Zielgruppenspezifisches Ethno-Marketing

Am Beispiel der in Deutschland lebenden Türken


Hausarbeit, 2001

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ethno- Marketing
2.1 Begriff und Abgrenzung
2.2 Voraussetzungen
2.3 Merkmale und Durchführung der Zielgruppenbildung

3 Ethnische Gruppen in der BRD
3.1 Geschichtliche Entwicklung
3.2 Ethnische Bevölkerungsanalyse
3.3 Besonderheiten der türkischen Bevölkerung

4 Ethno- Marketing speziell angewandt auf die türkische Bevölkerung
4.1 Marketingkanäle zur Durchdringung der türkischen Bevölkerung
4.2 Akzeptanz/ Effektivität des Marketings
4.3 Entwicklungsprognosen des Ethno- Marketing

5 Schlussbetrachtung

Anhang I

Anhang II

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Problem der wirtschaftlichen Integration der türkischen Bevölkerung und der marketingpolitischen Auseinandersetzung mit dieser Bevölkerungsgruppe. In der Bundesrepublik Deutschland leben heute über zwei Millionen Menschen türkischer Abstammung und bilden damit die mit Abstand größte Zuwanderungsgruppe in Deutschland.

In den Anfängen als „Gastarbeiter“ ins Land geholt, richtet sich das Augenmerk der deutschen Wirtschaft immer mehr auf die wachsende Kaufkraft dieser großen Minderheit. Trotz der intensiven öffentlichen Debatte über die soziale Lage der in Deutschland lebenden Migranten und den Grad ihrer Integration in das gesellschaftliche, kulturelle, ökonomische und politische Leben in Deutschland, gibt es relativ wenig gesichertes Wissen über die Homogenität und über gemeinsame Kriterien dieser gesellschaftlichen Gruppe. Die wirtschaftliche Analyse blieb weitestgehend aus. Die Werbewirtschaft versuchte diesen Teil der Bevölkerung nicht gesondert anzusprechen und blieb deswegen vielfach erfolglos.

Spezielle Anwendung des in der Marketing- Wissenschaft als Ethno- Marketing bezeichneten Teilgebietes auf aus der Türkei stammende Menschen in Deutschland bildet den Schwerpunkt dieser Arbeit. Nach einer kurzen allgemeinen Darstellung des Ethno- Marketing und Analyse der Bevölkerungsgruppen wird auf die verbesserungsfähige Akzeptanz und die zu maximierende Effektivität eingegangen. Die steigende Bedeutung der zielgruppenorientierten Absatzförderung bildet den Schlussteil meiner Arbeit.

2 Ethno- Marketing

2.1 Begriff und Abgrenzung

Die in letzter Zeit in Mode gekommene Bezeichnung Ethno- Marketing beinhaltet als Kernaussage die Segmentierung der Kundengesamtmenge in einzelne, mit den Marketing- Instrumenten gesondert anzusprechende Teilmengen. Die Segmentierung folgt dabei bestimmten Merkmalen, so dass innerhalb eines Segments alle effektiven oder potentiellen Personen mit einem gemeinsamen Merkmal zusammengefaßt werden.[1] Auch in den Wirtschaftswissenschaften wurden neuere Ansätze eines differenzierten Marketings entwickelt.

Ethno- Marketing benutzt bei der Bildung dieser Segmente vor allem ethnische Merkmale und erhält die bislang vernachlässigten Migrantengruppen als Zielgruppe. Das Beratungsangebot zielt dabei auf spezielle kulturelle oder nationale sowie auf muttersprachliche Gemeinsamkeiten, die zumeist einen direkteren Zugang auf potentielle Käufer erreichen.

Die Aufgabe der Zielgruppenbestimmung besteht darin, jene Personen zu bestimmen, bei denen ein Bedürfnis für das Werbeobjekt vorhanden ist und die auch bereit und fähig sind, dieses Bedürfnis mit ihrer Kaufkraft zu decken.[2]

Unter zielgruppenspezifischem Marketing ist die Summe des marktrelevanten Handelns eines Unternehmens zu verstehen, das geeignet ist, die Bedürfnisse der ethnischen Gruppen zu deuten, zu verstehen und somit besser zu befriedigen als die Konkurrenz und dadurch Präferenzen für das eigene Unternehmen in dieser Zielgruppe zu schaffen.[3]

Das Zielgruppenspezifische Marketing hat ihren Ursprung in den USA und fasst alle Aktivitäten zusammen, durch die die Marketingpolitik auf eine ethnische Zielgruppe ausgerichtet wird. In den Staaten stellt die Eingliederung von kulturellen, sprachlichen und religiösen Unterschieden der kulturellen Minderheiten in die Marketingpolitik in vielen Bereichen eine Normalität dar.[4]

Vor allem beim Direkt- Marketing via Post, Telefon oder Internet setzen die Firmen auf Mitteilungen in der Muttersprache des Empfängers. Laut der letzten Volkszählung bevorzugen rund 90 Prozent der vietnamesischen, chinesischen oder koreanischen Einwohner der USA die Kommunikation in ihrer Muttersprache.[5]

Die US-Vermarktung behandelt ethnische Gruppen als stereotype Blö>Das Chanukka-Fest beginnt am 25. Kislev und dauert bis zum 2. Tevet (das ist in diesem Jahr vom 10. bis zum 17. Dezember). Das Fest erinnert an die Wiedereinweihung des von den Seleukiden entweihten Tempels in Jerusalem zur Zeit der Makkabäer)[6]

, jedoch nicht über Urlaubsmöglichkeiten in Deutschland. Die privatisierte niederländische Telecom KPN ließ das Ethno- Marketing in der gefährlichen Arena der türkischen Politik stattfinden. Sie gab eine Telefonkarte mit dem Portrait von Atatürk heraus, um das 75-jährige Jubiläum der türkischen Republik zu würdigen.[7] Diese Beispiele zeigen, inwieweit die Zielgruppenbildung einen wichtigen Faktor für die letztendlich zu wählenden Instrumente darstellt.

2.2 Voraussetzungen

Um erfolgreich Ethno- Marketing zu betreiben, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Bei der Segmentbildung nach ethnischen Merkmalen steht neben der allgemeinen Kosten- Nutzen Analyse die Frage nach der Effektivität im Vordergrund. Ist die Teilmenge mit dem gemeinsamen ethnischen Merkmal überhaupt gross genug? Erst ab einer bestimmten Mengengröße lohnen sich die Marketing Bemühungen.[8]

Die Bestimmung der optimalen (Mindest-) Mengengröße hängt jeweils von dem Vorhandensein effektiver Meßinstrumente ab und kann durch Erfahrungswerte herausgefunden werden. Die Bearbeitung eines kleineren Segments wird nicht die erhofften Effekte hervorrufen. Als weitere Voraussetzung ist das Vorhandensein geeigneter Kanäle aufzuführen.

Für erfolgreiches Ethno- Marketing sei eine gut funktionierende Medienlandschaft für die Bevölkerungsgruppe erforderlich, erklärte der Sprecher der Berliner Agentur WFP, Mitat Cinar.[9] Diese sei im Fall der Türken mit zahlreichen Zeitungen sowie Fernseh- und Rundfunksendern in Deutschland hervorragend ausgeprägt. Diese gut ausgebaute Infrastruktur, die zunehmende Konkurrenz, die Liberalisierung von Märkten (bspw. des Energiemarktes), die wirtschaftliche und interkulturelle Verflechtung und die verstärkte Einsicht des ökonomischen Potentials der türkischen Konsumenten in der Öffentlichkeit, rückt das türkische Marktsegment stärker ins Licht. Auch die Einsicht der o.g. Entwicklungen durch die Anbieter führt nicht immer zu einer gezielten Ansprache dieses Konsumentenkreises.

Eine weitere Voraussetzung der Zielgruppenbildung beinhaltet jedoch die überschneidungsfreie Segmentierung des Marktes.

Sind Schnittmengen vorhanden, können entweder keine zielgerichteten Marketing Instrumente zur Bearbeitung dieser gefunden werden, oder mehrere, eventuell konträre, Instrumente wirken gegeneinander und beeinflussen die Ergebnisse.

2.3 Merkmale und Durchführung der Zielgruppenbildung

Zielgruppenbildung wird definiert nach Gabler als:

„Aufteilung des Gesamtmarktes nach bestimmten Kriterien in Käufergruppen bzw. –segmente, die hinsichtlich ihres Kaufverhaltens oder kaufverhaltensrelevanter Merkmale in sich möglichst ähnlich und untereinander möglichst unähnlich (heterogen) sein sollen.“[10]

Dieser Definition entsprechend sagt Achleitner über Marktsegmentierung folgendes aus:

„Unter Marktsegmentierung versteht man die Aufteilung des Gesamtmarktes in homogene Käufergruppen nach verschiedenen Kriterien. Hauptziel einer Marktsegmentierung ist immer, eine solche Aufteilung zu wählen, die eine effiziente und erfolgreiche Marktbearbeitung ermöglicht.“[11]

Eine erfolgreiche Marktsegmentierung mit dem höchstmöglichen Nutzen setzt folgende Eigenschaften voraus:[12]

1. Die Messbarkeit: Der Kriterienkatalog muss so gewählt werden, dass sich die Marktgröße und die Markteigenschaften eindeutig messen lassen.
2 . Der Kausalzusammenhang: Die Kriterien müssen im engen Zusammenhang zu dem Produkt stehen.
3 . Die Entscheidungsträgerorientierung: Da der Käufer nicht immer als Verwender fungiert, sollten auch die Eigenschaften des Verwenders miteinbezogen werden.
4. Die Segmentgröße: Bei der Bildung der Segmentierungskriterien sollten berücksichtigt werden, dass Fertigungskapazitäten bzw. Herstellungskosten am ehesten durch große Märkte oder Gruppen abgedeckt werden können.
5. Die Konstanz: die Kriterienaktualität sollte immer gewährleistet sein( schlecht anwendbar bei Produkten mit kurzer Produktlebenszykluskurve ).

Die gebräuchlichsten Kriterien zur Beschreibung von Zielgruppen sind sozialökonomische Faktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsgrad, Beruf, Herkunft, Zahl der Familienmitglieder oder die Gebrauchs- oder Verbrauchsrate, die Kaufhäufigkeit und der Grad an Loyalität gegenüber einer bestimmten Marke oder einem Unternehmen.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[14]

Nach der Entscheidung für Ethno- Marketing erfolgt die Festlegung des Unternehmensziels, die Erarbeitung eines Marketing- Mix aus den Faktoren Personal, Produkt, Preis, Kommunikation und Distribution und anschließend seine Umsetzung am Markt. Denn nicht nur sprachliche Kompetenzen, sondern eine genaue Kenntnis über die Mentalität, Emotionen, Einstellungen und Konsumverhalten der anvisierten Zielgruppe ist entscheidend für den Erfolg von Ethno- Marketing Strategien. Da diese Kenntnisse in den meisten deutschen Unternehmen noch nicht sehr ausgeprägt sind, müssen diese Informationen beschafft werden. Hier bietet sich, neben der Einstellung von interkulturellem Personal, die Zusammenarbeit mit Unternehmen und Institutionen, die über diese speziellen Kenntnisse und Zugangswege verfügen. Aufgrund der Tatsache, dass Ethno- Marketing eine neue Erscheinung in den Unternehmensetagen ist, gibt es erst schrittweise die Möglichkeit, in Seminaren Entscheidungshilfen für die Praxis zu erhalten.

[...]


[1] Vgl. Gabler- Wirtschafts- Lexikon, S. 4522.

[2] Vgl. J.-P. Thommen/ A.-K. Achleitner , Allgemeine, S. 275.

[3] Vgl. Yunus Ulusoy, (ZfT) , „Türkische Konsumenten“, Essen, 2001.

[4] siehe hierzu: http://www.direktportal.de/grundlagen/interessante_grundlagen/kundenbetreuung/ethnomarketing/grundlagen_ethnomarketing_teil1.html, Türken als, 12.11.2001, 11:20 Uhr.

[5] Vgl. Yunus Ulusoy, (ZfT) , „Türkische Konsumenten“, Essen, 2001.

[6] Dr. J. Wachten, Oberkustos und stellv. Direktor Jüdisches Museum Frankfurt

[7] Vgl. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/glosse/2658/1.htm, Tücken,25.10.200l, 12:30 Uhr.

[8] Siehe hierzu Tabelle 1 im Anhang.

[9] Vgl. http://www.direktportal.de/news-archiv/archiv421.html, Firmen Buhlen, 31.10.2001, 21:35 Uhr.

[10] Vgl. Gabler- Wirtschafts- Lexikon, S. 2556.

[11] Vgl. J.-P. Thommen/ A.-K. Achleitner, Allgemeine, S. 156.

[12] Vgl. J.-P. Thommen/ A.-K. Achleitner, Allgemeine, S. 156/157.

[13] Vgl. Wöhe, Einführung, S. 607.

[14] Entnommen aus : Skript zur „ Marketinginstrumentarium “ RFH Köln WS 01 / 02 Prof. Dr. Marcus Pradel.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Zielgruppenspezifisches Ethno-Marketing
Untertitel
Am Beispiel der in Deutschland lebenden Türken
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln  (FB Wirtschaft)
Veranstaltung
Marketinginstrumentarium
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V11375
ISBN (eBook)
9783638175531
ISBN (Buch)
9783638801690
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethno-Marketing, Target Marketing, Zielgruppenansprache, culuture-Marketing
Arbeit zitieren
Bektas Serkan Baran (Autor), 2001, Zielgruppenspezifisches Ethno-Marketing, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11375

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