Können Olympische Spiele in Deutschland eine Tourismus Legacy schaffen?


Seminararbeit, 2016

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Legacy
2.2 Tourismus Legacy
2.3 Wichtige Einflüsse

3 Auswirkungen vergangener Spiele auf die Destinationen
3.1 Barcelona 1992
3.2 Vancouver 2010
3.3 London 2012

4 Olympische Spiele in Deutschland
4.1 Aktueller Tourismus in Deutschland
4.2 Auswirkungen der FIFA Fußballweltmeisterschaft von 2006
4.3 Voraussetzungen für mögliche Destinationen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Der Prozess der geplanten Erreichung einer Event Legacy (vgl. Preuss & Lienhard, 2014, S.20)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1

Tab. 2 Tourismus Legacy der Olympischen Spiele in Barcelona

Tab. 3

1 Einleitung

Heutzutage stehen Städte im globalen Konkurrenzkampf um Touristen mit anderen vergleichbaren Destinationen (vgl. Preuß, 2006, S.7). Aus diesem Grund definieren viele Städte im Rahmen des Stadtmarketings zumeist einen Zielkatalog, welcher die Steigerung der Attraktivität des Standorts für Touristen beinhaltet (vgl. Franke, 2014, S.52). Die Austragung von Olympischen Spielen wird hierbei häufig als once in a lifetime Chance und als ein ein Instrument gesehen, welches dazu dient Wettbewerbsvorteile zu generieren und folglich den Tourismus, nicht nur während der Spiele, sondern langfristig zu steigern (vgl. Preuss, 2004, S.46; Williams & Elkhashab, 2012, S.317). Aus diesem Grund, wird zumeist innerhalb des Bewerbungsprozesses durch die Städte, die Steigerung des Tourismus als eines der Kernziele angegeben (vgl. Fourie & Santana-Gallego, 2011, S.1367). Allerdings wird die Effektivität von Olympischen Spielen für die langfristige Entwicklung einer Stadt oder einer Region sehr kontrovers diskutiert. Die Befürworter argumentieren, dass dieses Event eine schnellere Rekonstruktion und Modernisierung als auch eine Verbesserung des Images des Austragungsortes ermöglicht und diese in Folge zu einer besseren Positionierung als Tourismusdestination im globalen Wettbewerb führt (vgl. Preuss, 2009, S.134). Die Argumentation der Gegner basiert auf der Annahme, dass diese Sportevents nicht der effizienteste Weg sind um dauerhaft Wettbewerbsvorteile zu generieren. Sie stützen sich darauf, dass beispielweise aufgrund von übereilter Planung oder dem Bau unnötiger Infrastrukturen Ineffizienzen auftreten und folglich öffentliche Mittel in alternative Projekte investiert werden sollten (ebd.). Die Olympischen Spiele werden auch von deutschen Stadtmarketern als interessantes Instrument angesehen, wie deutlich anhand der Bewerbungen von München und Hamburg zu erkennen ist. Anhand dieser Arbeit soll die Frage beanwortet werden, ob die Austragung von Olympischen Winter- oder Sommerspielen den Tourimus einer deutschen Stadt oder Region langfristig erhöhen kann und welche Destinationen hierfür als geeignet erscheinen.

Zunächst werden hierzu die theoretischen Grundlagen in Bezug auf mögliche Folgen für den Tourismus kurz vorgestellt. In Kapitel 3 wird die Theorie auf Praxisbeispiele übertragen und die Ergebnisse ausgewählter vergangener Austragungsorte dargestellt. Anschließend erfolgt eine Übertragung der ermittelten Ergebnisse auf mögliche Olympische Spiele in einer deutschen Stadt. Im Fazit werden die langfristigen Wirkungen von Olympischen Spiele und die Sinnhaftigkeit einer Austragung in Deutschland abschließend bewertet.

2 Theoretische Grundlagen

Die Olympischen Spiele sind sogenannte Hallmark-Events, welche bereits im Jahre 1984 von Ritchie (1984, S.2) als

„(M)ajor one-time or reoccurring events of limited duration, developed primarily to enhance the awareness, appeal and profitability of a tourism destination in the short/or long term. Such events rely for their success on uniqueness, status, or timely significance to create interest and attract attention“.

Diese Aussage ist heute aktueller als je zuvor, da aufgrund von Faktoren wie Globalisierung, Massenmedien und verbesserten Transportsystemen der Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen für Städte, Regionen und Länder geworden ist und gleichzeitig der Wettbewerb um potentielle Besucher immer intensiver wird (vgl. Franke, 2014, S.45f.). Eines der Ziele von Tourismusdestinationen ist es somit möglichst einzigartige Merkmale und Angebote oder ein besonderes Image zu entwickeln (ebd.). Viele Stadtmarketer erachten hierfür die Austragung von Olympischen Spielen als geeignetes Instrument, da diese beispielweise die Infrastruktur, das Image und die Bekanntheit verbessern als auch die positiven Charakteristika des Sports auf den Ort übertragen können (vgl. Franke, 2014, S.288; Sant, Mason, & Hinch, 2013, S.58). Dies kann eine Legacy schaffen, welche in signifikanten Vorteilen gegenüber den Konkurrenten resultiert.

2.1 Legacy

Nach Gratton & Preuß (2008, S.1924) kann Legacy wie folgt definiert werden: „ Legacy is planned and unplanned, positive and negative, intangible and tangible structures created through a sport event that remain after the event.“ Im Falle der erfolgreichen Umsetzung der Olympischen Spiele entsteht eine sogenannte Event Legacy, welche aus vielen Sub-Legacies besteht. Diese verschiedenen Legacies können sich zusätzlich zu den bereits genannten Faktoren noch hinsichtlich ihrer räumlichen Wirkungsweise als auch ihrer Wirkungsdauer unterscheiden und weisen häufig Interdependenzen auf (vgl. Preuss & Lienhard, 2014, S.34f.). Des weiteren kann die gleiche Legacy durch verschiedene Stakeholder unterschiedlich wahrgenommen werden und es existieren Interdependenzen zwischen den einzelnen Legacies (vgl. Agha, Fairley, & Gibson, 2012, S.132; Preuss & Lienhard, 2014, S.17). Nach Preuß & Lienhard (vgl. Preuss & Lienhard, 2014, S.21) benötigen und kreieren sportliche Mega-Events sechs verschiedene Eventstrukturen, welche er als Infrastruktur, Wissen, Politik, Emotion, Netzwerke und Kultur identifiziert. Diese werden benötigt um eine langfristig erfolgreiche Event Legacy zu erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Der Prozess der geplanten Erreichung einer Event Legacy (vgl. Preuss & Lienhard, 2014, S.20)

Aus Abb.1 wird ersichtlich, dass die Verbesserung des Tourismus, welche im Rahmen dieser Arbeit im Fokus steht, als eine der Konsequenzen dieser 6 Eventstrukturen angesehen wird. Eine erfolgreiche Event Legacy wird häufig daran gemessen, inwieweit sich ein Ort hinsichtlich seiner Wirtschaftsaktivität verändert. Der Idealfall ist ein langfristiger Anstieg des Niveaus der Wirtschaftsaktivität (vgl. Abb.2) und zur Erreichung dieses Ziels ist der Folgetourismus ein wichtiger Faktor (vgl. Preuss, Kurscheidt, & Schütte, 2009, S.50).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Langfristige Event-Impakt-Modelle (vgl. Preuss et al., 2009, S.51)

Allerdings tritt eine solche Entwicklung nicht automatisch auf (vgl. Weed, Stephens, & Bull, 2011, S.347). Eine Stadt kann von solchen sportlichen Events profitieren, hierzu ist es jedoch notwendig, dass das Event zur Stadtplanung passt, die Ziele klar definiert werden und, bei der Umsetzung, der Fokus auf den strategischen und organisatorischen Fähigkeiten aus einer mittel- bis langfristigen Sicht liegt (vgl. Ruta, 2015, S.39).

2.2 Tourismus Legacy

Eine Tourismusdestination kann auf verschiedenste Arten eine positive Legacy erreichen. Dies kann beispielsweise die Reduktion der Saisonalität, eine Erweiterung der Tourismusattraktionen, der Ausbau verfügbarer Kapazitäten, die Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur oder die Verbesserung der Bekanntheit und des Images sein (vgl. Sallent, Palau, & Guia, 2011, S.399). Diese Legacies können in harte und weiche, beziehungsweise sichtbare und nicht sichtbare Standortfaktoren unterteilt werden (vgl. Abb.3). Die rechte Seite umfasst die Entwicklung der harten Faktoren, wie Sportstätten, Parks, Tourismusattraktionen oder öffentliche Verkehrsmittel, während die linke Seite die weichen Faktoren umfasst (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.220). Im Falle der harten Faktoren ist es sinnvoll auch in nicht eventrelevante Infrastrukturen zu investieren um zukünftig mehr Besucher anzulocken (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.213; 2015, S.223) Die weichen Faktoren können durch die Austragung eines Mega-Events zu einer Verbesserung des Wissens und der Fähigkeiten der Dienstleister und Einwohner, als auch eine Intensivierung der Beziehungen und Netzwerke zwischen den Stakeholdern führen und somit zu einer Steigerung der Gesamtqualität des Touriusmusangebots und der Destination beitragen (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.220; Sallent et al., 2011, S.416f.). Es wird angenommen, dass dies sowohl zur eine erhöhten Bekanntheit als auch zu einem verbesserten Image führt. Während die Bekanntheit nur quantitativ darstellt wie viele Personen eine Stadt kennen, ist das Image ein qualitativer Aspekt, welcher eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Besuch eines Ortes spielt (vgl. Franke, 2014, S.141; Preuss, 2004, S.46). Als Resultat hieraus kann ein Event sowohl eine unbekannte Destination bekanntmachen, als auch das Image einer bereits etablierten Destination signifikant verbessern (vgl. Pellegrino & Hancock, 2010, S.6). Eine erfolgreiche Planung und Kombination dieser weichen und harten Faktoren in Verbindung mit der Einführung neuer Produkte und einer Verbesserung der Position der Destination als Marke (vgl. Abb.3), kann zu einer langfristig erhöhten Tourismusnachfrage führen (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.220).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Potentielle Tourismus Legacy einer Stadt oder Region (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.221)

Zur Erreichung dieses Ziels ist es jedoch notwendig, dass eine Person die Veränderungen zunächst wahrnimmt. Dies kann einerseits dadurch geschehen, dass sie die Olympischen Spiele mit Hilfe der Medien verfolgt und aufgrund der erhaltenen Eindrücke entscheidet, dass diese Destination ein attraktiver Ort ist, welchen es sich zu besuchen lohnt (vgl. Weed, 2011, S.195). Andererseits, kann die Person schon während der Spiele vor Ort gewesen sein und aufgrund der erhaltenen Eindrücke entscheiden später noch einmal dort hin reisen um einen eher generellen Urlaubstrip zu unternehmen (ebd.). Diese Besucher können zusätzlich noch als Multiplikatoreffekt fungieren, indem sie anderen Personen ihre positiven Erfahrungen und Eindrücke schildern und diese somit dazu motivieren ebenfalls dorthin zu reisen (vgl. Preuss, 2004, S.46). Allerdings ist zu beachten, dass die erhaltenen Eindrücke auch negativ sein können und somit potenzielle Touristen davon abhhält diesen Ort zu besuchen. Nach Preuß (ebd., S.37) umfasst der Folgetourimus der Olympischen Spiele in etwa einen Zeitraum von zehn Jahren. Jedoch verlängert sie dieser falls spezielle Tourismusattraktionen, wie der Olympia Park in München, gebaut wurden oder sportbezogene Folgeevents stattfinden. Auf der anderen Seite ist es auch möglich, dass sich dieser Zeitraum verringert, falls das Event keinerlei tangible Tourismusattraktionen geschaffen hat (ebd.). Song (2010, S.103) ist ähnlicher Meinung und stellt fest, dass die Effekte in etwa einen Zeitraum von vier bis zwölf Jahren umfasst, abhängig von der Qualität der langfristigen Planung.

2.3 Wichtige Einflüsse

Allerdings ist selbst eine Verbesserung der Gesamtqualität der Dienstleistungen und folglich eine deutlich erhöhte Kundenzufriedenheit keinerlei Garantie dafür, dass die Besucherzahlen, und somit auch der ökonomische Erfolg eines Ortes, steigen. Dies hat eine Vielzahl an Gründen. Zunächst herrscht in der Tourismusbranche ein intensiver Wettbewerb. Das Resultat hieraus ist, dass Kundenzufriedenheit nicht automatisch zu Kundenbindung führt (vgl. Abb.4) und nur äußerst zufriedene Besucher eine Destination wiederbesuchen oder weiterempfehlen (vgl. Woratschek & Zieschang, 2001, S.21f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Zusammenhang zwischen Kundenzufriedenheit und Kundenbindung im Tourismussektor (vgl. Woratschek & Zieschang, 2001, S.21)

Zusätzlich tritt im Tourismus noch das Phänomen des Variety Seeking Behavior auf welches dazu führt, dass selbst sehr zufriedene Kunden nicht unbedingt wieder Urlaub in dieser Destination machen (ebd., S.22). Ein weiterer wichtiger Aspekt wird in Abbildung 5 illustriert. Hieraus wird ersichtlich, dass die Eventveranstalter nur begrenzte Kontrolle über die den Folgetourismus beeinflussenden Faktoren haben und dass die Umwelt einen großen Einfluss auf den Tourismus hat (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.222).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Beeinflussende Faktoren der tourismusbezogenen Stadtentwicklung (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.222)

Diese, den Folgetourismus beeinflussenden externen Faktoren können zum Beispiel eine wirtschaftliche Rezession oder einen Boom, als auch besondere Vorkommnisse wie einen Terroranschlag, eine Naturkatastrophe oder Unruhen innerhalb eines Landes sein (vgl. Agha et al., 2012, S.133). Weitere signifikante Einflussfaktoren für das Verhalten von potentiellen Besuchern ist die geographische Entfernung von der Tourismusdestination, die Währung und die Sprache (vgl. Song, 2010, S.99). Abschließend muss auch noch in Betracht gezogen werden, dass aufgrund der Olympischen Spiele eine Umverteilung der begrenzen öffentlichen Mittel erfolgt (vgl. Preuss & Lienhard, 2014, S.37). Im Falle einer Nichtausrichtung dieses Events könnten diese Ressourcen anders verwendet werden und hätten voraussichtlich auch Folgen für die Entwicklung des Tourismus. Aufgrund all dieser Variablen, die Einfluss auf den Folgetourismus haben, ist es kaum möglich die exakten Auswirkungen von Olympischen Spielen auf den Tourismus in den darauffolgenden Jahren zu ermitteln (Auruskeviciene et al., 2015, S.54; Preuß, 2006, S.11). Jedoch werden in der Wissenschaft immer wieder Versuche unternommen, diese mit Hilfe verschiedener Messmethoden zu ermitteln. Die bisher ermittelten Auswirkungen für den Folgetourismus variieren je nach Austragungsort sehr stark und können sowohl positive als auch negative Werte annehmen (vgl. Agha et al., 2012, S.127). Jedoch sind sich die Wissenschaftler in der Mehrheit darüber einig, dass die Olympischen Winterspiele andere Ziele erreichen können als die Sommerspiele. Während die Olympischen Winterspiele ein größeres Potential als Eingangstor für einen erhöhten Tourismus auf einer regionalen Ebene zu haben scheinen, besitzen die Sommerspiele ein größeres Potential das Image und den Folgetourismus einer Stadt zu verändern (vgl. Weed, 2011, S.211f.).

3 Auswirkungen vergangener Spiele auf die Destinationen

Bevor im folgenden die Auswirkungen von vergangenen Olympischen Spielen betrachtet werden muss zunächst in Betracht gezogen werden, dass aufgrund des hohen Maßes an Freiheit und unterschiedlicher struktureller Stärken und Schwächen der einzelnen Orte, das gleiche Event in verschiedenen Städten unterschiedliche Tourismus Legacies kreiert (vgl. Preuß, 2006, S.4). Folglich ist das Ausmaß in welchem tangible und intangible Benefits für den Tourismus auftreten und als positive Legacy andauern von der Situation und der organisatorischen Planung abhängig (vgl. Williams & Elkhashab, 2012, S.318). Zusätzlich ist zu beachten, dass vor allen im Falle der Olympischen Sommerspiele die Austragungsorte zumeist bereits vor der Bewerbung wohletablierte Tourimusdestinationen sind (vgl. Sant et al., 2013, S.288). Als Resultat hieraus benötigt jedes sportliche Mega-Event spezielle Strukturen und alle Eventstrukturen die über das Event hinaus bestehen bleiben verändern die Qualität der Destination (vgl. Preuss & Gatton, 2008, S.1925f.). Dies bewirkt eine Erhöhung oder Verminderung der Attraktivität für potentielle Touristen (ebd.).

3.1 Barcelona 1992

Die Olympischen Sommerspiele in Barcelona werden zu meist als Musterbeispiel dafür gesehen, welche positiven Effekte die Austragung des Events für eine Stadt haben kann. Es ist allgemein anerkannt, dass die Austragung dieses Mega-Events, in Verbindung mit dem Beitritt zur EU, den Ausgangspunkt für die einzigartige Entwicklung der Stadt, im Speziellen im Bereich des Tourismus, bilden (vgl. Jaekel, 2015, S.252; Weed, 2011, S.205). Barcelona befand sich zum Zeitpunkt der Bewerbung, aufgrund von Bevölkerungsstagnation, einer verminderten politischen Aktivität der Bevölkerung und Stadtplanungsproblemen, in einer schwierigen Phase (vgl. Brunet, 1995, S.2). Die Spiele sollten der Ausgangspunkt einer vollkommenen Stadterneuerung sein, um sich somit im weltweiten Wettbewerb gegenüber anderen Tourismusdestinationen wieder besser zu positionieren (vgl. Weed et al., 2011, S.346). Hierfür waren vor allen infrastrukturelle Verbesserungen notwendig, welchen aus diesem Grund innerhalb der Planung die höchste Priorität zugeordnet wurde (vgl. Brunet, 1995, S.7). Mit Hilfe dieser Maßnahmen konnte Barcelona die Voraussetzungen schaffen sich in den darauffolgenden Jahren in ein wichtiges Touristenziel zu verwandeln, wobei jedoch anzumerken ist, dass die Olympischen Spiele keinen direkten Anstieg der Anzahl der Besucher bewirkten (vgl. Preuss, 2004, S.63). Dies wurde auch darin deutlich, dass in den ersten beiden Jahren nach den Spielen die Tourismusindustrie, eine Phase von reduzierter Profitabilität erfuhr und beispielsweise die Einnahmen pro verfügbarem Hotelzimmer um etwa 60 % fielen (vgl. Preuss & Solberg, 2007, S.228). Jedoch wurde die erwünschte Neupositionierung mit Hilfe von weiteren Stadtentwicklungsstrategien wie beispielsweise der Veranstaltung weiterer internationaler Events und dem Bau neuer Museen konsequent verfolgt und resultierte folglich in signifikant ansteigenden Besucherzahlen (vgl. Monclús, 2011, S.284). Diese erfolgreiche Entwicklung wird auch in der folgenden Tabelle ersichtlich (vgl. Tab.1). Hieraus geht hervor, dass im Vergleich zu den anderen Tourismusdestinationen, Barcelona mit einer Steigerung um 104.9 % den stärksten Anstieg der Besucherzahlen verzeichnen kann (vgl. Yildiz & Cekic, 2015, S.333).

Tab. 1 Anzahl der Übernachtungen zwischen 1990 und 2000 (vgl. Yildiz & Cekic, 2015, S.333)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 verdeutlicht noch einmal diese Entwicklung Barcelonas. Sie zeigt auf, dass zehn Jahre nach den Spielen, die Hotelkapazität um 100 % gestiegen ist. Des weiteren haben sich die Anzahl der Touristen als auch die Anzahl der Übernachtungen in etwa verdoppelt. Zusätzlich ist die durchschnittliche Zimmerbelegung von 71 % auf 84 % gestiegen und die Aufenthaltsdauer der Besucher ist ebenfalls gestiegen. Abschließend ist noch festzustellen, dass die Anzahl der Touristen von außerhalb Europas von 16.8 % auf 29.2 % gestiegen ist. Dies ist ein Resultat der internationalen Ausrichtung des Stadtmarketings als auch der allgemeinen Globalisierung. (vgl. Preuss & Gatton, 2008, S.1932)

Tab. 2 Tourismus Legacy der Olympischen Spiele in Barcelona (vgl. Preuss & Gatton, 2008, S.1932)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es kann zwar abschließend nicht festgestellt werden welchen exakten Einfluss die Olympischen Spiele auf die Entwicklung des Tourismus in Barcelona gehabt haben, jedoch erscheint es gerechtfertigt einen positiven Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und der Veranstaltung dieses sportlichen Mega-Events anzunehmen (vgl. De Groote, 2005, S.25f.; Yildiz & Cekic, 2015, S.333).

3.2 Vancouver 2010

Im Falle der Olympischen Winterspiele wurden die führenden Destinationsmanagementorganisationen damit beauftragt diese einmalige Chance dazu zu nutzen zunächst die mediale Aufmerksamkeit, die Bekanntheit der Tourismusmöglichkeiten – und attraktionen, als auch die verfügbaren Kapazitäten zu steigern um letztendlich eine langfristige Erhöhung der Besucherzahlen und somit auch der Einnahmen durch den Tourismus zu erreichen (vgl. Williams & Elkhashab, 2012, S.320) Zur Erreichung dieser Ziele wurde im Jahre 2005 eine Vereinigung gegründet, welche ein Zusammenschluss der einzelnen Organisationen als auch verschiedener Regierungsvertreter darstellte (ebd., S.321). In der Folge wurden mehrere strategische Pläne ausgearbeitet, wie beispielsweise der zehn Jahresplan für die Region British Columbia, welcher die Olympischen Spiele als Möglichkeit sah innerhalb dieser Zeitspanne die Besucherzahlen und Tourismuseinnahmen zu verdoppeln (vgl. Sant et al., 2013, S.299). Williams & Elkhashab (2012, S.323) ermittelten, dass ein Großteil der involvierten Personen innerhalb dieser Kooperationen, die Interaktion und den Informationsaustausch zwischen den einzelnen Parteien als deutlich verbessert bewerteten und in etwa die Hälfte waren zusätzlich noch der Meinung, dass sich das Vertrauen und die Zusammenarbeit positiv entwickelt hat. Zusätzlich gaben in etwa die Hälfte der Befragten an, dass sich die Arbeitsatmosphäre als auch Entwicklungsmöglichkeiten des Personals signifikant verbessert haben (ebd., S.324). Diese Verbesserungen resultieren in einer gesteigerten Dienstleistungsqualität. Allerdings, gaben einige Teilnehmer an, dass sie Zweifel daran haben inwiefern diese positiven Entwicklungen in Zukunft aufrecht erhalten werden können und das geschaffene Potenzial vollkommen genutzt werden kann (ebd., S330f.). Aus Tabelle 3 wird ersichtlich, dass eine Steigerung der Besucherzahlen in den Folgejahren, ausgenommen das Jahr 2011, stattgefunden hat. Jedoch konnte das Ziel einer Verdoppelung der Besucherzahlen in keinster Weise erreicht werden. Dies ist voraussichtlich mit einer zu optimistischen Kalkulation verbunden. Es kann leider nicht abschließend bewertet werden, wie sich diese Tourismusdestination ohne die Olympischen Winterspiele entwickelt hätte, jedoch ist aufgrund der allgemeinen positiven Entwicklung des weltweiten Tourismus davon auszugehen, dass auch ohne die Spiele die Besucherzahlen eine positive Entwicklung genommen hätten und dieses sportliche Event nur geringfügige Wirkungen auf den Folgetourismus hat. Allerdings ist es möglich, dass die erhöhte Gesamtqualität eine erhöhte Zufriedenheit bei den Besuchern bewirkt und sie somit die Destination erneut besuchen wollen oder diese weiterempfehlen (vgl. Woratschek & Zieschang, 2001, S.9ff.).

Tab. 3 Entwicklung des Tourismus für British Columbia 2010 – 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Können Olympische Spiele in Deutschland eine Tourismus Legacy schaffen?
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V1137607
ISBN (eBook)
9783346509512
ISBN (Buch)
9783346509529
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Olympische Spiele, Tourismus, Legacy, Deutschland, Event, Sportevent, Destination, Barcelona, Vancouver, London, FIFA, Weltmeisterschaft, Leichtathletik, Impact, Wirtschaftlichkeit
Arbeit zitieren
Manuel Jakab (Autor:in), 2016, Können Olympische Spiele in Deutschland eine Tourismus Legacy schaffen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1137607

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