Das Phänomen Gewalt in der Schule ist nichts Neues, sondern in den letzten Jahren immer stärker ins Blickfeld gesellschaftlichen, politischen und medialen Interesses geraten. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der die Menschen und vor allem die Medien sensibler auf Gewaltakte Jugendlicher und Kinder reagieren. „Die kulturelle Sensibilität hat sich gegenüber allen Formen von Gewalt erhöht." Diese Tatsache ist nicht nur negativ zu bewerten, ganz im Gegenteil, sie trägt dazu bei, dass die Pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer sich mit diesem Problem auseinander setzen, und wenn nötig an ihren Schulen Präventionsarbeit leisten können.
„Gewalt unter Schulkindern ist zweifellos ein sehr altes Phänomen. Die Tatsache, daß einige Kinder häufig und systematisch von anderen Kindern gemobbt und angegriffen werden, wurde in Werken der Literatur beschrieben, und viele Erwachsene haben damit Erfahrung aus ihrer eigenen Schulzeit. In den letzten Jahren hat dieses Problem an Schärfe deutlich zugenommen.“ Der aktuelle Vorfall an der Berliner Rütli-Hauptschule im Stadtteil Neukölln macht deutlich, dass Gewalt an Schulen heutzutage präsenter und aktueller ist, als viele Menschen angenommen haben. Wenn es Pädagogen nicht mehr darum geht ihren Lehrplan zu erfüllen, sondern sie nur noch froh sind, mit dem Leben aus dem Klassenzimmer zu kommen und ihre Schüler als unbeschulbar deklariert werden, so zeigt dies deutlich, wie schlimm die Lage wirklich ist.
Der Hilferuf der Lehrer der Rütli-Schule an die Regierung „Das Verhalten im Unterricht ist geprägt durch totale Ablehnung und menschenverachtendes Auftreten. (…) Der Intensivtäter wird zum Vorbild! (…) Wir sind ratlos.“, kommt zu spät. Die Lehrer sind nicht mehr „Herr“ der Lage. Die Ursache für diese gewalttätigen Vorkommnisse liegt im Umfeld der Schule. Der hohe Ausländeranteil (ca. 83% der Schüler sind nicht deutscher Herkunft) und fehlende Integration sowie fehlende Zukunftsperspektiven fördern Aggressionen und Gewalt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung in die Grundschulpädagogik
2.1. Sicherheits- und Gewaltpräventionsmaßnahmen in Schulen
2.1.1. Verhütung von Gewalt und Maßnahmen bei einem akuten Gewaltvorfall
3. Begriffsbestimmung
3.1. Aggression
3.2. Gewalt
4. Erscheinungsformen von Gewalt
4.1. Personale Gewalt
4.1.1. Physische Gewalt
4.1.2. Psychische Gewalt
4.1.3. Sexuelle Gewalt
4.1.4. Frauenfeindliche und fremdenfeindliche bzw. rassistische Gewalt
4.2. Strukturelle Gewalt
5. Gewalt an Schulen
5.1. Täter-Opfer-Typologien im schulischen Kontext
5.1.1. Was charakterisiert einen typischen Gewalttäter?
5.1.1.1. Die Entstehungsbedingungen von Gewalttäterschaft
5.1.1.2. Lehrer und Erzieher als Täter?
5.1.2. Was charakterisiert ein typisches Gewaltopfer?
5.2. Erscheinungsformen der Gewalt an (Grund-)Schulen
5.2.1. Vandalismus
5.2.1.1. Ursachen für Vandalismus
5.2.2. Gewalt zwischen Schülern
5.2.2.1. Körperliche Gewalt unter Schülern
5.2.2.2. Verbale Gewalt unter Schülern
5.2.2.3. Weitere Formen der Gewalt unter Schülern
5.2.2.4. Ursachen für Gewalt zwischen Schülern
5.2.3. Gewalt gegen Lehrer
5.2.4. Gewalt von Lehrern gegen Schüler
6. Gewalt in der Schule – importiert oder selbst produziert?
6.1. Gewaltförmiges Verhalten von Schüler(innen) im Kontext außerschulischer Sozialisation
6.1.1. Familiensituation und elterliche Erziehung
6.1.2. Die Gruppe der Gleichaltrigen
6.1.3. Geschlechterspezifische Unterschiede
6.1.4. Medienkonsum
6.2. Gewaltförmiges Verhalten von Schüler(innen) im sozial-ökologischen Kontext der Schule
6.2.1. Schulgröße
6.2.1.1. Klassenstärke
6.2.2. Schullage
6.2.3. Lernkultur
6.2.4. Sozialklima
6.2.5. Lehrer
6.2.5.1. Lehrerpersönlichkeit
6.2.5.2. Lehrervorbild
6.2.6. Stigmatisierung und „soziale Etikettierung“ von Schülern
6.3. Zusammenfassung
7. Empirische Befunde
7.1. Vorgehensweise
7.2. Die Grundschulen
7.3. Unterschiede bezüglich verschiedener Bezugsfelder
7.3.1. Formen der Gewaltanwendung in Grundschulen
7.3.1.1. Verbale Gewalt
7.3.1.2. Täter und Opfer
7.3.2. Stadt-Land-Vergleich
7.3.3. Gewalt gegenüber Lehrern
7.3.4. Persönliche Beteiligung bei Gewalttaten
7.3.5. Allgemeine Hilfsbereitschaft bei Gewalttaten in der Schule und auf dem Schulweg
7.3.6. Intervention der Schule bei Gewaltkonflikten
7.4. Hat die Gewalt im Zeitverlauf zugenommen?
7.4.1. Situation an den untersuchten Grundschulen
7.4.2. Änderung der Form und Häufigkeit von Gewalt mit steigendem Alter
7.4.3. Opfer von Gewalt als potentielle Täter
7.5. Fazit
8. Möglichkeiten der Gewaltprävention und -intervention im Schulalltag
8.1. Aspekte einer gewaltmindernden Pädagogik
8.2. Präventive Maßnahmen im schulischen Bereich
8.2.1. Übergreifende Ebene
8.2.1.1. Pädagogische Maßnahmen zum Umgang mit Gewalttätern und ihren Taten
8.2.1.2. Befreien aus der Opferrolle – Erkennen, schützen, stärken
8.2.1.3. Entwicklung und Förderung der sozialen Kompetenz
8.2.1.3.1. Selbstkonzept – Selbstwertgefühl
8.2.1.3.2. Persönlichkeit stärken auch bei Lehrern
8.2.1.3.3. Miteinander reden – Einander verstehen
8.2.2. Schulebene
8.2.2.1. Einführung von Regeln
8.2.2.1.1. Schulordnung
8.2.2.2. Raum geben – Schulleben ermöglichen
8.2.2.3. Entwicklung der Lernkultur
8.2.2.4. Entwicklung des Sozialklimas
8.2.2.5. Sichere Gestaltung des Schulweges
8.2.2.5.1. Buslotsen
8.2.2.6. Kooperation mit außerschulischen Institutionen und Elternhaus
8.2.2.6.1. Frustration abbauen - Regeln achten – Fairness üben in Sport und Spiel
8.2.3. Klassenebene
8.2.3.1. Klassenregeln gegen Gewalt
8.2.3.2. Rollenspiele
8.2.3.3. Lob und Strafe
8.2.3.4. Regelmäßige Klassengespräche
8.2.3.4.1. Interagieren – Identität fördern
8.2.3.5. Kooperatives Lernen
8.2.3.6. Medienerziehung gegen Mediengewalt
8.2.4. Individuelle Ebene
9. Gewaltprävention in der Grundschule
9.1. Gewaltfreie Konfliktbewältigung in der Grundschule
9.1.1. Begriffsbestimmung
9.1.2. Schüler-Schüler-Konflikte
9.1.3. Lehrer-Schüler-Konflikte
9.1.4. Funktion von Konflikten
9.1.5. Konfliktverlauf
9.1.6. Methoden der Konfliktprävention und -bearbeitung
9.1.7. Gewaltfreie Konfliktaustragung nach Jamie Walker
9.2. Präventionsprogramme für jüngere Schüler
9.2.1. FAUSTLOS
9.2.1.1. Die drei Einheiten von Faustlos
9.2.1.2. Das Besondere an Faustlos
9.2.2. Training mit aggressiven Kindern nach Petermann/ Petermann
9.2.2.1. Zielsetzung
9.2.2.2. Diagnostik
9.2.2.3. Grundkonzeption des Trainings
9.2.2.3.1. Therapieziele
9.2.2.4. Aufbau des therapeutischen Vorgehens
9.2.3. Schulumfassende Maßnahmen nach Dan Olweus
9.2.3.1. Zielsetzung und Grundprinzipien
9.2.3.2. Wichtige Erkenntnisse
9.2.3.3. Konkrete Vorstellungen des Interventionsprogramms
9.3. Weitere präventive Maßnahmen
9.3.1. Programme für alle Schüler
9.3.1.1. Streit-Schlichter-Programm (Peer-Meditation)
9.3.1.2. Sozialtraining in der Schule
9.3.1.3. Coolness Training
9.3.2. Lehrerprogramme
9.3.2.1. Konstanzer Trainingsmodell (KTM)
9.3.2.2. Schulinterne Lehrerfortbildung zur Gewaltprävention (SchiLF)
10. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Hausarbeit zielt darauf ab, das Phänomen Gewalt in der Grundschule fundiert zu analysieren, Ursachen für dieses Verhalten im schulischen und außerschulischen Umfeld aufzuspüren und effektive Präventions- sowie Interventionsmöglichkeiten für den Schulalltag zu erarbeiten, um dem pädagogischen Fachpersonal konkrete Handlungshilfen zur Reduzierung der Gewaltspirale zu bieten.
- Grundlagen der Gewaltprävention und -intervention an Grundschulen
- Erscheinungsformen und Ursachen von Gewalt im schulischen Kontext
- Sozial-ökologische Faktoren und deren Einfluss auf aggressives Schülerverhalten
- Empirische Untersuchung des Gewaltpotentials an ausgewählten Grundschulen
- Praktische Konzepte zur Gewaltprävention (z.B. Faustlos, Streitschlichtung)
- Stärkung der Lehrerprofessionalität und der Lernkultur zur Gewaltminderung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Das Phänomen Gewalt in der Schule ist nichts Neues, sondern in den letzten Jahren immer stärker ins Blickfeld gesellschaftlichen, politischen und medialen Interesses geraten. Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der die Menschen und vor allem die Medien sensibler auf Gewaltakte Jugendlicher und Kinder reagieren. „Die kulturelle Sensibilität hat sich gegenüber allen Formen von Gewalt erhöht."1 Diese Tatsache ist nicht nur negativ zu bewerten, ganz im Gegenteil, sie trägt dazu bei, dass die Pädagogen, Lehrerinnen2 und Lehrer sich mit diesem Problem auseinander setzen, und wenn nötig an ihren Schulen Präventionsarbeit leisten können.
„Gewalt unter Schulkindern ist zweifellos ein sehr altes Phänomen. Die Tatsache, daß einige Kinder häufig und systematisch von anderen Kindern gemobbt und angegriffen werden, wurde in Werken der Literatur beschrieben, und viele Erwachsene haben damit Erfahrung aus ihrer eigenen Schulzeit. In den letzten Jahren hat dieses Problem an Schärfe deutlich zugenommen.“3 Der aktuelle Vorfall an der Berliner Rütli-Hauptschule im Stadtteil Neukölln macht deutlich, dass Gewalt an Schulen heutzutage präsenter und aktueller ist, als viele Menschen angenommen haben. Wenn es Pädagogen nicht mehr darum geht ihren Lehrplan zu erfüllen, sondern sie nur noch froh sind, mit dem Leben aus dem Klassenzimmer zu kommen und ihre Schüler als unbeschulbar deklariert werden, so zeigt dies deutlich, wie schlimm die Lage wirklich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein und verdeutlicht die zunehmende mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Gewaltphänomen an Schulen, wobei die Relevanz der pädagogischen Auseinandersetzung hervorgehoben wird.
2. Einordnung in die Grundschulpädagogik: Es wird die Rolle der Grundschule als Lern- und Lebensraum definiert und die Verpflichtung zur Präventionsarbeit im Rahmen des schulischen Bildungsauftrags erläutert.
3. Begriffsbestimmung: Hier werden die theoretischen Grundlagen und Definitionen für die Begriffe Aggression und Gewalt dargelegt, wobei auf die fehlende wissenschaftliche Einigkeit hingewiesen wird.
4. Erscheinungsformen von Gewalt: Dieses Kapitel kategorisiert Gewalt in personale und strukturelle Formen, einschließlich ihrer spezifischen Ausprägungen wie physischer, psychischer und sexueller Gewalt.
5. Gewalt an Schulen: Es werden Täter-Opfer-Typologien sowie verschiedene Gewaltphänomene im schulischen Alltag, von Vandalismus bis hin zu Konflikten, detailliert untersucht.
6. Gewalt in der Schule – importiert oder selbst produziert?: Die Ursachen von Gewalt werden hier im Kontext außerschulischer Sozialisation und schulinterner Faktoren (z.B. Sozialklima, Lehrereinfluss) analysiert.
7. Empirische Befunde: Das Kapitel stellt die methodische Vorgehensweise und Ergebnisse der durchgeführten Befragung an vier Grundschulen hinsichtlich Gewaltvorkommen und -potential dar.
8. Möglichkeiten der Gewaltprävention und -intervention im Schulalltag: Es werden konkrete pädagogische Strategien und Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen (Schule, Klasse, individuell) zur Gewaltminderung diskutiert.
9. Gewaltprävention in der Grundschule: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die spezifische Umsetzung von Präventionskonzepten in der Grundschule, inklusive Modellen zur Konfliktbewältigung und professioneller Lehrerprogramme.
10. Resümee: Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Rückblick auf die Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von schulischer Gewalt und unterstreicht die Notwendigkeit einer nachhaltigen Auseinandersetzung.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Grundschule, Schulpädagogik, Aggression, Gewalt, Konfliktbewältigung, Schulsozialarbeit, soziale Kompetenz, Lehrerverhalten, Täter-Opfer-Typologie, Mobbing, Medienkonsum, Präventionsprogramm, Sozialklima, Schulkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich intensiv mit dem Phänomen Gewalt an Grundschulen, untersucht deren vielfältige Ursachen im schulischen und außerschulischen Umfeld und zeigt pädagogische Wege zur Prävention und Intervention auf.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit behandelt unter anderem Begriffsbestimmungen von Gewalt, Erscheinungsformen wie Vandalismus und Mobbing, den Einfluss des familiären und sozialen Umfelds sowie die Bedeutung der schulischen Interaktions- und Lernkultur.
Welches primäre Ziel verfolgt die Verfasserin mit dieser Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Ursachen für Gewalt aufzuspüren und vor allem praxisorientierte Handlungsformen zu identifizieren, die Lehramtsstudierenden und Lehrkräften helfen, der Gewaltspirale im Grundschulalltag entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer eigenen empirischen Untersuchung in Form einer schriftlichen Fragebogenbefragung an vier ausgewählten Grundschulen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Gewaltpotentialen und eine darauffolgende empirische Analyse, in der das tatsächliche Gewalterleben und die Einstellung der Schüler sowie die Präventionsansätze der Schulen beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gewaltprävention, soziale Kompetenz, Täter-Opfer-Typologien, Schulklima, Lernkultur sowie die Unterscheidung zwischen personaler und struktureller Gewalt.
Welche Rolle spielen "Sicherheits- und Gewaltpräventionsmaßnahmen" laut dem zitierten Erlass?
Der Erlass verpflichtet Schulen zur Entwicklung individueller Sicherheitskonzepte und zur jährlichen Thematisierung von Gewaltvorfällen, um ein verbindliches und rechtssicheres Vorgehen bei Gewaltfällen zu etablieren.
Welche Bedeutung haben "Peer-Mediation" und "Streitschlichter" in diesem Kontext?
Diese Ansätze werden als effektive präventive Maßnahmen hervorgehoben, da sie Schülern Eigenverantwortung übertragen und soziale Lernprozesse fördern, indem sie Konflikte auf Augenhöhe und unter Aufsicht moderieren.
- Quote paper
- Katja Küchemann (Author), 2006, Gewaltprävention in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113555