Das Interview ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Journalismus und nebenbei gesagt
auch der Sozialforschung, in der es zu Datenerhebungszwecken verwendet wird. Ich
beschränke mich jedoch auf das journalistische Interview, welches in vielen
verschiedenen Gebieten eingesetzt werden kann: als gedrucktes (z.B. Zeitung) oder
gesendetes (z.B. Fernsehen, Radio). Dies kann in Form von Studiogesprächen,
Informationen zu politischen Entscheidungen oder anderen Themen, aber auch
Talkshows geschehen. Mit diesen wenigen Beispielen ist natürlich nur ein kleines
Gebiet des Interviews abgedeckt, der aber denke ich aussagekräftig genug ist.
Aber wann ist ein Interview auch ein Interview? Wenn sich ein Reporter zufällig mit
einer zum Beispiel prominenten Person unterhält, ist das schon ein Interview? Was nur
Geschwätz, was ein Dialog und was ein Interview ist, hängt also von bestimmten
Rahmenbedingungen ab, auf die ich noch später zu sprechen komme.
In den folgenden Abschnitten habe ich die Absicht, dem Leser zu erklären, was ich zum
Teil oben schon angerissen habe aber auch welche verschiedenen Formen des
Interviews es gibt, wie sie vorbereitet werden und welche Regeln es einzuhalten gilt.
Natürlich ist es auch wichtig, wie man das fertige Interview am Ende auf Papier (oder
ins Radio bzw. Fernsehen) bringt. Ich habe ebenfalls die Rechte des Journalisten
betrachtet und zudem auch Allgemeines wie zum Beispiel die Definition des Wortes
„Interview“ an sich.
Die grobe Reihenfolge der Themenabschnitte dieser Hausarbeit ist nach der Entstehung
eines Interviews eingeteilt, also von der Vorbereitung über Teilgebiete wie Regeln,
usw. über das Gespräch bis hin zur Präsentation. Natürlich lässt sich dies nicht in jedem
Punkt genau einhalten, weshalb einige Aspekte schon vorweggenommen werden
müssen oder später ergänzt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zum Interview
2.1. Definition
2.2. Rahmenbedingungen
2.3. Regeln der Interviewtechnik
3. Vorbereitung
4. Verschiedene Arten von Fragen
5. Checkliste zur Qualität eines Interviews
6. Formen des Interviews
6.1. Das Recherche Interview
6.2. Das Reportagen Interview
6.3. Das Interview als Darstellungsform
6.4. Das telefonische Interview
6.5. Spezielle Formen des Interviews
7. Live Interview vs. aufgezeichnetes und gedruckte Interview
8. Beeinflussung des Interviews
9. Rechte des Journalisten
10. Präsentation des Interviews
11. Zusammenfassung
12. Literaturangaben
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über den Prozess des journalistischen Interviews, von der initialen Vorbereitung über die Durchführung bis hin zur finalen Präsentation, und beleuchtet dabei die verschiedenen Ausprägungen und Techniken, die Journalisten zur Informationsgewinnung und Darstellungsgestaltung zur Verfügung stehen.
- Grundlagen und Definition des journalistischen Interviews
- Methodische Ansätze zur Vorbereitung und Fragestellung
- Differenzierung verschiedener Interviewformen (Recherche, Reportage, etc.)
- Die Rolle der redaktionellen Nachbearbeitung und journalistische Rechte
Auszug aus dem Buch
6.3. Das Interview als Darstellungsform:
Bei dieser Form werden nicht nur die auf ein Informationsziel gerichteten Aussagen betrachtet, sondern auch das Wechselspiel zwischen Frage und Antwort. Die Darstellungsform Interview, die man auch „geformtes“ oder „gestaltetes“ Interview nennt, wird verwendet, wenn der Journalist nicht nur einzelne Aussagen, sondern auch den Dialogverlauf zeigen will. Rede und Gegenrede werden einzeln unter Nennung der jeweiligen Sprecher dargestellt, was jedoch nur mit vorheriger Absprache mit der zu interviewenden Person möglich ist.
Wie gesagt wird das Interview als Darstellungsform charakterisiert durch seine doppelte Aussageleistung, es berichtet über das Gesagte und gleichzeitig darüber, wie es zustande gekommen ist. Für den Adressaten bietet diese Form demnach eine größtmögliche Medien-Transparenz: Ein persönlicher Dialog ist immer auch ein öffentliches Spektakel (Claudia Mast: ABC des Journalismus 2000).
Ein weiteres Merkmal ist, dass die beiden Personen (Interviewer und Interviewter) in einer Art Rollenspiel agieren, der Interviewer versucht dem Interviewten durch seine Fragestellungen Aussagen abzuverlangen, die neue Fragen und Antworten mit sich bringen. Man spricht hierbei von einem „kommunikativen Rollenspiel“ (vgl. H.-P. Ecker u. a. 1977) mit festen Spielregeln, wobei ich einige Regeln kurz erläutern möchte: Der Interviewte stellt sich dem Interview freiwillig zur Verfügung, er ist aber nicht derjenige, der den Gesprächsverlauf bestimmt. Dies ist die Aufgabe des Interviewers, er bestimmt die Themen der Fragen und leitet das Interview. Eine weitere Regel ergibt sich aus dem zuvor erläuterten: Die gewonnenen Aussagen dürfen nicht losgelöst von der Person zitiert werden, die sie getätigt hat, sie müssen immer im Zusammenhang mit der Sprechsituation genannt werden. Sie sind demnach an die Subjektivität des Interviewten gebunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das journalistische Interview als zentrales Instrument des Journalismus vor und erläutert den Aufbau der Untersuchung von der Vorbereitung bis zur Präsentation.
2. Allgemeines zum Interview: Definiert den Begriff des Interviews und erläutert notwendige Rahmenbedingungen sowie grundlegende Techniken zur Gesprächsführung.
3. Vorbereitung: Betont die Wichtigkeit einer fundierten Recherche über Thema und Interviewpartner sowie die Erstellung eines Fragenkatalogs zur Sicherung des Gesprächsziels.
4. Verschiedene Arten von Fragen: Unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Fragen und analysiert deren jeweilige Auswirkungen auf die Qualität und das Ergebnis des Interviews.
5. Checkliste zur Qualität eines Interviews: Liefert Kriterien zur Überprüfung der Rahmenbedingungen und der erfolgreichen Zielerreichung vor und nach dem eigentlichen Dialog.
6. Formen des Interviews: Kategorisiert verschiedene Interviewtypen wie Recherche- und Reportage-Interviews und analysiert deren spezifische Ziele und Durchführungsmethoden.
7. Live Interview vs. aufgezeichnetes und gedruckte Interview: Vergleicht die Authentizität und die Möglichkeiten der Nachbearbeitung zwischen Live-Formaten und schriftlich bzw. aufgezeichnet präsentierten Interviews.
8. Beeinflussung des Interviews: Erörtert externe Faktoren wie Ort und Zeit sowie psychologische Einflüsse auf den Dialogverlauf.
9. Rechte des Journalisten: Beleuchtet den journalistischen Spielraum bei der Dramaturgie und Nachbearbeitung sowie die notwendige Abstimmung mit dem Interviewpartner.
10. Präsentation des Interviews: Beschreibt verschiedene Möglichkeiten der medialen Darstellung, etwa als ungekürztes Frage-Antwort-Spiel oder als gebaute Fassung.
11. Zusammenfassung: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert den Prozess der Interviewgestaltung.
12. Literaturangaben: Listet die verwendeten Quellen und Fachbücher auf, auf denen die Arbeit basiert.
Schlüsselwörter
Journalistisches Interview, Fragetechnik, Recherche, Medienpräsentation, Gesprächsführung, Interviewformen, Journalismus, Kommunikation, Medien-Transparenz, Interviewer, Interviewpartner, Redaktion, Dokumentation, Interview-Vorbereitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den journalistischen Standards und Techniken, die notwendig sind, um ein Interview erfolgreich von der Vorbereitung bis zur finalen Veröffentlichung zu führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Interviews, methodische Vorbereitung, verschiedene Interviewformen (wie Recherche- oder Reportage-Interviews), Fragetechniken sowie die Rechte und Pflichten von Journalisten bei der Nachbearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, dem Leser einen detaillierten Leitfaden über den Entstehungsprozess eines Interviews zu geben und zu zeigen, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen und Präsentationsformen die Qualität und Wirkung eines journalistischen Beitrags beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur zum Journalismus und verknüpft diese mit einer systematischen Prozessbeschreibung des journalistischen Arbeitens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in methodische Schritte – von der Definition über die Vorbereitung, den Einsatz von Fragetechniken, die Unterscheidung verschiedener Interviewarten bis hin zur abschließenden Präsentation und der rechtlichen Abstimmung mit dem Interviewten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind journalistisches Interview, Fragetechnik, Recherche, Gesprächsführung, Interviewformen, Medientransparenz und redaktionelle Nachbearbeitung.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Live- und aufgezeichneten Interviews wichtig?
Die Unterscheidung ist deshalb entscheidend, da sich bei Live-Interviews die Authentizität durch Unmittelbarkeit auszeichnet, während aufgezeichnete Interviews durch nachträgliche Kürzungen und inhaltliche Verdichtung stärker durch den Journalisten geformt werden können.
Welche Rolle spielt die „Eisbrecherfrage“ im Interview?
Die Eisbrecherfrage dient dazu, zu Beginn eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen, indem Themen angesprochen werden, die den Interviewpartner persönlich lockern, bevor man in das eigentliche, oft komplexere Sachthema einsteigt.
Welche Bedeutung hat das „OK“ des Interviewten?
Das „OK“ ist eine wesentliche rechtliche und ethische Voraussetzung bei verabredeten Interviews; ohne die Zustimmung zur redigierten Fassung darf der Journalist das Material in der Regel nicht veröffentlichen, was oft zu einem „Poker“ um die inhaltliche Gestaltung führt.
- Quote paper
- Sebastian Hagedorn (Author), 2002, Das Journalistische Interview - Von der Entstehung bis zur Präsentation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11377