Aggression und interindividuelle Konflikte


Hausarbeit, 1996
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Gefühlstheorien

3.1. Definition von Aggression
3.2. Definition von Frustration
3.3.1. Erlerntes Verhalten allgemein (aus biologischer Sicht)
3.3.2. Lernen von aggressivem Verhalten
3.3.3. Extinktion
3.4. Frustration und Aggression
3.5. Reaktanztheorie

4. Zwischenmenschliche Konflikte
4.1. Klärung des Konfliktbegriffs
4.2. Funktion und Bewertung von Konflikten
4.3. Konfliktablauf
4.4. Konfliktursachen
4.5. Konfliktentstehung
4.6. Verzerrung von Konflikten
4.7.1. Konfliktaustragung
4.7.2. Sachlich <=> Gefühlsmäßig:
4.7.3. Eingegrenzt <=> Ausgeweitet:
4.7.4. Direkt <=> Verschoben:
4.7.5. Personenneutral <=> Persönlich:
4.7.6. Bewußte Austragung <=> Schwelen lassen:
4.7.7. Offen <=> Verdeckt:
4.8.1. Konfliktbewältigung
4.8.2. Gewinn-Verlust-Strategie:
4.8.3. Verlust-Verlust-Strategie:
4.8.4. Gewinn-Gewinn-Strategie:
4.9.1. Abwehrverhalten
4.9.2. Verschiebung:
4.9.3. Rationalisierung:
4.9.4. Kompensation:
4.9.5. Identifikation:
4.9.6. Projektion:
4.9.7. Sichzurückziehen:
4.9.8. Regressives Verhalten:

Literatur:

1. Einleitung

Ich habe versucht in meiner Hausarbeit einige Grundbegriffe über Aggression, Frustration und interindividuelle Konflikte zusammenzutragen. Zu Beginn bin ich auf die Gefühlstheorie von SCHACHTER eingegangen, weil ich glaube, daß diese Theorie unverzichtbar für das Verstehen von aggressivem Verhalten ist. Schließlich zählen Frustration und Reaktanz auch zu den Gefühlen und sie können zu Aggressionen führen. Die Informationen zu der Gefühlstheorie sind zum größten Teil von HERKNER, W.: „Sozialpsychologie“. Mit den allgemeinen Lerntheorien aus biologischer Sicht habe ich mich beschäftigt, um die Prinzipien für das Erlernen von Aggression zu erklären. Die Quelle für den biologischen Teil ist: Linder: „Biologie“ und der Abschnitt über das Lernen von aggressivem Verhalten bezieht sich auf Herkner, W.: „Sozialpsychologie“. Die Frustrations-Aggressions-Hypothese habe ich in meinen Text mit aufgenommen, weil sie zu den ersten und strittigsten Ansätzen der Aggressionsforschung gehört. Auch wenn diese Hypothese schon längst widerlegt ist, so hat sie doch zu vielen neuen Experimenten und Ergebnissen geführt. Die Literatur hierzu sind: HERKNER, W.: „Sozialpsychologie“/ DOLLARD, DOOB, MILLER, MOWRER, SEARS: „Frustration und Aggression“/ DENKER, R.: „Aufklärung über Aggression“. Anschließend bin ich auf die Reaktanztheorie eingegangen. Sie ist der Frustration recht ähnlich und kann ebenfalls zur Aggression führen. Auch hier habe ich die Informationen aus HERKNER, W.: „Sozialpsychologie“. Im zweiten Teil meiner Arbeit habe ich über interindividuelle Konflikte geschrieben. Problematisch war hier, daß kaum empirische Untersuchungen zu diesem Thema zu finden waren. Es handelt sich bei dieser Darstellung zum größten Teil um Vermutungen und Annahmen. Die Quelle zu diesem Thema war insbesondere: DELHEES, K.H.: „Soziale Kommunikation“. Die Ausführungen über zwischenmenschliche Konflikte sind recht allgemein gehalten und beziehen sich nicht direkt auf aggressives Verhalten. Es gibt kaum Konflikte, die zwangsweise zu Aggressionen führen, sondern das Verhalten hängt auch von den beteiligten Personen ab. Aus diesem Grund habe ich die beiden Themen recht klar voneinander abgegrenzt. Die Textabschnitte, in denen ich meine persönliche Meinung formuliert habe sind durch eine andere Schrift gekennzeichnet.

2. Gefühlstheorien

Gefühle werden von körperlichen Reaktionen begleitet, wie z.B. Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Zunahme der Atemfrequenz, Erröten, Schweißausbrüche usw. Diese Prozesse werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert, sie laufen also unwillkürlich ab und können kaum bewußt beeinflußt werden. In den ersten Gefühlstheorien (JAMES, 1884; LANGE, 1885) wurde in diesen Körperreaktionen die eigentliche Ursache für das Erleben von Gefühlen gesehen. Diese Theorie warf aber einige Fragen auf. Die somatischen Prozesse laufen bei den verschiedensten Emotionen fast identisch ab, d.h. der Körper zeigt die gleichen Erregungsmerkmale beispielsweise bei Angst oder bei Freude. Lediglich die Intensität des Gefühls wird vom Organismus differenziert. Woher sollten Menschen dann also wissen, ob sie gerade wütend oder glücklich sind? SCHACHTER fand 1964 eine Erklärung für dieses Problem. Seiner Meinung nach lernen Menschen, wie Erregungszustände interpretiert werden. Man lernt also, daß man in einer bestimmten Situation traurig, glücklich oder ängstlich ist. Allerdings muß eine erhöhte Aktivierung des Organismus nicht unbedingt als Gefühl ausgelegt werden. Wenn z.B. ein unangenehmer Zustand auch durch andere physiologische Faktoren, wie Medikamente oder Krankheit ausgelöst worden sein kann, werden diese als Ursachen dafür angesehen, und die eigentliche auslösende Situation wird nicht mehr negativ empfunden. Dieser Punkt wurde in vielen Experimenten nachgewiesen.

NISBETT und SCHACHTER (1966) gaben ihren VersuchsprobandInnen, die elektrische Schläge bekommen sollten, Placebopillen. In der ersten Versuchsbedingung wurde den ProbandInnen mitgeteilt, daß das Medikament Nebenwirkungen wie Zittern und Herzklopfen (also Angstanzeichen) hervorrufen kann. Die Vpn attribuierten ihre Körperreaktionen auf das Medikament, und nicht auf die Angst vor den Elektroschlägen. Es kam also zu einer Fehlattribution. In der zweiten Versuchsbedingung wurde den TeilnehmerInnen gesagt, das Medikament führe zu Juckreiz und Kopfschmerzen. Diese zweite Gruppe mußte ihre Erregung also als Angst interpretieren. Die ProbandInnen erhielten dann die erwarteten elektrischen Schläge, welche erst relativ schwach waren und dann immer stärker wurden. Sie sollten angeben, wann die Schläge so schmerzhaft wurden, daß sie den Versuch abbrechen wollten. Die Schmerzgrenze war bei den Vpn mit der Fehlattribution weitaus höher als bei den anderen. 1966 konnte VALINS sogar in einem Versuch nachweisen, daß die Intensität eines Gefühls nicht durch den Aktivierungsgrad des Organismus bestimmt wird, sondern durch die Interpretation, bzw. die Wahrnehmung der körperlichen Erregung. In dem Experiment wurden männlichen Vpn Aktfotos von Frauen gezeigt. Über einen Kopfhörer konnten sie ihren eigenen Herzschlag hören. Diese Herztöne waren aber manipuliert, sie kamen von einem Tonband. Danach wurden die Vpn befragt, welche Frauen ihnen am besten gefallen haben, und sie gaben genau die Frauen an, bei denen auf dem Tonband eine erhöhte Pulsfrequenz zu hören war.

Diese „Selbstüberredungshypothese“ wurde durch weitere Untersuchungen bestätigt.

3.1. Definition von Aggression

Begriffsdefinition nach dem dtv Lexikon (1992):

Aggression ist ein affektbedingtes Angriffsverhalten, das sich gegen andere Menschen, Gegenstände oder das eigene Ich richtet.

Es handelt sich also nicht um ein Gefühl, sondern um eine Verhaltensform. Aggression kann eine Folge aus Emotionen sein und drückt sich durch spezifische Angriffshandlungen aus wie z.B. schimpfen, schreien, schlagen usw.

Die BehavioristInnen definieren Aggression als eine Schädigung von anderen, sich selbst oder Gegenständen. Allerdings müßte man nach dieser Erklärung auch versehentliche Schadensverursachung, beispielsweise bei Verkehrsunfällen, als aggressives Verhalten deuten.

3.2. Definition von Frustration

Begriffsdefinition nach dem dtv Lexikon (1992):

Frustration ist eine Nichterfüllung, Enttäuschung, Versagtbleiben einer Erwartung oder Erfüllung eines Bedürfnisses.

Es gibt in der Literatur viele verschiedene Definitionen des Begriffs. Der gemeinsame Kern dieser Formulierungen ist, daß Frustration auftritt, wenn ein „Ziel“ nicht erreicht wird, obwohl die Erwartung bestand, daß das Ziel erreicht werden kann. Frustration ist ein Zustand von erhöhter Aktivierung des Körpers.

3.3.1. Erlerntes Verhalten allgemein (aus biologischer Sicht)

Erfahrungen, die in der Auseinandersetzung mit der Umwelt gemacht werden, werden als Gedächtnisinhalt gespeichert, sie erweitern den Verhaltensspielraum und erhöhen die Überlebenschancen in einer sich verändernden Umwelt (Selektionsvorteil).

Voraussetzung für die Fähigkeit des Lernens ist eine Zentralisierung des Nervensystems. Beim Menschen ist das Großhirn Sitz des Gedächtnises.

Einfache Lernvorgänge:

- Klassische Konditionierung: Lernen auf bestimmte Reize genauso zu reagieren, wie auf einen reflexauslösenden Reiz bzw. auf einen Schlüsselreiz (instinktauslösend).
Beispiel: Pavlov`scher Hund
- Lernen bestimmte Verhaltensweisen gezielt zu zeigen, Lernen am Erfolg bzw. Mißerfolg, oderLernen durch Versuch und Irrtum (z.B. Ein Kind greift auf eine Herdplatte und lernt dadurch, daß man bei Herdplatten vorsichtig sein muß).

Höhere Lernvorgänge:

- Weitergabe der individuellen Erfahrungen an die Gruppenmitglieder.
- Traditionsbildung, Weitergabe der individuellen Erfahrungen über Generationen hinweg.
- Transferlernen, schon erlerntes Verhalten auf neue Situationen übertragen.

3.3.2. Lernen von aggressivem Verhalten

Inzwischen ist die Theorie des natürlichen „Aggressionstrieb“ recht klar widerlegt. Aggressives Verhalten ist nicht angeboren d.h. genetisch bedingt, sondern es wird zum größten Teil erlernt. Die biologische Erklärung von Verhalten ist relativ einfach. Handlungen werden in Reflexe, Instinkte und erlerntes Verhalten kategorisiert (evt. könnte man noch das Verhalten durch Einsicht nennen, aber das kann man auch zu dem Transferlernen zählen). Bei den Menschen gibt es aber kaum noch instinktgebundenes Verhalten. Sie sind in der Lage, sich über ihre Instinkte hinwegzusetzen (z.B. Verweigerung der Nahrungsaufnahme, Unterdrückung des Sexualtriebes usw.).

Der Umgang mit unangenehmen Situationen oder negativen Gefühlen wird, wie die meisten interpersonellen Verhaltensweisen, durch Beobachtung, Verstärkung (Lob, Belohnung und Zuspruch) und Bestrafung bzw. Erfolg und Mißerfolg oder durch Versuch und Irrtum gelernt. Ein Beispiel für Lernen durch Verstärkung sind die Experimente von COWAN und WALTERS (1963) und WALTERS und BROWN (1963). Die Vpn waren Kinder. Sie wurden mit Glaskugeln belohnt, wenn sie eine lebensgroße Clownfigur schlugen. Die Anzahl der Schläge nahm während dieser Verstärkungsphase stark zu. Die Kinder lernten aggressives Verhalten indem sie verstärkt wurden.

Das Lernen durch Beobachtung ist insbesondere davon abhängig, ob das beobachtete Verhalten auch erfolgreich ist. Ein Verhalten wird erst imitiert, wenn die Konsequenzen positiver ausfallen als bei anderen, der Person bekannten, Alternativen. Man bezeichnet diesen Vorgang auch als stellvertretende Verstärkung. Es gibt auch den gegenteiligen Effekt. Wenn eine beobachtete Handlung eher negative Konsequenzen hat, wie z.B. (stellvertretende) Bestrafung, dann wird es seltener imitiert.

Das Lernen durch Erfolg bzw. durch Mißerfolg ist dem Lernen durch Verstärkung oder Bestrafung recht ähnlich. Verstärkung bzw. Bestrafung ist eine absichtliche Beeinflussung durch Außenstehende, während sich im anderen Fall der Erfolg oder Mißerfolg aus der Situation heraus ableitet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Aggression und interindividuelle Konflikte
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln  (Psychologie)
Veranstaltung
Die Psychologie der Gruppe
Note
1,0
Autor
Jahr
1996
Seiten
22
Katalognummer
V113684
ISBN (eBook)
9783640142101
ISBN (Buch)
9783640142187
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aggression, Konflikte, Psychologie, Gruppe
Arbeit zitieren
Christine Hölzmann (Autor), 1996, Aggression und interindividuelle Konflikte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113684

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