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Der Epitaphios des Perikles - Eine Interpretation der Gefallenenrede von 431 v. Chr. (Thuk. II, 35-46)

Title: Der Epitaphios des Perikles - Eine Interpretation der Gefallenenrede von 431 v. Chr. (Thuk. II, 35-46)

Term Paper , 1997 , 16 Pages

Autor:in: Markus Horeld (Author)

World History - Early and Ancient History
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Einleitung

Athenische Reden hatten schon immer fasziniert. Nirgendwo sonst kann man in dieser Detailfülle Geschichtliches, Gesellschaftliches und Religiöses erfahren und gleichzeitig ist man selten der Verfälschung, Schönfärberei so stark ausgeliefert. Lange wußte man nicht recht, wie man mit einem Thukydides umzugehen hatte, der sich einerseits der Objektivität verp¤ichtet hatte, sie andererseits aber in dem Loblied des Perikles auf Athen, den Epitaphios von 431, zu vergessen schien. Eine so propagandistische Selbstbeweihräucherung
paßte nicht recht in das Bild von Thukydides. In dieser Arbeit soll es darum gehen, warum Thukydides Perikles diese Rede sprechen ließ, ja auch darum, warum Perikles in Thukydides Verständnis diese Rede halten mußte.
Es soll kurz die Motivation, die hinter den Epitaphien allgemein steckte, beleuchtet und erklärt werden. Die religiösen und politischen Beweggründe für die Notwendigkeit dieser Reden soll herausgestellt werden.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Epitaphien

2.1 Die „Tradition“ des Redens

2.2 Die Dreiteilung der Begräbniszeremonie

2.3 Ungewisse Ursprünge

2.4 Der „Standard“-Epitaphios

3 Der Epitaphios des Perikles

3.1 Zeit und Ort der Abfassung

3.2 Lob auf Athen

3.3 Kult und Rechtfertigung

3.4 Hymnus oder Belehrung?

4 Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gefallenenrede des Perikles bei Thukydides, um zu verstehen, welche politischen und rhetorischen Motive den Autor dazu bewegten, Perikles diese spezifische Rede halten zu lassen und welche Rolle sie im Kontext der athenischen Kriegspolitik spielt.

  • Tradition und Ritus der athenischen Epitaphien
  • Die politische Funktionalität der Rede in der athenischen Demokratie
  • Die Rolle von Thukydides als Historiker und die Objektivität der Redewiedergabe
  • Das Spannungsfeld zwischen Propaganda, Staatsideologie und Kriegspropaganda
  • Die historische Situation im Athen des Jahres 431 v. Chr.

Auszug aus dem Buch

2.4 Der „Standard“-Epitaphios

Epitaphien waren Festreden, und gerade darum vereinen sie – wie zu sehen sein wird – das Traditionsgut der Athener mit der politischen Selbstdarstellung ihres Staates und ihrer Demokratie. Mit der Zeit etablierte sich eine Art „Standard“-Epitaphios, der allein in der äußeren Form Variationen zuließ, inhaltlich aber stets derselbe war.

Am Beispiel von Platons Menexenos ist der Aufbau sehr gut zu erkennen: Im Prolog wird die Notwendigkeit der Rede, die Ehrung und das Gesetz unterstrichen, es folgt das Lob auf Attika, dann auf die Verfassung, schließlich auf der Kriegstaten der Vorfahren. Von den Kämpfen der mystischen Zeit über die Perserkriege bis hin zum Peloponnesischen Krieg und dem Bürgerkrieg von 404/403 spannt er den Bogen. Dann folgt die „Rede der Toten“, es werden darin die Kinder ermahnt, tugendvoll zu sein, die Eltern werden aufgefordert, Leid und Tod mit Würde zu tragen. Zum Ende betont der Redner, daß der Staat für die Hinterbliebenen sorgen würde.

Ihrer Autochtonie gelten viele Worte, sie, die schon immer hier gelebt hatten, sie sind Wohltäter der gesamten hellenischen Menschheit, Befreier und Helfer, Freund. In mystischer Zeit ermöglichten sie sogar die Gründung Spartas, da Athen Schutz vor Einfällen gab. Bis 480 wird alles weitere übersprungen, um sich ausführlich mit dem Lieblingsthema der Athener, den Perserkriegen, befassen zu können. Denn in deren Ausgang steckt das Selbstverständnis der Athener zur Hegemonie. Diese panhellenische Tönung ermöglicht Athen den späteren Peloponnesischen Krieg als hellenisch-nationales Unglück zu betrachten.

Die Vorgeschichte des Peloponnesischen Krieges wird stark verzerrt wiedergegeben, es werden Auslassungen und Verfälschungen vorgenommen, ganz so, wie es der Stimmung in Athen gerade zuträglich schien.

Der Epitaphios beinhaltet ganz klar das Element der Rechtfertigung. In ihm soll erklärt werden, warum Athen, bzw. dessen Strategen so handeln mußten, und vor allem für welche Sache die Soldaten gestorben waren. Die Ehrung der Toten bewegt sich gemeinhin in diesem Rahmen: ihr Tod war nicht sinnlos, ganz im Gegenteil ihre Taten sollen Vorbild für die Zuhörer sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Faszination und die Problematik athenischer Reden sowie das Ziel der Arbeit, Thukydides’ Beweggründe für die Wiedergabe der perikleischen Rede zu ergründen.

2 Epitaphien: Dieses Kapitel erläutert den Ritus der Gefallenenreden, ihre Entstehung und die Ausbildung eines inhaltlichen Standards, der die politische Identität Athens stärken sollte.

3 Der Epitaphios des Perikles: Dieser Abschnitt analysiert den historischen Kontext, die zeitliche Einordnung der Abfassung durch Thukydides und die Funktion der Rede als Propagandainstrument in einer innenpolitisch angespannten Zeit.

4 Schluß: Das Schlusskapitel fasst zusammen, dass die Rede ein Lehrstück thukydideischer Moral ist und als Plattform diente, um die perikleische Politik angesichts der Kriegssituation zu rechtfertigen.

Schlüsselwörter

Epitaphios, Thukydides, Perikles, Athen, Gefallenenrede, Peloponnesischer Krieg, Demokratie, Propaganda, Staatsbegräbnis, Polis, athenische Politik, Rhetorik, Kriegstaktik, Selbstverständnis, Kerameikos

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung und die politische Funktion des berühmten Epitaphios des Perikles, wie er vom Historiker Thukydides überliefert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die athenische Begräbniskultur, die Bedeutung von öffentlicher Rede in der Demokratie, die Rolle von Thukydides als Historiker sowie das Verhältnis zwischen politischen Zielen und propagandistischer Selbstdarstellung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, warum Thukydides Perikles diese spezifische Rede halten ließ und welche strategische Notwendigkeit Perikles im Kontext des Peloponnesischen Krieges dazu bewegte, diese Plattform zu nutzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die philologische Textbetrachtung (Quellenkritik) mit politikgeschichtlicher Kontextualisierung verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der allgemeinen Tradition der Epitaphien, die Analyse des perikleischen Epitaphios bezüglich Zeit und Ort der Abfassung, die Themen des Lobes auf Athen, die Aspekte der Rechtfertigung der Kriegspolitik sowie die kritische Reflexion des Textes als Hymnus oder Belehrung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Epitaphios, Thukydides, Perikles, athenische Demokratie, Staatsbegräbnis und politische Propaganda.

Warum ist die Rede des Perikles laut Arbeit kein historisches Protokoll?

Da Thukydides die Rede verfasst hat, um die politische Stimmung und die inhaltlichen Ziele der Zeit zu erfassen, wird davon ausgegangen, dass die Rede eine künstlerische Gestaltung darstellt und keine wörtliche Aufzeichnung einer real gehaltenen Rede ist.

Welchen Einfluss hatte der innenpolitische Druck auf den Inhalt der Rede?

Perikles stand durch die defensiven Kriegstaktiken und die Opposition (etwa durch Kleon) unter großem Druck. Die Rede sollte den Demos wieder an die demokratischen Prinzipien und den Staat binden, um die Unterstützung für die Kriegspolitik zu sichern.

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Details

Title
Der Epitaphios des Perikles - Eine Interpretation der Gefallenenrede von 431 v. Chr. (Thuk. II, 35-46)
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Geschichte)
Course
GK Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Athens
Author
Markus Horeld (Author)
Publication Year
1997
Pages
16
Catalog Number
V1138
ISBN (eBook)
9783638107112
Language
German
Tags
Epitaphios Perikles Eine Interpretation Gefallenenrede Sozial- Wirtschaftsgeschichte Athens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Horeld (Author), 1997, Der Epitaphios des Perikles - Eine Interpretation der Gefallenenrede von 431 v. Chr. (Thuk. II, 35-46), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138
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