François- Marie Arouet, welches der eigentliche Name des französischen Dichterphilosophen Voltaire ist, wird als jüngstes von fünf Kindern am 21. November 1694 in Paris geboren. So schwach und gebrechlich er als Kind auch erscheint, so zäh und widerstandsfähig ist er dennoch gleichermaßen, so dass er nie ernsthaft erkrankt. Seine Kindheit steht noch unter dem Glanze der ludovizischen Epoche, er kennt Menschen, die derselben unmittelbar entstammen. Im sozialen Kontext betrachtet nimmt sein Elternhaus die Schwelle zwischen Adel und gehobenem Bürgertum ein. Voltaire verliert seine Mutter, ihrerseits von adliger Herkunft, schon 1701, als er acht Jahre alt ist. Sein Vater hat die Stellung eines anerkannten und sehr wohlhabenden Notars inne. Obwohl die Gesinnung im Geburtshause Voltaires freimütig und offen vonstatten geht, trägt sie trotzdem keine libertinerhaften Züge. Einer Klientin seines Vaters, nämlich der Madame Ninon de Lenclos, hat der junge Voltaire es zu verdanken, dass ihm von ihrer Seite, nach ihrem Tod 1705, eine nicht unbeträchtliche Summe zum Kauf von Büchern zukommt. Auf heftigen Widerstand stößt Voltaire wenige Jahre später bei seinem Vater, als er schließlich doch die Grenze vom Mondänen hin zum Libertinertum überschreitet.
In den Jahren 1704 bis 1710 besucht er das vornehme jesuitische Collège Louis-Le-Grand: “Bei den Jesuiten (…) lernt Voltaire viel Latein, weniger Griechisch, noch weniger Französisch, am wenigsten Naturwissenschaftliches und moderne Geschichte, vor allem Weitläufigkeit und selbstverständliche Hinnahme des gesellschaftlichen Vorrangs der Aristokratie.” Ebendort ist er auch die ganze Zeit über mit jungen Adligen zusammen, verkehrt mit ihnen und wird nahezu wie ihresgleichen. Anstelle von Rebellion, die sich in einer weiter unten gelegenen Gesellschaftsschicht der oberen gegenüber oftmals einzustellen pflegt, ist Voltaire im Gegenteil von dem Drang besessen dazuzugehören. Als Notarssohn ist er zudem dieser Möglichkeit im vornherein nicht völlig enthoben. Schnell begreift er, dass es zu diesem Zweck gewisser intellektueller, besonders aber auch finanzieller Mittel bedarf, um in der Abendgesellschaft nicht als kleinlich zu gelten.
Inhaltsverzeichnis
I. Das Leben Voltaires
II. Candide ou l’optimisme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit beleuchtet die Biografie des französischen Philosophen und Dichters Voltaire sowie die inhaltliche und philosophische Struktur seines berühmten Romans Candide ou l’optimisme im Kontext der Aufklärung.
- Biografische Stationen und Entwicklung Voltaires
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Leibnizschen Optimismus
- Die Funktion von Eldorado als utopisches Gegenmodell
- Die Bedeutung von Arbeit als praktisches Lebensprinzip
- Die literarische Methode der fiktionalen Widerlegung theoretischer Systeme
Auszug aus dem Buch
II. Candide ou l’optimisme
“Glauben Sie, daß die Menschen sich zu allen Zeiten gegenseitig umgebracht haben, wie sie es heutzutage tun?” fragte Candide wiederum. “Und daß sie von jeher Lügner, Betrüger, Verräter, Undankbare, Räuber, Schwächlinge, Gesinnungslumpen, Feiglinge, Neidhammel, Vielfraße, Trunkenbolde, Geizhälse, Streber, Blutsauger, Verleumder, Wüstlinge, Fanatiker, Heuchler und Dummköpfe waren?”
Das 1759 erschienene Werk Candide hat nicht selten Anlass zu der Vermutung gegeben, dass Voltaire es verfasst hätte, um sich dem berühmten Wort von Leibniz zu widersetzen, dass nämlich alles auf Erden ausschließlich gut sei und alles vermeintlich Schlechte lediglich so scheine. Bereits der Name des Protagonisten deutet unmissverständlich an, dass die Eigenschaft der unbedingten Aufrichtigkeit bereits vollkommen genüge, um den Begriff des Optimismus anhand seines erschreckenden Gegenteils wahrhaftig, also als nicht tragbar zu erkennen. Dieser Roman erlebte bis zum Ende des Jahres 1760 nicht weniger als dreizehn Auflagen, bis zum Todesjahr des Autors waren es vierzig. Seither zählt der Text als kanonischer Bestandteil der französischen Literaturgeschichte und wurde hundertfach in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Das Leben Voltaires: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Voltaires nach, von seiner Herkunft und Ausbildung bei den Jesuiten bis hin zu seinen Exilerfahrungen in England und seinem späten Wirken in Ferney als scharfer Kritiker der Kirche.
II. Candide ou l’optimisme: Hier wird der Roman analysiert, wobei der Schwerpunkt auf der Dekonstruktion des Leibnizschen Optimismus, der Rolle von Eldorado als Utopie und der Bedeutung der Arbeit als finaler Antwort auf das menschliche Leiden liegt.
Schlüsselwörter
Voltaire, Candide, Optimismus, Aufklärung, Philosophie, Leibniz, Eldorado, Literaturgeschichte, Religion, Gesellschaftskritik, Menschenrechte, Toleranz, Pessimismus, fiktionale Wirklichkeit, Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Leben des französischen Dichterphilosophen Voltaire sowie eine tiefgehende Analyse seines Romans Candide im Kontext zeitgenössischer philosophischer Debatten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Biografie Voltaires, die Auseinandersetzung mit dem Optimismus nach Leibniz, die Utopie im literarischen Werk und die Kritik an zeitgenössischen gesellschaftlichen und religiösen Zuständen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Voltaire durch seinen Roman Candide theoretische philosophische Systeme nicht diskursiv, sondern durch die fiktionale Praxis widerlegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche und biografische Analyse, die auf Primärtexten und einschlägiger Sekundärliteratur zur Aufklärung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Darstellung Voltaires und eine detaillierte philosophisch-inhaltliche Untersuchung des Romans Candide.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Voltaire, Optimismus, Aufklärung, Literaturgeschichte und gesellschaftliche Kritik charakterisiert.
Wie steht Voltaire zum Optimismus von Leibniz?
Voltaire lehnt den spekulativen Optimismus ab, da dieser das tatsächliche Leid der Welt durch abstrakte Systeme zu rechtfertigen versucht, was für Voltaire angesichts der Realität keinen Sinn ergibt.
Welche Rolle spielt Eldorado im Roman?
Eldorado fungiert als utopisches Gegenbild zur korrupten und leidvollen Welt, in der Candide lebt; es dient dazu, den Kontrast zwischen dem idealen Zustand und der Realität zu verdeutlichen.
Warum endet der Roman mit dem Bestellen des Gartens?
Das Bestellen des Gartens symbolisiert die Einsicht, dass die tätige Arbeit das einzige Mittel ist, das Leben auf Erden erträglich zu machen und dem menschlichen Schicksal einen praktischen Sinn zu verleihen.
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- M.A. Markus Malik (Author), 2006, Das Leben des Dichterphilosophen Voltaire und sein Werk 'Candide', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113501