Unterrichtseinheit: Einführung in lyrische Texte - Dunkel wars, der Mond schien helle ...


Unterrichtsentwurf, 2002

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Thema der Unterrichtsreihe Einführung in lyrische Texte – Sprache und Humor

Ziele und Voraussetzungen der Unterrichtsreihe

Umfang und Sequenzen der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsstunde
Thema der Unterrichtsstunde
Einführung in lyrische Texte – „Dunkel war’s, der Mond schien helle...“
Stellung der Unterrichtsstunde im Rahmen der Reihe
Didaktische Analyse
Stundenkonzept und methodische Entscheidungen
Stundenziel und Teilziele

Anhang
Verlaufsskizze.
Mögliches Tafelbild.
Unterrichtstext – „Dunkel war’s der Mond schien helle...“
Hausaufgabentext – „Die kaiserliche Botschaft“

Weitere mögliche Texte der Unterrichtsreihe
Zweite Sequenz der Reihe
Dritte Sequenz der Reihe

Literatur

Thema der Unterrichtsreihe:
Einführung in lyrische Texte - Sprache und Humor

Humor ist Geschmackssache und hat viele Gesichter. Eines davon ist der Witz. Dieser gehört nach A. Jolles zu den „einfachen Formen“[1] - d. h. zu den Grundformen sprachlichen Gestaltens, die keinem historischen Wandel unterliegen. Es sind sprachliche Ereignisse, zu verorten in bestimmten Situationen und Lebensbereichen, „vorgegebene Gestalten, die sich, sozusagen ohne Zutun eines Dichters, in der Sprache selbst ereignen."[2]

Gerade der Witz als Grundform ermöglicht eine Kommunikationsebene, die den Austausch zwischen SuS und der/dem Lehrenden erleichtert, so kann den SuS der Weg geebnet werden, Texten auf einer ihnen vertrauten Gefühlsebene zu begegnen. Durch die Pointe wird plötzlich eine unerwartete Richtung eröffnet. Die bisher aufgebaute Spannung bzw. der erwartete Verlauf muss neu überdacht werden. Zwar ist mit der Pointe auch der Witz für immer verloschen, doch bleibt ein Gefühl zurück.

Genau an dieser Stelle kann ein Einstieg in lyrische Texte greifen. Bei dem Erzeugen von Spannung und Verwirrung im Sinne eines „alltäglichen“ Witzes und den in lyrischen Texten zu findenden Rhetorischen Figuren gibt es Überschneidungen. Es können „Lernprozesse in Gang gesetzt werden“ indem an „die Sprache, die den Kindern vertraut ist“[3] angeknüpft wird. Häufig wird die Spannung in einem Witz in einem unerwarteten Gegensatz aufgelöst - contradictio in adiecto. Das Oxymoron und das Paradoxon beschreiben genau diesen Vorgang. Metonymien laden geradezu zur Übertreibung oder Vereinfachung (Verballhornung) ein. Kombinationen verschiedener, unpassender Wörter, zusammengefügt zu einem neuen Sinn, können belustigen und verwirren. Und das können sie ebenfalls in Form der Metapher. Auch die Verbindung unterschiedlicher Wörter durch Reimschemata ermöglicht eine humorige Kombination. Nicht zu Letzt das von Heinz Erhardt so häufig eingesetzte Zeugma, lässt einen völlig neuen Blick auf das Gesagte und Gesprochene zu.

Genau dieser neue, andere Blick ist es, den ich mit dem Thema der Unterrichtsreihe "Sprache und Humor" anstrebe.

Ziele und Voraussetzungen der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe „Sprache und Humor“ soll bei den SuS der Jahrgangsstufe 5 in erster Linie Interesse und Verständnis für Lyrik wecken aber zugleich auch an die selbständige Analyse und Interpretation lyrischer Texte heranführen.

Da es sich um eine Einführung in die literarische Gattung „Lyrik“ handelt, werden keine methodischen Fertigkeiten bei den SuS vorausgesetzt. Die Schüler sollten Sprache aber bereits als variables Ausdrucks- und Gestaltungsmittel erfassen können. D.h. sie sollten, über den naiven Sprachgebrauch hinaus, zur Reflexion über Sprache fähig sein; Also, Sprache als variables Medium begreifen, mit dem sich ein und derselbe Sachverhalt unterschiedlich darstellen lässt.

Entsprechend ist zunächst das Interesse an der lyrischen Darstellungsform bzw. die Motivation zur Beschäftigung mit Lyrik zu wecken. Die terminologischen Grundkenntnisse sollen durch die Untersuchung erster Texte vermittelt werden. An zweiter Stelle steht die Anwendung der erlernten Termini auf einzelne lyrische Texte und das methodische Vorgehen bei ihrer Entschlüsselung.

Umfang und Sequenzen der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsreihe ist insgesamt auf etwa zwölf Stunden angelegt und wird in drei Sequenzen unterteilt. Die erste Sequenz soll vornehmlich dazu dienen, die SuS an Lyrik heranzuführen. Mit dem Thema „Sprache und Humor“ wird ein Zugang gewählt, der in erster Linie der Motivation der SuS dient. Ein solches Vorgehen ist durch den Lehrplan gedeckt, als wesentliche Ziele des Umgangs mit Texten werden dort „Leseförderung“ und „Lesevergnügen“ genannt[4]. Neben der Freude an den im Unterricht behandelten Texten, sollen die SuS wesentliche Grundbegriffe der Gedichtanalyse, wie z.B. Reim, Strophe, Vers, Reimschema kennen lernen.

„Erst nach und nach kann es darum gehen, bestimmte Strukturen und sprachliche Mittel zu erkennen und zu nutzen.“[5] Dies soll vor allem in der zweiten und dritten Sequenz der Unterrichtsreihe geschehen. In der zweiten Sequenz sollen die SuS – immer noch unter dem Oberthema „Sprache und Humor“ – z.B. das Verfahren des Gedichtvergleichs kennen lernen. Hierfür eignen sich z.B. „Der Fischer“ in den Fassungen von Goethe und Heinz Erhardt, sowie „Der Erlkönig“ von Goethe und „König Erl“ von Erhardt. Auf diese Gedichte können die SuS die Begriffe anwenden, die sie in der ersten Sequenz erworben haben. Diese Sequenz dient demnach der Festigung des erworbenen Wissens. Darüber hinaus kann der Versuch unternommen werden, über die Unterschiede in der Sprachverwendung und die daraus folgende unterschiedliche Wirkung der Gedichte zu sprechen.

Die dritte Sequenz der Unterrichtsreihe folgt vor allem der Forderung des Lehrplans, den SuS die Möglichkeit zu geben, bzw. ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, „mit Texten und Medien zu spielen und experimentieren, in Texte einzugreifen, Parallel- oder Gegentexte zu schreiben, Texte zu anderen Darstellungsformen umzugestalten, Textaussagen in eine andere mediale Form zu überführen [...]“[6]. Dies erscheint mir besonders gut möglich am Beispiel von sogenannten „Sprachspielen“. Unterrichtsgegenstand könnten hier z.B. „ottos mops“ von Jandl und „gittis hirsch“ von Gernhardt sein. Die SuS könnten dann zu vorgegebenen (z.B. in Anlehnung an Gernhardt „gudruns luchs“ etc.) oder eigenen Motiven weitere Paralleltexte schreiben. Nachdem in der ersten Sequenz der Reim als zentrales lyrisches Element behandelt worden ist und vor allem in der zweiten Sequenz erste Interpretations- und Analyseversuche unternommen worden sind, soll in der dritten Sequenz der erarbeitete Begriff von Lyrik erweitert werden. Dabei soll außerdem die Bedeutung des Reimes, der bei den SuS den Stellenwert eines für Lyrik definitiven Kriteriums hat, relativiert werden.

Speziell die dritte Sequenz der Unterrichtsreihe bietet vielfältige Möglichkeiten für das in den Richtlinien und Lehrplänen geforderte handlungs- und produktionsorientierte Vorgehen im Deutschunterricht, welches den SuS „besonders intensive Lernwege“[7], „selbstregulierende, sozial-interaktive und individuelle Tätigkeiten“[8] ermöglichen soll. Neben der selbständigen und selbstorganisierten Arbeit der SuS wird in den Richtlinien und Lehrplänen eindringlich auf die Bedeutung kooperativer Arbeitsformen speziell für den Deutschunterricht hingewiesen, da diese z.B. im Rahmen fester Tischgruppen die „sprachlichen mit den sozialen Kompetenzen“[9] verbinden. Die in der Unterrichtsreihe vorgesehenen Aufgaben, wie z.B. das Zusammensetzen eines Gedichtes aus Schnipseln, bieten die Möglichkeit, die geforderten Gruppenarbeitsphasen in den Unterricht einzubeziehen.

Die, in den Bereich des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts fallenden Aufgaben, wie das Schreiben von Parallel- und Gegentexten, die vor allem in der dritten Sequenz vorgesehen sind, dienen außerdem dem „Rechtschreib-Lernen“, „Schreibanlässe“ und das „eigene Schreiben“ ersetzen hier ein „isoliertes Rechtschreibtraining“[10].

[...]


[1] Vgl.: Belke, Horst: Einfache Formen. In: Arnold, H. L., Sinemus, v. (Hg.): Grundzüge der Literatur- und Sprachwissenschaft München 1973, S. 269 - 274.

[2] Ebd.: S. 269.

[3] Richtlinien und Lehrpläne NRW. Gesamtschule, Deutsch Sekundarstufe I, S. 27.

[4] Vgl. Richtlinien und Lehrpläne, S. 57.

[5] Ebd.

[6] Richtlinien und Lehrpläne, S. 43.

[7] Richtlinien und Lehrpläne, S. 31, 42.

[8] Richtlinien und Lehrpläne, S. 13f.

[9] Richtlinien und Lehrpläne, S. 49.

[10] Richtlinien und Lehrpläne, S. 39.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: Einführung in lyrische Texte - Dunkel wars, der Mond schien helle ...
Hochschule
Universität Bielefeld  (Linguistik und Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Lyrik im Deutschunterricht
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
15
Katalognummer
V11389
ISBN (eBook)
9783638175623
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lyrik, Deutschunterricht, Unterrichtsentwurf, Stundenplanung
Arbeit zitieren
Marius Diekmann (Autor), 2002, Unterrichtseinheit: Einführung in lyrische Texte - Dunkel wars, der Mond schien helle ..., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11389

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