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"Ey, du Opfer"

Nachdenken über Jugendgewalt, Religion und religiöse Bildung

Title: "Ey, du Opfer"

Textbook , 2008 , 85 Pages

Autor:in: Dr. Olaf Kühl-Freudenstein (Author)

Theology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Um die Frage zu klären, ob die Gewalt Jugendlicher eine religiöse Dimension
hat, muss zunächst das Phänomen Religion in den Blick genommen werden, speziell der Zusammenhang von Religion und Gewalt. In den ersten zwei Kapiteln wird dementsprechend nach Ansätzen gesucht, die es erklärlich werden lassen, warum die Geschichte der meisten Religionen in der Gewaltfrage so widersprüchlich ist.
Es ist ein Glücksfall für diese Arbeit, dass vor einigen Jahren vom ÖKUMENISCHEN RAT DER KIRCHEN eine Dekade zur Überwindung von Gewalt ausgerufen wurde. Demnach sollen sich Christen von 2001 bis 2010 in ihrem Umfeld mit der Gewaltproblematik auseinandersetzen und für ein Leben in Gewaltfreiheit eintreten. Diese Dekade hat ein neues intensives Nachdenken über die Zusammenhänge von Religion und
Gewalt ausgelöst. Zahlreiche Publikationen sind erschienen, in denen mit religionsgeschichtlichen und religionswissenschaftlichen Zugriffen die entsprechenden Zusammenhänge deutlich erhellt worden sind. Auf der Grundlage der dann vorgenommenen Klärungen richtet sich im dritten Kapitel der Blick auf das Phänomen Jugendgewalt. Aktuelle, durch ihre besondere Brutalität spektakulär
gewordene Fälle aus der jüngeren Vergangenheit werden hier vorgestellt, um diese in einem weiteren Schritt auf möglicherweise darin enthaltene religiöse Elemente hin zu analysieren. Ziel dieses Abschnittes ist es, Analogien herauszufinden und zu benennen, die zwischen der Gewalt, die wir aus der Geschichte der Religionen kennen, und eben der von Jugendlichen ausgeübten Gewalt bestehen könnten.
Als evangelischer Religionslehrer interessiert mich aber noch eine weiterführende Frage: Wenn denn die Gewalt Jugendlicher tatsächlich eine religiöse Dimension hat, ist dann nicht vielleicht gerade der Religionsunterricht herausgefordert, darauf zu reagieren? Der Frage,
wie dies geschehen könnte, wird im letzten Kapitel nachgegangen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

1. Friedenssehnsucht und Gewalt: Das Unvereinbare vereint in den Weltreligionen?

2. Erklärungen

a. Sakralisierung der Gewalt

b. Sakralisierung der Liebe

c. Vermischungen

3. Jugend und Gewalt

4. Der Religionsunterricht als friedenspädagogisches Kernfach

5. Schlussüberlegung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Religion und Jugendgewalt, mit dem zentralen Ziel zu klären, ob der von Jugendlichen häufig verwendete Begriff "Opfer" eine religiöse Dimension besitzt und inwiefern der Religionsunterricht als friedenspädagogisches Instrument auf diese Problematik reagieren kann.

  • Die historische und religionswissenschaftliche Analyse der engen Verknüpfung von Religion und Gewalt.
  • Die Untersuchung der Dynamik von Jugendgewalt und der Entstehung von Opfer- und Täterrollen.
  • Die kritische Reflexion der Rolle christlicher Theologie bei der Legitimierung von Gewalt.
  • Die Entwicklung friedenspädagogischer Konzepte für den schulischen Religionsunterricht.

Auszug aus dem Buch

a. Sakralisierung der Gewalt

Ausgangspunkt der Überlegungen in diesem Kapitel ist die Situation des Urmenschen vor Millionen von Jahren: in der Altsteinzeit. Die Lebensbedingungen der damaligen Hominiden liegen weitgehend im Dunkeln. Weil wenig aus dieser Zeit überliefert ist, ist Spekulation erforderlich, um überhaupt ein Bild von den damaligen Verhältnissen zu bekommen. Und nicht immer ist man davor gefeit, bei diesen Spekulationen von Projektionen geleitet zu werden, die letztlich mehr über uns und unsere Leitbilder aussagen, als über die damalige Zeit. Andererseits ist eine solche Annäherung reizvoll und wichtig, weil damals Weichenstellungen stattfanden, die bis heute nachwirken – und zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf dem Gebiet, das in dieser Arbeit von besonderem Interesse ist: der Religion.

Wie nun lebten damals unsere Vorfahren? Lange Zeit ist angenommen worden, dass das menschliche Leben in der Altsteinzeit ein Jägerleben war. Um ihren Hunger zu stillen, hätten unsere Vorfahren gleichsam als Raubtier gelebt, hätten gejagt, getötet und sich anschließend am Gejagten gesättigt (vgl. Ehrenreich, S. 47ff). In den letzten Jahren ist diese Jägerhypothese allerdings grundsätzlich in Frage gestellt worden.

Das Verdienst, die entsprechenden Thesen verbreitet zu haben, kommt insbesondere der amerikanischen Wissenschaftsjournalistin Barbara EHRENREICH zu; auf ihre Untersuchungen werde ich mich im Folgenden hauptsächlich beziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorbemerkungen: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation für die Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendgewalt, die aus seiner Tätigkeit als Religionslehrer sowie aus medialen Berichten über Gewaltverbrechen resultiert.

1. Friedenssehnsucht und Gewalt: Das Unvereinbare vereint in den Weltreligionen?: Es wird aufgezeigt, dass Religionen sowohl pazifistische Traditionen als auch eine religiöse Legitimierung von Gewalt in sich vereinen, exemplarisch dargestellt am Christentum und am Islam.

2. Erklärungen: Dieses Kapitel analysiert die religionswissenschaftlichen Ursprünge menschlicher Gewalt, insbesondere die Sakralisierung der Gewalt in der Altsteinzeit und das Spannungsverhältnis zur Sakralisierung der Liebe.

3. Jugend und Gewalt: Hier wird der Blick auf aktuelle Phänomene der Jugendgewalt in Deutschland gelenkt und untersucht, inwiefern diese Gewalttaten religiös aufgeladene Motive oder Analogien zu archaischen Ritualen aufweisen.

4. Der Religionsunterricht als friedenspädagogisches Kernfach: Der Autor diskutiert, wie ein am Liebesgebot orientierter Religionsunterricht als Mittel gegen Gewaltstrukturen wirken und Schüler zu einer friedfertigen Lebenshaltung anleiten kann.

5. Schlussüberlegung: Das Fazit fasst zusammen, dass Jugendgewalt nicht nur als soziales, sondern auch als religiöses Phänomen verstanden werden muss, das eine Antwort durch eine Theologie des Friedens und der Liebe erfordert.

Schlüsselwörter

Jugendgewalt, Religion, Gewalt, Opfer, Friedenspädagogik, Religionsunterricht, Opferriten, Liebe, Christentum, Islam, Altsteinzeit, Aggressivität, Tötungswillen, Friedenssehnsucht, Gewaltlegitimation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Gewalt und fragt, ob die von Jugendlichen ausgeübte Gewalt eine religiöse Dimension hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die religionsgeschichtliche Verwurzelung von Gewalt, die Dynamik von Opfer- und Täterrollen bei Jugendlichen sowie Möglichkeiten einer friedenspädagogischen Intervention durch den Religionsunterricht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den Ursprüngen von Gewalt in religiösen Traditionen nachzugehen und aufzuzeigen, wie durch eine konsequente Ausrichtung des Religionsunterrichts am Liebesgebot eine Alternative zu gewaltfördernden Verhaltensmustern geschaffen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein religionswissenschaftlicher Zugriff gewählt, der Mythen, historische Entwicklungen und aktuelle jugendsoziologische Erkenntnisse in eine interdisziplinäre Analyse einbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Ambivalenz von Religion (Friedenssehnsucht vs. Gewalt), analysiert archaische Techniken zur Erzeugung von Tötungsbereitschaft und diskutiert, wie ein evangelischer Religionsunterricht hierauf antworten sollte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Kernbegriffen zählen Jugendgewalt, Opfer, Gewaltlegitimation, Friedenspädagogik, Religion und die Theologie der Liebe.

Warum wird der Begriff "Opfer" von Jugendlichen so häufig verwendet?

Der Autor legt dar, dass dieser Begriff eine religiöse Dimension durchschimmern lässt, bei der es um Macht, Erlösung und die Abwertung des Anderen geht, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

Welche Bedeutung hat das "Opfer" in der Geschichte der Religionen laut dieser Untersuchung?

Opferriten dienten historisch oft der Demonstration von Tötungsmacht und der Habitualisierung von Aggression, um Hominiden zu befähigen, in einer gefährlichen Umwelt zu bestehen.

Warum ist der Religionsunterricht laut Autor besonders gefordert?

Da in einer säkularisierten Gesellschaft andere Vermittlungsinstanzen an Einfluss verlieren, sieht der Autor den Religionsunterricht als einen der wenigen Orte, an denen eine "Theologie des Friedens" systematisch vermittelt werden kann.

Wie bewertet der Autor den christlichen Pazifismus?

Er plädiert für einen konsequenten, am Liebesgebot orientierten Pazifismus und kritisiert theologische Rechtfertigungsmodelle für Krieg, wobei er Dietrich Bonhoeffer als ein Beispiel für die schwierige ethische Auseinandersetzung in Notzeiten anführt.

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Details

Title
"Ey, du Opfer"
Subtitle
Nachdenken über Jugendgewalt, Religion und religiöse Bildung
College
University of Würzburg  (Institut für Evangelische Theologie II)
Author
Dr. Olaf Kühl-Freudenstein (Author)
Publication Year
2008
Pages
85
Catalog Number
V113770
ISBN (eBook)
9783640133697
ISBN (Book)
9783640135394
Language
German
Tags
Opfer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Olaf Kühl-Freudenstein (Author), 2008, "Ey, du Opfer", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113770
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