Gottfried Feder: Kampf gegen die Hochfinanz


Referat (Ausarbeitung), 2008

12 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie

3. Thesen

4. Die völkische Bewegung

5. Einordnung Feders in die völkische Bewegung
5.1 Objektive Kriterien
5.2 Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus
5.3 Weitere politische Positionen

6. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Politik- und Geschichtswissenschaftler Albrecht Tyrell gilt als einer der wenigen Autoren, die sich intensiv mit der Rolle des Ideologen Gottfried Feder vor und während der Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten beschäftigt haben. Ein Aufsatz von ihm trägt bezeichnenderweise den Titel „Gottfried Feder – Der gescheiterte Programmatiker“.[1] Feder galt als einflussreich in den Anfängen, war jedoch im Dritten Reich nur noch eine Randfigur. Diese Arbeit möchte untersuchen, inwieweit Feder Teil der völkischen Bewegung war, die als ideologische Wurzel des Nationalsozialismus bezeichnet wird. Um sich dieser Fragestellung zu nähern, werden zunächst Feders Biografie umrissen (2.) sowie seine Thesen dargestellt (3.). Anschließend wird die völkische Bewegung charakterisiert (4.), um Feder darin einzuordnen (5.). In der Schlussfolgerung soll die Ausgangsfrage abschließend beurteilt werden (6.).

2. Biografie

Gottfried Feder wurde am 27. Januar 1883 als Sohn eines höheren Beamten im fränkischen Würzburg geboren. Er absolvierte sein Abitur in Ansbach und studierte anschließend in München, Charlottenburg und Zürich Bauwesen. Er konzentrierte sich auf das Fach Eisenbetonbau und schloss als Diplom-Ingenieur ab. Während dieser Zeit gehörte er der schlagenden Studentenverbindung Corps Isaria an. Dort zog er sich eine Kopfverletzung zu, die ihn für den Dienst im Militär untauglich machte und so von der aktiven, militärischen Teilnahme am Ersten Weltkrieg ausschloss. Nachdem Feder bereits bei einer Baufirma praktische Erfahrungen als Konstrukteur sammeln konnte, wurde er 1908 Teilhaber der Hoch- und Tiefbaufirma Ackermann & Co. und gleichzeitig ihr Niederlassungsleiter in München. Dort wurden Großbauten wie Lagerhallen, Brücken und mit Kriegsbeginn auch vermehrt Munitionsfabriken und Flugzeughallen errichtet. Da das Unternehmen über wenig Eigenkapital verfügte, waren die meisten Projekte kreditfinanziert. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit beschäftigte sich Feder mit der Zukunft Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg. Im Selbststudium befasste er sich auch mit finanztheoretischen Problemen. Sein Interesse richtete sich vor allem auf Kriegsanleihen und die damit einhergehende Staatsverschuldung. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Ideen integrierte er in das „Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes“, das er wenige Tage nach Kriegsende schrieb, 1919 als Broschüre veröffentlichte und bei der bayerischen Regierung einreichte. Um den Bekanntheitsgrad seiner Ideen zu steigern, aber auch weil nach dem Kriegsende Bauaufträge knapp waren, gab er seine unternehmerische Tätigkeit auf. Fortan verdiente er sich als Publizist und Redner. Für seine öffentlichen Ansprachen bot vor allem die völkische Bewegung eine Plattform. Von der wichtigsten militärischen Instanz dieser Zeit in Bayern, dem Reichswehrgruppenkommando 4, wurde er als Referent eingesetzt, um sozialistischen Tendenzen unter dem Soldaten und Offizieren entgegenzuwirken. Zu den Kursteilnehmern gehörte auch Adolf Hitler. Beide schlossen sich der DAP (Deutsche Arbeiterpartei) an, die im Februar 1920 in NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) umbenannt wurde. Für Feder war die NSDAP wiederum eine Plattform, öffentlich tätig sein zu können. Der in dieser Zeit geschaffene „Deutsche Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft“ hatte nur geringe Durchschlagskraft; finanzielle Mittel waren knapp und Feders Redner traten kaum öffentlich auf. Deshalb suchte er weitere Publikationsorgane und schreckte dabei auch nicht vor Blättern zurück, die sich in Konkurrenz zur NSDAP befanden. Ab 1922 wandte sich Feder jedoch wieder verstärkt an die NSDAP. Er ernannte sich selbst zum Programmatiker der Bewegung und wurde wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher. Zwischen Feder und Hitler bestand aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ziele immer eine Distanz. Ab 1924 war Feder Abgeordneter der völkischen Fraktion im Reichstag. Da Feder nach der Neugründung der NSDAP kein festes Parteiamt bekam, versuchte er die Grünung eines programmatisch-intellektuellen Stabes zu initiieren, was jedoch nicht gelang. 1927 wurde er hingegen Herausgeber der Nationalsozialistischen Bibliothek, einer offiziellen Schriftenreihe der Partei. Ein Jahr später verlor er bei dem Versuch, einen weiteren Verlag zu übernehmen, sein Privatvermögen. Im November 1931 wurde Feder zum Leiter des Reichswirtschaftsrates der NSDAP ernannt. Dieser Posten stand jedoch in ständiger Konkurrenz zur Leitung der wirtschaftspolitischen Abteilung, da die Kompetenzen nicht klar verteilt waren. Feder spielte in Hitlers Planungen eine zunehmend geringere Rolle, so dass seine Ämter ebenfalls an Bedeutung verloren. 1934 zog sich Feder aus der Politik zurück und wurde Professor für Siedlungswesen, Raumordnung und Stadtentwicklung an der Technischen Universität Berlin. Er starb am 24. September im bayerischen Murnau am Staffelsee.[2]

3. Thesen

Im Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes schreibt Feder: „Der Leihzins ist die teuflische Erfindung des Großleihkapitals, der Leihzins ermöglicht allein das träge Drohnenleben einer Minderzahl von Geldmächtigen auf Kosten der schaffenden Völker und ihrer Arbeitskraft, er hat zu den tiefen, unüberbrückbaren Gegensätzen, zum Klassenhaß geführt, aus dem der Bürgerkrieg und Bruderkrieg geboren ist.“[3] Aus dem Titel der Schrift ergibt sich bereits, dass Feders Anspruch über eine bloße Finanztheorie hinausgeht, sondern sich vielmehr in direkte Konkurrenz zum Kommunistischen Manifest und zur Marxschen Klassentheorie begibt. Sein Ziel war es, mit einem deutschen Sozialismus einen Mittelweg zwischen reinem Kapitalismus, wie er insbesondere in den USA vorherrschte, und Kommunismus zu gehen.[4] Das Großleihkapital konkretisiert Feder als eine überstaatliche Finanzgewalt bzw. die internationalen Geldmächte. Er benutzt in diesem Zusammenhang den Begriff Mammonismus, welches „ ... die schwere, alles erfassende und überwuchernde Krankheit (ist), an der unsere heutige Kulturwelt, ja die ganze Menschheit, leidet.“[5] Auffällig ist hier die rhetorische Komponente, also der Vergleich der Hochfinanz mit einer Krebskrankheit. Weiterhin unterscheidet Feder raffendes und schaffendes Kapital. Mit erstem ist das Leihkapital gemeint, mit zweitem das Industriekapital. Das Verhältnis zwischen beiden liegt nach Feder bei 20:1. Das Leihkapital wächst allein und überproportional durch endlose Zinszahlungen und befindet sich unter der Kontrolle einiger weniger Mächtiger der Welt. Der Staat befindet sich dadurch in einer Abhängigkeit. Das Leihkapital verfolgt nur eigene Interessen und ist nicht an der Bedarfsdeckung des Volkes interessiert. Das Industriekapital hingegen stellt die für die nationale Produktion benötigten Mittel dar, von denen allein die Volkswirtschaft und letztendlich das Volk profitieren können. Das daraus erworbene Privateigentum wird ausdrücklich anerkannt und geschützt.[6] Feder fordert deshalb, alle Zinszahlungen auf Kriegs- und Staatsanleihen sowie private Kredite und Hypotheken abzuschaffen und ausschließlich den Nominalwert von Schulden zurückzuzahlen. Das Geld- und Bankenwesen soll verstaatlicht werden. Alle direkten und indirekten Steuern werden überflüssig, weil die Staatsausgaben mit den Erträgen der Staatsbetriebe (Post, Eisenbahn, Berg- und Forstwirtschaft) gedeckt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ansonsten alle Steuerzahlungen dem Großleihkapital zufließen.[7] Ferner hat die Zinsknechtschaft zu offenen und verdeckten Auseinandersetzungen der Interessengruppen der Wirtschaft geführt. Arbeit und Kapital befinden sich im Klassenkampf. Im nationalsozialistischen Staat soll dieser Antagonismus überwunden werden, indem Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf „ ... das gemeinsame Ziel der nationalen Arbeit ... “ hinwirken.[8]

Feders Hauptforderung findet in zwei Punkten Einzug in das 25-Punkte-Programm der NSDAP vom 24.02.1920. Dort heißt es: „10. Erste Pflicht jedes Staatsbürgers muß sein, geistig oder körperlich zu schaffen. Die Tätigkeit des Einzelnen darf nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit verstoßen, sondern muss im Rahmen des Gesamten und zum Nutzer aller erfolgen. Daher fordern wir: 11. Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens. Brechung der Zinsknechtschaft.“

[...]


[1] Vgl. A. Tyrell (1989)

[2] Vgl. A. Tyrell (1978), S. 48 – 79; Vgl. A. Tyrell (1989), S. 28 – 39; Vgl. L. Snyder (1976), S. 90 f.

[3] G. Feder (1933), S. 51 f.

[4] Vgl. A. Tyrell (1989), S. 30 – 32; Vgl. A. Tyrell (1978), S. 52

[5] G. Feder (1933), S. 51

[6] Vgl. G. Feder (1933), S. 52; Vgl. G. Feder (1933), S. 315 f.; Vgl. G. Feder (1935), S. 28

[7] Vgl. G. Feder (1933), S. 53 f.

[8] G. Feder (1933), S. 306

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Gottfried Feder: Kampf gegen die Hochfinanz
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Geschichte der politischen Ideen: Faschistische Ideologien
Note
2,0
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V113601
ISBN (eBook)
9783640136841
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottfried, Feder, Kampf, Hochfinanz, Geschichte, Ideen, Faschistische, Ideologien
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Gottfried Feder: Kampf gegen die Hochfinanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113601

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