Soziale Ungleichheit in Deutschland. Anhand welcher Faktoren misst sich diese?


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

1. Einleitung

Sind die Lebensbedingungen von bestimmten Gruppen so beschaffen, dass sie regelmäßig bessere Lebens- und Verwirklichungschancen als andere haben, so spricht man von sozialer Ungleichheit.1

Dadurch, dass in den öffentlichen Medien beispielsweise immer wieder davon die Rede ist, dass die Kluft zwischen Arm und Reich, Bildungschancen von sozial Schwachen und Starken immer weiter auseinander gehen2, besitzt das Thema zur Zeit einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung Deutschlands.

Die soziale Auslese im Bildungssystem ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, welche enorme Beharrungsvermögen schichtspezifische Chancenunterschiede in der modernen Gesellschaft aufweisen können3.

Im Folgenden soll besonders auf die Faktoren eingegangen werden, an welchen sich die soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft misst. Dazu werden die Arbeitssituationen, die Bildungschancen und die Gesundheit der sozialen Schichten näher beleuchtet.

Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Erich Fromm, welcher damals schon darstellte, dass eine gewisse Ungleichheit in der Bevölkerung herrschte und dass es nicht nur ein Phänomen unser heutigen Zeit ist.

„Bisher war der Mensch während seiner gesamten Geschichte durch zwei Faktoren in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt: durch die Anwendung von Gewalt von Seiten der Herrschenden (...) und - was noch wesentlicher war - dadurch, daß alle vom Hungertod bedroht waren, die nicht bereit waren , die ihnen auferlegten Bedingung in bezug auf ihre Arbeit und ihre soziale Existenz zu akzeptieren.“4

2. Arm und Reich - Soziale Ungleichheit

In diesem Punkt möchte ich Allgemein darstellen, wie die Soziale Ungleichheit in Deutschland aussieht und dass die Spaltung zwischen Arm und Reich immer weiter zunimmt. Eine meritokratische (lat.: meritum das Verdienst und griech.: kratein herrschen) Gesellschaft wie die Deutschlands trägt das Versprechen in sich, dass Leistung und Arbeit ausschlaggebend für Einkommen und sozialen Status sind, nicht Abstammung oder ererbtes Kapitalvermögen5.

Das dies jedoch schon lange nicht mehr der Realität entspricht, wird deutlich, wenn als Beispiel die Gehälter der DAX-Vorstände genannt werden. In den vergangenen 25 Jahren sind diese Gehälter im Verhältnis zu den Angestelltengehältern proportional stark gestiegen: Vor 25 Jahren war das Verhältnis noch 20 zu 1, so ist es heute 200 zu 16.

Dies wäre mit dem Gehalt von Martin Blessing, welcher im DAX-Vorstand der Commerzbank sitzt, ein Monatsgehalt von ca. 115.083€7, in Relation zu einer Angestellten wäre das ein Monatsgehalt von ca. 575€. Dieses einfache Beispiel zeigt eindrucksvoll, in wie fern die deutsche Gesellschaft immer weiter auseinander rückt. Allgemeint betrachtet wächst die soziale Ungleichheit in vielen hochentwickelten Gesellschaften. Gering Qualifizierte haben es immer schwerer, eine Erwerbstätigkeit zu finden. Arbeitslosen fehlt es an Geld, Selbstachtung und Anerkennung. Die Zahl der hoch Qualifizierten und der gut Verdienenden hingegen wächst8.

Deshalb möchte ich zeigen, dass die Lebenschancen in zentralen Bereichen des Daseins - im Arbeitsleben, im Bildungssektor, so wie im Hinblick auf Gesundheit und Alter - in erheblichen Umfang von Berufsposition und vom Bildungsniveau abhängig sind9.

3. Faktoren der Sozialen Ungleichheit

3.1 Arbeitsleben

Als Einstieg in das Thema bietet sich die Betrachtung der Konsequenzen von Bildungsunterschieden an10.

Die Arbeitslosigkeit einzelner Personen hängt stark mit ihren Bildungsabschlüssen zusammen. Die Zahlen der Arbeitslosenquote aus dem Jahr 200411 lassen sich aus der Tabelle entnehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Wie lassen sich solche Unterschiede erklären? Eine Erklärung dafür könnte sein, dass geringer qualifizierte Arbeitskräfte durch die Firmen/Betriebe leichter zu ersetzten sind als qualifizierte Arbeitskräfte, da Diese zum Einen schwerer zu finden sind und meistens besondere Fähigkeiten haben, durch Diese Sie in der Firma/Betrieb unerlässlich sind12. Ein weiterer Grund für die höhere Arbeitslosigkeit von geringer Qualifizierten könnte der technische Fortschritt in Deutschland sein. Viele Produktionsabläufe, die in der Vergangenheit noch von Hand erledigt wurden, werden heute durch Maschinen gesteuert, welche nur von Studierten und höher Qualifizierten bedient, gewartet und gesteuert werden können. Diese Entwicklung hat vor allem Kostenerspanisgründe. Andernteils ergeben sich diese Ungleichheiten aufgrund ökonomischer Sektorverschiebungen. Der Dienstleistungsbereich nimmt immer größeren Raum ein, während der Bereich der Produktion und der Grundstofferzeugung (Landwirtschaft, Bergbau) ständig an Gewicht verliert13.

Durch diese Arbeitslosigkeit geraten viele Menschen der Unterschicht, die mehrere Familienmitglieder ernähren müssen und unter Umständen auch noch Schulden haben, sehr schnell in die Armut.

Doch die soziale Ungleichheit betrifft nicht nur die Unterschicht, sondern auch ganz besonders die Mittelschicht.

Am 5. März 2008 legte das DIW eine Studie vor, nach der die Mittelschicht zerbröckelt und viele Durchschnittsverdiener/innen nach unten abrutschen14. Die Einkommen, der Mittelschicht seien zwischen den Jahren 2000 und 2006 von 62 Prozent auf 54 Prozent gesunken, mit überwiegender Bewegung nach unten. Gründe dafür könnten die längere Arbeitslosigkeit, sowie die niedrigeren Lohnersatzleistungen beim Bezug von Arbeitslosengeld II sein15. Nicht alle sozialen Gruppen in Deutschland sind gleichermaßen von der Arbeitslosigkeit, der Armut oder dem Abstieg in Diese betroffen.

Wie in vielen anderen Gesellschaften tragen zum Beispiel ältere Menschen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund besondere Risiken16.

3.2 Bildungschancen

Die Entwicklung der Bildungschancen steht in krassem Gegensatz zur Entwicklung in anderen Dimensionen. Während in den letzten Jahrzehnten die Chancenunterschiede nach Geschlecht weitgehend eingeebnet wurden, ragen schichttypische Unterschiede weiterhin wie ein Feld in die Brandungswellen der Bildungsexpansion hinein17.

Die Chancenungleichheit lässt fünf recht gut voneinander abgrenzbare Gruppen erkennen, welche im Nachfolgenden näher erläutert werden. Die Gruppen teilen sich auf in: Stark Begünstige, Begünstige, Ausgeglichene Bildungschancen, Benachteiligte und Stark Benachteiligte18.

Die Stark Begünstigen kommen meistens aus Elternhäusern, welche Selbstständige Akademiker, Beamte und Angestellte mit Abitur sind. Diese Schichten zeigen eine ausgeprägte Gymnasial-, sowie Universitätsorientierung. Die Hauptschule, sowie die Realschule wird nur in Ausnahmefällen besucht19.

Die Begünstigen kommen aus Elternhäusern mit Eltern die Beamte und Angestellte mit mittlerem Abschluss sind. Das typische Bildungsziel dieser Gruppe ist das Gymnasium. Welches etwa von jedem Dritten Kind besucht wird. Der größte Unterschied zu den Stark Begünstigen ist jedoch, dass viele Studienberechtigte auf ein Studium verzichten.

[...]


1 Vgl. http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138437/ grundbegriffe

2 Vgl. bsp. http://www.welt.de/wirtschaft/article129701254/Deutschland-droht-soziale-Ungleichheit-wie- den-USA.html

3 Vgl. Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 111

4 Zit.n: Dietz, Berthold: Soziologie der Armut Eine Einführung, Frankfurt/Main; New York 1997 S. 26

5 Vgl. https://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/13-bundeskongress-politische- bildung-ungleichheiten-in-der-demokratie/197538/sektion-1-arm-und-reich-soziale-ungleichheit

6 Vgl. auch: https://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/13-bundeskongress-politische- bildung-ungleichheiten-in-der-demokratie/197538/sektion-1-arm-und-reich-soziale-ungleichheit

7 Vgl. http://www.finanzen.net/top_ranking/top_ranking_detail.asp?inRanking=742

8 http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138379/soziale- ungleichheit

9 Vgl. Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 19

10 http://www.bpb.de/apuz/30939/arbeitslosigkeit-als-zentrale-dimension-sozialer-ungleichheit-essay? p=all

11 http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/01-Redaktion/Bilder/2-10- abb5,property=bild,bereich=genderreport,sprache=de.jpg

12 Vgl. auch: http://www.bpb.de/apuz/30939/arbeitslosigkeit-als-zentrale-dimension-sozialer- ungleichheit-essay?p=all

13 Vgl. Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 42-43

14 Vgl. Butterwegge, Christoph: Armut in einem Reichen Land Wie das Problem Verharmlost und Verdrängt wird, Frankfurt/Main 2009 S. 234

15 Vgl. auch: Butterwegge, Christoph: Armut in einem Reichen Land Wie das Problem Verharmlost und Verdrängt wird, Frankfurt/Main 2009 S. 234

16 Vgl. http://www.bpb.de/apuz/196709/die-aufloesung-der-migrantischen-mittelschicht-und-wachsende- armut-in-deutschland

17 Vgl. Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 111

18 Vgl. Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 125-128

19 Vgl. auch: Geißler, Rainer: Soziale Schichtung und Lebenschancen in Deutschland, 2. Auflage, Stuttgart 1994 S. 125

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit in Deutschland. Anhand welcher Faktoren misst sich diese?
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Hagen
Note
2,6
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V1134723
ISBN (eBook)
9783346506894
ISBN (Buch)
9783346506900
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, ungleichheit, deutschland, anhand, faktoren
Arbeit zitieren
Julius Kohlhage (Autor:in), 2015, Soziale Ungleichheit in Deutschland. Anhand welcher Faktoren misst sich diese?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1134723

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