Fritz Kortner, seine Theater- und Regiearbeit und seine Don-Carlos-Inszenierung im Hebbel-Theater in Berlin am 3. Dezember 1950


Hausarbeit, 2008
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Schauspielerischer Werdegang

3 Fritz Kortner- Seine Regie- und Theaterarbeit

4 Kortners Don-Carlos-Inszenierung im Hebbel-Theater in Berlin am 3.Dezember 1950

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Fritz Kortner gilt wohl als einer der bedeutendsten und aufregendsten Theatermacher im Deutschland des 20.Jahrhunderts. Ob als Schauspieler oder Regisseur, er prägte das deutsche Theater und sorgte mit seinen intensiven Schauspielleistungen und seinen gegenwartsbezogenen Inszenierungen als Regisseur immer wieder für Aufsehen. Ich möchte mich in meiner Hausarbeit mit genau diesem Fritz Kortner und seiner Theaterarbeit beschäftigen. Dabei möchte ich zunächst kurz den schauspielerischen Werdegang und seine langjährige Reise durch die deutsche Theaterlandschaft beschreiben, bevor ich dann auf seine Regie-und Theaterarbeit eingehen möchte, um mich dann schließlich auf einer seiner bedeutendsten, aber auch skandalträchtigsten Inszenierungen zu konzentrieren: Kortners Inszenierung von Schillers „Don Carlos im Hebbel-Theater am 3.Dezember 1950. Geholfen haben mir dabei besonders Klaus Völkers Biographie „Fritz Kortner: Schauspieler und Regisseur“, Peter Schützes Buch

„Fritz Kortner, Kortners beide Autobiographien „Aller Tage Abend“ und „Letzten Endes“ sowie Henning Rieschbieters Artikel „Im Gefängnis der Tyrannei: Kortners Don-Carlos-Inszenierung, West-Berlin 1957“. Am Schluss möchte ich meine Erläuterungen dann noch kurz zusammenfassen.

2. Schauspielerischer Werdegang

Fritz Kortner wird am 12.Mai 1892 unter dem Namen Nathan Kohn und als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren. Anfangs will er Rabbiner werden, doch nach einem Theaterbesuch von Schillers „Die Räuber“ entscheidet sich der junge, frühreife Eigenbrötler , der schon in seiner frühen Jugend Schriften von Marx und Freud liest, Schauspieler zu werden. Josef Kainz, Darsteller des Franz Moors in der von ihm besuchten „Die Räuber“-Inszenierung, wird von nun an Kortners großes Vorbild. Mit der Hilfe seiner Freunde und seines ungeheuren Willens und Arbeitsfleißes, Texte auswendig zu lernen, nimmt ihn Ferdinand Gregori schließlich auf die „Akademie für Darstellende Künste“ auf, wenig später spielt Kortner unter Gregori am Hof-und Nationaltheater in Mannheim und debütiert dort am 1. September 1910 als Maximilian, Burggraf von Freiburg, in Kleists „Kätchen von Heilbronn“. Doch bald reicht ihm das gelernte Gestenarsenal Gregoris in seinem Ehrgeiz nicht mehr aus. Er möchte noch höher hinaus. Menschendarsteller möchte er werden. Und so entschließt er sich 1911 ans Deutsche Theater zu Max Reinhardt zu wechseln, von dem er den unglaublichen Arbeitsfanatismus erbt und dabei auch eine Vielzahl von Schauspielern kennenlernt. Doch auch hier hält es ihn nicht lange. Ihm reichen die Nebenrollen, die er von Reinhardt bekommt, nicht mehr aus. Er kehrt nach Wien zurück und schafft dort 1913 an der Volksbühne unter Berthold Viertel in der Rolle des Vinzens in Herbert Eulenbergs „Alles um Geld“ den Durchbruch als Schauspieler. Doch er kehrt kurze Zeit später wieder nach Berlin zurück, spielt am Berliner Theater den Mortimer im Theaterstück „Maria Stuart“. Dem Krieg im Ersten Weltkrieg entkommt er dann nur knapp, mit Hilfe eines Krankheitsbescheids und tritt, anstatt im Krieg zu kämpfen, in dieser Zeit als Schauspieler in Dresden und später am Deutschen Volkstheater in Wien auf, wo er dann auch erstmals Rollen wie König Philipp in „Don Carlos“, Shylock in „Der Kaufmann von Venedig“ oder Franz Moor in Schillers „Die Räuber“ verkörpert. Ab 1919 dreht er dann einige Stummfilme und engagiert sich an den Hamburger Kammerspielen. Doch wiederum kurze Zeit später wechselt er ans Staatliche Schauspielhaus Berlin unter Leopold Jessner. Hier lernt er das expressionistische Theater kennen, hier lernt er auch seine spätere Frau Johanna Hofer kennen und hier gelangt er durch die aufreibende Inszenierung von dem Theaterstück „Wilhelm Tell“ zu erstem Ruhm. Doch 1923 treibt es ihn auch hier wieder fort und er schließt sich einer der in der Inflationszeit der 20er Jahre beliebten Ensembletruppen an. Sie heißt schlicht „Die Truppe“ und wird von dem Regisseur Berthold Viertel geleitet, den er schon von der Volksbühne in Wien kennt. Doch auch hier hält es ihn nicht lange, da der zum Star gewordene Schauspieler sich nicht anderen Anweisungen unterordnen möchte. Wenig später bringt ihn eine Rolle in der Inszenierung des Theaterstücks „Dickicht“ unter der Leitung von Erich Engels mit Bertolt Brecht zusammen, der bald darauf zu seinen engsten Freunden gehören wird. 1926 kehrt er wieder an Jessners Staatliche Schauspielhaus zurück und brilliert dort unter der Leitung von Jürgen Fehling in einer intensiven Darstellung des Shylocks in der Inszenierung von „Der Kaufmann von Venedig“. Doch seine Schauspielerei wird ab 1927 immer weniger geschätzt. Er wird als Jude zum Zielobjekt der NSDAP. Er widersetzt sich mit politischen Stellungnahmen. Doch dies macht das Leben für ihn und seine Familie nicht unbedingt leichter. Gerüchte werden über ihn in die Welt gesetzt. 1929 brilliert er nochmal in Sophokles „Ödipus“, es folgen bis 1932 ein paar Filmrollen, in denen er auch teilweise als Regisseur inszeniert. Doch dann verschwindet sein Name von den Filmplakaten, Angebote bleiben aus. Mit Julius Hays Schauspiel „Gott, Kaiser und Bauer“ endet am 31.Dezember 1932 seine erste Theaterlaufbahn. Kortner nutzt ein Gastspiel in Skandinavien, um die Flucht aus Hitlers Deutschland zu planen. Über Ascona und Paris landet er schließlich in Großbritannien. Hier quält er sich mit der fremden Sprache, hilft aber auch anderen Emigranten und bekommt anfangs auch noch Filmangebote, die durch Hitlers Expansionspolitik, aus Angst vor demselben, schließlich jedoch ausbleiben. Mit Hilfe von der Journalistin und Beraterin des damaligen amerikanischen Präsidenten Roosevelt, Dorothy Thompson, siedelt er schließlich mit seiner Familie nach Amerika über und wird hier bis nach Kriegsende sein Leben verbringen. Hier findet er besonders durch seine Drehbucharbeit Ansehen und treibt sich durch die freundschaftliche Beziehung mit Dorothy Thompson auch immer wieder in politischen Kreisen herum. Doch nach Kriegsende fasst er den Beschluss: Er möchte wieder nach Deutschland zurück. So trifft er am 21.Dezember 1947 im zerbombten Berlin ein. Dort macht er dann wenig später seinen Traum des Regiemachens wahr und tritt am 15. Februar 1949 mit der Inszenierung von den „Donauwellen“ sein Regiedebüt an. Dies ist gleichzeitig der Beginn einer langen Regiekarriere. Seine Inszenierungen werden dabei immer wieder für Aufsehen sorgen, besonders die Inszenierungen von Schillers „Don Carlos“ und dem „Preispokal“. Mit den Büchern „Aller Tage Abend“ und „Letzten Endes“ betätigt er sich später dann auch als Autor und bekommt für seine Theaterarbeit 1957 schließlich das Große Verdienstkreuz zugesprochen. Am 22.Juni stirbt der an Blutkrebs erkrankte Fritz Kortner schließlich im Alter von 78 Jahren.[1]

3.Fritz Kortner- Seine Regie- und Theaterarbeit

Viele Theaterinteressierte sagten Fritz Kortner schon in seiner Zeit als Schauspieler eine große, spätere Karriere als Regisseur voraus. Denn schon damals trat er in den verschiedenen Inszenierungen nicht nur als Schauspieler auf, sondern versuchte in den Proben, seine Ideen und Verbesserungsvorschläge den Regisseuren mitzuteilen, die dies jedoch als Rechthaberei brandmarkten. Dies galt jedoch nicht für Herbert Ihering: Für ihn war seine Rechthaberei eher „die Unruhe, der Drang und die Fähigkeit, an der Gesamtheit der Aufführung mitzuarbeiten.“[2] Und auch Leopold Jessner beeindruckte schon damals die Entschlossenheit Kortners, sich für ein Theaterspielen einzusetzen,

„daß nicht nur den Genuß wollte, sondern die Erschütterung um jeden Preis“ und dabei gleichermaßen jedes Stück von Anfang bis zum Ende neu durchdacht werden sollte.[3] Friedrich Zelnik fiel besonders Kortners Beobachtungsgabe, sein Wille zum Einzigartigen und sein eigener Darstellungsstil auf, der sich keinen Rhythmus aufzwingen lassen wollte[4] und Ihering glaubt schließlich, dass Kortner „dort am freiesten ist, wo ein schwacher Regisseur von ihm befruchtet und geleitet werden kann“[5]. Und so wird Fritz Kortner nach dem erzwungen Exil in Amerika und nach dem 2. Weltkrieg schließlich Regisseur.

[...]


[1] Vgl. allgemein dazu: Klaus Völker: Fritz Kortner. Schauspieler und Regisseur. Berlin 1987; vgl. auch: Peter Schütze: Fritz Kortner. Hamburg 1994

[2] Herbert Ihering: Maß für Maß. In: Völker 1987: S. 40

[3] Vgl:Leopold Jessner: Fritz Kortner und das Staatstheater. In: Völker 1987: S.61

[4] Friedrich Zelnik: Fritz Kortner, der Filmschauspieler von heute und der Regisseur von morgen. In: Völker 1987: S.120

[5] Herbert Ihering: Fritz Kortner als Teufel in „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“. In: Völker 1987: S. 85

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Fritz Kortner, seine Theater- und Regiearbeit und seine Don-Carlos-Inszenierung im Hebbel-Theater in Berlin am 3. Dezember 1950
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Theater in Berlin nach 1945
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V113698
ISBN (eBook)
9783640142682
ISBN (Buch)
9783640143245
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fritz, Kortner, Theater-, Regiearbeit, Don-Carlos-Inszenierung, Hebbel-Theater, Berlin, Dezember, Theater
Arbeit zitieren
Daniel Voigt (Autor), 2008, Fritz Kortner, seine Theater- und Regiearbeit und seine Don-Carlos-Inszenierung im Hebbel-Theater in Berlin am 3. Dezember 1950, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113698

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