In den letzten Jahren haben sich vermehrt weibliche Pioniere wie Shirin David, Loredana und Juju erfolgreich in der männerdominierten Rap-Branche durchgesetzt. Einige dieser Künstlerinnen nutzen in Youtube-Musikvideos gezielt ihre Selbst-Sexualisierung und propagieren diese als Empowerment. In der Musikwelt und auch in wissenschaftlichen postfeministischen Sexualisation of Culture-Debatten herrscht ein Konflikt darüber, inwiefern das bewusste Sexualisieren des eigenen Selbst als Ermächtigung bezeichnet werden kann und ob dies nicht viel eher eine maskierte Objektifizierung ist.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde anhand von Fokusgruppen-Diskussionen untersucht, wie junge Frauen sich und die Selbst-Sexualisierung der Rapperinnen innerhalb des benannten Diskurses verorten. Ist für sie die Selbst-Sexualisierung der Künstlerinnen Empowerment oder Objektifizierung? Ist die jeweilige Rapperin eine Boss Bitch oder ein Lustobjekt? Die Ergebnisse der Diskussionen wurden innerhalb einer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretischer Hintergrund 3
2.1 Erläuterung zentraler Begrifflichkeiten 3
2.1.1 Definition von Empowerment 3
2.1.2 Definition von (Selbst-)Objektifizierung 4
2.1.3 Definition von Selbst-Sexualisierung 4
2.1.4 Definition von Youtube-Musikvideos 5
2.2 Thematischer Hintergrund 5
2.2.1 Die vierte Welle des Feminismus 6
2.2.2 Postfeminismus 6
2.2.3 Wer schön sein will, muss leiden? 8
2.2.4 Von Girlbossen und Powerfrauen 9
2.2.5 Die Sexualisation of Culture 10
2.2.6 (Male) Gaze Theory 13
2.2.7 Forschungsstand bezüglich Musikvideos und Sexualisation of Culture 13
2.2.8 Theoretische Erklärungsansätze für die Wirkung von Rap-Videos 16
2.2.9 Aufstieg der Frauen im Deutschrap 17
2.2.10 Der Aufstieg von Shirin David 18
3 Die verwendete Methodik 19
3.1 Fokusgruppen 19
3.2 Auswertung: Die qualitative Inhaltsanalyse 22
3.3 Gütekriterien der qualitativen Inhaltsanalyse 24
4 Die Analyse 25
4.1 Auf der positiven Seite 25
4.2 Boss Bitch oder Lustobjekt? 28
4.3 Selbst-Sexualisierung als Promoter für Empowerment 31
4.4 Selbst-Sexualisierung als Bedrohung für Empowerment 34
4.5 Individuelle Wahl vs. soziokulturelle Zwänge 40
5 Fazit und Ausblick 45
6 Literaturverzeichnis 49
7 Darstellungsverzeichnis 58
Anhang
I. Eidesstaatliche Erklärung
II. Leitfaden
III. Kategoriensystem
IV. Tabellen der Kategorienbildung
V. Transkripte
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Erläuterung zentraler Begrifflichkeiten
2.1.1 Definition von Empowerment
2.1.2 Definition von (Selbst-)Objektifizierung
2.1.3 Definition von Selbst-Sexualisierung
2.1.4 Definition von Youtube-Musikvideos
2.2 Thematischer Hintergrund
2.2.1 Die vierte Welle des Feminismus
2.2.2 Postfeminismus
2.2.3 Wer schön sein will, muss leiden?
2.2.4 Von Girlbossen und Powerfrauen
2.2.5 Die Sexualisation of Culture
2.2.6 (Male) Gaze Theory
2.2.7 Forschungsstand bezüglich Musikvideos und Sexualisation of Culture
2.2.8 Theoretische Erklärungsansätze für die Wirkung von Rap-Videos
2.2.9 Aufstieg der Frauen im Deutschrap
2.2.10 Der Aufstieg von Shirin David
3 Die verwendete Methodik
3.1 Fokusgruppen
3.2 Auswertung: Die qualitative Inhaltsanalyse
3.3 Gütekriterien der qualitativen Inhaltsanalyse
4 Die Analyse
4.1 Auf der positiven Seite
4.2 Boss Bitch oder Lustobjekt?
4.3 Selbst-Sexualisierung als Promoter für Empowerment
4.4 Selbst-Sexualisierung als Bedrohung für Empowerment
4.5 Individuelle Wahl vs. soziokulturelle Zwänge
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Empowerment und Objektifizierung im Kontext der Selbst-Sexualisierung deutscher Rapperinnen, insbesondere am Beispiel von Shirin David in ihren Youtube-Musikvideos, und analysiert mittels Fokusgruppen, wie junge Frauen diese Phänomene interpretieren und in den soziokulturellen Kontext einordnen.
- Postfeministische Diskurse und deren Einfluss auf die Wahrnehmung von Empowerment
- Die Rolle der "Sexualisation of Culture" und des "Male Gaze" in Musikvideos
- Empowerment als Akt der Selbstverwirklichung versus strukturelle Objektifizierung
- Einfluss von Vorbildern und Meinungsführern auf das Selbstbild junger Frauen
- Der Zusammenhang zwischen individueller Wahlfreiheit und soziokulturellen Zwängen
Auszug aus dem Buch
Boss Bitch oder Lustobjekt?
Ist die Selbst-Sexualisierung der Rapperin Empowerment oder Objektifizierung? Laut den jungen Frauen schließen sich beide Konstrukte nicht aus, sondern gehen vielmehr Hand in Hand. Die Rapperin ist nicht eine Boss Bitch oder ein Lustobjekt, sondern beides:
A: Das ist ja auch teilweise das Coole daran, dass sie den Spieß umdreht und sich nicht zum Lustobjekt machen lässt, sondern sich selbst dazu macht, weil sie es möchte. (Transkript 1, Z.613f)
Weitere Teilnehmerinnen bezeichnen sie als „Selbstgewähltes Lustobjekt” (Transkript 3, Z.772) und ihre Selbst-Sexualisierung innerhalb der Videos als „Selbst-Objektifizierung als Empowerment” (Transkript 3, Z.924). Daraus resultiert, dass Shirin David den Lustobjekt-Stempel - also Selbst-Objektifizierung - laut der Frauen bewusst benutzt, um sich zu empowern. Auch hierbei spielen wieder individualistische Faktoren die größte Rolle: Wie bei der Oberkategorie „Eigene Definition und Erleben von Empowerment“, ist auch bei der Oberkategorie „Die Selbst-Sexualisierung der Rapperin als Empowerment“ die „unabhängige Selbstverwirklichung” der Künstlerin an erster Stelle. Dies bedeutet auch hier, dass Shirin David ihre Wünsche und Ziele verfolgt, unabhängig von Kritik, der Meinung anderer oder auch Klischees und Vorurteilen. Hier werden demnach soziokulturelle Einflüsse vorerst außer Acht gelassen: Die Rapperin sexualisiert sich selbst, weil sie es möchte, nicht, weil äußere Einflüsse sie dazu drängen. Die Teilnehmerinnen stellen sich dadurch zunächst eher auf die „Sex positive“-Seite des Konflikts, indem sie die Selbst-Sexualisierung nicht als maskierte Objektifizierung sehen, sondern als selbstbestimmte empowerte „Choice” der Rapperin.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in den feministischen Konflikt zwischen "sex-positive" und "sex-negative" Perspektiven ein und formuliert die Forschungsfrage, wie junge Frauen die Selbst-Sexualisierung deutscher Rapperinnen interpretieren.
Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert zentrale Konstrukte wie Empowerment, Objektifizierung und Postfeminismus und beleuchtet den Forschungsstand zu Musikvideos, Rap-Kultur und Shirin David.
Die verwendete Methodik: Hier wird das qualitative Vorgehen mittels Fokusgruppen und die anschließende Inhaltsanalyse nach Mayring erläutert sowie die Gütekriterien für die Untersuchung dargelegt.
Die Analyse: Die Ergebnisse der Diskussionen werden dargestellt, wobei die verschiedenen Facetten der Selbst-Sexualisierung als Empowerment oder Objektifizierung sowie der soziokulturelle Kontext analysiert werden.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse über die ambivalente Wirkung von Musikvideos und Ausblick auf möglichen weiteren Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Empowerment, Objektifizierung, Selbst-Sexualisierung, Postfeminismus, Rap, Shirin David, Fokusgruppen, qualitative Inhaltsanalyse, Musikvideos, Sexualisation of Culture, Male Gaze, individuelle Wahlfreiheit, soziokulturelle Einflüsse, Geschlechterrollen, Feminismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Untersuchung, wie junge Frauen die bewusste Selbst-Sexualisierung von Rapperinnen in Musikvideos wahrnehmen und bewerten – insbesondere, ob sie dies als Form der persönlichen Ermächtigung (Empowerment) oder als Objektifizierung durch patriarchale Strukturen interpretieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Postfeminismus, die sogenannten "Sexualisation of Culture", die Rolle des "Male Gaze" in den Medien sowie die Debatte um individuelle Handlungsfähigkeit (Agency) vs. gesellschaftliche Zwänge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den wissenschaftlich diskutierten Konflikt um das "sex-positive" vs. "sex-negative" Feminismus-Verständnis empirisch mit den Sichtweisen junger Frauen zu untermauern und besser zu verstehen, wie diese Widersprüche navigiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine qualitative Forschungsstrategie, bestehend aus drei Fokusgruppen-Diskussionen mit insgesamt vierzehn Teilnehmerinnen, die mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Fokusgruppen: angefangen bei der persönlichen Definition von Empowerment, über die Bewertung des Beispiels Shirin David als "Boss Bitch" oder "Lustobjekt", bis hin zur Einordnung in den gesellschaftlichen Kontext und der Frage nach der Vorbildfunktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Empowerment, Objektifizierung, Selbst-Sexualisierung, Postfeminismus, Rap, Shirin David und die "Sexualisation of Culture".
Warum spielt das "double entanglement" in der Arbeit eine Rolle?
Es dient zur Erklärung, wie Frauen im Postfeminismus vermeintlich widersprüchliche Werte – etwa traditionelle Weiblichkeit und Karriere – vereinbaren können, solange dies als selbstbestimmte Wahl verstanden wird.
Welche Rolle spielt die Person Shirin David für die Analyse?
Sie fungiert als das zentrale Fallbeispiel, da sie als erfolgreichste deutsche Rapperin das Phänomen der bewussten Selbst-Sexualisierung in Musikvideos verkörpert und somit als "Stimulus" für die Diskussionen der Teilnehmerinnen dient.
- Citation du texte
- Svenja Hagen (Auteur), 2021, Boss Bitch oder Lustobjekt? Konstruktionen von Empowerment und Objektifizierung in Diskussionen über die Selbst-Sexualisierung deutscher Rapperinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138275