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Das Internet, ein Rekrutierungsmedium für Rechtsextreme?

Title: Das Internet, ein Rekrutierungsmedium für Rechtsextreme?

Diploma Thesis , 2002 , 127 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Tanja Zielewski (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Summary Excerpt Details

Das Internet gehört in der modernen Gesellschaft zu den viel umjubelten und
gleichzeitig zu den häufig umstrittenen Dingen des Lebens. Während die einen die
demokratischen Strukturen dieses weltweiten Netzwerkes loben, verurteilen es die
anderen als rechtsfreien Raum, in dem sich Liebhaber von Pornographie, Perverse
jeglicher Couleur oder bombenbauende Terroristen herumtreiben. Genau diesen
Menschen kann man auch tatsächlich im Internet begegnen, sowie einigen Millionen
anderer Menschen, die nicht zu diesen Gruppen gehören. Der Anteil der
Internetnutzer weltweit wächst stetig und ebenso deren Anteil in der deutschen
Bevölkerung. Für das Jahr 2002 weist die ARD/ZDF-Online-Studie einen Anteil
von rund 44 % Internetnutzern aus (vgl. VAN EIMEREN/GERHARD/FREES 2002,
S.347f). Damit sind es zur Zeit hochgerechnet 28,3 Millionen Erwachsene, die EMails
versenden, surfen, chatten und verschiedensten anderen Tätigkeiten im Internet
nachgehen. Bei den Auszubildenden, Schülern und Studenten beträgt der
Anteil der Internetnutzer rund 81 %. Allerdings stellt die Gruppe derjenigen, die
das Internet weder beruflich noch privat nutzen bzw. nicht mehr nutzen, mit 56 %
immer noch die Mehrheit der Bevölkerung. Die Gründe hierfür sind zahlreich
(vgl. GERHARDS/ MENDE 2002). Unter anderem scheint die Skepsis sowohl gegenüber
der Masse als auch gegenüber der Qualität der Inhalte des Internets
gewachsen zu sein. Von immerhin 58 % der sogenannten Offliner wird die Gefahr
der Verbreitung extremer politischer Inhalte gesehe n. Eine wohl nicht ganz unbegründete
Angst, wenn man die immer mal wieder erscheinenden Ze itungsartikel
über die Zunahme rechtsextremistischer Internetseiten verfolgt oder die Verfassungsschutzberichte
der letzten Jahre vergleicht. Was die Gefahren durch rechtsextremistische
Internetangebote betrifft, gehen die Meinungen auseinander. Teilweise
hört oder liest man von der "braunen Gefahr" oder dem "Netz des Hasses",
welches sich weltweit ausbreite. An anderer Stelle ist eher die Rede von irregeleiteten
Mitgliedern irgendwelcher Organisationen, in denen man unter sich bliebe
und deren Seiten 'versteckt' und schwer auffindbar seien, oder es wird davon ausgegangen,
dass es zwar sehr viele rechtsextremistische Internetseiten gibt, man
aber nicht per Zufall darauf stoßen würde. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

I. SOZIALISATIONSBEDINGUNGEN, MEDIENERFAHRUNGEN UND POLITIKINTERESSEN VON JUGENDLICHEN

1. SOZIALISATION

2. MEDIENNUTZUNG UND –KOMPETENZ

2.1 DER INTERNETGEBRAUCH JUGENDLICHER

3. POLITISCHES INTERESSE UND ENGAGEMENT JUGENDLICHER

II. RECHTSEXTREMISMUS IN DEUTSCHLAND

1. DEFINITION DES (RECHTS)EXTREMISMUSBEGRIFFS

2. RECHTSEXTREMISTISCHE EINSTELLUNGEN UND VERHALTENSWEISEN

2.1 FREMDENFEINDLICHKEIT

2.2 PROTESTVERHALTEN UND GEWALT

3. DAS RECHTSEXTREMISMUSPOTENTIAL

3.1 DAS PERSONEN - UND GRUPPENPOTENZIAL

3.2 RECHTSEXTREMISMUS IM INTERNET

III. STRATEGIEN GEGEN RECHTSEXTREMISMUS IM INTERNET

1. RECHTLICHE GRUNDLAGEN

1.1 ÜBERLEGUNGEN ZUR MEINUNGSFREIHEIT

1.2 DAS INFORMATIONS- UND TELEKOMMUNIKATIONSDIENSTE-GESETZ UND DER MEDIENSTAATSVERTRAG

1.3 DAS GESETZ ÜBER DIE VERBREITUNG JUGENDGEFÄHRDENDER SCHRIFTEN UND MEDIENINHALTE

1.4 STRAFGESETZE

2. FILTERSYSTEME

IV. EIGENE FORSCHUNG

1. AUF DER SUCHE NACH INFORMATIONEN

1.1 DAS EXPERIMENTIEREN MIT WEBADRESSEN UND DIE ERGEBNISSE

1.2 EINE SUCHMASCHNINENRECHERCHE

1.2.1 VORAUSGEHENDE ERKENNTNISSE UND EIGENE (VER-) SUCHE

1.2.2 ERGEBNISSE DER DATENERHEBUNG

1.2.3 ZUSAMMENFASSUNG UND BEURTEILUNG

2. EINE INHALTSANALYSE RECHTSEXTREMISTISCHER INTERNETSEITEN

2.1 DAS METHODISCHE VORGEHEN

2.1.1 VORSTELLUNG DES KATEGORIENSYSTEMS

2.2 ERGEBNISSE DER INTERNETSEITENANALYSE

2.2.1 ALLGEMEINE ANGABEN ZU DEN FUNDSTÜCKEN

2.2.2 ELEMENTE DES ATTRAKTIVITÄTSPOTENZIALS

2.2.3 ZUSAMMENFASSUNG

3. RESÜMEE

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob das Internet von Rechtsextremisten gezielt als Rekrutierungsmedium eingesetzt wird und inwieweit die dortigen Angebote so gestaltet sind, dass sie speziell Jugendliche ansprechen sollen. Ziel ist es, sowohl die Verfügbarkeit solcher Angebote als auch deren inhaltliche Strategien zur Attraktivitätssteigerung bei einer jugendlichen Zielgruppe zu analysieren.

  • Analyse der Sozialisationsbedingungen und Mediennutzung heutiger Jugendlicher.
  • Untersuchung von Erscheinungsformen des Rechtsextremismus im Internet.
  • Evaluierung rechtlicher Rahmenbedingungen und technischer Filtermechanismen.
  • Eigene empirische Forschung zur Auffindbarkeit rechtsextremer Internetseiten mittels Suchmaschinen.
  • Inhaltsanalyse rechtsextremer Internetangebote hinsichtlich ihres Attraktivitätspotenzials für Jugendliche.

Auszug aus dem Buch

2. MEDIENNUTZUNG UND –KOMPETENZ

In der heutigen Kindheit und Jugend gelten neben Elternhaus, Schule und Gleichaltrigengruppe die Medien als wichtige Sozialisationsinstanzen. Hinter der Sammelbezeichnung 'Medien' verbergen sich sehr unterschiedliche Dinge: Bücher, Tonkassetten, Fernsehen, Radio u.a. Auch die Neuen Medien gehören inzwischen als selbstverständliche Bestandteile dazu. Diese erweitern nicht einfach nur die bestehende Fernseh- und Bilderkultur, sondern bringen eine neue Qualität ein, indem sie visuelle (computerberechnete) Oberflächen auf dem Bildschirm interaktiv zugänglich machen (vgl. FROMME/VOLLMER 1999, S.200).

Charakteristisch für die heutige Zeit ist das Nebeneinander der verschiedensten Medien. VAN EIMEREN, GERHARD und FREES (2002, S.358) weisen in bezug auf das Internet darauf hin, dass dieses die bereits bestehenden Medien nicht verdrängt, sondern in ihrer Nutzung komplementär ergänzt. Hieraus ergeben sich natürlich eine Vielzahl von (fiktiven und symbolischen) Erfahrungs- und Erlebniswelten, die hinzukommen. Entgegen häufiger Befürchtungen, dass die fortschreitende Medialisierung im Leben der Jugendlichen zu einer Verarmung ihrer Alltagsgestaltung oder ihrer sozialen Beziehungen führt, kommen BARTHELMES und SANDER (2001, S.294) zu dem Schluss, dass "im Gegenteil, eine entsprechende Nutzung der Medien [...] für die soziale Integration sowohl innerhalb der Familie als auch in den Gleichaltrigen-Gruppen bzw. in den Freundschaftsbeziehungen behilflich und unterstützend [ist]". Die Korrespondenz zwischen Real- und Medienwelten ist für Jugendliche bzw. junge Erwachsene mittlerweile selbstverständlich geworden (BARTHELMES/SANDER 2001, S.297).

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Internetnutzung durch Jugendliche und die potenzielle Gefahr durch rechtsextremistische Propaganda im Netz.

I. SOZIALISATIONSBEDINGUNGEN, MEDIENERFAHRUNGEN UND POLITIKINTERESSEN VON JUGENDLICHEN: Beleuchtung der Lebenswelten Jugendlicher, ihrer Mediensozialisation und ihrer Einstellung zu Politik und gesellschaftlichem Engagement.

II. RECHTSEXTREMISMUS IN DEUTSCHLAND: Definition und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus, seiner Ideologien und der Nutzung des Internets als Propagandamedium.

III. STRATEGIEN GEGEN RECHTSEXTREMISMUS IM INTERNET: Diskussion rechtlicher Grundlagen sowie technischer Möglichkeiten wie Filtersysteme zur Einschränkung extremistischer Inhalte.

IV. EIGENE FORSCHUNG: Dokumentation der eigenen Untersuchung, die sowohl Suchstrategien testet als auch eine qualitative Inhaltsanalyse von rechtsextremistischen Websites vornimmt.

Schlüsselwörter

Jugendforschung, Internetnutzung, Rechtsextremismus, Rekrutierung, Medienkompetenz, Politikverdrossenheit, Radikalisierung, Propaganda, Sozialisation, Online-Strategien, Mediensozialisation, Filtertechnologien, Internetanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob das Internet als Medium zur Rekrutierung Jugendlicher für die rechtsextreme Szene fungiert und welche Strategien dabei zur Anwendung kommen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Die Schwerpunkte liegen auf den Sozialisationsbedingungen von Jugendlichen, den Ideologien des Rechtsextremismus sowie den rechtlichen und technischen Möglichkeiten zur Bekämpfung extremistischer Inhalte im Internet.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Es soll geklärt werden, ob rechtsextremistische Angebote im Internet so gestaltet sind, dass sie Jugendliche gezielt anlocken und zur Szenebindung führen können.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die eigene Untersuchung gewählt?

Die Autorin kombiniert eine empirische Recherche (Suchmaschinen-Test) mit einer qualitativen Inhaltsanalyse, die sich an der "Grounded Theory" orientiert, um Muster der Rekrutierung zu identifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Mediensozialisation und Rechtsextremismus sowie den praktischen Teil der eigenen Forschung zur Internetseitenanalyse.

Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?

Jugendforschung, Internetnutzung, Rechtsextremismus, Propaganda, Online-Rekrutierung und Medienkompetenz.

Wie einfach ist es laut der Autorin, rechtsextreme Inhalte im Internet zu finden?

Die Autorin widerlegt die Annahme, dass diese Inhalte "sehr gut versteckt" sind; ihre eigene Untersuchung zeigt, dass sie für "naive Nutzer" vergleichsweise leicht über Suchmaschinen auffindbar sind.

Warum betrachten Rechtsextremisten das Internet als ein wichtiges Werkzeug?

Es dient ihnen als kostengünstiges Medium zur Verbreitung von Ideologie, zur Vernetzung von Gleichgesinnten und zur Umgehung von Medienkontrolle sowie als Forum für gezielte Jugendarbeit.

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Details

Title
Das Internet, ein Rekrutierungsmedium für Rechtsextreme?
College
Bielefeld University  (Fakultät für Pädagogik)
Grade
sehr gut
Author
Tanja Zielewski (Author)
Publication Year
2002
Pages
127
Catalog Number
V11365
ISBN (eBook)
9783638175449
Language
German
Tags
Sozialisation Jugendliche Medienkompetenz politische Sozialisation Rechtsextremismus Fremdenfeindlichkeit Gewalt jugendgefährdende Schriften Strafgesetz Multimediagesetz Filterprogramme Su
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tanja Zielewski (Author), 2002, Das Internet, ein Rekrutierungsmedium für Rechtsextreme?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11365
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