Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Narzissmus und der Nutzung der sozialen Medien. Heutzutage stellen Interaktion und Selbstpräsentation im Internet die Norm dar. Es ist mittlerweile ein Teil unserer täglichen Routine geworden, unsere Webpräsenz aufrechtzuerhalten und gleichzeitig über Social Networking Websites, kurz – SNS - in Kontakt mit einer großen Anzahl an Personen zu stehen, jedoch größtenteils ohne informativen Gehalt. Followers, Likes, Snaps, Tweets und Stories nehmen Einfluss auf unser Verhalten und das unseres Gegenübers. Kaum eine Handlung bleibt unkommentiert, kaum ein Outfit unfotografiert und kaum ein Essen unkritisiert.
Durch die neuesten Smartphones ist es der Gesellschaft jetzt noch leichter jeden einzelnen Schritt des Lebens zu posten, tweeten und zu snappen. Die Anzahl der Likes und die Menge an Online-Freundschaften, welche die Nutzer und Nutzerinnen diverser Online-Plattformen aufweisen, bekommen zunehmend Bedeutung. Mit dem Wandel der Zeit und infolge der rasanten Technisierung konnte beobachtet werden, wie Millennials, auch bekannt als Generation Y, sich auf diversen Online-Plattformen verwirklichen und diese als Bühne nutzen. Da man einen rasanten Anstieg des subklinischen Narzissmus in der heutigen Gesellschaft beobachten konnte, kam es zu einem vermehrten Interesse seitens der Forscher an der Fragestellung, ob es einen Kausalzusammenhang zwischen dem subklinischen Narzissmus und der vermehrten, intensiven Nutzung von Online-Plattformen gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Narzissmus
3. Narzissmusforschung
4. Narzissmusmodelle
5. Online-Plattformen
6. Motive für die Nutzung von Online-Platformen
6.1. Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion
6.2. Bedürfnis nach Information
6.3. Bedürfnis nach Unterhaltung
6.4. Bedürfnis den Selbstwert zu steigern
7. Diskussion
8. Fachdidaktische Überlegungen für die Behandlung des Themas im Unterricht
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob ein Kausalzusammenhang zwischen dem Anstieg narzisstischer Persönlichkeitsmerkmale in der heutigen Gesellschaft und der intensiven Nutzung von Social Networking Sites (SNS) besteht, und analysiert dabei die psychologischen Motive hinter der Online-Selbstinszenierung.
- Psychologische Grundlagen und Definitionen des subklinischen Narzissmus
- Die Rolle von Online-Plattformen bei der Selbstpräsentation und Identitätsbildung
- Empirische Untersuchung von Nutzungsmotiven (Integration, Information, Unterhaltung, Selbstwertsteigerung)
- Kritische Analyse des Zusammenhangs zwischen Narzissmuswerten und Online-Aktivität
- Fachdidaktische Ansätze zur Vermittlung eines bewussten Medienumgangs im Schulunterricht
Auszug aus dem Buch
4. Narzissmusmodelle
Durch die Tatsache, dass es in den letzten Jahren zu einem enormen Anstieg des Interesses am subklinischen Narzissmus kam, entwickelten einige Forscher diverse Narzissmusmodelle, für welche empirische Beobachtungen als Grundlage dienten. Diese Modelle orientieren sich größtenteils an den Prozessen des Narzissten, welche charakterisierend für diese Persönlichkeitsstörung sind. Man unterscheidet hier zwischen intrapsychischen Prozessen, also jenen Prozessen, welche sich innerhalb der eigenen Psyche abspielen und interpersonellen Prozessen. Letztere finden zwischen dem Narzissten und weiteren zwei oder drei Personen statt (Morf & Rhodewalt 2001).
Im „Dynamic self-regulatory processing model“, welches von Morf und Rhodewalt (2001) entwickelt wurde, wird eine Person mit einer erhöhten narzisstischen Charakterausprägung mit einem überdimensional übersteigerten positiven Selbstbild beschrieben. Für seine Mitmenschen stellt der Narzisst eine stabile Persönlichkeit dar, welche sich für wertvoller und besser hält und aufgrund seiner Selbstüberzeugtheit, Anspruch auf eine dementsprechend einzigartige Behandlung seines sozialen Umfeldes stellt (Campbell, Rudich & Sedikides, 2002). Neben dem aber tatsächlich instabilen Selbstkonzept des Narzissten konnten Emmons (1987) und Foster, Campbell und Twenge (2003) eine wechselseitige Beziehung zwischen Fremd- und Selbstfokussierung feststellen. So beschreiben sie den Narzissten als eine Person mit einer übersteigerten und intensiven Selbstfokussierung sowie einer wenig ausgeprägten und somit schwachen Fremdfokussierung. Wallace und Baumeister (2002) führen die vom Narzissten dauerhaft vorhandene Notwendigkeit nach externer Bestätigung und externer sozialer Anerkennung auf das instabile Selbstkonzept des Narzissten zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der digitalen Selbstinszenierung ein und thematisiert die wissenschaftliche Diskussion um den Narzissmus als "Epidemie" im Zeitalter sozialer Medien.
2. Narzissmus: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Narzissmus, seine mythologischen Wurzeln sowie die Abgrenzung zwischen klinischer Störung und gesundem Ausmaß im Alltag.
3. Narzissmusforschung: Es wird die Entwicklung der Forschung von der Psychoanalyse hin zur modernen sozialpsychologischen Erfassung mittels Instrumenten wie dem Narcissistic Personality Inventory (NPI) skizziert.
4. Narzissmusmodelle: Das Kapitel stellt theoretische Modelle wie das "Dynamic self-regulatory processing model" vor, um die psychologischen Prozesse und das instabile Selbstkonzept des Narzissten zu erklären.
5. Online-Plattformen: Hier werden die Funktionen, die enorme Verbreitung von Social Networking Sites bei der Generation Y und die Bedeutung der dortigen Nutzerprofile beschrieben.
6. Motive für die Nutzung von Online-Platformen: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Motivationsfaktoren für die Mediennutzung, basierend auf dem Modell von Katz, Blumler & Gurevitch.
6.1. Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion: Es wird untersucht, wie Online-Plattformen der Pflege von sozialen Kontakten und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit dienen.
6.2. Bedürfnis nach Information: Hier steht die zielorientierte Suche nach Inhalten, Trends und Informationen als treibendes Nutzungsmotiv im Vordergrund.
6.3. Bedürfnis nach Unterhaltung: Es wird analysiert, wie soziale Medien als Entspannungsquelle und Ablenkung vom Alltag fungieren.
6.4. Bedürfnis den Selbstwert zu steigern: Dieses Kapitel beleuchtet, wie gezielte Selbstdarstellung und das Sammeln von Likes zur Stärkung des eigenen Identitätsgefühls und Status beitragen.
7. Diskussion: Die Ergebnisse diverser Studien zur Korrelation zwischen Narzissmus und Online-Aktivität werden kritisch gegenübergestellt und reflektiert.
8. Fachdidaktische Überlegungen für die Behandlung des Themas im Unterricht: Es werden praxisnahe Empfehlungen gegeben, wie Lehrkräfte Schüler bei einem kritischen Umgang mit sozialen Medien unterstützen und präventiv beraten können.
9. Literaturverzeichnis: Ein umfassendes Verzeichnis der in der Bachelorarbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Narzissmus, Social Networking Sites, SNS, Generation Y, Online-Selbstinszenierung, Soziale Netzwerke, Psychologie, Selbstwert, Internetnutzung, Medienpädagogik, Narcissistic Personality Inventory, NPI, digitale Identität, Korrelationsstudien, Selbstdarstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Zunahme von Narzissmuswerten in der Bevölkerung und der intensiven Nutzung von sozialen Netzwerken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die psychologische Definition des Narzissmus, die verschiedenen Motivationsstrukturen bei der Internetnutzung sowie die Auswirkungen von Selbstdarstellung im digitalen Raum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob ein direkter Kausalzusammenhang zwischen dem Anstieg des subklinischen Narzissmus und der verstärkten Nutzung von Online-Plattformen wissenschaftlich nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung zahlreicher bestehender empirischer Studien aus der Sozial- und Persönlichkeitspsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Narzissmus-Modellen und eine detaillierte Analyse der vier primären Bedürfnisse (Integration, Information, Unterhaltung, Selbstwertsteigerung), die zur Nutzung sozialer Medien führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Narzissmus, Social Networking Sites (SNS), Selbstwertsteigerung, digitale Identität und Medienkompetenz.
Welche Rolle spielen "Likes" und "Follower" für das narzisstische Selbstkonzept?
Likes und Follower dienen als messbare Indikatoren für Popularität, die von Personen mit höheren Narzissmuswerten zur externen Bestätigung ihres instabilen Selbstkonzepts genutzt werden.
Was empfiehlt die Autorin für den Schulunterricht?
Es wird empfohlen, dass Lehrkräfte das Thema kritisch thematisieren und durch fächerübergreifende Projekte die Medienkompetenz und ein gesundes Selbstwertgefühl der Schüler fördern.
Gibt es einen klaren Kausalzusammenhang zwischen Internetnutzung und Narzissmus?
Nein, die vorliegende Arbeit kommt zu dem Schluss, dass zwar korrelative Zusammenhänge bei bestimmten Online-Verhalten existieren, jedoch kein eindeutiger Kausalzusammenhang nachgewiesen werden kann.
- Arbeit zitieren
- Julia Katharina Routil (Autor:in), 2020, Der Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Narzissmuswerte und der Nutzung von Social Media, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1137445