Forschungsethik ist ein unausweichlicher Bestandteil jener Forschungsfelder, welche Menschen zur Gewinnung von Daten und wissenschaftlicher Erkenntnisse benötigt. Dies trifft auch auf Felder über die der medizinischen Forschung hinaus zu, wie zum Beispiel in denen der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, welche sich unter anderem an qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung bedienen, um solche Erkenntnisse zu erlangen. Aufschluss darüber soll diese Arbeit geben und über die Notwendigkeit oder sogar Verpflichtung gegenüber sich selbst und seinen Probanden geben, sich ethisch korrekt zu verhalten.
So befasst sich laut Schnell & Heinritz die Forschungsethik mit der Frage, welche ethisch relevanten Einflüsse die Intervention eines Forschers den Menschen zumuten könne, mit oder an denen der Forscher forscht. Sie befasse sich zudem mit den Maßnahmen, die zum Schutz der an einer Forschung teilnehmenden Personen unternommen werden solle, sofern dieses als Notwendigkeit erscheine.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer Exkurs in die Ethik
3. Ethik in der empirischen Sozialforschung
3.1 Selbstreflexionen des Forschers
3.2 Forschungsethische Prinzipien
3.3 Das Dilemma der verdeckten Beobachtung
4. Praktisches Beispiel – Das Bremer Afrika Projekt
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung forschungsethischer Prinzipien innerhalb der empirischen Sozialforschung, insbesondere in sensiblen Bereichen wie den Gesundheitswissenschaften. Ziel ist es, die ethische Verantwortung des Forschers gegenüber Probanden darzulegen, kritische Methoden wie die verdeckte Beobachtung zu hinterfragen und die praktische Anwendung dieser ethischen Leitplanken anhand einer Evaluationsstudie zu reflektieren.
- Grundlagen ethischen Handelns in der Forschung
- Selbstreflexion und professionelle Verantwortung des Forschers
- Einhaltung forschungsethischer Prinzipien (Informed Consent, Datenschutz, Nutzen/Risiko-Abwägung)
- Ethische Problematiken bei verdeckten Beobachtungen
- Analyse forschungsethischer Aspekte im Bremer Afrika Projekt
Auszug aus dem Buch
3.2 Forschungsethische Prinzipien
Seit den Nürnberger Prozessen im Jahr 1945, in denen das menschenverachtende Verhalten von Ärzten angeprangert wurde, setzt die medizinische Forschung die informierte Zustimmung, den informed consent, als Mindeststandard voraus. „Der auch aus der medizinischen Ethik bekannte informed consent (die informierte Zustimmung) ist ein zentrales Element des forschungsethischen Verhaltens, aber dennoch nicht alles, was ein guter Forscher zu beachten hat. (…) Eine informierte Zustimmung ist die bewusste Zustimmung einer Person oder ihres vollmächtigen Vertreters als Proband an einem Forschungsprojekt teilzunehmen“ (Schnell & Heinritz, 2006, S. 20). Damit diese Zustimmung gültig ist, muss sie gewisse Voraussetzungen und Kriterien erfüllen:
- Der Potentielle Proband muss ausreichend über das Forschungsprojekt informiert werden.
- Er muss ausreichend Zeit und Beratungsmöglichkeit haben, um seine Meinung bilden zu können.
- Für unmündige oder bewusstlose Probanden ist die informierte Zustimmung durch seine Eltern oder seinen gesetzlichen Vormund erforderlich. Sofern möglich, müssen sie in angemessener Weise über das Forschungsvorhaben informiert werden und ebenfalls die Möglichkeit erhalten, ihrer Mitwirkung zuzustimmen oder diese abzulehnen.
- Die Zustimmung darf nicht durch Gewalt, Zwang, Betrug oder Täuschung herbeigeführt werden.
(Schnell & Heinritz, 2006, 21)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Notwendigkeit von Forschungsethik in der empirischen Sozialforschung ein und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Kurzer Exkurs in die Ethik: Hier werden die philosophischen und historischen Grundlagen ethischer Prinzipien sowie deren Bedeutung für das moderne menschliche Zusammenleben erläutert.
3. Ethik in der empirischen Sozialforschung: Dieser Abschnitt behandelt die spezifischen ethischen Herausforderungen bei der Datenerhebung, betont die Rolle der Selbstreflexion und stellt die zentralen Prinzipien für den Forscher dar.
4. Praktisches Beispiel – Das Bremer Afrika Projekt: Dieses Kapitel veranschaulicht die theoretischen Prinzipien durch die Analyse einer konkreten Evaluationsstudie zur HIV/Aids-Versorgung bei Migranten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ethische Verantwortung ein integraler Bestandteil der Forschung ist, der weit über formale Richtlinien hinausgeht.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Forschungsethik, Empirische Sozialforschung, Informed Consent, Selbstreflexion, Qualitative Forschung, Menschenwürde, Datenschutz, Verdeckte Beobachtung, Evaluationsstudie, HIV/Aids-Prävention, Probandenschutz, Ethische Prävention, Gesundheitswissenschaften, Vertrauenspersonen, Vulnerabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Verpflichtungen und Standards, die Forscher in der empirischen Sozialforschung gegenüber ihren Probanden einhalten müssen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen forschungsethische Prinzipien, die Selbstreflexion des Forschers, den Umgang mit informierter Zustimmung (Informed Consent) und die spezifischen Herausforderungen bei verdeckten Beobachtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die forschungsethischen Grundlagen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit diese in der Forschungspraxis, am Beispiel des „Bremer Afrika Projekts“, konsequent umgesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu forschungsethischen Standards sowie einer inhaltlichen Evaluation und Reflexion eines bestehenden Forschungsberichts.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden allgemeine ethische Grundlagen, die Rolle des Forschers als Erhebungsinstrument, acht spezifische forschungsethische Prinzipien sowie die Analyse des Bremer Afrika Projekts detailliert besprochen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Forschungsethik, Probandenschutz, Informed Consent und qualitative Forschungsmethoden charakterisiert.
Wie geht die Forschung mit dem Dilemma der verdeckten Beobachtung um?
Die Arbeit stellt dar, dass verdeckte Beobachtungen zwar ethisch problematisch sind, aber durch nachträgliche Aufklärung und Debriefing der Teilnehmer in ihrer Vertretbarkeit abgewogen werden können.
Warum ist das Bremer Afrika Projekt ein geeignetes Fallbeispiel?
Das Projekt ist aufgrund der besonderen Vulnerabilität der Zielgruppe (HIV-positive Afrikaner) und der damit verbundenen Notwendigkeit kultursensibler und ethisch korrekter Forschung ein exzellentes Beispiel für die praktische Umsetzung der forschungsethischen Prinzipien.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2009, Forschungsethik. Anspruch an Methoden der empirischen Sozialforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138521