Auswirkungen der zensurfreien Presse im Vietnamkrieg


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung: „Hat die vermeintlich uneingeschränkte

Berichterstattung wirklich zu einem kritischeren Blick auf die Kriegsereignisse in Vietnam geführt?“

2. Der Vietnamkrieg in reporterrelevanten Phasen

3. Gab es überhaupt eine komplett uneingeschränkte Presse? Einschätzungen zur allgemeinen Freiheit der Berichterstattung

4. Die verschiedenen Blickwinkel der Kriegsberichterstatter vor Ort
4.1 Peter Ametts Erfahrungen in Vietnam
4.2 David Halberstams Impressionen vom Kriegsgebiet

5. Kritische Nachberichterstattung: Lars Kleins Studien zur Bedeutung der Kriegsberichterstatter in Vietnam

6. Fazit: Einordnung der Ereignisse im Kontext der Geschichte und Wirkung der Kriegsberichterstatter

7. Literatur

1. Einführung: „Hat die vermeintlich uneingeschränkte Berichterstattung wirklich zu einem kritischeren Blick auf die Kriegsereignisse in Vietnam geführt?“

Seit dem Ende des Vietnamkriegs im Jahr 1975 haben sich einige Mythen rund um die Berichterstattung und deren Auswirkungen gebildet.

Television brought the brutality of war into the comfort of the living room. Vietnam was lost in the living rooms of America—not the battlefields ofVietnam. (McLuhan 1975)

Der kanadische Wissenschaftler McLuhan kam wenige Tage nach dem offiziellen Kriegsende zu dieser folgenreiche Schlussfolgerung und räumte somit den berichterstattenden US- amerikanischen Medien und deren Rezipienten eine sehr große Rolle im Ausgang des verlustreichen Stellvertreterkrieges ein. Die „Wohnzimmer Amerikas“ erlebten erstmals einen Krieg „hautnah“ mit. Jeden Tag wurde über die aktuelle Lage mit unzähligen Fotos, Artikeln und aufwändig produzierten Videoaulnahmen vom Schlachtfeld berichtet.

Dies Art der medialen Aufbereitung war ein Novum in der langen Geschichte der Kriegsberichterstattung. In den folgenden Jahren wurden diese Freiheiten in der Art der Reportage immer wieder herausgestellt und mit Blick auf den Ausgang des Krieges besonders betont. Doch trifft diese Beschreibung zu? War der Krieg zensurfrei? Wie frei war die Berichterstattung wirklich aus Vietnam? Diesen Fragen nähere ich mich im ersten Kapitel mit Hilfe Hallins „ The "Uncensored War" um die tatsächlichen Zustände besser einschätzen zu können, bevor ich die Blickwinkel der Kriegsberichterstatter vor Ort darstelle. Hierbei konzentriere ich mich auf zwei der bedeutendsten Reporter: David Halberstam und Peter Amett. Sie arbeiteten gemeinsam in Vietnam und machten dennoch zum Teil unterschiedliche Erfahrungen. Diese Autoren haben ihre Einschätzungen in Artikeln und Büchern niedergeschrieben.

Im nächsten Kapitel befasse ich mich mit den Studien von Lars Klein zur Berichterstattung vom Vietnamkrieg und dessen Bedeutung bzw. Auswirkungen.

In „Die ,, Vietnam-Generation“ derKriegsberichterstatter“ befasst sich Klein detailliert mit der Art der Berichterstattung und deren Wirkung, aber auch mit den oben genannten Charakteren an der Front, die in ihr Heimatland berichteten.

Abschließend werde ich noch ein persönliches Fazit, bezüglich meiner Forschungsfrage ziehen und eine Einordung des Vietnamkrieges in die allgemeine Kriegsberichterstattung vornehmen.

2. Der Vietnamkrieg in reporterrelevanten Phasen

Der Vietnamkrieg lässt sich in vier Phasen aufteilen. Beginnend mit den politischen Unruhen im Südvietnam. Gefolgt von der „amerikanischen“ Phase, als Amerika beschlossen hat Südvietnam zu unterstützen. Die „Tet-Offensive“ als Wendepunkt und die anschließende „vietnamesische“ Phase, im Sinne des Rückzuges der amerikanischen Truppen. Ich werde nur auf die Phasen eingehen, die von den einzelnen Reportern miterlebt und für wichtig eingeschätzt wurden.

1961 beschloss der neu gewählte US-amerikanische Präsident Kennedy das südvietnamesische Regime im Krieg gegen die kommunistische nordvietnamesische Regierung mit amerikanischen Ausbildern und modernsten Waffen schlagkräftig zu unterstützen (Frey 1999: 88). Ap Bac war in der Zeit nach der erstmaligen Einmischung der Amerikaner eine entscheidende Schlacht. Die Vietcongs (Nordvietnam) gewannen dieses kurze Gefecht. Bei dieser Auseinandersetzung im Jahr 1963 wurden erstmals die erheblichen Schwächen der südvietnamesischen Truppen und der amerikanischen Führung offenbart. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit mussten die anti­kommunistischen Soldaten starke Verluste hinnehmen. Damals bekamen die dort stationierten Reporter erstmals Zweifel an der propagierten Überlegenheit des amerikanisch-südvietnamesischen Bündnis in Vietnam (mehr in 4.1 und 4.2). Im Zuge dieser und weiteren militärischen Niederlagen verstärkten die USA ihr Engagement in Vietnam.

Nach dem Johnson 1963 das Präsidentschaftsamt übernahm gab es neue Hoffnung in Vietnam. Viele wichtige Schlachten wurden gewonnen und die allgemeine Akzeptanz für den Krieg war in der Bevölkerung gegeben (Hallin 2010: 14ff.). Prognosen von Experten sahen ein baldiges Kriegsende als realistisches Szenario. Dieses Gefühl kehrte sich aber nach der Tet-Offensive 1968 entschieden um.

Innerhalb der Tet-Offensive wurden südvietnamesische und amerikanische Truppen drei Wochen lang belagert. Dieses Ereignis gilt als Wendepunkt sowohl im Kriegsverlauf, aber auch in Wahrnehmung der Öffentlichkeit (Klein 2006: 206). Nach dieser Niederlage, die nicht so deutlich war wie medial dargestellt, zog Nixon nach und nach seine Soldaten vom Krieg ab. Nach 1968 wurden keine neuen Kriegsberichterstatter mehr nach Saigon/Südvietnam geschickt. Der danach vorherrschende Zustand wurde als „Stalemate“ bezeichnet, meint die militärische Patt-Situation, in der sich die teilnehmenden Kriegsparteien befanden. Der Krieg wurde offiziell erst 1975 beendet.

3. Gab es überhaupt eine komplett uneingeschränkte Presse? Einschätzungen zur allgemeinen Freiheit der Berichterstattung

Einer der oben genannten Mythen betrifft die „zensurfreie Presse“. So war es dem Mythos zu folge den Reportern erlaubt jedes Geschehnis ohne Einschränkungen von staatlicher Seite zu berichten. Dazu gibt es bereits unterschiedliche Studien und Zeitzeugenberichte, die diesen Mythos verständlicher machen.

Daniel C. Hallin analysiert in seinem Werk „The “Uncensored War“ The Media and Vietnam“ ausführlich die Freiheiten der Reporter in Vietnam. Er stellt eine besondere Freiheit ohne direkte Kontrolle der US-amerikanischen Regierung fest. Erstmals sind die Reporter auf Einsätzen im Kampfgebiet dabei und nicht als „Soldaten an den Schreibmaschinen“ (Hallin 2010: 6), die ihre Kriegspflicht absolvieren. Durch dieses Selbstverständnis der Kriegsberichterstatter wurde eine ganz andere Distanz zu dem Krieg gewonnen, die sich schlussendlich auch auf den Leser übertragen hat. Auch die Struktur der Medien in den USA allgemein hat sich gewandelt. Im frühen 20. Jahrhundert übernahmen immer mehr professionelle Journalisten führende Rollen in den Nachrichtenorganisationen, die vorher noch Parteien oder einzelnen Politiker innehatten. Durch diese Verschiebung der Interessen innerhalb der Nachrichtenorganisationen, verschiebt sich auch der Anspruch der Kriegsberichterstatter, die nun anders als beispielsweise im zweiten Weltkrieg Berichte frei von einer politischen Agenda in ihr Heimatland entsendeten. Laut Hallin fand in dieser Zeit vor dem Vietnamkrieg ein Tauschgeschäft statt. Die Journalisten tauschten ihre unmittelbare politische Macht gegen einen grenzenlosen Zugang zum politischen Prozess und deren Institutionen ein. Jedoch musste die Presse eine gewisse „Verantwortung“ übernehmen (Hallin 2010: 7f.). Diese Verantwortung bestand darin die Sprache und den Stil der Regierung anerkennen und in gewissen Teilen zu übernehmen.

Die Umstände im Vietnamkrieg jedoch, so Hamlin, haben dieses Verantwortungsgefühl der nationalen Sicherheit geändert. In einem Stellvertreterkrieg, in dem die USA offiziell nur unterstützende Gäste der südvietnamesischen Regierung waren, ist eine Zensur der militärischen Vorgänge schwer möglich, da der offizielle Kriegszustand nicht von der amerikanischen Regierung unter Kennedy anerkannt worden ist (Klein 2012: 58ff). Dies gab den Journalisten erstmals die Chance die Dinge die in Vietnam geschehen wie innenpolitische Angelegenheiten zu berichten (Hallin 2010: lOff).

Im Vietnamkrieg gab es jedoch anfangs zahlreiche Maßnahmen, die zumindest ein gewisses Bild der amerikanischen Unternehmungen schützen sollte. Gerade in der Zeit vor der Tet-Offensive (1961-1967) war die Unabhängigkeit der amerikanischen Medien stark limitiert. Es wurde insgesamt sehr unkritisch berichtet und die offiziellen Darstellungen der Regierung fanden sich fast eins zu eins in den Berichten und Artikeln wieder(Hallin 2010: 162ff). Dies ist unter anderem auf ein besonderes

Vertrauensverhältnis zwischen den Reportern und den Soldaten vor Ort zurückzuführen. Lars Klein beschreibt dieses Phänomen in seinem Werk „Die ,, Vietnam-Generation“ der Kriegsberichterstatter“ als natürliche Affinität, „because we all arrived in the same place at the same time with the same enemies“ (Klein 2012: 53). Auch nach der Tet-Offensive lässt sich kein schlechtes Wort über die rangniederen Soldaten finden. Der später näher beleuchtete Reporter Peter Amett fühlt sich sogar schuldig und empfand seine Anwesenheit als Journalist im Kampfgebiet als Bürde für die Soldaten, die ihn beschützen müssen (Amett 1994: 233). Diese Art der emotionalen Prägung der Journalisten schlug sich offensichtlich auch in der Berichterstattung über den Krieg nieder und daher bedarf es in dieser Hinsicht keiner Zensur. Die durchaus häufige und wortstarke Kritik an Befehlshabern und Regierungsmitgliedem war jedoch an gewisse technische Voraussetzungen geknüpft. Kriegsberichte konnten ausschließlich über das von der südvietnamesischen Regierung aufgebaute Telekommunikationscenter versendet werden. Dabei wurden unliebsame Berichte oft mehrere Stunden teilweise auch über Tage hinweg aufgehalten bevor sie zu den jeweiligen Nachrichtenorganisationen durchgestellt wurden. Auch die Fotografen vor Ort wurden zu Beginn der Unterstützung durch die USA von amerikanischen und südvietnamesischen Soldaten häufig daran gehindert Bilder zu machen, die amerikanische Soldaten im Einsatz zeigten, obwohl die Regierung ein aktives Engagement nicht publik machte. Außerdem gab es sieben nicht wirklich freiwillige Richtlinien: „Code der freiwilligen Selbstzensur“. Darin wurde festgehalten militär-taktische Details nicht zu veröffentlichen. Der Botschaft wurde empfohlen kritische Reporter von militärischen Operationen auszuschließen und ihnen deutlich zu machen, dass es kein amerikanischer Krieg sei (Klein 2012: 65).

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Lage der Journalisten in der amerikanischen Geschichte einmalig ist. Sie dürfen von einem amerikanischen Krieg berichten, der offiziell keiner ist und daher auch nicht den üblichen Gesetzesvorlagen unterliegt. Dennoch wäre es falsch zu denken, dass die Reporter uneingeschränkte waren. Sowohl die amerikanische, aber auch die südvietnamesische Regierung hat versucht die kritischen Berichte einzudämmen. Es gab auch einen starken Konsens unter den Reportern, die demokratischen Werte und die weltpolitische Position der USA im kalten Krieg nicht zu schwächen bzw. anzugreifen. Die Kriegsberichterstatter hielten sich daher von sich aus an eine sogenannte „Selbstzensur“.

4. Die verschiedenen Blickwinkel der Kriegsberichterstatter vor Ort

4.1 Peter Arnetts Erfahrungen in Vietnam

Peter Amett schrieb seine persönlichen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter in seinem Buch „Live from the battlefield“ nieder. In Vietnam war er für die weltweit größte New Yorker Nachrichtenagentur „Associated Press“ tätig. Des Weiteren erhielt er 1966 einen Pulitzer-Preis für seine Reportagen aus Vietnam.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der zensurfreien Presse im Vietnamkrieg
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Friedens- und Konfliktforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V1135169
ISBN (eBook)
9783346509833
ISBN (Buch)
9783346509840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zensur, Presse, Vietnam, Friedensforschung, Konfliktforschung, Forschung, Hausarbeit, Pressegeschichte, Meinungsfreiheit, Manipulation, Kriegsfolgen, VIetnamkrieg, press, Berichterstattung
Arbeit zitieren
Felix Mutscheller (Autor:in), 2019, Auswirkungen der zensurfreien Presse im Vietnamkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1135169

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