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Die Rolle der Translation in Österreich-Ungarn um 1900. Zwischen Kulturförderung und Destabilisierung

Titel: Die Rolle der Translation in Österreich-Ungarn um 1900. Zwischen Kulturförderung und Destabilisierung

Bachelorarbeit , 2021 , 27 Seiten , Note: 1

Autor:in: BA Helena Fuxová (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Arbeit werden die Grundzüge einer Translationspolitik in der Habsburger Monarchie um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert skizziert und in einen geschichts-sozialen Kontext eingeordnet.

Der Fokus dieser Arbeit liegt daher auf der gesetzlichen Lage und den politischen Instrumenten der Monarchie (Kapitel 3), mit denen auf die dynamischen sozial-politischen Entwicklungen der einzelnen Nationen (Kapitel 2) reagiert wurde. Die Betrachtung erfolgt dabei mit Bezug auf die Sprachenfrage, die die Politik der letzten Jahrzehnte der Monarchie maßgeblich mitbestimmte und die somit für die Translationspolitik von Relevanz war. In dieser Arbeit geht es um die Fragen, inwieweit die gesetzlichen Regelungen und der Verwaltungsapparat die sprachlich und ethnisch heterogene kaiserliche und königliche Gesellschaft (k. und k. Gesellschaft) widerspiegelten und inwieweit sie sich auf die ambivalente Rolle der Translation auswirkten.

Die theoretische Arbeit stützt sich auf konkrete Beispiele und Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse in den Ländern der Böhmischen Krone, um auf diese Weise den Sachverhalten klare Konturen zu geben. Überdies sind diese Gebiete noch aus einem anderen Grund für die Arbeit relevant: Indem die tschechischen Politiker die Sprachenfrage zu ihrem Hauptthema um die Jahrhundertwende machten, wurde das Missverhältnis zwischen den durch die Verfassung garantierten Sprachenrechten und der realen Machtausübung sichtbar. Somit war die Frage nach der Anerkennung der Mehrsprachigkeit und der Multikulturalität in der Monarchie gestellt, die bis zu deren Ende unbeantwortet blieb. Ein Vergleich mit den aktuellen Zugängen zur Mehrsprachigkeit der demokratischen Staaten laut der Gliederung nach Reine Meylaerts (Kapitel 4.2.1) rundet diese Arbeit dann ab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Heterogene Zusammensetzung der k. und k. Gesellschaft

2.1 Gesellschaftlicher Wandel um 1900

2.2 Wien – Schmelztiegel der Nationen

2.3 Mehrsprachige Normalität der Monarchiebevölkerung

3. Zwei- und Mehrsprachigkeit auf institutioneller Ebene

3.1 Die Sprachenfrage

3.1.1 Rechtliche Ursachen für den Sprachenstreit

3.1.2 Tschechisch und Deutsch im Aushandlungsprozess

3.2 Sprache als politisches Instrument in statistischen Erhebungen

3.2.1 Verzerrung der Umfrageergebnissen

4. Zwitterbeschaffenheit der Translation

4.1 Habituelles Übersetzen mit Konstruktcharakter

4.1.1 Konstitutive Rolle der Literaturübersetzungen

4.2 Instrumentelles Übersetzen als Destabilisierungsmittel

4.2.1 Translationsregime nach Meylaerts

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Translationspolitik in der Habsburger Monarchie um die Jahrhundertwende und analysiert, inwieweit der Verwaltungsapparat sowie gesetzliche Regelungen die heterogene ethnische und sprachliche Struktur widerspiegelten und die Rolle der Translation beeinflussten.

  • Analyse des gesellschaftlichen Wandels und der Mehrsprachigkeit in der Habsburger Monarchie.
  • Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen der Sprachenfrage und ihrer Auswirkungen auf den Sprachenstreit.
  • Kritische Beleuchtung von statistischen Erhebungen als politisches Instrument zur Steuerung nationaler Identität.
  • Differenzierung zwischen habituellem und instrumentellem Übersetzen im Kontext der politischen Machtausübung.
  • Einordnung der historischen Translationspraxis anhand der Modelle von Reine Meylaerts.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Tschechisch und Deutsch im Aushandlungsprozess

In den vorherigen Kapiteln wurde aufgezeigt, dass die politische Landschaft der böhmischen Länder zersplittert und unübersichtlich war. Dasselbe galt auch für die soziale und sprachliche Landschaftskarte (siehe Anhang). Vor dem Hintergrund der stärker werdenden national zugespitzten Stimmen kam im Rahmen des Sprachenstreits wieder die Frage nach der im Grundgesetzbuch deklarierten Gleichstellung der landesüblichen Sprache auf. Zuerst hätte nämlich festgelegt werden müssen, wann und unter welchen Bedingungen es sich auf dem gegebenen Gebiet um eine landesübliche Sprache handelte, was nicht einfach festzustellen war.

Eine Volkszählung im Jahr 1846 ergab, dass der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung Böhmens an der Gesamtpopulation 37 % betrug, in Mähren waren es ca. 28 % und in Schlesien 44 %. Es wird geschätzt, dass im letzten Jahrzehnt der Monarchie um die 3,5 Millionen Deutsche in den Ländern der Böhmischen Krone lebten – ein Drittel der gesamten Bevölkerung (vgl. Gamillscheg 2003: 35f.). In der Realität gab es jedoch keine rein deutschen oder rein tschechischen Gebiete. Die Zusammensetzung der Bevölkerung war mehrschichtig, was den Weg zu einer nationalen Gesinnung erschwerte. Die Mehrheit der Bevölkerung ließ sich weder nach dem sprachlichen noch nach dem territorialen Prinzip abgrenzen, zumal die einzelnen Völker nicht in klar abgegrenzten Gebieten lebten, sondern vielerorts neben- und miteinander in gemischten Gemeinden. Auf diese Weise trafen die unterschiedlichen Kulturen täglich aufeinander und durch den ständigen Austausch kam es zu „Querbindungen, hybriden Interaktionen und Verflechtungen“ (Csáky 2010: 76). Als Beispiel für diese hybride Kultur kann der Kinderwechsel angeführt werden. Diese Praxis war in ländlichen Gebieten üblich, die sich in der Nähe eines Sprachgrenzraumes befanden. Familien schickten ihre Kinder für eine gewisse Zeit in befreundete anderssprachige Familien in benachbarten Gebieten (z. B. aus Südmähren nach Niederösterreich), damit diese dort die andere Sprache lernen konnten (vgl. Csáky 2010: 84f., zit. nach Fielhauer 1987: 132-165.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Umriss der Zielsetzung, die Translationspolitik in der Habsburger Monarchie im Kontext gesellschaftlicher Machtverhältnisse um 1900 zu untersuchen.

2. Heterogene Zusammensetzung der k. und k. Gesellschaft: Darstellung der sozialen und ethnischen Vielfalt sowie der Bedeutung von Mehrsprachigkeit im Alltagsleben der Monarchie.

3. Zwei- und Mehrsprachigkeit auf institutioneller Ebene: Analyse der rechtlichen Sprachenfrage und des Gebrauchs statistischer Erhebungen als Instrumente der politischen Einflussnahme.

4. Zwitterbeschaffenheit der Translation: Untersuchung der ambivalenten Rolle der Translation als kulturstiftendes Element versus Instrument der Destabilisierung.

5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Translationspraxis in einem heterogenen Staat, der die Herausforderung der Institutionalisierung von Mehrsprachigkeit nicht bewältigen konnte.

Schlüsselwörter

Habsburger Monarchie, Translation, Translationspolitik, Sprachenfrage, Nationalismus, Mehrsprachigkeit, Österreich-Ungarn, Sprachenstreit, Volkszählung, Assimilierung, k. und k. Gesellschaft, Instrumentelles Übersetzen, Habituelles Übersetzen, Sprachidentität, Diversität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ungleiche Translationspolitik in der Habsburger Monarchie um die Jahrhundertwende und deren Verknüpfung mit nationalen Identitätskonflikten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Heterogenität, der Sprachenfrage im Verwaltungs- und Schulwesen sowie der instrumentellen Nutzung von Sprache und Übersetzung in der Politik.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Es soll dargelegt werden, wie gesetzliche Regelungen die multiethnische Gesellschaft widerspiegelten und inwiefern Translation sowohl zur kulturellen Brückenbildung als auch zur politischen Destabilisierung beitrug.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch gestützte Analyse historischer Sachverhalte, unter Einbeziehung von Primär- und Sekundärquellen sowie der Translationsregime nach Reine Meylaerts.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des gesellschaftlichen Wandels, der rechtlichen Diskrepanzen in der Sprachenpolitik sowie eine Differenzierung zwischen habitueller und instrumenteller Translation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Habsburger Monarchie, Translationspolitik, Sprachenstreit, Mehrsprachigkeit und nationale Identitätsbildung.

Welche Bedeutung hatte die sogenannte „Badeni-Krise“ für die Sprachenfrage?

Die Badeni-Krise von 1897 war ein Wendepunkt, bei dem der Versuch scheiterte, die Gleichstellung des Tschechischen in der Verwaltung durchzusetzen, was zu verstärkten nationalen Spannungen führte.

Wie beeinflussten Volkszählungen die Darstellung der nationalen Identität in Wien?

Statistische Erhebungen wurden als politisches Instrument genutzt, um durch Assimilierungsdruck ein künstlich homogenes, deutschsprachiges Bild der Wiener Bevölkerung zu erzeugen.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Rolle der Translation in Österreich-Ungarn um 1900. Zwischen Kulturförderung und Destabilisierung
Hochschule
Universität Wien  (Zentrum für Translationswissenschaft)
Veranstaltung
SE Bachelorarbeit Transkulturelle Kommunikation
Note
1
Autor
BA Helena Fuxová (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
27
Katalognummer
V1138895
ISBN (eBook)
9783346514684
ISBN (Buch)
9783346514691
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Translation Österreich-Ungarn Mehrsprachigkeit Sprachenstreit Habituelles Übersetzen Instrumentelles Übersetzen Meylaerts Volkszählungen politisches Instrument
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
BA Helena Fuxová (Autor:in), 2021, Die Rolle der Translation in Österreich-Ungarn um 1900. Zwischen Kulturförderung und Destabilisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138895
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Leseprobe aus  27  Seiten
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