Das philosophische Denken im Mittelalter


Referat (Ausarbeitung), 2007

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen

3 Tendenz zum idealistischen Realitätsbegriff

4 Der „gute“ Grund der Welt

5 Ideenlehre und Partizipation

6 Epochaler Wandel des Personbegriffs
6.1 Der Personbegriff der Antike
6.2 Der Personbegriff des Mittelalters
6.3 Der Personbegriff der Neuzeit

7 Natur

8 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in das philosophische Denken des Mittelalters bieten. Die Vorgehensweise der Arbeit gestaltet sich so, dass anfangs eine Hauptthese zugrunde gelegt wird. Diese Hauptthese wird dann im Gang der Arbeit durch fünf Einzelthesen näher beleuchtet. Nach Vorstellung und Erörterung der Einzelthesen, sollen diese sinnvoll verzahnt werden, so dass sie anschließend auf die folgende Hauptthese verdichtet werden können.

Hauptthese: Das starke klerische Bedürfnis des Mittelalters reformulierte die säkulare Philosophie der polytheistischen Antike unter den theologischen Anforderungen eines christlichen Monotheismus.

2 Grundlagen

Die in diesem Abschnitt präsentierten Informationen sollen ein Informationsgrundgerüst für das Verstehen der vorzustellenden Thesen darstellen. Deshalb werden sie bewusst kurz gehalten. Da sich Flasch (2001) in seinen Ausführungen zum Problemstand zu Beginn des Mittelalters hauptsächlich dreier Philosophen bedient sollen diese kurz vorgestellt werden, um Ihre Positionen und Gedanken auch im Zusammenhang mit ihrer Person darstellen zu können.

Anicius Manlius Torquatus Severinus Boëthius (*475/480 n. Chr. - † 524/526 n. Chr.) war ein spätantiker christlicher Philosoph. Er entstammte einer vornehmen römischen Aristokraten Familie und hatte daher eine klassische Bildung genossen (vgl. Wöhler 1989, S. 19). Außerdem war er als einziger der drei Philosophen in der Lage die griechischen Texte z.B. die Platons oder Aristoteles im Original lesen.

Augustin (* 354 n. Chr. - † 430 n. Chr.), ist einer der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer und der wichtigste Philosoph an der Zeitenwende zwischen Antike und Mittelalter. Man kann Augustinus als den eigentlichen Begründer der christlichen Philosophie und als bedeutendsten lateinischen Kirchenvater bezeichnen (vgl. Wöhler 1989, S. 11).

Dionysius Areopagita (ca. 500 n. Chr.) ist das Pseudonym eines unbekannten neuplatonisch beeinflussten christlichen Autors, dessen Schriften für die Scholastik von großer Bedeutung waren (vgl. Wöhler 1989, S. 14).

3 Tendenz zum idealistischen Realitätsbegriff

1. These: Angesichts der Instabilität der Lebensverhältnisse im frühen Mittelalter hatte der platonisierende Realitätsbegriff eine Werte stabilisierende und Identifikation ermöglichende Funktion.

Augustin, Boëthius und Dionysius schufen für den Beginn des Mittelalters eine Atmosphäre, die bzgl. bestimmter Fragestellungen und bestimmter Schemata von Antworten relativ homogen war. Sie stimmten in der vorrangigen Aufforderung überein „[…] sich vom Sinnlichen zum Übersinnlichen zu erheben.“ (Flasch 2001, S. 93). Diese Aufforderung zeigt, dass die Erhebung des Mittelalters zum Übersinnlichen, also zu dem, was nur mit der Vernunft zu erkennen ist, in Kontrast steht zur säkularen Philosophie der Antike. Die Antike zeichnete sich noch durch eine politisch-religiöse Weltsicht der Heiden[1] aus, in der bspw. die Römer versuchten durch Frömmigkeit und moralische Vorbildlichkeit das Wohlwollen der Götter zu gewinnen und ihnen im Gegenzug die Weltherrschaft verliehen wurde (vgl. Klein 1993, S. 614).

Die Gesamtatmosphäre des Mittelalters kann als eine religiös-idealistische bezeichnet werden, „[…] in der der Aufstieg des Einzelnen zum Guten selbst im Vordergrund des Interesses stand.“ (Flasch 2001, S. 93). Dieses Wirklichkeitskonzept ermöglichte zu sagen, dass oben das göttliche Eine, also das Reich Gottes war und unten die irdische, körperliche Welt. Diese Sichtweise wird von Augustin in seinem Spätwerk Der Gottesstaat (De civitate Dei) entwickelt. Hier nimmt er die oben genannte Unterscheidung zwischen irdischem Staat und Gottesstaat vor (vgl. Wöhler 1989, S. 12). Um den Weg von der körperlichen Welt in das Reich Gottes beschreiben zu können bediente er sich einiger Bestandstück des Platonismus.

Mit Platonismus ist die von Platon (*427 v. Chr. - †347 v. Chr.) entwickelte Ideenlehre gemeint. Diese teilt die Welt in zwei Teile: eine sichtbare Welt, die mit den Sinnen wahrnehmbar ist und eine unsichtbare Welt der Ideen, die nur durch die Vernunft erkennbar ist (vgl. Strzysch & Weiß 1998a, S. 98 f.). Dieser von Platon kreierte Idealismus stellte nur die Welt der Ideen als bleibende und existierende Wirklichkeit dar, dem Einzelnen und der Sinneswelt wird die Existenz abgesprochen. Zwar kamen auch Gegentendenzen bzgl. dieses Konzeptes auf, jedoch herrschte für den Weg zu Gott der platonisierende Wirklichkeitsbegriff – „Wirklich ist was bleibt“ – vor (vgl. Flasch 2001, S. 94 f.).

Aufgrund der Vorherrschaft dieses Konzeptes wurde dem körperlichen Werden und Sein kaum mehr Beachtung geschenkt und auch geschichtliche Wandlungen waren nicht mehr von Interesse, wenn es um das Finden von Identifikation und Wertestabilität ging. Grund für diese Haltung war, dass alles Körperliche vergänglich und veränderlich war. Es warf also keine Strukturen oder Definitionen ab, die es ermöglicht hätten einen Fixpunkt zur Identifikation darzustellen.

Dass der platonisierende Realitätsbegriff eine identifikationsstiftende und wertestabilisierende Funktion hatte ist besser zu verstehen, wenn man sich die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit vor Augen führt. Zu Beginn des Mittelalters hatten die Menschen kaum etwas Sichtbares, mit dem sie sich in Bezug setzen konnten. Es gab zunächst keine Fixpunkte im mittelalterlichen Alltag. Das Alltagsleben stellte sich hart, durchtrieben von Mühsal, schlechten Wohn- und Arbeitsbedingungen und einer geringen Lebenserwartung dar (vgl. Buttinger 2006, S. 72). Die Menschen sahen sich einer mühevollen Welt gegenüber. Dies kann auch an der Bedeutung des Althochdeutschen Wortes arabeiti belegt werden, was mit Arbeit, Leiden, Verfolgung, Matern übersetzt werden kann (vgl. Postel 2006, S. 93). Aufgrund dieser Tatsache, dass alles dahinschwand sehnte man sich nach Kontinuität und einer Minimalidentität. Der platonisierende Realitätsbegriff versprach an dieser Stelle Identifikation, da er die wahre Realität als eine unsichtbare, übersinnliche Realität darstellte, die dem Wandel der Zeit trotzte. Somit konnte sich der Grundgedanke der unsichtbaren Realität auch zur Zeit der Wanderungsbewegungen behaupten.

Die Zeit der Völkerwanderungen bildet ein Bindeglied zwischen Spätantike und Mittelalter. Besonders bei den germanischen Großverbänden kam es bis in das 6. Jahrhundert zu ausgedehnten Wanderbewegungen (vgl. Buttinger 2006, S. 14). Dies hatte zur Folge, dass von antiken Städten oft nicht mehr übrig blieb als ihr Name und ihre geographische Lage. Auch nach der Völkerwanderungszeit fand sich in der sichtbaren Sinneswelt nichts mit dem sich die Menschen sinnvoll in Bezug setzen konnten. Die Bauern hatten zwar Grund und Boden, den sie beackerten, jedoch konnten sie immer noch ein anderes Stück Land, durch einen Herren zugewiesen bekommen. Somit hatte auch das Eigentum an Grund und Boden keine identifikationsermöglichende Wirkung (vgl. Buttinger 2006, S. 91 f.). Deshalb blieb vorerst die Neigung sich mit dem unsichtbar Bleibenden zu identifizieren. Erst im 11. Jahrhundert boten die Alltagserfahrungen der Städte einen konkreten Fixpunkt, der es den Menschen ermöglichte sich mit dem Zeitlichen und Geschichtlichen zu beschäftigen.

[...]


[1] Der ursprünglich abwertend verwandte Begriff des Heidentums, für Menschen, die weder Muslime, Christen oder Juden waren, soll in dieser Arbeit für die Anhänger des Polytheismus der Antike also der antiken Religionen wie bspw. der Römischen Religion gelten.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das philosophische Denken im Mittelalter
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Politische Theorie und Ideengeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V113781
ISBN (eBook)
9783640150526
ISBN (Buch)
9783640781102
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Denken, Mittelalter, Politische, Theorie, Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Bjoern Cebulla (Autor), 2007, Das philosophische Denken im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113781

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