Die Drei von der Tankstelle - Die Tonfilmoperette im Musikunterricht


Seminararbeit, 2007

11 Seiten


Leseprobe

1. Einleitung

Im Lexikon des internationalen Films wird der Film Die Drei von der Tankstelle als ein Werk beschrieben, das „durch [seinen] virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine neue filmische Form [erfand], mit der [es] das US-Musical vorwegnahm.“[1] Damit wird er quasi als der Archetypus des amerikanischen Musikfilms deklariert, der besonders in den vergangenen drei Jahrzehnten die weltweite Musikfilmlandschaft am bedeutendsten geprägt hat. Filme wie Moulin Rouge oder Chicago, die das US-Musical wahrscheinlich noch populärer machten, als es nach dem erdbebenartigen Flashdance -Hype in den 80ern schon einmal gewesen war, bauen auf ähnlichen, wenn auch modernisierten, Prinzipien auf wie Die Drei von der Tankstelle. Die Tatsache, dass gerade eine deutsche, noch in den Kindertagen des Tonfilms geschaffene, Produktion diesen Status übertragen bekommt, macht den Film zu einem richtungweisenden, bedeutenden Monument der Film- und insbesondere der Musikfilmgeschichte.

Ob dies rechtfertigt, mit einem fast 80 Jahre alten Film im Musikunterricht zu arbeiten, scheint umstritten. Die vorliegende Arbeit soll die Bedeutung des Films ergründen und Möglichkeiten einer Anwendung für die Musikdidaktik aufzeigen.

2. Die Drei von der Tankstelle – Einordnung und Entstehung eines

filmischen Schlagers

Zu Beginn zunächst eine knappe Zusammenfassung der Geschehnisse:

Die Freunde Willy, Kurt und Hans sehen sich nach ihrem Bankrott gezwungen, ihr Geld redlich zu verdienen und gründen eine Tankstelle, um diese Marktlücke der Gegend zu füllen. Sie bekommen Kundschaft unter anderem in Form einer schönen, jungen und natürlich reichen Frau namens Lilian, und alle drei verlieben sich unabhängig voneinander in sie. Durch ihre kecke Art lässt sie auch alle glauben machen, dass sie Chancen hätten, muss jedoch am Ende eine Entscheidung treffen und die drei über das Beziehungsgeflecht und schließlich ihre Liebe zu Willy aufklären. Dies verhindert zunächst ein Happy End, doch durch ihre Initiative wird eine Tankgesellschaft gegründet, deren Sekretärin sie selbst und deren Teilhaber die drei jungen Männer sind. Nur durch ihre schnelle, unbekümmerte Reaktion beim Diktat seiner Kündigung durch Willy kann sie seine erneute Ablehnung verhindern: Sie tippt in Wahrheit einen Ehevertrag, den er, ohne ihn vorher auch nur bemerkt zu haben, unterschreibt. Damit kann der Film mit dem großen musikalischen Finale schließen.

Nachdem 1927 dem Film endlich eine Stimme gegeben war, lag es nicht fern, dass die Musik eines der bedeutenden Gestaltungsmerkmale bleiben würde. Zwei grundlegende Formen bildeten sich dabei aus der Stummfilmbegleitung heraus – die Filmmusik und der Musikfilm, der Musik entweder zum Inhalt macht oder sie so integriert, dass sie mehr als nur ein Gestaltungsmerkmal ist. In Wilhelm Thieles[2] Werk ist die Musik wahrscheinlich einer der Grundsteine des Erfolges, denn unter anderem die Lieder sind es, die dem Film zur Popularität und Verbreitung verhalfen; „Ein Freund, ein guter Freund“ ist wohl das berühmteste, und heute ist vielen nicht einmal der Film bekannt, die Lieder jedoch schon.

Die Einbindung dieser Lieder in den Gesamtzusammenhang des Films ist für die Zeit damals so bahnbrechend, dass Thiele tatsächlich ein neues Genre schuf, das zwar nach dem Vorbild der Operette gestaltet war (Musik und Tanz), aber die dramaturgischen Möglichkeiten des Films (Erzählung) nutzte und so beide Gattungen zu einer verschmolz, die daher auch den Namen Tonfilmoperette annahm. Dass, im Gegensatz zur Bühnenoperette, Musik und Tanz einen deutlich geringeren Anteil an dem Gesamtwerk haben als die Handlung und damit gesprochene Dialoge selbst, tut der Tatsache keinen Abbruch, dass es dennoch ein Musikfilm ist. Wie die Operette hat der Film eine komische Absicht und will also erheitern. Die Lieder sind zugleich Unterstreichung, Verbindung und Verzierung des Geschehens und machen den Film für den Zuschauer zu einem abwechslungsreichen und nicht selten überraschenden Erlebnis.

In einer Zeit, die von großen und kleinen wirtschaftlichen Katastrophen durchsetzt war, fand der Film mit der in ihm enthaltenen Existenzgründergeschichte eine große Resonanz in der deutschen Bevölkerung. 1930 produziert, muss er doch ein Hoffnungsschimmer für all diejenigen gewesen sein, die ihr Vermögen mit der Weltwirtschaftskrise verloren hatten (und sich es aber noch leisten konnten, einen Film zu sehen). Die Erfolgsgeschichte hing sicher nicht geringfügig mit der wirtschaftlichen Situation in Deutschland zusammen, und interessanterweise war gerade Die Drei von der Tankstelle „der kommerziell erfolgreichste Ufa-Film der frühen 30er Jahre“[3], und wurde allerdings bereits 1937 von den Nationalsozialisten verboten.[4] Am 15. September 1930 in Berlin uraufgeführt, begann er sofort seinen Siegeszug. Schon in dem Film Liebeswalzer (1929/30) hatten sich Lilian Harvey und Willy Fritsch (Lilian und Willy auch im Film) als Traumpaar des deutschen Films etabliert, aber ihre erneute Liebesgeschichte in diesem neuen Film wirkte sich ebenso auf seine Popularität aus. Doch nicht nur die Liebesgeschichte als die Grundzutat eines Films schlechthin war ausschlaggebend, sondern auch die Betonung der freundschaftlichen Bande, die symbolhaft durch das Lied „Ein Freund, ein guter Freund“ von Szene zu Szene getragen wird, auch mit textlicher Veränderung („Ein Aug’, ein blaues Aug’ “).

[...]


[1] http://www.filmevona-z.de/filmsuche.cfm?wert=23528&sucheNach=titel [Zugang: 1.12.2006]

[2] Regisseur, 1890-1975

[3] http://www.deutsches-filminstitut.de/caligari/dt2fcf0050.htm [Zugang: 1.12.2006]

[4] Es gab außerdem noch vor der Uraufführung ein Jugendverbot, das allerdings nur fünf Tage anhielt und bereits am Tage nach der Uraufführung aufgehoben wurde.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Drei von der Tankstelle - Die Tonfilmoperette im Musikunterricht
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Musikpädagogik)
Veranstaltung
Musik für die Augen - der Musikfilm
Autor
Jahr
2007
Seiten
11
Katalognummer
V113865
ISBN (eBook)
9783640148660
Dateigröße
633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tonfilmoperette, Musikunterricht, Musik, Musikfilm, Heinz Rühmann, Willy Fritsch, Oskar Karlweis, Lilian Harvey, Ein Freund ein guter Freund, Musical
Arbeit zitieren
Cornelia Richter (Autor), 2007, Die Drei von der Tankstelle - Die Tonfilmoperette im Musikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113865

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