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studiVZ. Selbstdarstellung im virtuellen Netzwerkraum.

Title: studiVZ. Selbstdarstellung im virtuellen Netzwerkraum.

Bachelor Thesis , 2008 , 82 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: M.A. Michael Noack (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

„Ich arbeite beruflich mit zumeist jungen Erwachsenen (ab 18 J.) und schaue ganz gern in den einschlägigen Foren mal nach, was die lieben Kleinen da so treiben. Zum einen ist der sorglose Umgang mit Informationen erschreckend und zum anderen bin ich über die Fotos der Frauen wirklich entsetzt“ („Sehnsuchtsvolle“ 2005: User der Brigitte.de Community.).
Dieses Zitat verdeutlicht, dass sich die Grenzen zwischen Verhüllung und Enthüllung der Persönlichkeit grundlegend verschoben haben. Die Verfasserin dieses Forum Eintrags ist entsetzt über die scheinbar unreflektierte Veröffentlichung von persönlichen Informationen und Fotos, ihrer „lieben Kleinen“. Für diese scheint jedoch ein solches Vorgehen ebenso selbstverständlich wie alltäglich zu sein. Dieser Wandel im Modus der Selbstdarstellung ist thematischer Kern meiner Ausarbeitung. Ich nähere mich ihm in drei Schritten. Im ersten Teil beschäftige ich mich mit dem Wandel der Psychogenese, also mit dem Veränderungsprozess der Persönlichkeitsstruktur der Individuen, um die Gründe für die veränderte Bedeutung der Selbstdarstellung zu skizzieren.
Im zweiten Teil beschreibe ich Konsequenzen die sich durch diese Veränderung der Identitätsstandards ergeben und Auswirkungen auf die Art und Weise von Selbstdarstellung haben. Ich beleuchte den Trend zu einer neuen Form der Vergesellschaftung, beschäftige mich also mit dem Stand der Soziogenese. In diesem Zusammenhang beleuchte ich den Wandel von der gruppenorientierten zur netzwerkorientierten Vergesellschaftung.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identität und Persönlichkeit

2.1. Zur Entstehung und Funktion des Identitätsstandards einer Person

2.1.1. Der Ansatz des symbolischen Interaktionismus

2.1.2. Psychodynamische Erklärungsansätze

2.2. Zur Bedeutung von Identität, Persönlichkeit, Charakter und Identitätsstandard

3. Wandel der Inditätsstandards

3.1. Der anale Identitätsstandard

3.2. Der narzisstische Identitätsstandard

3.3. Gründe und Anzeichen für den Wandel vom analen zum narzisstischen Identitätsstandard

4. Bedeutung der Selbstdarstellung im Wandel

4.1. Selbstdarstellung zum Anzeigen der Funktionen einer sozialen Rolle

4.2. Selbstdarstellung zur Befriedigung des Bedürfnis nach Anerkennung

5. Wandel der Gesellschaft

5.1. Gruppenorientierte Vergesellschaftung

5.1.1. Gruppenorientierte Vergesllschaftung im privaten Bereich

5.1.2. Gruppenorientierte Vergesllschaftung im öffentlichen Bereich

5.2. Netzwerkorientierte Vergesellschaftung

5.2.1. Netzwerkorientierte Vergesellschaftung im privaten Bereich

5.2.2. Netzwerkorientierte Vergesellschaftung im öffentlichen Bereich

5.3. Gründe und Anzeichen für den Wandel

6. Soziale Netzwerke

6.1. Entstehung von virtuellen Raum

6.2. Entstehung von Netzwerken in virtuellen Räumen

7. Inhaltliche Beschreibung des Internetportals „studiVZ“

7.1. Vorgehensweise

7.1.1. Definition des „studiVZ“ als Netzwerk in einem virtuellen Raum

7.1.2. Beschreibung von virtuellen Räumen des „studiVZ“ mit dem SIS-Modell

7.1.2.1. Beschreibung der Proportionen der virtuellen Räume und der digital verkörperten sozialen Güter

7.1.2.2. Beschreibung des institutionellen Rahmens des Gesamtraumes

7.1.2.3. Symbolanalyse der Benutzeroberfläche des Gesamtraumes

7.2. Morphologie, Interaktions- und Kommunikationskriterien des „studiVZ“

7.2.1. Morphologie

7.2.2. Interaktions- und Kommunikationskriterien

7.3. Beschreibung des Modus der Selbstdarstellung nach Goffman

8. Hypothesen zur Selbstdarstellung im Zusammenhang mit den Funktionen des „studiVZ“

8.1. Selbstdarstellung zur Befriedigung des Bedürfnis nach Geselligkeit

8.2. Selbstdarstellung zur Befriedigung des Bedürfnis nach Selbstbeschreibung

9. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wandel im Modus der Selbstdarstellung des Individuums vom analen Identitätsstandard des 19. Jahrhunderts hin zum narzisstischen Identitätsstandard der Postmoderne. Dabei wird analysiert, wie sich dieser Wandel in der Art der Vergesellschaftung sowie in virtuellen Netzwerkräumen, konkret am Beispiel des Internetportals „studiVZ“, niederschlägt und welche Auswirkungen dies auf die Identitätsbildung hat.

  • Wandel der Psychogenese und Veränderung der Identitätsstandards
  • Transformation von der gruppenorientierten zur netzwerkorientierten Vergesellschaftung
  • Konstitution von sozialen Netzwerken im virtuellen Raum
  • Inhaltsanalytische Untersuchung der Selbstdarstellung auf „studiVZ“
  • Hypothesenbildung zur Bedeutung von Selbstdarstellung in virtuellen Netzwerken

Auszug aus dem Buch

3.2. Der narzisstische Identitätsstandard

Zwanghafte oder hysterische Persönlichkeitsstörungen treten heutzutage kaum noch auf (vgl. Sennett 1983: 22). Dafür häufen sich undurchsichtige Beeinträchtigungen des Gemüts vieler Menschen, für die die Dominanz des narzisstischen Anteils der menschlichen Persönlichkeit als Begründung angeführt wird (vgl. Lasch 1995: 66 f.).

„In den letzten fünfundzwanzig Jahren ist der Patient, der den Psychiater nicht mehr mit scharf umrissenen Symptomen, sondern mit diffusen Verstimmungen konfrontiert, immer häufiger geworden“ (Lasch 1995: 66).

Nach Sigmund Freud (1914: 138 ff.) ist Narzissmus ein Zustand der menschlichen Persönlichkeit, der durch triebhaften Autoerotismus geprägt ist. Er unterscheidet zwei Formen: Den primären und den sekundären Narzissmus. Die erste Form korrespondiert mit dem Entwicklungsstadium eines Säuglings, der noch nicht zwischen sich und seiner Umwelt unterscheiden kann. Dem entsprechend besteht für einen Erwachsenen mit einer primären narzisstischen Störung die Gefahr, keine Distanz zwischen sich und seiner Umwelt herstellen zu können. Ein weiteres Anzeichen der primär narzisstischen Störung ist die Überschätzung des eigenen Selbst.

Der sekundäre Narzissmus geht als Störung aus dem frühkindlichen Erleben, von einer Person, zu der eine enge Bindung besteht, wiederholt allen gelassen zu worden zu sein, hervor. Durch solche Erfahrungen, werden Empfindungen, Triebe und Begehrlichkeiten, die auf andere Individuen gerichtet waren, auf das eigene Selbst zurück bezogen.

Dem entsprechend zeigen Erwachsene, die an einer sekundären narzisstischen Störung leiden, ein brüchiges Selbstbewusstsein auf, das von der Bestätigung der sie umgebenden Personen abhängt. Unabhängig von solchen Beeinträchtigungen in der frühkindlichen Entwicklung ist die Bestrebung nach Entfaltung und Präsentation der Persönlichkeit, die ich als Anzeichen für den narzisstischen Identitätsstandard begreife, zu einer gesellschaftlichen Wertvorstellung geworden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der verschobenen Grenzen zwischen Verhüllung und Enthüllung der Persönlichkeit ein und skizziert den dreistufigen Aufbau der Arbeit.

2. Identität und Persönlichkeit: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über Ansätze zur Identitätsbildung und definiert das Selbst im Kontext von Darstellung und gesellschaftlicher Zuschreibung.

3. Wandel der Inditätsstandards: Hier wird der historische Wandel vom analen zum narzisstischen Identitätsstandard sowie deren jeweilige Entstehung und pathologische Merkmale beschrieben.

4. Bedeutung der Selbstdarstellung im Wandel: Das Kapitel analysiert die Funktionen der Selbstdarstellung (als Rollenanzeige und zur Anerkennungssuche) und wie diese durch den gesellschaftlichen Wandel beeinflusst werden.

5. Wandel der Gesellschaft: Es wird die Transformation von gruppenorientierter zu netzwerkorientierter Vergesellschaftung im privaten und öffentlichen Bereich dargelegt.

6. Soziale Netzwerke: Dieser Abschnitt definiert den theoretischen Rahmen für soziale Netzwerke, einschließlich ihrer morphologischen Eigenschaften und der Konzepte zur Entstehung von virtuellen Räumen.

7. Inhaltliche Beschreibung des Internetportals „studiVZ“: Die Arbeit bietet eine detaillierte Inhaltsanalyse des Portals „studiVZ“, inklusive dessen Struktur, Benutzeroberfläche und der Interaktionskriterien.

8. Hypothesen zur Selbstdarstellung im Zusammenhang mit den Funktionen des „studiVZ“: Das abschließende Hauptkapitel leitet aus der Analyse Hypothesen zur Rolle der Selbstdarstellung für die Geselligkeit und Selbstbeschreibung der Nutzer ab.

9. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert die interdisziplinären Ergebnisse und stellt offene Forschungsfragen zur Diskussion.

Schlüsselwörter

Selbstdarstellung, Identitätsstandard, Narzissmus, Psychogenese, Soziogenese, studiVZ, soziale Netzwerke, virtueller Raum, Identitätsfindung, Vergesellschaftung, Postmoderne, Interaktionismus, Goffman, Rollenverhalten, Online-Kommunikation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelor-Thesis untersucht, wie sich die Selbstdarstellung von Individuen in der modernen Gesellschaft verändert hat, insbesondere mit Blick auf die Verschiebung von traditionellen analen hin zu narzisstischen Identitätsstandards.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit verknüpft psychologische Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung (Psychogenese) mit soziologischen Veränderungen der Gesellschaftsstruktur (Soziogenese) und wendet diese Erkenntnisse auf virtuelle soziale Netzwerke an.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen modernen Persönlichkeitsmustern und dem Verhalten in virtuellen Netzwerkräumen am Beispiel des Internetportals „studiVZ“ aufzuzeigen und Hypothesen über den veränderten Modus der Selbstdarstellung abzuleiten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor nutzt vorwiegend theoretische Ansätze aus der Psychologie und Soziologie (u.a. Goffman, Lasch, Sennett, Löw) sowie eine inhaltsanalytische Beschreibung der Funktionalitäten und Benutzeroberflächen des Portals „studiVZ“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Teile: den Wandel der Psychogenese, die soziogenetischen Veränderungen (Gruppe vs. Netzwerk) und die detaillierte inhaltsanalytische Untersuchung der Selbstdarstellung innerhalb des „studiVZ“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind neben „Selbstdarstellung“ und „Narzissmus“ vor allem die „netzwerkorientierte Vergesellschaftung“, „virtueller Raum“ und die „Identitätsbildung“ in einem dynamischen Anpassungsprozess.

Wie überträgt der Autor die Theorie auf „studiVZ“?

Der Autor nutzt das „SIS-Modell“ zur Raumerkundung und Erving Goffmans Theatertheorie, um zu erklären, wie Profile als „Vorderbühne“ für die Selbstdarstellung der Nutzer dienen.

Welche Rolle spielt die Privatsphäre bei der Selbstdarstellung?

Einstellungen zur Privatsphäre werden als Mittel betrachtet, um den „hinterbühnenartigen“ Charakter des Profils zu steuern und zwischen öffentlicher Darstellung und privatem Rückzug zu balancieren, was für narzisstische Identitätsmuster entscheidend ist.

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Details

Title
studiVZ. Selbstdarstellung im virtuellen Netzwerkraum.
College
Cologne University of Applied Sciences  (Institut für Management ond Organisation in der Sozialen Arbeit)
Course
Virtuelle Welten
Grade
1,2
Author
M.A. Michael Noack (Author)
Publication Year
2008
Pages
82
Catalog Number
V113784
ISBN (eBook)
9783640148646
ISBN (Book)
9783640148967
Language
German
Tags
Selbstdarstellung Netzwerkraum Selbstdarstellung Internet Beispiel Virtuelle Welten virtueller Raum Kollektivismus Individualismus studiVZ Narzissmus Identität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Michael Noack (Author), 2008, studiVZ. Selbstdarstellung im virtuellen Netzwerkraum., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113784
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