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Timbuktu als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit im Wandel der Geschichte

Title: Timbuktu als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit im Wandel der Geschichte

Thesis (M.A.) , 1998 , 103 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magister Artium Peter Lenke (Author)

African Studies - Culture and Applied Geography
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Der Mythos, der der Stadt Timbuktu bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts anhaftete, als die ersten Berichte von europäischen Augenzeugen bekannt wurden, war vorwiegend durch den enormen Goldreichtum des Sudan bedingt, für den die Stadt in den Augen der Europäer stellvertretend war (HERBERT 1980: 449). Timbuktu war in Wirklichkeit jedoch nur ein Umschlagplatz für den Handel zwischen Schwarzafrika und dem Norden und verfügte selbst weder über natürliche Ressourcen noch über Produktionsstätten. Ein anderer Reichtum Timbuktus hingegen war der Stadt selbst und ihrer bewegten Geschichte entwachsen, wenn auch der Handel und äußere Einflüsse hierbei eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielten: Timbuktu entwickelte sich im Laufe seiner Geschichte zu einem Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit und übte als solches Einfluß auf die politische und kulturelle Entwicklung Westafrikas aus.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, diese Tradition genauer zu beleuchten, ihre Entwicklung vor dem Hintergrund der Geschichte zu skizzieren und die unterschiedlichen Faktoren zu benennen, die zu ihrer Entstehung, zu ihrer Blüte und zu ihrem Niedergang beitrugen. Ein zentraler Faktor, der hierbei verdeutlicht werden soll, ist die Wechselwirkung zwischen der Gelehrtentradition, der islamischen Religion, der ökonomischen Prosperität und der politischen Stabilität. So soll weiterhin analysiert werden, in welchem Verhältnis die Gelehrten Timbuktus während der verschiedenen Epochen und Reiche zu den jeweiligen Machthabern standen und welche Rolle sie für die Geschicke der Stadt gespielt haben. Schließlich wird untersucht, in welcher Weise Timbuktu als Zentrum der Lehre die kulturelle und religiöse Entwicklung Westafrikas geprägt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen und Methode

2.1. Quellen

2.1.1. Primärquellen

2.1.2. Bewertung der Quellen

2.2. Methode

3. Die Geschichte Timbuktus als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit

3.1. Die Gründung der Stadt

3.1.1. Die Ursprünge Timbuktus

3.1.2. Der Sudan vor dem Aufstieg Timbuktus

3.1.2.1. Der Transsahara-Handel

3.1.2.2. Die Ausbreitung des Islam in Westafrika

3.2. Der Aufstieg Timbuktus zum Gelehrtenzentrum unter Mali

3.2.1. Historischer Überblick

3.2.2. Die Gründung einer Gelehrtentradition

3.2.2.1. Der Einfluß der Politik Mansa Mussas

3.2.2.2. Der Aufstieg Timbuktus

3.2.2.3. Die ersten Gelehrten Timbuktus

3.3. Die Stadt unter den Tuareg

3.3.1. Historischer Überblick

3.3.2. Die Ulama unter den Tuareg

3.4. Timbuktu unter Songhai-Herrschaft: Sonni Ali

3.4.1. Historischer Überblick

3.4.2. Die Ulama unter Sonni Ali

3.4.2.1. Die Politik Sonni Alis gegenüber den Gelehrten Timbuktus

3.4.2.2. Die verbleibenden Gelehrten Timbuktus

3.5. Die Blütezeit Timbuktus unter den Askia

3.5.1. Historischer Überblick

3.5.2. Die Blüte Timbuktus als Gelehrtenstadt

3.5.2.1. Die Gelehrten Timbuktus unter den Askia

3.5.2.2. Organisation, Umstände und Inhalt der Lehre

3.5.2.3. Bedeutung der Gelehrten Timbuktus im soziokulturellen Kontext des Sudan

3.5.3. Die Ulama als politische Akteure

3.5.3.1. Die Politik Askia Mohammeds

3.5.3.2. Der politische Einfluß der Ulama unter den Askia

3.6. Die marokkanische Eroberung und die Herrschaft der Arma

3.6.1. Historischer Überblick

3.6.2. Die Gelehrtentradition unter den Arma

3.7. Das 19. Jahrhundert

3.7.1. Historischer Überblick

3.7.2. Die Gelehrtentradition im 19. Jahrhundert

4. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung Timbuktus als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit und untersucht die Faktoren, die zu Entstehung, Blüte und Niedergang dieser Gelehrtentradition beigetragen haben. Dabei steht insbesondere die Wechselwirkung zwischen Gelehrsamkeit, islamischer Religion, ökonomischer Prosperität und politischer Stabilität im Vordergrund.

  • Historische Entwicklung der Gelehrtentradition in Timbuktu
  • Wechselbeziehung zwischen Transsahara-Handel und Islam
  • Politische Rolle und Status der Ulama in verschiedenen Epochen
  • Einfluss externer Mächte und Eroberer auf die wissenschaftliche Lehre
  • Institutionelle Ausprägung des Gelehrtenwesens in Timbuktu

Auszug aus dem Buch

3.2.2.1. Der Einfluß der Politik Mansa Mussas

Mansa Mussa wird wie kein anderer Souverän Malis von den zeitgenössischen Quellen des mittelalterlichen Afrika in großer Ausführlichkeit beschrieben. Besonders seine Wallfahrt rief ein großes Echo hervor, und die Quellen lassen darauf schließen, daß seine Politik einen großen Einfluß auf die Entwicklung des Handels, auf die Beziehungen mit der arabischen Welt und somit auch auf die Entfaltung der Gelehrtentradition in Mali im allgemeinen und in Timbuktu im besonderen hatte.

Die Wallfahrt des Mansa Mussa, sowie wahrscheinlich auch die weniger gut dokumentierten Pilgerfahrten seiner Vorgänger, bewirkten eine ökonomische und kulturelle Öffnung des Sudan gegenüber der arabischen Welt und besonders gegenüber Ägypten. Die Handelsbeziehungen und die politischen Bindungen zu den nordafrikanischen Nachbarn wurden gestärkt, der Zustrom arabischer Kaufleute, die vom Gold des Sudan angezogen wurden, in den Sudan nahm zu und die östlichen transsaharischen Handelswege von Timbuktu über Gao und Tadmekka oder über Tuat und Ghadames nach Ägypten gewannen an Bedeutung (CORNEVIN 1962: 356). Hierbei mag auch die Tatsache eine Rolle gespielt haben, daß die nubischen Goldminen, welche für Ägypten damals die wichtigste Goldquelle darstellten, zu jener Zeit erschöpft waren (HISKETT 1984: 15). Mansa Mussa knüpfte nicht zuletzt aus wirtschaftspolitischen Motiven umfangreiche diplomatische Beziehungen mit den Herrschern von Kairo und Mekka sowie mit dem Sultan von Fez. IBN KHALDUN erwähnt die freundschaftliche Beziehung, die den Mansa mit dem merinidischen Sultan von Marokko Abou-‘l-Hacen verband und durch gegenseitige Geschenke gepflegt wurde (IBN KHALDUN 1959: 72).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Timbuktu als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit und Darlegung der Forschungsfragen.

2. Quellen und Methode: Vorstellung und Bewertung der primären Chroniken (Tarikhs) sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens der Arbeit.

3. Die Geschichte Timbuktus als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit: Analyse der städtischen Entwicklung von den Ursprüngen bis zur Eroberung durch die Franzosen unter Berücksichtigung der jeweiligen Herrscher und Gelehrten.

4. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse zur Entwicklung Timbuktus als Gelehrtenstadt durch die Faktoren Islam, Handel und politische Strukturen.

Schlüsselwörter

Timbuktu, Gelehrsamkeit, Ulama, Songhai-Reich, Mali-Reich, Islamisierung, Transsahara-Handel, Gelehrtentradition, Geschichte Westafrikas, Mansa Mussa, Askia Mohammed, Tarikhs, Wissenschaftsgeschichte, Sankore, Maghreb.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Genese und Entwicklung von Timbuktu als bedeutendes Zentrum islamischer Gelehrsamkeit in Westafrika über einen Zeitraum von acht Jahrhunderten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die zentralen Themen sind die Verknüpfung von Handelswegen, islamischer Religion und der Institutionalisierung wissenschaftlicher Lehre in verschiedenen historischen Herrschaftsepochen.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, die Faktoren zu benennen, die zu Entstehung, Blüte und Niedergang der Gelehrtentradition Timbuktus beitrugen, und das Verhältnis zwischen den Gelehrten (Ulama) und den politischen Machthabern zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine chronologische Auswertung lokaler Chroniken (Tarikhs) sowie europäischer Reiseberichte, die durch moderne geschichtswissenschaftliche Sekundärliteratur ergänzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte von der Stadtgründung, über die Ära von Mali und den Songhai-Herrschern bis hin zur marokkanischen Eroberung und der Zeit des 19. Jahrhunderts.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Timbuktu, Ulama, Transsahara-Handel, Gelehrtentradition, Mali, Songhai und islamische Gelehrsamkeit.

Welche Rolle spielte Mansa Mussa für Timbuktu?

Mansa Mussa förderte durch seine Wallfahrten, Diplomatie und Investitionen in Moscheen und Gelehrte die kulturelle und wirtschaftliche Öffnung Timbuktus, was wesentlich zum Aufstieg der Stadt beitrug.

Warum kam es unter Sonni Ali zu Spannungen mit den Gelehrten?

Die Spannungen resultierten aus der unterschiedlichen politischen Ideologie; Sonni Ali vertrat traditionelle militärische Machtansprüche, während die Gelehrten eine politische Mitgestaltung basierend auf islamischer Orthodoxie anstrebten.

Wie wirkte sich die marokkanische Eroberung auf die Lehre aus?

Die Eroberung führte zu einer anfänglichen Unterdrückung der Gelehrten, Deportationen (u.a. von Ahmed Baba) und einem allmählichen Verlust der Autonomie, was langfristig zum Niedergang der Dynamik der Gelehrtentradition beitrug.

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Details

Title
Timbuktu als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit im Wandel der Geschichte
College
University of Cologne  (Institut für Afrikanistik)
Grade
1,0
Author
Magister Artium Peter Lenke (Author)
Publication Year
1998
Pages
103
Catalog Number
V113527
ISBN (eBook)
9783640133529
ISBN (Book)
9783640135455
Language
German
Tags
Timbuktu Zentrum Gelehrsamkeit Wandel Geschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Peter Lenke (Author), 1998, Timbuktu als Zentrum afrikanischer Gelehrsamkeit im Wandel der Geschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113527
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