Hannah Arendts Vita Activa. Inwiefern kann das Handeln zur Freiheit des Menschen führen?


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die menschlichen Grundbedingungen

3. Die antike Polis

4. Handeln als politische Praxis

5. Die heutige Gesellschaft

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kaum eine andere Philosophin setzt sich so ausgiebig mit der politischen Philosophie auseinander, wie es Hannah Arendt in ihrem 1958 erschienen Hauptwerk der Vita Activa tut. Dort widmet sich der Frage: Was tun wir, wenn wir tätig sind und kritisiert die heutige Gesellschaft und mit deren Aufstieg den einhergehende Verlust des politischen Handelns. In ihrem Buch wollte sie die menschlichen Tätigkeiten einer präzisen Analyse unterziehen, wobei sie drei unterschied: Arbeiten, Handeln und Herstellen. Dabei stellt sie das Handeln als spezifische Tätigkeit des Menschen als politisches, argumentierendes Lebewesen dar. Letztendlich analysiert sie unter anderem, wie der Mensch in diesem politischen Raum handelt und zu welchem Zweck er dies tut oder eben tun sollte.

Gegenstand dieser Arbeit ist es zu analysieren, wie Arendt die Bedeutung des Handelns im Zusammenhang mit der Freiheit des Menschen sieht und wie diese letztendlich durch das Handeln erreicht werden kann. Dafür ist es zunächst wichtig, die menschlichen Grundbedingungen näher zu betrachten, um dem Handeln eine höhere Bedeutung zu geben. Als Nächstes wird die gesellschaftliche Struktur der antiken Polis dargelegt, in der Arendt die Antwort wiederfindet, wie der Mensch Freiheit erreichen kann. Dazu ist es wichtig, den privaten Bereich und den öffentlichen Raum zu verstehen, nur dann kann die Bedeutung des Menschen in diesem öffentlichen Raum klar werden und wieso es unumgänglich ist, den privaten Bereich zu achten. So erst wird deutlich, wie das Handeln eine politische Praxis ausführt und wie diese politische Praxis verloren gehen kann, wird nicht nach der Trennung dieser beiden Sphären gelebt. Das Beispiel der heutigen Gesellschaft wird dies als Darstellung bestärken und wird erläutert als der Zustand der Menschen, in dem das Handeln fehlt. So wird noch einmal bewusst, welche wesentliche Rolle das politische Handeln für den Menschen wirklich hat.

2. Die menschlichen Grundbedingungen

Die Leitfrage betrachtend ist es zunächst wichtig, den Begriff des Handelns nach Hannah Arendt zu definieren und wieso genau dieser unumgänglich für den Menschen selbst ist. Nur dadurch kann verstanden werden, dass es das Handeln ist, mit dem der Mensch seine Freiheit erreicht.

Hannah Arendt definiert drei menschliche Grundbedingungen: das Arbeiten als biologischer Prozess, um Arbeit zu erzeugen. Das Herstellen, mit denen die künstliche Welt von Dingen gemeint ist, welche lebendige Prozesse überdauern können, da sie von Menschen erzeugt werden. Und als letzten Punkt das Handeln, welche das direkte Abspielen zwischen Menschen meint1. Die Bedingtheit des menschlichen Lebens ergibt sich einerseits aus der Bezogenheit auf andere Menschen und anderseits aus den Beziehungen des Menschen zu den ihn umgebenen Dingen. Die jeweiligen Zusammenhänge entstehen durch das Tätigen der Menschen selbst.

„Jede menschliche Tätigkeit spielt in einer Umgebung von Dingen und Menschen; in ihr ist sie lokalisiert und ohne sie verlöre sie jeden Sinn“2.

Alles Tätigkeit des Menschen ist für Arendt durch die Tatsache der Existenz von Menschen im Plural bedingt, demnach bildet die Pluralität einen zentralen Bezugspunkt des menschlichen Lebens. Das Handeln stecke in allen menschlichen Tätigkeiten, dass heißt, sie kann ausgeübt werden von allen, die auf die Welt kommen. Hierbei spielt der Begriff der Natalität eine wichtige Rolle. Durch die Natalität, die Tatsache, dass immer wieder neue Menschen auf die Welt kommen durch die Geburt, können sie anfangen zu handeln3, denn der Mensch handele immer freiwillig4.

Zusammengefasst bedeutet dies für Arendt, dass das Arbeiten das Überlegen des Individuums sichert, das Herstellen eine künstliche Welt errichtet, dessen Produkte die Sterblichkeit überdauern und das Handeln eine Bedingung für die Kontinuität späterer Generationen schafft, welche der Gründung politischer Gemeinwesen dienen solle5. Vor allem sind diese menschlichen Tätigkeiten bedingt durch die Tatsache, dass Menschen zusammenleben. Außerhalb dieser Gemeinschaften könnte zwar das Grundbedürfnis der Arbeit existieren und der Mensch würde hierbei herstellen können, dies würde ihm aber gleichzeitig aber einen großen Teil der Menschlichkeit nehmen, weil er an einer Welt arbeitet, die unbewohnt ist. Dies würde an einen Gotteszustand erinnern6. Nur das Handeln könne außerhalb der Gesellschaft nicht existieren, denn „Handeln allein ist das Vorrecht des Menschen“7. Das menschliche Miteinander spielt in dieser Arbeit eine wichtige Rolle, da ohne sie die Freiheit des Menschen unmöglich zu erreichen wäre, da ohne eine Gesellschaft das Handeln wegfiele.

„Zum einen ist das Handeln allgemein derjenige Spezialfall der Kausalität, in dem ein Mensch die Ursache für etwas ist; zum anderen ist Handeln im besonderen die menschliche Tätigkeit, die dem Politischen entspricht und sich wesentlich zwischen Menschen abspielt“8

Die Gedanken des menschlichen Zusammenlebens existierten schon im griechischen Denken bei Platon und Aristoteles. Der Unterschied hierbei ist jedoch, dass das menschliche Zusammenleben keine Eigentümlichkeit des Menschen für sie war, sondern sogar das, was Mensch und Tier miteinander gemein haben. Sie dachten also, der Mensch lebe in einer Gemeinschaft, weil es notwendig sei9. Zur Veranschaulichung zieht Arendt hierbei das Beispiel einer idealisierten Polis herbei, wie von Aristoteles beschrieben, um den Begriff des Handelns näher zu erläutern. Für die besagte Philosophin entsteht hier gleichzeitig das Verständnis für Politik.

Das politische Handeln spielt eine wesentliche Rolle, da in ihr der Schlüssel zur Freiheit des Menschen gesehen werden kann. Inwiefern dies erfolgt, wird im Folgenden ermittelt am Beispiel der antiken Polis.

3. Die antike Polis

Die Griechen unterschieden zwischen den menschlichen Tätigkeiten zwei, die politischer Natur waren, nämlich das Handeln und Sprechen10. Das Denken entspringe aus dem Sprechen, jedoch waren als Handeln und Sprechen ebenbürtig angesehen, weil alles politische Handeln sich durch das Sprechen vollziehe. Stumm sei nur die Gewalt, denn nur dann berufe man sich nicht auf die zwei Tätigkeiten. In der Politik der Polis war dies insofern wichtig, weil dort alle Angelegenheiten mit Sprechen miteinander geregelt wurden, nicht mit Gewalt. Andere durch Gewalt zu zwingen waren nur üblich im Leben außerhalb der Polis11.

[...]


1 vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder vom tätigen Leben, München 2007, S. 17

2 ebd. S. 33

3 vgl. ebd. S. 18

4 vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik, Stuttgart 2006, S. 55

5 vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder vom tätigen Leben, München 2007, S. 18

6 vgl. ebd. S. 33

7 vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder vom tätigen Leben, München 2007, S. 33

8 Wagenknecht, Achim: Einführung in die politische Philosophie Hannah Arendts, Marburg 1995, S. 63

9 vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder vom tätigen Leben, München 2007, S.34

10 vgl. ebd. S. 25

11 vgl. Arendt, Hannah: Vita Activa oder vom tätigen Leben, München 2007, S. 37

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Hannah Arendts Vita Activa. Inwiefern kann das Handeln zur Freiheit des Menschen führen?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1138819
ISBN (eBook)
9783346510587
ISBN (Buch)
9783346510594
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hannah, arendts, vita, activa, inwiefern, handeln, freiheit, menschen
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Hannah Arendts Vita Activa. Inwiefern kann das Handeln zur Freiheit des Menschen führen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138819

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