Gruppentraining sozialer Kompetenzen nach Hinsch und Pfingsten. Ausarbeitung eines Trainingskonzeptes für Jugendliche vor dem Bewerbungsverfahren


Hausarbeit, 2021

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fiktiver Antrag an das Trägerwerk für offene und aufsuchende Jugendarbeit e.V

An wen richtet sich das Training? - Gruppentraining sozialer Kompetenzen mit Jugendlichen vor dem Bewerbungsverfahren

Zielgruppenspezifische Problemanalyse

Trainingskonzept - Gruppentraining sozialer Kompetenzen mit Jugendlichen vor dem Bewerbungsverfahren

Literaturliste

Fiktiver Antrag an das Trägerwerk für offene und aufsuchende Jugendarbeit e.V.

Trägerwerk für offene und aufsuchende Jugendarbeit e.V.

Lennestadt, den 14.07.2021

Betreff: Antrag zur Einführung eines Gruppentrainings sozialer Kompetenzen im Bereich „Bewerbungstraining“

Sehr geehrte ,

„Eine große Reise zu tun ist für einen jungen Mann äußerst nützlich“ (Goethe, 2007). Wie bereits Goethe in seinem Werk Wilhelm Meisters Lehrjahre beschrieb, kann die Jugend und die Entwicklung in dieser Lebensphase eines der wichtigsten Weichenstellungen für das bevorstehende Leben eines jeden Jugendlichen sein. Sie und Ihr Team bestehend aus SozialarbeiterInnen und SozialpädagoInnen, tragen mit Ihrer Arbeit jeden Tag Ihren Teil dazu bei und bieten den jungen Menschen im Raum Lennestadt und Kirchhundem eine Anlaufstelle, die Unterstützung, Spaß und Entwicklung verspricht.

An dieser Stelle möchte ich das Konzept der AJA Lennestadt/Kirchhundem mit einem Gruppentraining sozialer Kompetenzen für Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren ergänzen. Dieses Gruppentraining soll Jugendliche aus prekären Lebenswelten ansprechen, die kurz vor dem Ausbildungsberufsseinstieg/bzw. Bewerbungsverfahren stehen und im Vorhinein entsprechende soziale Kompetenzen erlernen und/oder optimieren wollen.

Sollten Sie sich an dieser Stelle fragen, was Sie sich unter diesem Training vorstellen können und warum ich genau diese Altersgruppe anspreche, führe ich Ihnen diese Konzeption gerne weiter aus:

Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen (kurz: GSK) ist ein von Dr. Rüdiger Hirsch und Dr. Ulrich Pfingsten entwickeltes Trainingskonzept. Beide Diplompsychologen machten sich zu Beginn der 80er Jahre zur Aufgabe ein Interventionskonzept zu entwickeln, das im Gruppenverfahren zur Umgestaltung sozialer Kompetenzen bei Erwachsenen führen sollte. 2014 entwickelten Prof. Dr. Barbara Jürgens und Dipl.- Psych. Karin Lübben aufbauend dazu ein GSK für Jugendliche und Kinder. Dieses Konzept hat weitreichend das Ziel, bei dieser Zielgruppe einen Aus- bzw. Aufbau von sozialen Fähigkeiten zu bezwecken, frei unter dem Motto: „Kinder und Jugendliche, die über gute soziale Fähigkeiten verfügen, haben es im Leben leichter.“

Ich möchte mit dem Gruppentraining insbesondere Eigenschaften, wie den Aufbau von einer positiven Selbstbewertung/Selbstrückmeldung, die Entwicklung von Strategien zur Vermeidung von unsicherem/aufbrausendem Verhalten und dem Aufbau der Fähigkeit, die Wirkung vom eigenen Verhalten auf andere beurteilen zu können, ansprechen. Ich begleite die Jugendlichen bei diesem Prozess um einen Ausbau und Aufbau dieser Eigenschaften sicherzustellen.

Nun lade ich Sie herzlich dazu ein, das Trainingskonzept durchzugehen und freue mich auf eine Zusammenarbeit.

Ich stehe Ihnen bei Rückfragen und Verständnisfragen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen Wiebke-Marie Schneider

An wen richtet sich das Training? - Gruppentraining sozialer Kompetenzen mit Jugendlichen vor dem Bewerbungsverfahren

Das Trainingskonzept (siehe unten) richtet sich an Jugendliche aus prekären Verhältnissen, die vor allem von Sorgen über mögliche Ausbildungsperspektiven und der „Sorge, der Lebens- und Wissensgesellschaft nicht gewachsen zu sein“ (Calmbach et al., 2011:45) geprägt sind. Wie auch die Ergebnisse der SINUS-Grundlagenstudie aus dem Jahr 2011 zu den Lebenswelten von Jugendlichen bekunden, „zeigen [Jugendliche aus dieser Lebenswelt] einen geringen Zukunftsoptimismus“ (Calmbach et al., 2011:45).

Diese sehr kurz ausgefallene Beschreibung, wie Jugendliche aus entsprechenden Lebens- und Bildungsverhältnissen in die Zukunft blicken, verdeutlicht, dass ein geringes Selbstvertrauen in ihre eigene Person und Zukunft vorhanden ist. Dem anzufügen ist, dass sie kaum mit Jugendlichen aus anderen Lebenswelten in Kontakt treten und daher gerade im schulischen wie auch im privaten Kontext ihre Freunde als Unterstützungsnetzwerk sehen (vgl. Calmbach et al., 2011:48). Dies deckt sich mit den Aussagen von Petermann und Petermann (2006), die verdeutlichten, dass Kinder im Allgemeinen bereits im Grundschulalter sozial unsichereres Verhalten zeigen. Dies würde sich in einem mangelndem Gefühlsausruck oder dem Vermeiden von Blickkontakt und leisem Sprechen bemerkbar machen. Darüber hinaus würden sie sich nicht überwinden können eigene Ideen und Bedürfnisse zu äußern und sich gegen andere Kinder durchzusetzen zu können (vgl. Petermann & Petermann, 2006, zitiert nach Wekenmann & Schlottke, 2011:15).

Gleichwohl zeigen dahingehend Eckert et al. (2019) auf, dass „im Jugendalter die Fähigkeit [.] zur Selbstreflexion [steigt] und zudem zunehmend ein Perspektivwechsel, eine Perspektivübernahme und eine Perspektivkoordination möglich wären (vgl. Eckert & Tarnowski & Merten, 2019:16).

In diesem Alter (15/16 Jahre) kann man davon ausgehen, dass sich Jungen und Mädchen langsam ihrer Zukunft widmen: Entweder steht ein Schulwechsel auf eine Schule an, mit dem ein höherer Bildungsabschluss erreicht werden kann oder der Einstieg in einen Ausbildungsberuf, verbunden mit dem Besuch einer entsprechenden Berufsschule. Beide Zukunftswege sind von Begegnungen mit neuen Mitmenschen und neuen und anderen sozialen Situationen gekennzeichnet, die andere Anforderungen an die Mädchen und Jungen im jugendlichen Alter stellen (vgl. Jürgens & Lübben, 2014:27).

Diese gesamte Ausarbeitung und das Trainingskonzept beziehen sich auf den letzteren Zukunftsweg: Dem Einstieg in den Ausbildungsberuf, bzw. das damit einhergehende Bewerbungsgesprächsverfahren.

Zielgruppenspezifische Problemanalyse

Das „Kriterium für soziale Kompetenz ist [...] bei Kindern und Jugendlichen ein langfristig günstiges Verhältnis positiver und negativer Konsequenzen im Umgang mit anderen“ (Jürgens & Lübben, 2014:73). Es ist daher von großer Bedeutung zu Beginn eine Analyse der spezifischen Herausforderungen/Probleme anzufertigen, mit denen man bei der Arbeit mit den Teilnehmenden konfrontiert sein wird. Diese Vorgehensweise dient der erfolgreichen Konzeptionierung und einem erfolgreichen Verlauf des Trainingskonzepts.

Grundlage des Ziels dieses Gruppentrainings sind die drei Situationstypen „Recht durchsetzen“, „Beziehungen“ und „Sympathie gewinnen“. Sie „bilden [.] das Spektrum der Bereiche ab, die für den sozialen Umgang mit anderen Personen bedeutsam sind [.]“ (Jürgens & Lübben, 2014:75). Im Bezug zur kognitiven Ebene, emotionale Ebene und der Ebene motorischen Verhaltens ergeben sich für dieses Gruppentraining folgende gruppenspezifischen Herausforderungen:

Im Bezug auf den Situationstyp Beziehung wird die am meisten gewichtete Herausforderung die Begegnung mit einer fremden Person sein, die wohlmöglich Erfahrung und Autorität ausstrahlen wird. Treffen Heranwachsende im Bewerbungsgespräch auf ihren unter Umständen zukünftigen Chef, handelt es sich um interpersonale Begegnung, die nach Laireiter & Lager (2006) eine erhebliche Bedeutung für soziale Kompetenzen hat (vgl. Laireiter & Lager, 2006, zitiert nach: Wekenmann & Schlottke, 2011:16). Ergänzend dazu ist auf der Ebene des Situationsmanagements und der emotionalen Verarbeitung eine Herausforderung zu sehen, da es den Teilnehmenden mit großer Wahrscheinlichkeit am Zugang von Benimmregeln in Bewerbungssituationen fehlen wird beziehungsweise sie sich an der Lebenswelt ihres Umfelds orientieren werden. Insbesondere ist es eine neue Situation/neuer Umstand in denen sie im besten Fall mit einem anderen Verhalten und Auftreten in die Situation gehen werden.

Auf der Ebene des Situationstyps Sympathie werden das Situationsmanagement, die emotionale Verarbeitung, das motorische Verhalten und die Konsequenzverarbeitung typische Probleme im Prozessablauf darstellen. Niedriger Selbstwert und eine damit einhergehende geringere soziale Anpassung (vgl. Wekenmann & Schlottke, 2011:16) werden das „sympathisch-wirken“ erschweren können. Außerdem werden die Teilnehmenden auf Ebene der Emotionen eine fehlende Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion innehaben können. Das bei den Jugendlichen fehlende Selbstvertrauen durch „Lebensprobleme, wie z.B. frühzeitiger Schulabbruch, [...], Kriminalität“ (Wekenmann & Schlottke, 2011:17) stellt eine weitere Herausforderung dar. Auch eine pessimistische und unrealistisch optimistische berufliche Orientierung, die laut der SINUS-Studie aus 2011 (vgl. Calmbach et al., 2011:197) den Jugendlichen aus den prekären Lebenswelten zuteilwird, stell eine Herausforderung für die Bewältigung eines Bewerbungsgesprächs und damit für das Trainingskonzept dar.

Im Allgemeinen werden Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, die kurz vor einem Bewerbungsverfahren stehen und demnach an diesem Trainingskonzept teilnehmen können, unterschiedliche Ziele, die sie im Hinblick auf ihr sozial kompetentes Verhalten in einem Bewerbungsgespräch haben, aufweisen. Diese müssen im gesamten Training berücksichtigt werden (vgl. Jürgens & Lübben, 2014:73).

Trainingskonzept - Gruppentraining sozialer Kompetenzen mit Jugendlichen vor dem Bewerbungsverfahren

Formuliert man nun aus der vorangegangen Problemanalyse das Trainingskonzept, ergeben sich eine sinnvolle Reihenfolge und sinnvolle Schwerpunkte für die Vorgehensweise des GSK mit Jugendlichen vor dem Bewerbungsverfahren.

Bezieht man die oben genannten charakterisierenden Merkmale der Teilnehmergruppe auf die Situation eines Bewerbungsgesprächs, so fallen folgende Angelpunkte auf, die im Trainingskonzept als Lernziele behandelt werden sollten:

- Formulieren der eigenen beruflichen Zielsetzung
- Entwicklung einer positiven Selbstbewertung/Selbstrückmeldung
- Die Fähigkeit, die Wirkung vom eigenen Verhalten auf andere beurteilen zu können (durch Einnehmen der Rolle einer fremden Person)
- Wahrnehmen und Benennen von Gefühlen
- Zugang zur eigenen Selbstwirksamkeit herstellen
- Erkennen von unsicherem/aufbrausendem Verhalten in Bewerbungssituationen
- Entwicklung von Strategien zur Vermeidung von unsicherem/aufbrausendem Verhalten
- Erkennen von Werten und Normen, die in Bewerbungsgesprächen relevant sind (Verhaltensregeln)

Die Durchführung des Trainingskonzepts startet mit einer Einführungsveranstaltung, in der über die Grundannahmen des Trainings, die Zielgruppe sowie die Wirksamkeit und die Inhalte des GSK informiert werden. Sollte diese Einführungsveranstaltung nicht stattfinden können, wird an dieser Stelle ein Informationspapier mit etwaigen Informationen ausgeteilt, die für die Eltern der Jugendlichen und die Jugendlichen selbst gedacht sind (vgl. Jürgens & Lübben, 2014:121). Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle der Punkt der Trainingsbedingungen, die vor allem mit einer freiwilligen Teilnahme am GSK zu einem effektiven und wirksamen Training beitragen. Keinesfalls sollten die Jugendlichen die Teilnahme als Lektion/Strafe ansehen, sondern die Motivation des Trainings erkennen und eigeninitiativ teilnehmen wollen (vgl. Jürgens & Lübben, 2014:122). Fehlendem Selbstvertrauen durch „Lebensprobleme, wie z.B. frühzeitiger Schulabbruch, [...], Kriminalität“ (Wekenmann & Schlottke, 2011:17) soll durch die freiwillige Teilnahme am GSK entgegengewirkt werden. Desweiteren soll die Gruppe möglichst heterogenen zusammengestellt sein. Dies hat zum Ziel, dass alle Teilnehmenden voneinander profitieren und ein gegenseitiges Modelllernen durch die Bandbreite von Verhaltensweisen möglich ist (vgl. Jürgens & Lübben, 2014:123).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gruppentraining sozialer Kompetenzen nach Hinsch und Pfingsten. Ausarbeitung eines Trainingskonzeptes für Jugendliche vor dem Bewerbungsverfahren
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1138640
ISBN (eBook)
9783346516527
ISBN (Buch)
9783346516534
Sprache
Deutsch
Schlagworte
GSK, Gruppentraining sozialer Kompetenzen, Jugendliche, Bewerbungsverfahren, Trainingskonzept, Zielgruppenspezifische Problemanalyse
Arbeit zitieren
Wiebke-Marie Schneider (Autor:in), 2021, Gruppentraining sozialer Kompetenzen nach Hinsch und Pfingsten. Ausarbeitung eines Trainingskonzeptes für Jugendliche vor dem Bewerbungsverfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138640

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