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"Medea. Stimmen" von Christa Wolf. Anwendung von Theorien zum Sündenbock-Phänomen auf das Werk

Title: "Medea. Stimmen" von Christa Wolf. Anwendung von Theorien zum Sündenbock-Phänomen auf das Werk

Essay , 2021 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Leah Riethmüller (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der vorliegenden Arbeit soll der Fokus auf die Frage gerichtet werden, wie eine fortschrittliche, hilfsbereite, unschuldige und an den äußeren Ereignissen im Grunde unbeteiligte Figur in die Rolle des Sündenbocks gerät. Hierzu sollen im Folgenden zunächst Hintergrundinformationen zum Roman und dessen Autorin gegeben werden, bevor der Begriff des Sündenbocks näher definiert und verschiedene Theorien zum Sündenbock-Phänomen ausgeführt und auf den Roman angewandt werden.

In Zeiten gesellschaftlichen Umbruchs und krisenhafter Zustände, wenn Angst und Unsicherheit zu einem Verlust von Normalität und Kontrolle führen, sind Menschen geneigt, Personen bzw. Personengruppen für ihre Situation verantwortlich zu machen, diese zum Sündenbock zu erklären. Ähnliches widerfährt der Protagonistin in Christa Wolfs Roman "Medea. Stimmen.". Die kolchische Königstochter Medea lebt nach der Flucht mit Jason, dem Schiffsführer der „Argo", in Korinth. Während Jason sich nach und nach mehr am Königshof einfindet, scheint die moderne und selbstbewusste Medea immer mehr die Ablehnung und den Hass der Korinther auf sich zu ziehen. Ausgelöst durch die immer schlechter werdenden Umstände in Korinth wird Medea zum Sündenbock für alle negativen Ereignisse. So kommt es, dass sie schließlich verurteilt und aus der Stadt gejagt wird. Als Medea einige Jahre später erfährt, dass sie nicht nur für jegliche Naturereignisse und die Pest, sondern auch für den von der Bevölkerung begangenen Mord an ihren Kindern verantwortlich gemacht wird, verflucht sie die Stadt und alle verräterischen Korinther.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE FUNDIERUNG

2.1 AUTORIN

2.2 ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND:

2.3 MYTHOS

2.4 THEORIEN ZUM SÜNDENBOCK-PHÄNOMEN

3. ANWENDUNG DER SÜNDENBOCK-THEORIEN AUF „MEDEA. STIMMEN“

3.1 SÜNDENBOCKTHEORIE NACH ROTHSCHILD ET AL.

3.2 SÜNDENBOCKTHEORIE NACH ZICK (ET AL.)

3.3. SÜNDENBOCKTHEORIE NACH ARONSON

4. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Romans „Medea. Stimmen“ von Christa Wolf, wie eine unschuldige und hilfsbereite Protagonistin in die gesellschaftliche Rolle des Sündenbocks gerät und welche psychologischen Mechanismen diesen Prozess steuern.

  • Analyse des Sündenbock-Phänomens im Kontext literarischer Figurenkonstellationen.
  • Verknüpfung der Medea-Figur mit sozialpsychologischen Theorien zu Scapegoating.
  • Untersuchung des zeitgeschichtlichen Hintergrunds der DDR-Literatur.
  • Darstellung von Machtverhältnissen und Statusbedrohungen als Ursachen für Ausgrenzung.
  • Kritische Beleuchtung der Korinther Gesellschaft als Auslöser für kollektive Sündenbocksuche.

Auszug aus dem Buch

3.1 Sündenbocktheorie nach Rothschild et al.

Beide Aspekte der Theorie Rothschilds, Erhalt der eigenen Kontrollwahrnehmung sowie des moralischen Selbstwertes lassen sich auf den Roman anwenden.

In dem Roman Medea. Stimmen macht die Bevölkerung Korinths sehr schwere Zeiten durch, eine Katastrophe jagt die nächste. Die zahllosen Toten eines Erdbebens können, da sie unter den Trümmern begraben sind, nicht schnell genug aus der Stadt gebracht werden, wodurch eine Seuche ausgelöst wird. Diese beiden Ereignisse sowie die Tatsache, dass die letzten beiden Erntejahre keine großen Erträge erzielt haben, führen zur nächsten Katastrophe, einer Hungersnot.

Diese Fülle von Situationen, auf die die Korinther keinen Einfluss haben, evoziert in ihnen das Gefühl der Machtlosigkeit und des Kontrollverlusts. Um sich dieser zu entledigen, suchen Menschen laut Rothschild in derartigen Situationen nach Sündenböcken. Obwohl Medea versucht, unterstützend zu wirken, indem sie ihr Wissen und ihre heilenden Kräfte einsetzt, da sie den Bewohnern von Korinth zeigt, welche Wildpflanzen genießbar sind, und sie davon überzeugt, Pferdefleisch zu essen, um dem Hungertod zu entgehen, ist sie es, der die Rolle des Sündenbocks zukommt. Außerdem machen die Naturereignisse den damals sehr abergläubischen Korinthern große Angst, da diese davon überzeugt sind, sie hätten die Götter verärgert. Und so wissen sie sich nicht anders zu helfen, als die vermeidlich schuldige Medea letztendlich vor Gericht zu stellen und nach der Verkündung des Urteils aus der Stadt zu jagen. Auch der zweite Aspekt der Theorie Rothschilds, dass Menschen in derartigen Situationen unbewusst den eigenen moralischen Wert zu erhalten versuchen, indem sie einen Externen mit Schuld beladen, lässt sich an Medea nachweisen. Denn obwohl nur Medeas Rat, Pferdefleisch zu essen, die Hungersnot abgewendet konnte, ist insbesondere Akamas, der erste Astronom und engste Berater des Königs, der gegen sie intrigiert und ihre vermeintliche Schuld immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt: „Seitdem gilt sie als böse Frau [...], denn die Leute wollen sich lieber für verhext halten, als sich selbst zu glauben, dass sie Unkraut fraßen und die Eingeweide unberührbarer Tiere verschlangen, aus gewöhnlichem Hunger.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Es wird die Problemstellung eingeführt, wie eine integre Figur wie Medea zur Zielscheibe kollektiver Schuldzuweisungen wird, und die Relevanz des Romans im Kontext der Sündenbock-Thematik aufgezeigt.

2. THEORETISCHE FUNDIERUNG: Dieses Kapitel liefert den biographischen Hintergrund der Autorin Christa Wolf, den historischen Kontext der DDR-Nachwendezeit sowie die theoretische Herleitung des Sündenbock-Begriffs und der dazugehörigen sozialpsychologischen Modelle.

3. ANWENDUNG DER SÜNDENBOCK-THEORIEN AUF „MEDEA. STIMMEN“: Hier werden die Theorien von Rothschild, Zick und Aronson konkret auf die Handlung des Romans und die Ausgrenzung Medeas in Korinth übertragen.

4. SCHLUSS: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Parallelen zwischen der Romanhandlung und der persönlichen Situation der Autorin im gesellschaftlichen Diskurs der neunziger Jahre reflektiert.

Schlüsselwörter

Medea, Christa Wolf, Sündenbock, Scapegoating, Sozialpsychologie, Korinth, Machtverhältnisse, Kontrollverlust, DDR-Literatur, Mythos, Ausgrenzung, Schuldzuweisung, Rothschild, Zick, Aronson.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Phänomen des Sündenbocks anhand von Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“ und untersucht, warum die Protagonistin Opfer gesellschaftlicher Ausgrenzung wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die literarische Auseinandersetzung mit dem Medea-Mythos, die psychologischen Ursachen für kollektive Sündenbocksuche sowie der zeitgeschichtliche Kontext der Nachwendezeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine unschuldige Figur in einer krisengebeutelten Gesellschaft durch psychologische Mechanismen für kollektive Missstände verantwortlich gemacht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse in Kombination mit sozialpsychologischen Modellen, wie dem Dual-Motiv-Modell von Rothschild et al. und Ansätzen von Zick und Aronson.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Sündenbock-Phänomenen und deren detaillierte praktische Anwendung auf die Romanfiguren und Ereignisse in Korinth.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Sündenbock, Scapegoating, Medea, Christa Wolf, DDR-Literatur und psychologische Machtstrukturen definieren.

Inwiefern spielt der historische Hintergrund der DDR eine Rolle für das Verständnis des Romans?

Die Arbeit argumentiert, dass Christa Wolf in der Figur der Medea ihre eigene Situation nach der Wiedervereinigung verarbeitet, in der sie ebenfalls heftigen Anfeindungen ausgesetzt war.

Warum wird Medea im Roman trotz ihrer Hilfsbereitschaft zur Zielscheibe der Korinther?

Medea wird zur Sündenbock-Figur, da die Korinther in einer krisenhaften Zeit (Hungersnot, Seuche) ihre Machtlosigkeit durch die Schuldzuweisung an eine fremde Person kompensieren und ihr eigenes moralisches Selbstbild bewahren wollen.

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Details

Title
"Medea. Stimmen" von Christa Wolf. Anwendung von Theorien zum Sündenbock-Phänomen auf das Werk
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
2,0
Author
Leah Riethmüller (Author)
Publication Year
2021
Pages
15
Catalog Number
V1138037
ISBN (eBook)
9783346510709
ISBN (Book)
9783346510716
Language
German
Tags
medea stimmen christa wolf anwendung theorien sündenbock-phänomen werk
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Leah Riethmüller (Author), 2021, "Medea. Stimmen" von Christa Wolf. Anwendung von Theorien zum Sündenbock-Phänomen auf das Werk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138037
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