Die Redestörung Stottern. Erfahrungen von betroffenen Schülern und die Sicht der Lehrkräfte


Examensarbeit, 2008

173 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Theoretischer Teil

1 Einleitung

2 Stottern und Sprache
2.1 Versuch einer Definition von „Stottern“
2.2 Klassifikation (ICD-10)
2.3 Einordnung und Beschreibung des Stotterns
2.4 Abgrenzung der Redeflussstörung Stottern von Störungen der Sprache und der Aussprache
2.5 Die Sprachentwicklung bei Kindern
2.5.1 Unterschiede in der Sprachentwicklung (Produktion) zwischen nicht-stotternden und stotternden Kindern

3 Idiopathisches Stottern – Entstehung, Entwicklung und Erscheinung
3.1 Entstehung kindlichen Stotterns
3.2 Abgrenzung des idiopathischen Stotterns von anderen Störungen der Rede
3.2.1 Normale, entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeiten
3.2.2 Poltern
3.2.3 Neurogenes/ psychogenes, erworbenes Stottern
3.2.4 Totaler/ elektiver Mutismus
3.2.5 Spasmodische Dysphonie
3.3 Epidemiologie
3.3.1 Beginn
3.3.2 Geschlechterverteilung
3.3.3 Inzidenz & Prävalenz
3.3.4 Remission
3.4 Symptomatik
3.4.1 Sprechsymptome (€ Kernsymptome) und Begleitsymptome
3.4.2 Coping-Strategien
3.4.3 Innere Symptome

4 Idiopatisches Stottern – Verursachende Bedingungen
4.1 Hypothesen zur Verursachung
4.2 Disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren kindlichen Stotterns
4.2.1 Disponierende Faktoren
4.2.2 Auslösende Faktoren
4.2.3 Aufrechterhaltende Faktoren
4.2.4 Multifaktorielle Verursachung

5 Idiopatisches Stottern – Ein Einblick in Diagnostik und Therapie
5.1 Grundsätze der Diagnostik bei Stottern im Kindesalter
5.2 Bereiche der Diagnostik
5.3 Differentialdiagnose
5.4 Auswertung und Prognose
5.5 Therapiemöglichkeiten für Kinder
5.5.1 Ziele der Stottertherapie
5.5.2 Indirekte Therapien
5.5.3 Direkte Therapien
5.5.4 Mischformen
5.5.5 Effektivität der Therapien
5.5.6 Sonstige Behandlungsformen
5.5.7 Therapieansätze für Schüler
5.5.7.1 Schul-KIDS.

II Schulischer Teil

6 Verschiedene Perspektiven des Stotterns
6.1 Schülersicht
6.2 Lehrersicht
6.3 Mitschülersicht
6.4 Elternsicht
6.5 Offenheit als Grundprinzip

7 Stottern und Schule
7.1 Beschulungsformen für betroffene Kinder
7.1.1 Regelschule
7.1.2 Sprachheilschule
7.2 Fördermöglichkeiten und Hilfestellungen für stotternde Kinder an Regelschulen
7.2.1 Gesprächsverhalten
7.2.2 Unterricht / Unterrichtsgestaltung
7.2.3 Vorlesen als besondere Herausforderung
7.2.4 Förderung eines sozialen Miteinanders
7.2.5 Schonen oder fordern?
7.3 Kooperationen
7.3.1 Zusammenarbeit mit Therapeuten und Beratungsstellen
7.3.2 Zusammenarbeit mit den Eltern
7.4 Stottern als Behinderung
7.4.1 Rechtlicher Standpunkt
7.4.2 Nachteilsausgleich
7.4.3 Behandlung im Unterricht
7.5 Mobbing und Hänseleien – Möglichkeiten der Verringerung
7.5.1 Aufklärung der Schüler
7.5.2 „Stärkung“ des Stotternden

III. Empirischer / Praktischer Teil

8 Persönliche Motivation zur Auswahl des Thema

9 Methodisches Vorgehen
9.1 Beschreibung der Methoden – Qualitativer und quantitativer Ansatz
9.2 Durchführung der Methoden
9.3 Begründung der Methoden

10 Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe für Stotternde in Stuttgart
10.1 Kontaktaufnahme, Informationsbeschaffung und Vermittlung von Interviewpartnern
10.2 Erfahrungen bei den Treffen der Selbsthilfegruppe
10.3 Mitgestaltung einer Radiosendung des „Stotterfunk“
10.4 Funktion einer Selbsthilfegruppe – Möglichkeiten für Schüler

11 Auswertung der empirischen Untersuchungen
11.1 Auswertung der Interviews mit ehemals stotternden Schülern
11.1.1 Fragestellung und Intentionen
11.1.2 Ergebnisse des Interviews mit Rückbezug auf die Theorie
11.1.3 Bewertung des Interviews
11.2 Auswertung des Fragebogens mit praktizierenden Lehrerinnen und Lehrern
11.2.1 Fragestellung, Intentionen und Hypothesen
11.2.2 Ergebnisse der Auswertung mit Überprüfung der Hypothesen und in Bezug auf das Interview
11.2.3 Bewertung des Fragebogens

12 Resümee
12.1 Didaktische Überlegungen – Bezug zum Bildungsplan
12.2 Die Situation für stotternde Kinder an deutschen Regelschulen
12.3 „Stotterfreundliche(r)“ Schule / Unterricht?
12.4 Fazit

13 Literaturverzeichnis

Anhang.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterscheidungskriterien von Stottern und Poltern

Abbildung 2: Ablauf eines Stotterereignisses

Abbildung 3: Gegenüberstellung der äußeren und inneren Symptome des Stotterns

Abbildung 4: Modell der interaktiven Beziehung physiologischer, psycholinguistischer und

Abbildung 5: Disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren – Eine Darstellung

Abbildung 6: Anforderungs- und Kapazitätenmodell für flüssiges Sprechen (Starkweather)

Abbildung 7 : Gewöhnlicher Ablauf der Diagnostik

Abbildung 8: Merkmale zur Unterscheidung von normalen Sprechunflüssigkeiten

Abbildung 9: Zwei Wege um flüssigeres Sprechen zu erreichen

Grafik 1: Anzahl der unterrichteten stotternden Kinder

Grafik 2: Gefühlte Informiertheit zum Thema Stottern

Grafik 3: Informationsquellen

Grafik 4: Interessenlage nichtinformierter Lehrer

Grafik 5: Informationsnachfrage während der Ausbildung

Grafik 6: Informationsnachfrage der Lehrer während der Ausbildung - Ein Vergleich zwischen Aufgeklärten und Nichtaufgeklärten

Grafik 7: Überforderung mit stotternden Schülern insgesamt

Grafik 8: Überforderung mit stotternden Schülern – Aufgeklärte und nichtaufgeklärte Lehrer im Vergleich

Grafik 9: Schonung vs. Forderung – Schwierigkeiten von Lehrern

Grafik 10: Regelschule vs. Sprachheilschule für stotternde Kinder

Grafik 11: Regelschule vs. Sprachheilschule

Grafik 12: Nachteilsausgleich – ein gerechtes und angewandtes Mittel der Unterstützung?

Grafik 13: Gewährung des Nachteilsausgleichs – Befürworter und Gegner im Vergleich

Grafik 14: Offenheit von Kindern hinsichtlich ihres Stotterns

Grafik 15: Offenheit von Eltern hinsichtlich des Stotterns ihres Kindes

Grafik 16: Auswirkung elterlicher Offenheit auf die Offenheit des betroffenen Kindes

Grafik 17: Anwendung von Vermeidungsstrategien aus der Sicht von Lehrern

Grafik 18: Arten des Vermeidungsverhaltens

Grafik 19: Reaktion auf Handzeichen Stotternder im Unterricht

Grafik 20: Geduld in Hinblick auf Redebeiträge stotternder Schüler

Grafik 21: Bewertung der Sprechweise im Gespräch mit einem stotternden Kind

Grafik 22: Gefühle und Empfindungen gegenüber stotternden Schülern

Grafik 23: Belastende Regelschule?

Grafik 24: Verbesserungsvorschläge für eine stotterfreundliche Regelschule

I. Theoretischer Teil

1 Einleitung

„Angst, Scham, Unsicherheit, Minderwertigkeitsgefühle, Unruhe, Konzentrationsprobleme beim Sprechen, Gefühlschaos, Angst vor dem Entdecktwerden, Tabuthema“

Diese Stichworte spiegeln die Erfahrungen und Assoziationen eines ehemaligen, stotternden Schülers im Hinblick auf das Thema „Schule“ wider. So wie dieser Teilnehmer der Stotterer-Selbsthilfegruppe in Stuttgart oder so ähnlich reflektieren viele Stotternde ihre Schulzeit.

„Manchmal fühle ich mich mit ihm schon überfordert…irgendwie ist man eben hilflos, wenn man nicht weiß, wie man mit ihm umgehen soll. Er redet ja auch nie über sein Problem und seine Eltern auch nicht…mir ist es auch erst nach Wochen aufgefallen.“

Dieses Zitat stammt von einer Lehrerin der ersten Klasse an einer Stuttgarter Grundschule. Es macht deutlich, dass nicht nur stotternde Schüler über Probleme in ihrer Schulzeit klagen, sondern auch ihre Lehrer oft überlastet sind.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, welche Erfahrungen stotternde Schüler und ihre unterrichtenden Lehrer miteinander bzw. mit der Schule machen. Ist Schule für Stotternde wirklich ein Spießrutenlauf? Warum wird von ihnen häufig der Begriff „Angst“ im Zusammenhang mit Schule verwendet? Und welche Herausforderung stellt ein stotternder Schüler an einen Lehrer? Benötigt er eine Sonderbehandlung? Was wissen Lehrer überhaupt zum Thema „Stottern“? Diese und viele weitere Fragen sollen im Verlauf der Arbeit geklärt werden. Um einen Einblick in die Ansichten beider Personengruppen zu erhalten, werden ehemalige Schüler und Lehrer auf verschiedene Art und Weise befragt und infolgedessen untersucht. Eventuell auftretende Schwierigkeiten werden daraufhin analysiert und mögliche Alternativen oder eventuelle Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

Bevor der Begriff „Stottern“ jedoch in den Zusammenhang mit Schule gebracht werden kann, wird im ersten Teil der vorliegenden Arbeit erörtert, um welche Art von Störung es sich dabei überhaupt handelt. Um „Stottern“ zu verstehen bzw. es kennenzulernen, sind die Erläuterungen wichtiger theoretischer Fakten unerlässlich. Der Zusammenhang mit der Institution Schule ist jedoch auch an dieser Stelle gegeben. Es ist immerhin nicht unerheblich für Lehrer[1] zu wissen, welche Symptome Stotternde zeigen und welche Therapiemöglichkeiten es für Schüler[2] gibt.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich direkt mit der Institution Schule und der Rolle des stotternden Schülers darin. Mit Hilfe von Materialien der „Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.“[3] (BVSS), welche sich für stotternde Kinder und Jugendliche in der Schule einsetzt, werden mögliche Hilfestellungen sowie unterstützende Maßnahmen vorgestellt und diskutiert. Darüberhinaus wird das Umfeld der Betroffenen, sprich Eltern, Mitschüler und eventuell Therapeuten[4], mit einbezogen und deren Rolle dargelegt. Um didaktische Umsetzungsmöglichkeiten nicht außen vor zu lassen, werden Möglichkeiten der direkten Behandlung des Themas „Stottern“ im Unterricht vorgestellt und beurteilt.

Im dritten und praktischen Teil der Arbeit werden die Ergebnisse eines Interviews mit ehemaligen, stotternden Schülern im Bezug auf ihre Schulzeit präsentiert. Um die Lehrerseite ebenso einzubeziehen, werden im Anschluss die Resultate einer Onlineumfrage, in welcher es um das Wissen zum Thema „Stottern“ sowie um deren Erfahrungen mit betroffenen Heranwachsenden geht, offengelegt. Beide empirischen Untersuchungen werden in Bezug aufeinander ausgewertet, mit dem

Ziel aus direkten Quellen zu erfragen, welche Erfahrungen stotternde Schüler und Pädagogen[5] im Umgang mit ihnen machen. Daraus soll im Folgenden abgeleitet werden, wie Schule bzw. Unterricht für Stotternde angenehmer gestaltet werden kann. Dies geschieht auch in Bezug auf die im zweiten Teil erörterten Möglichkeiten.

2 Stottern und Sprache

2.1 Versuch einer Definition von „Stottern“

Was ist „Stottern“ überhaupt? Lässt es sich eindeutig und einstimmig definieren? Ist

„Stottern“ eine psychische Störung? Stottern alle Betroffenen gleich?

Das sind einige der Fragen, die man sich möglicherweise stellt, wenn man an „Stottern“ denkt. Die Frage nach einer eindeutigen und einstimmigen Definition muss mit „Nein“ beantwortet werden, da keine einheitliche Definition des Phänomens Stottern existiert.[6] Versuche das Phänomen Stottern (amerikanisch: stuttering; englisch: stammering) zu definieren, gibt es schon so lange wie das Stottern selbst. Die erste wissenschaftliche Definition stammt von Kussmaul , welcher Stottern im Jahre 1877 als „spastische Koordinationsneurose“ bezeichnete. Eine häufig zitierte Definition stammt von Wingate (1964). Übersetzt sagt sie sinngemäß: „Stottern ist eine Unterbrechung im Fluss des verbalen Ausdrucks, welche charakterisiert ist durch unwillentliche, hörbare oder stille Wiederholungen und Dehnungen bei der Äußerung kurzer Sprachelemente, insbesondere Laute, Silben und Wörter mit einer Silbe. Diese Unterbrechungen geschehen in der Regel häufig oder sind deutlich ausgeprägt und nicht ohne Weiteres kontrollierbar.“[7] Darin wird Stottern nicht als Symptom einer psycho- oder physiologischen Krankheit beschrieben, vielmehr erwähnt Wingate darin das unwillkürliche Auftreten und die Unkontrollierbarkeit der Stotterereignisse, welche zentrale Aspekte des Stotterns darstellen. Wichtig zu erwähnen ist außerdem, dass Stottern beim mitteilenden und nicht-kommunikativen Sprechen auftritt und unabhängig vom Willen des Sprechers ist. Stottern gilt als zentrale Sprechstörung, da sie sich in den Bereichen Respiration, Phonation, Artikulation, Sprechablauf und Motorik äußert. Betroffen sein können Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.[8] Eine allgemein anerkannte Definition was

„Stottern“ eigentlich ist, existiert trotz jahrzehntelanger Forschung hinsichtlich dieser Redestörung bis heute noch nicht. Dies liegt nicht zuletzt an den multifaktoriellen Ursachen, welche oft mit den Symptomen verwechselt werden.[9]

2.2 Klassifikation (ICD-10)

ICD steht für „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ und ist eine internationale Klassifikation von Krankheiten, die von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wird. Die neueste Ausgabe der ICD wird als ICD-10 bezeichnet. Seit dem Jahre 2004 gibt es eine deutsche Fassung, die ICD-10-GM (German Modification). Zur verkürzten Darstellung wird jeder ICD-Klasse ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet, wobei die ersten drei Stellen auf die Diagnose verweisen. Stottern wird den „Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend“ zugeordnet und trägt den Schlüssel F98.5. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Stottern folgendermaßen:

„Stottern ist ein Sprechen, das durch häufige Wiederholung oder Dehnung von Lauten, Silben oder Wörtern, oder durch häufiges Zögern und Innehalten, das den rhythmischen Sprechfluß unterbricht, gekennzeichnet ist. Geringfügige Dysrhythmien dieses Typs sind in einer Durchgangsphase in der frühen Kindheit oder als geringfügiges, aber fortdauerndes Sprechmerkmal im späten Kindesalter oder im Erwachsenenalter recht häufig. Sie sind als Störung nur zu klassifizieren, wenn ihre Ausprägung die Sprechflüssigkeit deutlich beeinträchtigt. Begleitende Bewegungen des Gesichts und anderer Körperteile, die zeitlich mit den Wiederholungen, Dehnungen oder Pausen im Sprechfluß zusammenfallen, können vorkommen.“ (Dilling, 2000, S.322)

Die WHO beschreibt das Phänomen Stottern in ihrer Definition eher allgemein. Da Stottern jedoch eine Störung ist, die bei jedem Betroffenen anders ausgeprägt ist, ist immer eine Einzelfalldiagnose notwendig. Um das individuelle Erscheinungsbild möglichst genau erfassen zu können, ist es möglich, sich Fragen zu dem Erscheinungsbild des Betroffenen zu stellen und zu beantworten. Mit diesen lässt sich dann beispielsweise Genaueres zur Entwicklung des Stotterns erfragen (z.B. Beginn), es lassen sich Besonderheiten der Redestörung herausfiltern (z.B. Mimik/ Gestik) und das soziale Umfeld kann genauer erforscht werden (z.B. Reaktionen in der Schule). Die vielen einzelnen Bausteine an Informationen können letztlich helfen, das individuelle Störungsbild des Stotternden präziser zu erfassen, um dann geeignete Interventionsmöglichkeiten auswählen zu können.[10]

2.3 Einordnung und Beschreibung des Stotterns

Damit ein störungsfreier Spracherwerb stattfinden kann, müssen vielfältige Bedingungen gegeben sein. Neben einer normalen geistigen Entwicklung und einer geeigneten Sprecherziehung, welche den psychisch-sozialen Entwicklungsbedingungen zuzuordnen sind, sind auch organische Voraussetzungen wie ein gesundes Gehör und funktionsfähige Sprechorgane von Bedeutung. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, lassen sich drei Arten von Beeinträchtigungen unterscheiden: Störungen der Sprache, Störungen der Aussprache und Störungen der Rede.[11] Stottern zählt dabei zu den Störungen der Rede, da es beim Stottern zu Auffälligkeiten im Redefluss kommt. Es passieren häufige Unterbrechungen, Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen von Lauten, Silben und Wörtern.

Betrachtet man die Symptome des Stotterns, ist eine Unterscheidung zwischen klonischem und tonischem Stottern sinnvoll. Die klonische Störung zeichnet sich durch „hämmernde“ Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörter aus, wobei oft eine Dehnung am Wortende folgt (z.B. „Haus-d-d-d-daaaaach“). Organisch betrachtet kommt es dabei immer wieder zum krampfhaften, schnellen Zusammenziehen der Sprechmuskulatur. Leidet ein Stotternder hingegen unter der tonischen Störungsvariante, schafft er es oft nicht ein Wort zu beginnen oder zu Ende zu sprechen sondern presst stattdessen vergeblich (z.B. „----Schnabel“ oder „Raub----tier“). Es kostet dem Stotternden meist sehr viel Kraft, diese Verkrampfungen, welche die Sprechmuskulatur blockieren, wieder zu lösen. Diese beiden Störungsbilder treten jedoch nicht nur in ihrer Reinform auf, sondern kommen auch kombiniert vor. Je nachdem welche Störungsform überwiegt, spricht man dann von klonisch-tonischem bzw. tonisch-klonischem Stottern.[12] Die Unterscheidung zwischen tonischem und klonischem Stottern, die auch heute noch oft angewendet wird, ist andererorts umstritten. Ihr wird nachgesagt, dass Sie überholt sei, da sie davon ausgehe, dass Stottern, wie früher angenommen, ein Krampfleiden sei, das die Gehirnstrukturen betreffe und von Stotterspasmen geprägt sei.[13] Eine Vermischung von Symptombeschreibungen und ungenauen Annahmen über die Entstehung der Redestörung ist in jeden Fall problematisch.

2.4 Abgrenzung der Redeflussstörung Stottern von Störungen der Sprache und der Aussprache

Wie bereits erwähnt, zählt Stottern, ebenso wie Poltern, verschiedene Formen des Mutismus und entwicklungsbedingte Redeflussstörungen zu den Redestörungen. Davon abzugrenzen sind Sprach- und Aussprachestörungen. Unter die Störungen der Sprache fallen verschiedene Auffälligkeiten der Kommunikation und des Sprechens. Es kommt bei diesen Störungen zu Problemen bei der Produktion und Rezeption von Sprache sowie bei der Aussprache von Lauten.[14] Die Muttersprache kann im Fall einer solchen Sprachauffälligkeit dementsprechend nicht altersgemäß angewandt werden. Einen großen Teil innerhalb der Störungen der Sprache machen die Sprachentwicklungsstörungen aus. Es kann sich dabei um eine simple Sprachentwicklungsverzögerung handeln, jedoch können auch Hördefizite, prä-, peri- und postnatale Schädigungen der Sprachzentren und Anomalien im Kieferbereich für solche Auffälligkeiten verantwortlich sein. Wenn keine geistige Behinderung vorhanden ist, können auch Benachteiligungen im sozialen Umfeld des Kindes zu Sprachrückständen führen.[15] Einen kleineren Teil innerhalb der Störungen der Sprache machen die Aphasien aus. Der Begriff Aphasie kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „ohne Sprache“. Man ordnet heute dem Begriff Aphasien alle Sprachstörungen zu, welche durch Verletzungen in der linken Hirnhälfte verursacht wurden. Trotz funktionierender Sprachwerkzeuge kommt es infolge der Verletzungen zu Beeinträchtigungen in der Sprache bzw. zum vollkommenen Sprachverlust.[16] Eine weitere von den Redestörungen abzugrenzende Gruppe, sind die Störungen der Aussprache. Es handelt sich hierbei um phonologische Beeinträchtigungen, da die Artikulation des Betroffenen gestört ist.

Eine Störungsart ist das sogenannte Stammeln, auch Dyslalie genannt. Hierbei können bestimmte Laute nicht gebildet werden, wobei es sich oft um die fehlerhafte Aussprache von Zischlauten handelt. Desweiteren werden Phoneme oft vertauscht oder verwechselt, wodurch auch die Verständlichkeit der produzierten Sprache beeinträchtigt werden kann. Neben genetischen Ursachen können auch Anomalien der Sprechwerkzeuge und Störungen im Bereich des Hörens und Sehens für diese Aussprachestörung verantwortlich sein. Eine weitere Unterart der Störungen der Aussprache ist das sogenannte Näseln, auch Rhinolalia genannt. Beim Aussprechen von Konsonanten strömt dabei Luft durch die Nase, da keine Abdichtung stattfinden kann. Verursacht wird Näseln durch anatomische Anomalien, wie zum Beispiel Verengungen oder Spalten im Nasen-Rachen-Raum.[17]

2.5 Die Sprachentwicklung bei Kindern

Die Sprachentwicklung ist ein wichtiger Teil der Gesamtentwicklung eines Menschen. Beim Sprechen handelt es sich wohl um die komplizierteste motorische Fertigkeit, die ein Kind erlernt. Das Zusammenspiel von Atmung, Phonation und Artikulation ist für die Produktion verständlichen Sprechens von zentraler Bedeutung.[18] Das sich im Laufe der Kindheit entwickelnde Sprechvermögen ist für die „zwischenmenschliche Verständigung“ (Schwarz, 1985, S.3) unabdingbar. Das Verstehen von Sprache, die Rezeption also, ist jedoch Voraussetzung für die Produktion von Sprache.[19] Um Sprache überhaupt erwerben zu können, braucht das Kind gewisse Voraussetzungen. Neben biologischen spielen auch soziale und psychische Faktoren eine Rolle. Hinsichtlich der biologischen Bedingungen benötigt das Kind für den Spracherwerb einen gesunden und funktionsfähigen Organismus. Es besteht also ein Zusammenhang zwischen allen Organen und Funktionen die am „…Empfangen bzw. Dekodieren sprachlich mündlich übermittelter und am Kodieren bzw. Senden sprachlich mündlich zu übermittelnder Informationen beteiligt sind“ (Schwarz, 1985). Soziale Kompetenzen müssen ebenso vorhanden sein, um einen normalen Spracherwerb vollziehen zu können. Ein Kind interagiert mit seiner Umwelt und lernt so, Beziehungen zu Mitmenschen aufzubauen. Sprechanlässe und die Geborgenheit in der Familie als positive Umwelt sind wohl für die Sprachentwicklung bei Kindern sehr wichtig, was unter anderem mehrere Untersuchungen mit Heimkindern aufzeigen, welche meist eine verzögerte Sprachentwicklung und einen geringeren Wortschatz als „Familienkinder“ aufweisen. Als „kritische Periode“ (Lenneberg, 1977) der Sprachentwicklung gilt der Zeitraum vom zweiten Lebensjahr bis zum Beginn der Pubertät. In dieser Zeit sind sprachliche und auch nichtsprachliche Einflüsse wie emotionale Zuwendung von besonders großer Bedeutung. Ein Nachholen zu einem späteren Zeitpunkt ist durch die dann abgeschlossene Hirnreifung kaum mehr möglich. Da Kognition und Sprachwerb eng miteinander verknüpft sind spielen auch das Bildungsniveau und die Bindung zum Kind eine bedeutende Rolle für die Sprachentwicklung. Psychische Bedingungen sind also ebenso von zentraler Bedeutung für den kindlichen Spracherwerb. Das Kind benötigt die Fähigkeiten zu Merken, zu Denken und Dazuzulernen um seine Sprache adäquat entwickeln zu können. Insgesamt ist ein Kind nur dann in der Lage unproblematisch Sprache zu erwerben, wenn es fähig ist seine sensorischen und motorischen Leistungen miteinander zu vereinbaren.[20]

2.5.1 Unterschiede in der Sprachentwicklung (Produktion) zwischen nicht- stotternden und stotternden Kindern

Den Zusammenhang zwischen einer verzögerten Sprachentwicklung und Stottern erwähnt zum ersten Mal Berry (1938, S.210) , welche 1000 klinische Berichte über stotternde und nichtstotternde Kinder auswertete. Ihre Studie ergab, dass stotternde Kinder eine deutliche zurückgebliebene Sprachentwicklung aufweisen, was sich in einem späteren Sprechbeginn (7 Monate zurück) als auch in der etwa ein Jahr verzögerten Fähigkeit verständlich zu Sprechens zeigt. Um einen späteren Sprachbeginn aufgrund von mangelnder Intelligenz auszuschließen, lagen alle untersuchten Kinder im Bereich normaler Intelligenz. Die IOWA-Studie von Johnson (1942) bestätigte diese Befunde jedoch nicht. Dort zeigten sich keine oder nur sehr geringe Sprachverzögerungen bei stotternden Kindern. Es wird hierbei die Meinung vertreten, dass die Besonderheiten, die Stotterer aufweisen, erst durch die Diagnose „Stottern“ folgen. Insgesamt überwiegt jedoch die Überzeugung, dass stotternde Kinder eine verzögerte Sprachentwicklung durchlaufen und auch für Artikulationsstörungen mehr gefährdet sind.[21] Trotzdem ist es immer wichtig im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden, ob es eine primäre Verbindung zwischen Stottern und verzögerter Sprachentwicklung gibt.[22]

3 Idiopathisches Stottern – Entstehung, Entwicklung und Erscheinung

3.1 Entstehung kindlichen Stotterns

Wenn im Alltag von Stottern die Rede ist, ist meistens jene Störung gemeint, welche sich ohne erkennbaren Grund im frühen Kindesalter entwickelt und dessen Ätiologie somit unbekannt ist. Dieses von selbst entstandene Stottern wird auch

„idiopathisches Stottern“ und im Englischen auch „developmental stuttering“ genannt.[23] Häufig stellen Eltern eigene Hypothesen auf, warum ihr Kind stottert, beispielsweise, dass es „schneller denkt, als es sprechen kann“. Außerdem fühlen sich Eltern gelegentlich auch verunsichert da sie Thesen hören, dass das Stottern ihres Kindes durch ihre hohe Anspruchshaltung entstanden sein könnte. Obwohl immer noch viele offene Fragen bestehen, ist das Stottern im Kindesalter im Gegensatz zu anderen Sprach-, Aussprach- und Redestörungen weitgehend gut erforscht. Eine korrekte Diagnose und die somit verbundene korrekte Behandlung sind somit fast in allen Fällen möglich.[24]

3.2 Abgrenzung des idiopathischen Stotterns von anderen Störungen der Rede

3.2.1 Normale, entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeiten

Fast alle Kinder durchlaufen einmal eine Phase, in der sie mehr oder weniger unflüssig sprechen. Diese normalen Sprechunflüssigkeiten müssen jedoch eindeutig von der Redeflussstörung Stottern unterschieden werden. In vergangenen Zeiten konnte man zwischen den verschiedenen Unflüssigkeiten noch nicht unterscheiden, weshalb man normale kindliche Unflüssigkeiten mit Stottern gleichsetzte und diese auch so bezeichnete. Heute ist es durch die fortgeschrittene Forschung jedoch möglich, auch bei jungeren Kindern Stottern von normalen Sprechunflüssigkeiten abzugrenzen.[25] Diese Unflüssigkeiten beinhalten beispielsweise Wortwiederholungen, Einschübe, Satzkorrekturen und Pausen und werden meist weder vom Sprecher noch vom Zuhörer beachtet. Der Zuhörer schließt aus dem Auftreten solcher Symptome, dass die Äußerung noch nicht beendet ist und gleich fortgesetzt wird. Diese Unflüssigkeiten, welche meist nur bis zu sechs Monaten anhalten, werden also auch funktionell eingesetzt und heißen deshalb funktionelle Unflüssigkeiten.[26] Ob man eine Sprechunflüssigkeit als unauffällig oder auffällig einstuft, hängt auch von der Sprechsituation ab. In formalen Kontexten werden Unflüssigkeiten eher wahrgenommen, wohingegen in alltäglichen Situationen solche eher „überhört“ werden. Diesen normalen, funktionellen Unflüssigkeiten (englisch: nonfluencies) stehen die symptomatischen Unflüssigkeiten (englisch: disfluencies) gegenüber, welche keine Funktion haben, an für Unflüssigkeiten untypischen Stellen auftreten und so vom Zuhörer als auffällig empfunden werden. Es handelt sich hierbei meistens um Teilwortwiederholungen,

Dehnungen oder Blocks. Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen funktionellen Unflüssigkeiten, gelten diese als stottertypisch, da sie außerhalb der oben beschriebenen Norm liegen und auf den Sprecher aufmerksam machen.[27] Weitere Indikatoren, die für ein beginnendes Stottern sprechen, sind ein Alter über vier Jahre, Lautverlängerungen an Wortanfängen, Silbenwiederholungen die auf einem

„dumpfen e“ enden, Zittern von Unterkiefer oder Lippen ohne eine Lautproduktion, sichtbare Mühe beim Aussprechen eines Wortes, Beschämtsein wegen des Stotterns, Angst vor dem Aussprechen bestimmter Wörter sowie auffälliges Vermeidungsverhalten.[28] Der Stotternde weiß also ganz genau, was er sagen möchte, ist aber in diesem oder jenen Moment nicht fähig, das Wort oder den Satz flüssig auszusprechen, obwohl er es zu einem anderen Zeitpunkt mühelos könnte.[29] Um eine Unterscheidung zwischen Stottern und Sprechunflüssigkeiten möglichst bald vornehmen zu können, haben Johannsen & Schulze ein Früherkennungsverfahren für Ärzte entwickelt. Wenn eine oder mehrere der von ihnen aufgestellten sieben Bedingungen betreffend Dauer, Verlauf, Art der Symptomatik, Reaktionen des Kindes, Sprachentwicklung und Mundmotorik, Einstellung der Eltern oder familiäre Belastung zutreffen, ist ein Stotterverlauf möglich.[30]

3.2.2 Poltern

Poltern ist eine Sprechstörung, welche ebenso wie das Stottern den Redestörungen zugeordnet wird und deren Symptomatik eine große Ähnlichkeit mit der des Stotterns aufweist. Ebenso wie beim Stottern werden beim Poltern oft Wörter und Silben wiederholt, es kommt zu Dehnungen und Vokalstopps am Wortanfang und die Sprechweise ist meist überstürzt und undeutlich.[31] Die beiden verwandten Störungen treten oft auch gemeinsam auf. Es bilden sich also Mischformen, die je nach dem Anteil der überwiegenden Störung als „Stotter-Poltern“ bzw. „Polter-Stottern“ bezeichnet werden, wobei sich die Gewichtung im Verlauf der Krankheit auch ändern kann. Genau deshalb ist eine möglichst frühzeitige Differentialdiagnose von großer Bedeutung, da beim reinen Stottern eine andere Therapie als beim Poltern bzw. den Mischformen von Nöten ist.[32] Unterscheiden lassen sich die beiden Störungen voneinander, da bei Polternden meist weniger Verkrampfungen, Dehnungen und Blocks auftauchen, Sprechunflüssigkeiten eher auf der Wort- als auf der Lautebene passieren und das Störungsbewusstsein geringer ist als bei Stotternden.

Desweiteren verbessern sich beim Polternden die Symptome, wenn er sich auf langsames und flüssiges Sprechen konzentriert und möglicherweise auf sein

„gestörtes“ Sprechen aufmerksam gemacht wird. Bei stotternden Menschen kommt es im Gegensatz dazu in solchen Situationen eher zu einer Verschlechterung der Symptomatik.[33] Betrachtet man die folgende Tabelle, werden weitere detaillierte Unterschiede zwischen Stotternden und Polternden deutlich.

Abbildung 1: Unterscheidungskriterien von Stottern und Poltern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rausch, Adly (2006): Problembelastete Schülerinnen und Schüler. Begriffe – Umfeld Handlungsmöglichkeiten. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 171.

Besonders bei jüngeren Kindern ist die Unterscheidung jedoch oft schwierig, da identische Kennzeichen und Symptome zu Beginn beider Störungen auftreten können[34] und sich auch im späteren Verlauf die Störungsbilder oft überschneiden.

3.2.3 Neurogenes/ psychogenes, erworbenes Stottern

Im Gegensatz zum selbst entstandenen Stottern, welches sich ohne offensichtlichen Anlass in der Kindheit entwickelt, beginnt das erworbene Stottern (englisch: acquired stuttering) meist im Jugend- oder Erwachsenenalter. Obwohl die Symptome gleich oder ähnlich wie beim kindlichen Stottern sind, handelt es sich um andere Entstehungsbedingungen.[35] Das neurogene Stottern (englisch: neurogenic acquired stuttering) kann durch diverse Schädigungen des zentralen Nervensystems verursacht werden. Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumen, Tumore bzw. Operationen am Gehirn und die Nebenwirkungen von Medikamenten bzw. Drogen sind daher mögliche Gründe für ein solches Stottern.[36]

Eine weitere, seltener auftretende Stottervariante, die meist im Erwachsenenalter auftritt, ist das psychogene Stottern (englisch: psychogenic acquired stuttering), welches im Zusammenhang mit psychologischen Trauma oder Grundstörungen stehen kann. Neben Konversations- und Persönlichkeitsstörungen kann es sich dabei auch um Depressionen oder Angststörungen handeln. Der konkrete

Zusammenhang zwischen jenen Störungen und der parallel auftretenden Redestörung ist jedoch nicht geklärt.[37]

3.2.4 Totaler/ elektiver Mutismus

Unter dem Begriff Mutismus versteht man eine eher seltene Redestörung, welche meist in früher Kindheit auftritt. Das Sprechen wird dabei verweigert, obwohl die organische Fähigkeit zu sprechen bzw. zu hören vorhanden ist und der Sprachlernprozess bereits stattgefunden hat. Man unterscheidet zwischen totalem Mutismus, wobei das betroffene Kind mit niemandem spricht und elektivem Mutismus, wobei der Sprachkontakt nur zu wenigen, ausgewählten Personen aufgenommen wird. Definitive Ursachen für diese Redestörung sind unbekannt. Neben psychologischen Einflüssen wie zum Beispiel bei Angststörungen zählen auch physiologische Faktoren wie beispielsweise Entwicklungsstörungen oder Hirnschädigungen zu den möglichen Verursachungs- bzw.

Entstehungsbedingungen.[38] Ein Zusammenhang mit Stottern besteht insofern, dass stotternde Kinder oft ein Sprechvermeidungsverhalten aufweisen, und dann wie auch elektiv mutistische Kinder in bestimmten Situationen überhaupt nicht sprechen.

3.2.5 Spasmodische Dysphonie

Die spasmodische Dysphonie, auch Stimmlippenkrampf oder gelegentlich laryngeales Stottern genannt, ist eine schwere zentrale Stimmstörung, bei der er immer wieder zu Anspannungen der Stimmlippen kommt.[39] Das Sprechen der Betroffenen klingt gequält und angespannt und es kann plötzlich zum Stimmabbrauch mit eventuellen Stöhnlauten kommen. Ist die Hals- und Atemmuskulatur dabei stark angespannt und sind die Stimmlippen geschlossen, spricht man vom Adduktor-Typ.[40] Dessen Symptomatik, also vor allem die Stimmabbrüche und das situationsgebundene Auftreten, ähneln der des Stotterns.[41] Der Abduktor-Typ tritt hingegen bei geöffneten Stimmlippen auf und führt zu einer verhauchten Flüsterstimme. Heute weiß man, dass es sich bei dieser Erkrankung um eine neurologische Störung handelt, dessen Ursache jedoch nicht vollends geklärt ist.

3.3 Epidemiologie

3.3.1 Beginn

Wann ein Kind beginnt zu stottern und wie die Redestörung verläuft, ist jeweils individuell zu beurteilen. In den meisten Fällen beginnt das selbst entstandene Stottern im frühen Kindesalter.[42] Als besonders sensible Zeit gilt das Alter zwischen zwei und fünf Jahren. In jenem Zeitraum werden grundlegende Kommunikationsstrategien erlernt und die Sprachentwicklung vorangetrieben.[43] Meistens sprechen die Kinder vor Stotterbeginn flüssig. Ein exakter Anfangszeitpunkt ist dabei nur schwer zu bestimmen, weil sich das Stottern meist sukzessive entwickelt. Da etwa 80% aller Kinder während des Vorschulalters eine Phase durchlaufen, in der sie Sprechunflüssigkeiten aufweisen, also Laut-, Silben- und Wortwiederholungen machen, ist es in dieser Zeit besonders schwierig, zwischen entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten von beginnendem Stottern zu unterscheiden.

Während die kindlichen Unflüssigkeiten meist nach wenigen Monaten wieder verschwinden, nimmt der Schweregrad der Symptome bei beginnenden Stotterern kontinuierlich oder schubweise zu.[44] Es können dabei situationsbedingte Schwankungen, also eine Verbesserung bzw. Verschlechterung der Symptomatik, auftreten. Für das stotternde Kind werden die Symptome überhaupt erst relevant, wenn sein Kommunikationspartner bzw. seine Umwelt darauf reagiert und das Kind sein Kommunikationsziel nicht erreichen kann.[45]

3.3.2 Geschlechterverteilung

Ähnlich wie auch andere Sprechstörungen, tritt die Redestörung Stottern deutlich häufiger beim männlichen Geschlecht auf. Betrachtet man die Sprachentwicklung von Jungen, fällt auch diese langsamer aus und ist häufiger von Auffälligkeiten wie Lese-Rechtschreibschwäche oder Artikulationsproblemen geprägt.[46] Die Zahlen hinsichtlich der Verteilung von stotternden Mädchen und Jungen schwanken, jedoch „bleibt die Aussage des ungleichen Verhältnisses zwischen den Geschlechtern konstant“ (Fiedler & Standop, 1994, S. 42). Betrachtet man mehrere Untersuchungen wird durchschnittlich ein Verhältnis von 3:1 angenommen. Mit steigendem Alter der Kinder vergrößert sich der zahlenmäßige Unterschied sogar noch, was daran liegen könnte, dass Mädchen meist früher beginnen zu stottern, dieses dann aber auch häufiger wieder verlieren. Die Ursache dieses geschlechtlichen Ungleichgewichts ist noch weitgehend ungeklärt, obwohl Hypothesen, die diese Verteilung zu erklären versuchen, existieren. Möglicherweise spielen die früheren und besseren Sprachfertigkeiten der Mädchen, ein „stabileres neuromuskuläres Sprechkontrollsystem“ (Van Riper, 1971), eine langsamere Hirnreifung bei Jungen sowie unterschiedliche Erziehungsstile und Erwartungen der Eltern eine Rolle dabei, dass wesentlich weniger Mädchen als Jungen zu Stotterern[47] werden.[48]

3.3.3 Inzidenz & Prävalenz

Viele Menschen zeigen irgendwann in ihrem Leben eine Symptome, die stottertypisch sind. Die Zahl der Menschen, welche diese Störung jedoch vorübergehend oder dauernd beibehalten, ist beträchtlich kleiner. Die Inzidenz beschreibt in diesem Fall den Anteil an der Gesamtbevölkerung, der irgendwann in seinem Leben einmal stottert bzw. gestottert hat. In verschiedenen Langzeitstudien, welche für die Bestimmung der Inzidenz notwendig sind, wurde belegt, dass etwa fünf Prozent aller Kinder einmal für einen bestimmten Zeitraum stotterten. Die meisten Kinder remittierten nach einer gewissen Zeit, das heißt sie verloren die Redestörung wieder. Es lässt sich somit eine Inzidenz von etwa fünf Prozent festhalten, wobei hier auch Kinder eingeschlossen sind, die nur sehr leicht oder kurz stotterten.[49] Um die Prävalenz für das Stottern zu ermitteln, ist im Gegensatz zu Inzidenzstudien lediglich eine einmalige Datenerhebung notwendig. Es soll hierbei der Anteil der Gesamtbevölkerung ermittelt werden, der zu diesem bestimmten Zeitpunkt der Datenerhebung stottert. Die Prävalenz wird mit etwa einem Prozent der Gesamtbevölkerung beziffert und ist somit deutlich geringer als die Prävalenz.[50]

3.3.4 Remission

Bei Weitem nicht alle Heranwachsenden, die während ihrer Kindheit einmal gestottert haben, behalten die Redestörung auch bis über ihre Jugend hinaus. Vielmehr verliert ein Großteil der Kinder ihr Stottern bis zum Beginn der Pubertät und nur etwa ein Prozent aller Kinder stottert langfristig. Bei zahlreichen Untersuchungen von Kindern, die zu mehreren Zeitpunkten stattfanden (Längsschnittstudien) ergaben sich Remissionsraten zwischen 60 und 80 Prozent. Besonders in den ersten zwei Jahren nach der Redeflussstörung verlieren sehr viele Kinder ihr Stottern wieder.[51] Es konnten jedoch auch Kinder beobachtet werden, die nach vierjährigem Stottern plötzlich remittierten.[52] Mädchen werden ihr Stottern dabei noch häufiger los als Jungen, weshalb sich der zahlenmäßige Unterschied zwischen den Geschlechtern mit steigendem Alter der Kinder erhöht. Teilweise wurde in die Untersuchungen auch Kinder einbezogen, die eine Therapie machten, weshalb es nicht möglich ist, jene Kinder abzugrenzen die keine Therapie machten und trotzdem spontan remittierten. Der Einfluss einer Therapie auf die Remission ist folglich weitgehend ungeklärt.[53] Desweiteren besteht wohl auch kein Zusammenhang zwischen der Schwere des Stotterns und der Remissionswahrscheinlichkeit, das heißt, dass schwach stotternde Kinder keine größere Chance haben als stark stotternde Kinder ihr Stottern plötzlich wieder loszuwerden. Belegt ist jedoch hingegen, dass nach Beginn der Pubertät eine Remission sehr unwahrscheinlich wird.[54]

3.4 Symptomatik

3.4.1 Sprechsymptome (€ Kernsymptome) und Begleitsymptome

Wenn ein Mensch stottert, machen sich sprachliche Auffälligkeiten wie beispielsweise Stagnationen, Dehnungen und Wiederholungen bemerkbar, welche auch als Kernsymptome oder Primärsymptome bezeichnet werden. Dieses Kernverhalten zeigen alle Stotternden in unterschiedlichem Ausmaß. Das Problem ist dabei nicht die Erzeugung der Laute, sondern das Aufrechterhalten des Redeflusses.[55] Spricht man beispielsweise von Repetitionen, welche typisch für stotterndes Sprechen sind, sind Wiederholungen einsilbiger Wörter, Silben oder Laute gemeint, während man bei der Wiederholung mehrsilbiger Wörter nicht von Stottern sondern eher von einer normalen Unflüssigkeit spricht. Beweise für das Gerücht, dass sich die eben beschriebenen Kernsymptome aus normalen Unflüssigkeiten heraus entwickeln, gibt es nicht.[56]

Die Begleit- oder Sekundärsymptome müssen von den primären Sprechsymptomen abgegrenzt werden. Diese kommen zur Kernsymptomatik hinzu, sind eine oft unbewusste Reaktion darauf und verstärken die Primärsymptome gegebenenfalls sogar. Diese Sekundärsymptome sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und können sich auf verschiedenen Ebenen äußern. Es ist desweiteren sinnvoll, die sekundären Verhaltensweisen in zwei Gruppen zu unterteilen: Einerseits sind diese eine Reaktion auf das „gestörte“ Sprechverhalten (Fluchtverhalten) und andererseits eine Reaktion auf die Erwartung der Primärsymptomatik (Vermeidungsverhalten).[57] Betrachtet man die sprachliche Ebene, sind hier neben Wortvermeidungen und daraus resultierenden Satzumstellungen auch Satzabbrüche und –umstellungen zu nennen. Der Stotternde verändert außerdem seine Sprech- und Atemweise und verwendet oft Flicklaute um sein Sprechen flüssiger zu machen. Sieht man von der verbalen Ebene des Betroffenen ab, kommt es auf der körperlichen Ebene oft zu einem für Außenstehende seltsamen Verhalten. Der Stotternde hat eine auffällige Mimik und Gestik, schneidet Grimassen, streckt seine Zunge nach vorn, nickt mit dem Kopf, verkrampft an Händen und Beinen, gibt seltsame Laute von sich und errötet. Besonders jene Verhaltensweisen machen es Stotternden oft schwer, sich als „normales“ Mitglied der Gesellschaft zu etablieren. Somit versuchen Stotternde häufig, das Sprechen ganz zu vermeiden, da sie Angst haben zu versagen.[58] Daraus lässt sich schließen, dass sich Primär- und Sekundärsymptomatik gegenseitig beeinflussen und auslösen, denn wenn beispielsweise die Angst zu Versagen als Begleitsymptom auftritt, löst dies möglicherweise einen Stopp im Redefluss aus und beeinflusst so das Kernverhalten. Andersherum kann die Wechselwirkung auch von einem Kernsymptom ausgelöst auftreten. Das Kernsymptom „Blockierung“, das gehäuft beim gleichen Wort oder Laut auftritt kann zum Begleitsymptom

„Vermeidung“ des Wortes oder Lautes führen. Von den Bezeichnungen Primär- und Sekundärsymptome sollte man sich daraus resultierend nicht irreführen lassen, da keine einseitige Entwicklungsabfolge sondern eine wechselseitige Beeinflussung beim Stottern stattfindet.[59] Die meist gewünschte Wirkung, das Stotterereignis zu beenden und den Redefluss zu verbessern, haben die Begleitsymptome nicht, so dass diese für den Stotternden negative und unangenehme Erscheinungen sind.[60]

3.4.2 Coping-Strategien

Die eben beschriebenen Begleitsymptome sind nicht nur ungünstige Erscheinungen, sondern teilweise auch von Stotternden angewandte Strategien, um mit der Redestörung besser umgehen zu können bzw. um diese zu unterdrücken. Die Strategien entstanden bei Stotternden, da sie anfangs möglicherweise wirklich geholfen haben, Stotterereignisse zu verhindern oder schnell zu beenden. Die Wirkung hält jedoch nicht lange an, vielmehr wurden die Strategien intuitiv so verinnerlicht, dass sie trotz Wirkungslosigkeit weiter angewendet und dann sogar noch erweitert werden, um wieder wirksam zu sein.[61] Einige Stotterer beherrschen also sehr ausgefeilte Techniken, um ihr Stottern zu verbergen, sie steigern jedoch meist unbewusst ihre Angst vor Stotterereignissen, weshalb man die herkömmlichen Coping-Strategien eher als „dysfunktionell“ bezeichnen kann.[62] Wenn der Stotternde versucht den Moment des Stotterns zu überwinden, spricht man von Fluchtverhalten, welches in bestimmten Ausführungen auch als Ankämpfverhalten bezeichnet wird, da beispielsweise die Muskelanspannung bzw. der Kraftaufwand erhöht werden, um gegen das Stottern anzukämpfen. Es kommt beispielsweise zu Silbenwiederholungen vor dem gefürchteten Laut, es treten unbewusste Kopf- und Körperbewegungen auf um das Stottern zu überwinden und es kommt zu Veränderungen der Atmung um das Stotterereignis zu unterbrechen. Die beschriebenen Verhaltensweisen werden auch als release devices oder Lösungshilfen bezeichnet.[63] Damit es gar nicht erst zu einem Stottermoment kommt, zeigen Betroffene oft auch ein Vorbeuge- oder Vermeidungsverhalten. Gefürchtete Wörter und Laute werden umgangen und durch andere ersetzt. Außerdem tritt häufig ein sogenanntes Aufschiebungsverhalten in Erscheinung. Hierbei werden Flicklaute benutzt um Sprechpausen zu füllen oder Flickwörter, auch Starter genannt, welche für den Stotternden leichter auszusprechen sind und somit den Sprechbeginn erleichtern.

Abbildung 2: Ablauf eines Stotterereignisses

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Natke, Ulrich (2005): Stottern. Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden.

Bern: Hans Huber, S. 22.

Die körperlichen Mitbewegungen werden zur Beendigung der Aufschiebung oder als Starter eingesetzt und werden dann als timing devices bezeichnet, da sie den zeitlichen Einsatz des Wortes vorherbestimmen.[64] Um einem Stotterereignis vorzubeugen wird gegebenenfalls auch die Sprechweise verändert, z.B. Flüstern oder Singsang, um die Stottersymptome zu vermeiden. Desweiteren führt die Angst vor dem Stottern oft dazu, dass Sprechsituationen komplett gemieden werden. Es ist von besonderer Bedeutung, dass Betroffene solche dysfunktionellen Verhaltensweisen aufgeben und stattdessen funktionelle Strategien anwenden. Auf der emotionalen Ebene spielt hier eine gewisse Selbstakzeptanz und Toleranz eine wichtige Rolle, während es auf sprachlicher Ebene sinnvoll ist Umformulierungen und Satzabbrüche zu vermeiden, da diese die Sprechangst nur weiter aufrechterhalten.

Hinsichtlich des Sozialverhaltens sollte der Betroffene in der Lage sein, über sein Stottern zu sprechen und sich gegenüber negativen Reaktionen behaupten zu können.

3.4.3 Innere Symptome

Die Symptomatik des Stotterns beinhaltet nicht nur die Kern- und Begleitsymptome, also die äußeren hör- bzw. sichtbaren Auffälligkeiten, sondern auch Gefühle und Emotionen des Betroffenen, welche als innere Symptome bezeichnet werden. Die häufigste von stotternden Menschen empfundene Emotion ist die Angst. Sie tritt in verschiedenen Situationen auf, welche direkt oder indirekt mit dem eigenen Stottern zu tun haben können. Häufig spielt hierbei die Furcht vor der negativen Reaktion des Kommunikationspartners eine Rolle. Desweiteren wird von Betroffenen oft Angst vor dem Nichtgelingen einer Kommunikationssituation empfunden.[65] Der stotternde

Mensch entwickelt dann oft ein negatives Selbstbild, da er das Gefühl hat, seinem Gegenüber die Zeit zu stehlen, als dumm angesehen zu werden und somit kein angemessener Gesprächspartner zu sein. Leider passiert es tatsächlich häufig, dass stotternde Personen negative Reaktionen aus ihrer Umwelt erfahren. Zuhörer werden ungeduldig, gehen dem Blickkontakt aus dem Weg oder ergänzen Wörter und Sätze. Solche für den Stotternden unschönen Reaktionen passieren oft durch Unwissenheit und Unsicherheit. Obwohl es andererseits auch Menschen gibt, die nie negative Reaktionen auf ihr Stottern erfahren haben, versuchen auch diese meist Vermeidungsstrategien anzuwenden, wodurch die innere Angst vor den persönlich schwierigen Wörtern noch mehr anwächst.[66] Besonders die Emotion Angst steht mit

Stottern also in doppelter Verbindung. Einerseits wird das Stottern durch die Angst begünstigt oder sogar ausgelöst und andererseits ist Angst oft eine Reaktion auf Unflüssigkeiten während des Redeverlaufs. Der Teufelskreis der Angst, der meist nur durch eine Therapie durchbrochen werden kann, macht einen immensen Anteil an den negativen Seiten des Stotterns aus. Die inneren Stottersymptome, welche hinsichtlich der Gefühle meist Angst, Schuld, Scham, Frustration und auch Aggression sind, stellen für Betroffene meist eine größere Belastung dar als das Stottern selbst.

Abbildung 3: Gegenüberstellung der äußeren und inneren Symptome des Stotterns

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an:

Natke, Ulrich (2005): Stottern. Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden. Bern: Hans Huber, S. 22.

Durch die vorhandene Angst machen sich häufig auch noch vegetative Reaktionen wie Zittern, Schweißausbrüche und Magenschmerzen bemerkbar.[67] Obwohl sich fast alle Betroffenen, auch Kinder, ihres veränderten Sprechens bewusst sind, sind die Komponenten Leidensdruck und negatives Selbstbild unterschiedlich stark ausgeprägt. Neben negativen Emotionen wie Schuld, Scham und Angst wird Stottern oft auch von einer ungünstigen, durch Vorurteile geprägten Beziehung mit dem Gesprächspartner oder durch eine Aufmerkamkeitsverlagerung auf die Form- anstatt auf die Sachebene während einer Kommunikation negativ beeinflusst und somit aufrechterhalten. Diese Faktoren sind deshalb immer in wechselseitiger Verbindung und nie isoliert zu betrachten.[68]

4 Idiopatisches Stottern – Verursachende Bedingungen

4.1 Hypothesen zur Verursachung

Bevor auf die Verursachungsumstände von Stottern eingegangen wird, soll klargestellt werden, dass es keine alleingültige Theorie oder Ursache für dieses Phänomen gibt. Es finden sich für fast jede Theorie Personen, für die jene Hypothese plausibel scheint, eine Theorie die jedoch auf alle stotternden Menschen zutrifft, gibt es nicht.[69] Die Ansichten zur Entstehung der Redeflussstörung reichen von rein organischen bis zu rein sozialen Ursachen. Meistens spielen mehrere Bedingungen eine Rolle, sodass man nicht von der einen Ursache für Stottern sprechen kann, sondern von einem komplexen Bedingungsgefüge, das mehrere Aspekte einschließt.[70] Etwa seit Anfang der Achtziger Jahre existiert diese „moderne“ Betrachtung des Stottergeschehens. Vorher ging man meist von einem rein medizinischen Modell mit einheitlichem Störungsbild aus oder sah im Symptombild des Stotterns eine neurotische Reaktion. Heute weiß man, dass Stottern eine dynamische und heterogene Störung ist, deren Symptome sich immer wieder ändern können.

4.2 Disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren kindlichen Stotterns

Betrachtet man das integrative Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung des Stotterns beim Kind (Johannsen, 1988), lassen sich die multifaktorielle Verursachung des Stotterns und seine einzelfallorientierten Ausprägungen gut ablesen.

Abbildung 4: Modell der interaktiven Beziehung physiologischer, psycholinguistischer und psychosozialer Faktoren für die Entstehung, Aufrechterhaltung und den Verlauf kindlichen Stotterns

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Johannsen, Helge & Schulze, Hartmut [Hrsg.] (1993):

Praxis der Beratung und Therapie bei kindlichem Stottern. Werkstattbericht. Ulm: Verlag Phoniatrische Ambulanz der Universität Ulm, S. 6.

Die Symptomatik des Stotterns gilt hierbei als Ergebnis umfassender Phänomene, welche unterschiedlichen Bereichen zuzuordnen sind. Organische, psycholinguistische und psychosoziale Faktoren stehen dabei in einer interaktiven Beziehung miteinander.[71] Die Physiologie, also der organische Faktor, widmet sich dabei den körperlichen Prozessen, die Psycholinguistik beschäftigt sich mit Sprachprozessen und das Psychosoziale hebt die Wechselbeziehung von individuellem Erleben und Verhalten hervor. Es ist also nicht eine Variable, die dem Störungsbild eines Stotternden zugrunde liegt, sondern eine individuell unterschiedliche Zusammensetzung aus den drei Bereichen.[72] Dabei ist es notwendig zwischen den Einflüssen zu unterscheiden, die das Stottern einer Person ermöglicht haben, die es ausgelöst haben und die es letztlich aufrechterhalten.

Abbildung 5: Disponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren – Eine Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Böhme, Gerhard (1997): Sprach-,Sprech-,Stimm- und Schluckstörungen.

Band 1: Klinik. Stuttgart: Gustav Fischer, S. 84.

4.2.1 Disponierende Faktoren

Die disponierenden Faktoren bestimmen die Veranlagung zum Stottern, begünstigen dessen Auftreten und sind oft nicht von außen beeinflussbar. Ein Faktor der die Entstehung von Stottern beeinflussen kann ist eine familiäre Disposition. In manchen Familien tritt Stottern gehäuft auf, wobei nicht das Stottern an sich, sondern nur die Anlage vererbt wird. Die Hypothese, dass es sich dabei um ein Nachahmungsverhalten handelt könnte kann dadurch entkräftet werden, dass es in manchen Familiengefügen zu einer Stotterhäufigkeit kommt, obwohl die betreffenden Personen keinen oder kaum Kontakt miteinander haben. Auf eine Veranlagung lässt außerdem die Überzahl männlicher stotternder Verwandter und Personen schließen. Wenn in einer Familie eine Disposition vorhanden ist, besteht eine erhöhte Gefahr, dass bei den Nachkommen Stottern auftritt, es muss jedoch nicht unbedingt dazu kommen.[73] Wahrscheinlich gibt es neben den genetischen Bedingungen noch andere disponierende physiologische Faktoren. Es existiert beispielsweise die Hypothese, dass Stottern durch eine frühkindliche Hirnschädigung begünstigt wird und somit eine Verbindung besteht. Eine Untersuchung (Böhme, 1966) zeigte, dass knapp 13% der untersuchten stotternden Kinder präbzw. perinatal verursachte

Hirnschädigungen aufwiesen. Es ist jedoch nicht angemessen, Hinweise auf eine Hirnschädigung ungeprüft mit der Redeflussstörung Stottern in Verbindung zu bringen und somit von einer organischen Verursachung auszugehen.[74] Desweiteren besteht die Hypothese, dass die Lateralisation für Sprache mit Stottern zusammenhängen könnte. Normalerweise gilt hierbei die linke Hirnhälfte als dominant, wobei bei stotternden Menschen, wie Untersuchungen zeigten, gehäuft das linke Ohr und somit die rechte Hirnhälfte bevorzugt wird bzw. es zu konkurrierenden Tätigkeiten der beiden Hirnhälften kommt und somit Störungen beim Sprechablauf entstehen können. Diese „Lateralisierungshypothese“ konnte jedoch noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden.[75] Eine Studie (Bosch et al., 1999) zeigte außerdem, dass linkshändige Kinder, deren Sprachzentrum sich meistens in der rechten Gehirnhälfte befindet, eine geringere Aussicht der Remission haben. Da Stottern meist im frühen Kindesalter beginnt gestalten sich Untersuchungen hinsichtlich der Hemisphärendominanz oft schwierig, da die Aufteilung bis dahin meistens noch nicht vollständig entwickelt ist. Während sich die Überlegenheit eines Ohres erst später herausbildet, ist im Einschulungsalter bereits klar, ob das Kind Rechts- oder Linkshänder ist. Dies macht deutlich, dass disponierende Faktoren zu unterschiedlichen Zeitpunkten wirksam werden können.[76] Ein anderer Faktor, der unter anderem auch disponierend sein kann und der Psycholinguistik zugeordnet werden kann ist, dass ein gewisser Anteil stotternder Kinder eine verzögerte Sprachentwicklung aufweist. Wie bereits in einem früheren Kapitel erwähnt, beginnen stotternde Kinder meist etwas später mit sprachlichen Äußerungen. Welchen Einfluss die sprachliche Entwicklung jedoch genau auf die Entstehung von Stottern hat, ist noch unklar.[77] Sicher lässt sich hingegen sagen, dass Stotternde häufiger als andere Personen die auditive Sprechkontrolle einsetzen, was heißt, dass sie sich auf das Hören des eben Gesagten verlassen und der Redefluss somit gestört wird. Der Forscher Lee fand in den fünfziger Jahren heraus, dass Stotternde flüssiger sprechen, wenn sie ihr Gesagtes verzögert über Kopfhörer hören. Nicht-Stotternde hingegen sprechen unter diesen Umständen unflüssiger, das heißt ein Stottern lässt sich bei ihnen herausfordern. Stottern wird in diesem Zusammenhang als Störung der Autoregulation des Sprechens angesehen.[78] Ein weiterer Teilbereich der eine disponierende Funktion haben kann, ist jener der Psychologie bzw. des Psychosozialen. Sprachliche Kommunikation ist von einer Wechselbeziehung zwischen den körperlichen und seelischen Bedingungen eines Menschen, seiner Umwelt und deren Reflexion geprägt. Welche Rolle psychische Bedingungen zu

Beginn des Stotterns spielen, ist nicht genau feststellbar. Es ist dabei genau zu unterscheiden, ob bestimmte Verhaltensmuster und Strukturen bereits vor Stotterbeginn vorhanden waren oder sich erst später herausgebildet haben.[79] Nach neueren Untersuchungen weisen stotternde Kinder keine Unterschiede zu Nicht- Stotternden in ihrer Persönlichkeitsstruktur auf. Diesbezügliche Auffälligkeiten gelten eher als Folge des Stotterns.[80] Es existiert eine große Anzahl an weiteren Hypothesen disponierender Bedingungen, auf die jedoch an dieser Stelle nicht mehr eingegangen werden soll.

4.2.2 Auslösende Faktoren

Die auslösenden Faktoren sind zeitlich an den Beginn des Stotterns gekoppelt und können sehr vielfältig sein. Fälschlicherweise werde sie von Laien, oft auch von Eltern oder Lehrern, als alleinige Ursache gesehen. Dabei ist es von großer Bedeutung die unmittelbaren Ereignisse und Veränderungen in Beziehung zu den disponierenden und aufrechterhaltenden Faktoren zu setzen. Umbrüche wie der Beginn des Kindergartens, die Geburt eines Geschwisterkindes oder Konflikte in der Familie werden beispielsweise als auslösende Faktoren angesehen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ein einziges Ereignis dieser Art zu einem Langzeitstottern führt. Je länger der Stotterbeginn zurückliegt, desto schwieriger erweist sich die Feststellung des oder der auslösenden Faktoren.[81] Erinnerungen an Details bestimmter Reaktionen, Ereignisse und Gewohnheiten vor Stotterbeginn sind oft verblasst bzw. werden von Eltern unbewusst Verknüpfungen hergestellt, die nicht den Tatsachen entsprechen. In zahlreichen Untersuchungen (z.B. Glasner, 1957; Andrew & Harris, 1964) versuchte man mehr über die Eltern – Kind – Beziehung bei stotternden Kindern zu erfahren, um möglicherweise stotterauslösende Faktoren zu finden. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich: Einerseits ergaben die Untersuchungen, dass Eltern stotternder Kinder oft ängstlich und überbehütend sind, andererseits kam heraus, dass Mütter stotternder Kinder diese eher zurückwiesen als „normale“ Kinder. Desweiteren ergab eine andere Untersuchung (Schultz, 1947), dass Eltern stotternder Kinder ein höheres Anspruchsniveau haben. Da die Untersuchungen jedoch nach Stotterbeginn ansetzten, ist es schwierig, Rückschlüsse auf die Zeit davor zu ziehen. Bestimmte Verhaltensweisen der Eltern können somit nicht eindeutig als der auslösende Faktor des Stotterns angesehen werden, da diese auch nur eine Folge davon sein könnten. Da alle Untersuchungsergebnisse stark unterschiedlich waren, ist es außerdem eher unwahrscheinlich, dass es sich um Faktoren handelt, die stotterspezifisch sind.[82]

Eine weitere Bedingung, die Stottern auslösen könnte, ist psychische Überforderung, die den psychosozialen Faktoren zuzuordnen ist. Zu einer relativen Überforderung kommt es beispielsweise, wenn ein Kind im frühen Kindesalter überbehütet oder unterdrückt wird und in einem neuen Lebensabschnitt dann altersgerecht behandelt wird. Leidet das Kind unter mangelnder Selbstbehauptung, kann es diese Herausforderung nur schwer bewältigen. Ein eindeutiger Zusammenhang mit der Redeflussstörung Stottern ist jedoch nicht bewiesen.[83] An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass Stottern nicht unbedingt mit ungewöhnlichen Umständen, Traumata oder Angsterlebnissen des Kindes zusammenhängen muss. Betrachtet man die sogenannte „Kontinuitätshypothese“, ist Stottern ein Phänomen, das sich in fließenden Übergängen aus den entwicklungsbedingten Unflüssigkeiten heraus entwickelt, wobei es schwierig ist, diesen Übergang eindeutig festzulegen. In diesem Zusammenhang ist das Anforderungs- und Kapazitätsmodell von Starkweather (1987) zu beschreiben. Bei diesem Modell stehen sich selbst gestellte bzw. externe Anforderungen und linguistische, soziale sowie emotionale Fähigkeiten bzw.

Kapazitäten gegenüber.

Abbildung 6: Anforderungs- und Kapazitätenmodell für flüssiges Sprechen (Starkweather)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Johannsen, Helge & Schulze, Hartmut [Hrsg.] (1993):

Praxis der Beratung und Therapie bei kindlichem Stottern. Werkstattbericht. Ulm: Verlag Phoniatrische Ambulanz der Universität Ulm, S. 8.

Sind Anforderungen sowie die entwickelten Kapazitäten des Kindes normal hoch, befindet sich die Waage oder Wippe, je nach Visualisierungsform, im Gleichgewicht. Treten jedoch auf der Seite der Anforderungen zu hohe Belastungen auf, welche die Kapazitäten des Kindes übersteigen, kommt es zu einer Dysbalance. Dasselbe Bild ist zu beobachten, wenn bei normalen Anforderungen die Fähigkeiten zu gering entwickelt sind. Beim Auftreten eines länger andauernden Ungleichgewichts wird die Auslösung von Stottern begünstigt und etwa vorhandene Unflüssigkeiten können dabei chronifiziert und automatisiert werden. Es ist an dieser Stelle wichtig festzuhalten, dass die Anforderungen (z.B. Erwartungshaltung der Eltern, eigener Anspruch, Kommunikationsbedingungen) und Fähigkeiten (z.B. kognitive & linguistische Fähigkeiten, emotionale Stabilität, Sprechmotorik) keine statischen Größen sind, sondern sich in Abhängigkeit von Reifungsprozessen und Umgebungsfaktoren immer wieder ändern können. An diesem Modell lassen sich somit phasenweise wie auch länger andauernde unflüssige Sprechphasen beschreiben. Somit würden durch bestimmte Anforderungen nicht bei jedem Kind gleichermaßen Unflüssigkeiten entstehen, da die Fähigkeiten eines jeden Kindes unterschiedlich sind. Die größte Stärke dieses Modells ist somit, dass die Umgebung des Kindes integriert und von einer mulitfaktoriellen Verursachung ausgegangen wird. Außerdem werden dort Einzelbefunde aus dem physiologischen, psycholinguistischen und psychosozialen Bereich zusammengefasst. Problematisch wird es allerdings, wenn das Modell zu allgemein und unspezifisch eingesetzt wird.[84] [85]

4.2.3 Aufrechterhaltende Faktoren

Die aufrechterhaltenden Faktoren verstärken die Störung, verhindern deren Rückbildung und machen das Stottern zu einer längerfristigen Angelegenheit.[86] Sie entstehen aus den Reaktionen des Kindes und der Umwelt auf das Stottern oder sind eine Fortführung der disponierenden und auslösenden Faktoren. Je nachdem ob die Faktoren zu- oder abnehmen kann sich das Stottern weiter stabilisieren oder im Gegenzug dazu wieder abnehmen.[87] Die Frage ist also, welche aufrechterhaltenden und verstärkenden Faktoren existieren, die das Fortbestehen der Stottersymptomatik sichern. Es ist sinnvoll, hier nochmals das Anforderungs- und Kapazitätsmodell heranzuziehen. Wenn ein längerfristiges Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Kapazitäten besteht, beispielsweise bei einer gleichbleibend zu hohen Erwartungshaltung der Eltern an das Kind, besteht die Gefahr, dass sich das bereits vorhandene Stottern einschleift und somit aufrechterhalten wird. Desweiteren ist wichtig zu erwähnen, dass das Auftreten von Stottern bei Kindern stark abhängig von der jeweiligen Sprechsituation ist. Bestimmte Umgebungsfaktoren sowie Laut- und Wortängste stellen für betroffene Kinder mehr oder minder starke Stressauslöser dar, welche die Schwere des Stotterns erhöhen oder zumindest beibehalten können. Die „Stottergleichung“ (Van Riper, 2002) fällt negativ aus, wenn Faktoren wie Selbstvertrauen und flüssige Redeanteile, welche die Schwere des Stotterns verringern können, nicht oder nur spärlich vorhanden sind. So können umweltbedingte Belastungen sowie auch kommunikative Stressauslöser aufrechterhaltende Bedingungen sein (Schulze, 1989). Gründe für umweltbedingte Belastungen können ein unregelmäßiger Alltagsablauf, Verhalten das Hektik und Zeitdruck verursacht, häufige Änderungen in der Familienzusammensetzung, vom Kind nicht erfüllbare Erwartungen oder eine zu geringe Zuwendungszeit sein.

Betrachtet man die Stressauslöser hinsichtlich der Kommunikation, ist hier ein ungünstiges Sprechverhalten der Eltern zu nennen, welches vorliegt wenn diese beispielsweise zu schnell, zu anspruchsvoll oder zu laut bzw. zu leise sprechen. Außerdem spielt auch deren Zuhörerverhalten eine Rolle. Als ungünstig erweist sich zum Beispiel ein Abbruch des Zuhörens, eine häufige Unterbrechung sowie auch ein verbal und mimisch gestaltetes Unter-Zeitdruck-Setzen des Kommunikationspartners. Kontraproduktiv hinsichtlich des Sprechverhaltens ist auch das ständige Fragen und Belehren eines Kindes, sowie eine konkurrenzhafte Sprecherumgebung, in der sich das betroffene Kind nicht fähig genug zu sprechen fühlt. Betrachtet man nun diese Faktoren, fällt auf, dass Eltern und Umgebung eine große Last der Verantwortung übertragen wird. Eine Untersuchung (Schulze, 1989) belegte jedoch, dass keine stottersignifikanten Unterschiede zwischen den Eltern stotternder und nicht-stotternder Kinder vorhanden sind. Meyers & Freeman (1985) stellten fest, dass mit stotternden Kindern oft schneller gesprochen wird und, dass diese öfter unterbrochen wurden, was sich jedoch eher als Reaktionen auf das Stottern erwies. Es ist jedoch wichtig festzuhalten, dass das Stottern bei Kindern nicht zwangsläufig negativ beeinflusst werden muss, auch wenn die Eltern einige der genannten Verhaltensweisen anwenden. Auch dies wurde durch Studien belegt (z.B. Kloth et al., 1998). Resultierend lässt sich deshalb sagen, dass eindeutige Merkmale für eine stotterspezifische Umgebung nicht existieren. Trotzdem können Umgebungsfaktoren und Kommunikationsverhalten Einfluss auf den Verlauf des Stotterns nehmen. Ein Fehler wäre es jedoch, den Eltern und der Umgebung die Schuld an der Aufrechterhaltung des Stotterns ihres Kindes zu geben. Neben den nun genannten Umgebungsfaktoren, kann auch das Anwenden von dysfunktionellen Coping-Strategien zu einer Aufrechterhaltung des Stotterns führen. Wie bereits in einem früheren Abschnitt erwähnt, werden bestimmte Verhaltensweisen trotz Nutzlosigkeit beibehalten. Die Angst vor dem Stottern stabilisiert sich und erhöht die Stotterhäufigkeit.[88][89]

[...]


[1] Die Bezeichnung „Lehrer“ meint im Verlauf der Arbeit immer Lehrerinnen und Lehrer und wurde zur Vereinfachung gewählt.

[2] Die Bezeichnung „Schüler“ meint im Verlauf der Arbeit immer Schülerinnen und Schüler und wurde zur Vereinfachung gewählt.

[3] Die „Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V.“ wird im Verlauf der Arbeit mit „BVSS“ abgekürzt.

[4] Die Bezeichnung „Therapeut(en)“ meint im Verlauf der Arbeit immer Therapeutinnen und Therapeuten und wurde zur Vereinfachung gewählt.

[5] Die Bezeichnung „Pädagoge(n)“ meint im Verlauf der Arbeit immer Pädagoginnen und Pädagogen und wurde zur Vereinfachung gewählt.

[6] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004): Stottern im Kindesalter. S. 1.

[7] Wingate (1964).: A standard definition of stuttering. S. 484-489.

[8] Vgl. Böhme (1997): Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. S. 83.

[9] Böhme (1977): Das Stotter-Syndrom. S. 8.

[10] Vgl. Rausch (2006): Problembelastete Schülerinnen und Schüler. S. 169 f.

[11] Vgl. Fiedler & Standop (1994): Stottern: Ätiologie, Diagnose, Behandlung. S. 6.

[12] Vgl. Ebd., S. 2.

[13] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 10.

[14] Vgl. Schlup (2007): Stottern und umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache. Online-Artikel

[15] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S. 6

[16] Vgl. Rausch (2006), S. 167

[17] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S.7.

[18] Vgl. Natke (2005): Stottern: Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden. S. 1.

[19] Mielke et al (1993): Stottern : Ursachen, Bedingungen, Therapie. S. 11.

[20] Vgl. Mielke et al (1993), S. 12 ff.

[21] Vgl. Seeger (1988): Stottern und gestörte Sprache, S. 16 ff.

[22] Vgl. Ebd., S. 30.

[23] Vgl. Natke (2005), S. 4.

[24] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 1.

[25] Vgl. Ebd., S. 3.

[26] Vgl. Ebd., S. 5.

[27] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S. 9.

[28] Vgl. Baumgartner & Krifka (1984): Wenn Ihr Kind stottert: Ein Eltern-Ratgeber. In: Fiedler & Standop (1994), S. 26.

[29] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 1.

[30] Vgl. Böhme (1997), S. 87.

[31] Natke (2005), S. 5.

[32] Vgl. Seeger (1988): Stottern und gestörte Sprache, S. 27.

[33] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 4.

[34] Natke (2005), S. 5.

[35] Vgl. Natke (2005), S. 4.

[36] Sandrieser & Schneider (2004), S. 4.

[37] Vgl. Natke (2005), S. 5.

[38] Vgl. Ebd., S. 6.

[39] Natke (2005), S. 6.

[40] Deutsche Dystonie Gesellschaft (2002), Spasmodische Dysphonie, Online-Artikel.

[41] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 5.

[42] Vgl. Ebd., S. 19.

[43] Vgl. Johannsen (1988): Frühkindliches Stottern – Forschungsstand und Therapiemöglichkeiten. In: Zeitschrift für Allgemeinmedizin, Band 64. S. 125.

[44] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S. 24 f.

[45] Mielke et al (1993), S. 30.

[46] Vgl. Böhme (1997) in: Natke (2005), S. 11.

[47] Die Bezeichnung „Stotterer“ wird in der Arbeit im neutralen Sinne und somit ohne negative Bewertung verwendet.

[48] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S. 42 f.

[49] Vgl. Böhme (1997), S. 83.

[50] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 3.

[51] Vgl. Ebd, S. 2.

[52] Vgl. Yairi & Ambrose (1999): Early childhood stuttering I: Persistency and recovery rates. Journal of Speech, Language, and Hearing Research, 42. In: Sandrieser & Schneider (2004), S. 2.

[53] Natke (2005), S. 12.

[54] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 2.

[55] Natke (2005), S. 16.

[56] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 10.

[57] Natke (2005), S. 17 f.

[58] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 10.

[59] Vgl. Ebd., S. 13.

[60] Vgl. Fiedler & Standop (1994), S. 3 f.

[61] Sandrieser & Schneider (2004), S. 10 f.

[62] Vgl. Ebd., S. 11.

[63] Vgl. Natke (2005), S. 18 f.

[64] Vgl. Ebd., S. 20.

[65] Vgl. Natke (2005), S. 22

[66] Vgl. Ebd., S.23

[67] Schindler (1998): Stottern erfolgreich bewältigen – Ratgeber für betroffene und Angehörige. S. 24 ff.

[68] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 35 f.

[69] Vgl. Natke (2005), S. 67.

[70] Vgl. Mielke et al (1993), S. 33.

[71] Seeger (1988), S. 13.

[72] Vgl. Schindler (1998), S. 29 ff.

[73] Vgl. Mielke et al (1993), S. 35.

[74] Vgl. Ebd., S. 36.

[75] Vgl. Schindler (1998), S. 39.

[76] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 21 f.

[77] Vgl. Ebd., S. 22.

[78] Schindler (1998), S. 38 f.

[79] Vgl. Mielke et al (1993), S. 41.

[80] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 22.

[81] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 22

[82] Vgl. Mielke et al (1993), S. 43.

[83] Vgl. Ebd., S. 44.

[84] Vgl. Hansen & Iven (2002): Stottern und Sprechflüssigkeit – Sprach- und Kommunikationstherapie mit unflüssig sprechenden (Vor-)Schulkindern. S. 16 ff.

[85] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 55.

[86] Vgl. Schindler (1998), S. 30.

[87] Sandrieser & Schneider (2004), S. 23.

[88] Vgl. Sandrieser & Schneider (2004), S. 23 ff.

[89] Vgl. Hansen & Iven (2002), S. 19 ff.

Ende der Leseprobe aus 173 Seiten

Details

Titel
Die Redestörung Stottern. Erfahrungen von betroffenen Schülern und die Sicht der Lehrkräfte
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
173
Katalognummer
V113578
ISBN (eBook)
9783640225125
ISBN (Buch)
9783668124523
Dateigröße
4954 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Redestörung, Stottern
Arbeit zitieren
Nina Degelmann (Autor), 2008, Die Redestörung Stottern. Erfahrungen von betroffenen Schülern und die Sicht der Lehrkräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113578

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