Underachievement

Zusammenfassende Darstellung der Studien des Marburger Hochbegabtenprojekts


Referat (Ausarbeitung), 2008
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Underachievement

3. Das Marburger Hochbegabtenprojekt
3.1. Methode
3.2. Variablen
3.3. Ergebnisse
3.3.1. Ergebnisse Datenquelle Kind
3.3.2. Ergebnisse Datenquelle Eltern
3.3.3. Ergebnisse Datenquelle Lehrkraft

4. Fazit

5. Literaturangaben

1. Einleitung

Unter den hochbegabten Schülerinnen und Schülern gibt es auch immer solche, die trotz ihrer hohen Intelligenz und ihres hohen kognitiven Niveaus nicht die normalerweise zu erwartenden guten Schulleistungen erbringen. Diese Gruppe gilt als Minderleister, für die heute jedoch besser die Bezeichnung der ’Underachiever’ genutzt wird.

Für die erbrachten Minderleistungen gibt es verschiedene Ursachen, die sowohl im privaten als auch im schulischen Umfeld zu finden sind. Allerdings wird Underachievement von den Eltern und Lehrern der Kinder nur selten erkannt und stellt die Schüler und Schülerinnen häufig vor eine schwere Entwicklungsphase während der Schulzeit, deren Auswirkungen bis in das Erwachsenenalter reichen können.

Im Folgenden werde ich zunächst die aus pädagogischer und psychologischer Sicht ausgehende Definition des Underachievements beschreiben, um dann noch auf die Symptome der Underachiever einzugehen.

Anschließend werden die beiden Studien des Marburger Hochbegabtenprojekts dargestellt. Hierbei wurde in der ersten Studie ein Test durchgeführt um festzustellen, ob das allgemeine ’Underachievement-Syndrom’ bei hochbegabten Kindern bereits in der Grundschule diagnostiziert werden kann. In der darauf aufbauenden Studie wurden dieselben Schülerinnen und Schüler, mittlerweile die 9. Klasse besuchend, erneut untersucht. Nun ging es darum, die Teilnehmer des Projekts bezüglich ihrer weiteren persönlichen Entwicklung oder dem Verlauf der Schullaufbahn zu befragen, um mögliche gleiche Verläufe und Entwicklungen von hochbegabten Underachievern zu erkennen. Beide Untersuchungen basierten auf Fragebögen, die von Schülern, Eltern und teilweise von Lehrern beantwortet wurden. Die Fragen wurden dabei in Variablen-Bereiche unterteilt, auf die ich in meiner Arbeit ebenfalls genauer eingehen werde.

Zum Abschluss möchte ich aufgrund der dargestellten Ergebnisse der Studien mögliche therapeutische Ansätze oder Hilfestellungen für Lehrer aufweisen.

Zur Ergänzung möchte ich darauf hinweisen, dass ich in meiner Arbeit aufgrund der einfacheren Formulierung für die Schreibweise der Schülerinnen und Schüler nur die Form der Schüler verwenden werde.

2. Definition Underachievement

Unter Underachievement versteht man die Minderleistung eines Schülers, gemessen an seiner individuellen Begabung. Underachiever gelten häufig als ’begabt’, ’pfiffig’ oder ’klug’, zeigen in der Schule aber nur unterdurchschnittliche Leistungen, obwohl aufgrund ihrer Intelligenz wesentlich bessere Schulleistungen zu erwarten wären.

Psychologen und Pädagogen erkennen Underachiever, indem sie die intellektuelle Leistungsfähigkeit des Schülers, zum Beispiel den Intelligenzquotienten, sowie seine Schulleistungen betrachten und in Beziehung zueinander setzen. In den meisten Studien werden „hochbegabte Underachiever als Schüler/innen mit einem Intelligenzquotienten von IQ ³ 130 [...] und höchstens durchschnittlichen Schulleistungen“[1] definiert.[2] Ihre Schulleistungen liegen also im durchschnittlichen Bereich um den Notenwert 3. Bezieht man sich auf die Angaben, dass ein Mensch ab einem IQ von 130 als hochbegabt gilt, so trifft dies auf etwa 2 Prozent der Schülerschaft zu, von denen wiederum 12 - 15 Prozent als hochbegabte Underachiever diagnostiziert werden können.

Von Eltern und Lehrer werden Underachiever häufig als ’Problemkinder’ bezeichnet, die scheinbar alle ähnliche Symptome und Eigenschaften aufweisen. So sind sie „durch ineffektives Arbeitsverhalten und auch Arbeitsprobleme gekennzeichnet, zeigen geringes Interesse an schulischen Aktivitäten und sind weniger erfolgs- und stärker mißerfolgsorientiert“[3]. Doch sie zeigen nicht nur in der Schule ein auffälligeres Verhalten im Vergleich zu anderen Schülern. Auch im privaten sozialen Umfeld scheinen Probleme zu bestehen. So wirken sie oft unreif und können nur schwer Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen und aufrecht erhalten. Zudem weisen Underachiever häufig ein aggressiveres und rebellischeres Verhalten auf, wobei „ein kleiner Teil dagegen extrem schüchtern“[4] sein kann.

Frühere Untersuchungen an erwachsenen Underachievern zeigten bereits, dass es ein sogenanntes ’Underachievement-Syndrom’ gibt, welches in etwa die Eigenschaften von Underachievern beschreibt. Dazu gehören unter anderem ein „niedrigeres Selbstkonzept und Selbstwertgefühl, höhere Furcht vor Erfolg, niedrigere Erfolgs- und höhere

Misserfolgsmotivierung, höhere Leistungsängstlichkeit, unrealistischere Ziele, eher externale Kontrollüberzeugung, geringere Leistungsmotivation sowie Perfektionismus“[5].

Ebenfalls einig sind sich Psychologen und Pädagogen darüber, dass multiple Ursachen einer Entwicklung zum Underachiever vorausgehen oder sie unterstützen, indem sie „eine Person daran hindern [...], ihr gutes intellektuelles Potenzial in adäquate (schulische) Leistungen umzusetzen“[6]. Dazu können sowohl familiäre und soziale Beziehungen als auch die schulische und außerschulische Umwelt zählen. Aufgrund der vielen möglichen Ursachen kann jedoch keine ’generelle’ Ursache für Underachievement festgelegt werden.

Die bisherigen Untersuchungen waren größtenteils querschnittlich angelegt, so dass aufgrund dieser Untersuchungen keine Aussagen bezüglich der Weiterentwicklung von Underachievern gemacht werden konnten. Man ging jedoch davon aus, dass sich die Eigenschaften der Schüler bis in das Erwachsenenalter fortsetzen und bei manchen Menschen zu einer „längere[n] schulische[n] und gesellschaftliche[n] Leidensgeschichte“[7] führen würden. Eine der wenigen Längsschnittstudien, die auch über den weiteren Lebensverlauf Aufschluss geben konnten, waren die aufeinander aufbauenden Studien von Lewis Madison Terman aus den Jahren 1922 und 1947. Diese bezogen sich jedoch auf die Erforschung der Hochbegabung und nicht des Underachievements. Aber trotzdem zeigte diese Studie bereits, dass die in der Schule am wenigsten erfolgreichsten auch immer ein niedriges Selbstkonzept hatten und unter mangelndem Selbstvertrauen litten, was nach bisherigen Studien zum Underachievement ja auch auf die Underachiever zutrifft. Allerdings wurden bei dieser Studie 150 erwachsene Männer „hinsichtlich des beruflichen Erfolgs und der Lebensbewältigung“[8] getestet und es konnten keine Untersuchungsergebnisse mehr zu der Kindheit ausgearbeitet werden.

Die erste Langzeitstudie, bei der eine solche Untersuchung bei Kindern im Grundschulalter durchgeführt wurde, war das Marburger Hochbegabtenprojekt, welches im weiteren Verlauf der Arbeit dargestellt werden soll.

3. Das Marburger Hochbegabtenprojekt

Das Marburger Hochbegabtenprojekt ’Lebensumweltanalyse besonders begabter Grundschulkinder’ wurde in den Jahren 1988/89 und 1995/96 von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung des Entwicklungspsychologen Prof. Detlef H. Rost durchgeführt. Dabei wurden 7023 Grundschüler verschiedener Intelligenz- und Schulleistungen bezüglich des Underachievement-Syndroms untersucht, wobei bei den Tests jedoch auch nach den Ursachen geforscht wurde. Es ist das erste Projekt zu dem Bereich Underachievement bei Grundschülern, das als Längsschnittstudie ausgerichtet wurde, da dieselben Schüler sechs bis sieben Jahre nach der Identifikation erneut befragt wurden und so die Weiterentwicklung der Underachiever während der Schullaufbahn und im privaten Bereich erstmals beobachtet werden konnte. Außerdem konnte durch die erneute Untersuchung die Aussagekraft der bereits gefundenen Ergebnisse nochmals deutlich erhöht werden. Besonders angesehen ist die Studie nicht bloß aufgrund der Resultate, sondern auch aufgrund der „relativ hohe[n] Zahl der untersuchten Kinder, durch ihre Dauer und ihre sorgfältige und intensive wissenschaftliche Begleitung“[9], was die Studie besonders aussagekräftig und glaubwürdig macht.

[...]


[1] www.begabtenzentrum.at/ wcms/picture/upload/File/foerdermassnahmen/beitraege_aus_wissenschaft/01-03-Rost- UNDERACHIEVER_fuer_website.pdf (Stand: 28.12.2007)

[2] Auf diese Definition werde ich mich in meiner Arbeit weiterhin beziehen.

[3] Hanses, P. & Rost, D.H. (1998). Das Drama "Drama" der hochbegabten Underachiever - "Gewöhnliche" oder "außergewöhnliche" Underachiever? Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 12, 53-71, S. 55

[4] ebd.

[5] Sparfeldt, J.R., Schilling, S.R. & Rost, D.H. (2006). Hochbegabte Underachiever als junge Erwachsene. Des Dramas

zweiter Akt? Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 20, S. 213-224, S. 214

[6] www.begabtenzentrum.at/ wcms/picture/upload/File/foerdermassnahmen/beitraege_aus_wissenschaft/01-03-Rost-

UNDERACHIEVER_fuer_website.pdf (Stand: 28.12.2007)

[7] grundschule.bildung.hessen.de/Paedagogik/Begabung/minder_begabung (Stand: 27.12.2007)

[8] Hanses, P. & Rost, D.H. (1998). Das "Drama" der hochbegabten Underachiever, S. 55

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Details

Titel
Underachievement
Untertitel
Zusammenfassende Darstellung der Studien des Marburger Hochbegabtenprojekts
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V113798
ISBN (eBook)
9783640151608
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Underachievement
Arbeit zitieren
Jessica Siegmund (Autor), 2008, Underachievement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113798

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