendelstress?
Die Arbeit verweist auf den Rollenkonflikt, da Frauen trotz Erwerbstätigkeit oft die Hauptverantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung tragen, was durch Zeitverlust beim Pendeln zusätzlich verschärft wird.
- Quote paper
- Toni Kreyßig (Author), 2018, Berufliches Pendeln. Zu den gesundheitlichen Auswirkungen der unterschiedlichen Pendelmittel und der Möglichkeiten zur Bewältigung für Pendler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1134715