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Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“. Die Neutralität im Obszönen am Beispiel von Thomas Ruffs Bilderserie Nudes

Titel: Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“. Die Neutralität im Obszönen am Beispiel von Thomas Ruffs Bilderserie Nudes

Essay , 2020 , 9 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Sarah Leifheit (Autor:in)

Kunst - Fotografie und Film
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Inwiefern können Thomas Ruffs Fotografien als Denkfiguren für Objektivität, Anti-Kommunikation und kulturelle (Medien-)Ängste gelten? Dieses Essay liefert einen knackigen Überblick der "Neuen Ästhetik", kulturelle "Medienängste" sowie Objektivität mit Bezug zur kritischen Anti-Kommunikation aktueller Fotokünstler als Diskurs. Mit welcher Technik es beispielsweise Thomas Ruff mit nudes geglückt ist, die Obszönität zu neutralisieren, wird im Folgenden ebenso Thema sein, wie die Denkfiguren, die seine Werke erschaffen. Verschwommene, bizarre Bildnisse, die an freudsche Trieb-Träume grenzen und einen Zauber erzeugen, der einlädt hinzuschauen und einzutauchen, in eine nahe und ebenso ferne Welt der heimlicher, visueller Gelüste.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“

2. Neue Ästhetik

3. Kulturelle (Medien-)Ängste

4. Objektivität

5. Anti-Kommunikation

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Bilderserie Nudes des Fotografen Thomas Ruff unter besonderer Berücksichtigung der Ästhetisierung von Bildstörungen und deren Wirkung auf den Betrachter. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Ruffs computergestützte Manipulation von pornografischem Bildmaterial als Reflexion über Objektivität, visuelle Konventionen und mediale Ängste in der zeitgenössischen Fotografie verstanden werden kann.

  • Analyse der Glitch-Ästhetik als künstlerisches Mittel zur Entschärfung von Obszönität.
  • Untersuchung der technischen Bildbearbeitung und deren Einfluss auf die Wahrnehmung des Inhalts.
  • Einordnung von Thomas Ruffs Arbeit in den Kontext der Düsseldorfer Photoschule.
  • Diskussion über das Verhältnis von Wirklichkeitserfassung, technischer Kompression und Bedeutung.
  • Betrachtung der Rolle des Künstlers bei der Verwendung vorgefertigten, nicht-künstlerischen Bildmaterials.

Auszug aus dem Buch

Neue Ästhetik

Bevor Thomas Ruff seine Bilder am Computer manipulierte, galt er als ein scharfer und konzentrierter Beobachter, der seine Motive mit einem chirurgischen, quasi hyperpräzisen Blick wiedergibt. Wirklichkeitserfassung empfindet er dabei nicht als neutralen Vorgang, sondern sie wird mit jeder Aufnahme von ihm aufs Neue befragt. Den roten Faden seiner Werke bilden das scheinbare Gegensatzpaar von Oberfläche und Tiefe und dessen variantenreiche Ausformungen. Doch statt des dokumentarischen Ansatzes – wie es ihn die Düsseldorfer Photoschule einst lehrte – möchte Ruff in diesem Werk keine Botschaften verbreiten. Im Gegenteil: Er sorgt für Irritation, weil er eine Separation zwischen den bildlichen Vorlagen und die damit vermeintlich verbundenen Botschaften vornimmt. Warum hat Ruff sich ausgerechnet für Pornobilder aus dem weltweiten Netz interessiert? Weil ihm die Bilder in niedriger Auflösung und mit sichtbaren Pixeln authentischer als künstlerische Aktfotografien erschienen. Ruff befasste sich dabei mit einer anderen Art von sexuellem Sensationshunger, der in den Strom der virtuellen Bilder eintaucht, die im Internet kursieren. Er will das Dogma der fotografischen Präzision infrage stellen, die er als Hauptverantwortliche für die Obszönität dieser Bilder ausmachte.

Für Nudes manipuliert Thomas Ruff das blanke Entgegenstarren: Bilder von kopulierenden Paaren, Brüsten, geöffneten Schenkeln und erigierten Gliedern - die es bei Ruff allerdings nur noch zu erahnen gilt. Kritiker fragen zynisch: Ist das Raubkopie oder Zauberkunst? Ruff interessiert die Meinung der Zweifler wenig. Sein Ziel ist es, diese entgeisterten Bilder annehmbarer zu machen. Dafür nutzt er eine besondere Technik. Er maximiert die Größe eines bereits sehr niedrig aufgelösten Internetbildes und transformiert die Download-Datei bis zu einem Punkt, wo die Pixel-Struktur und der repräsentierte Inhalt mehrdeutig werden. Außerdem gebraucht er softwarebasierte Verzerrungseffekte und modifizierte Farben, um - wie er sagt - „die aufdringlichen Details” herauszunehmen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“: Einleitende Vorstellung des Künstlers Thomas Ruff, seines künstlerischen Werdegangs und der Entstehung der Serie Nudes durch die digitale Bearbeitung von Internetbildern.

2. Neue Ästhetik: Untersuchung von Ruffs Abkehr vom dokumentarischen Ansatz hin zur Manipulation, um durch das bewusste Erzeugen von Bildrauschen eine neue, künstlerische Wahrnehmung zu schaffen.

3. Kulturelle (Medien-)Ängste: Analyse des Verzichts auf klassische visuelle Normen und die Rolle von Bildstörungen im Kontext von medialer Wegwerfkultur und Informationskompression.

4. Objektivität: Diskussion der künstlerischen Strategie, hinter dem Werk zurückzutreten und durch Unschärfe die Grenze zwischen pornografischer Vorlage und abstrakter Kunst zu verwischen.

5. Anti-Kommunikation: Erörterung von Ruffs Verweigerung narrativer Strukturen und Symbole sowie die Einordnung seines Ansatzes in den Kontext der "Neuen-Fotografie-Bewegung".

Schlüsselwörter

Thomas Ruff, Nudes, Fotografie, Glitch-Ästhetik, Bildrauschen, Digitale Bildbearbeitung, Medienarchäologie, Objektivität, Neue Fotografie, Pornografie, Künstliche Distanz, Bildkompression, Zeitgenössische Kunst, Düsseldorfer Photoschule, Wahrnehmungstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die fotografische Serie Nudes von Thomas Ruff und untersucht, wie der Künstler durch digitale Manipulation und ästhetische Störungen pornografisches Ausgangsmaterial neutralisiert und in den Kontext zeitgenössischer Kunst überführt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Glitch-Ästhetik, das Verhältnis von technischer Bildproduktion zur künstlerischen Intention, die Rolle von Bildrauschen und die kritische Auseinandersetzung mit medialen Konventionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu ergründen, mit welcher Technik und auf Basis welcher Denkfiguren es Ruff gelingt, die ursprüngliche Obszönität der Bilder zu neutralisieren und diese als Denkfiguren für kulturelle Ängste zu etablieren.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine kunstwissenschaftliche Analyse, die den Werkkontext von Thomas Ruff mit medienarchäologischen Theorien (insbesondere zur Kompression) und ästhetischen Diskursen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der neuen Ästhetik, die Auseinandersetzung mit dem Glitch-Phänomen, die Dekonstruktion von Objektivitätsansprüchen in der Fotografie sowie die Analyse der bewussten Verweigerung von Kommunikation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den prägenden Begriffen zählen Thomas Ruff, Nudes, Glitch-Ästhetik, Bildrauschen, mediale Kompression, Objektivität und die Transformation von Internetbildern in den Kunstkontext.

Inwieweit spielt die Düsseldorfer Photoschule für das Verständnis von Ruffs Werk eine Rolle?

Ruff wird als Schüler der Becher-Klasse eingeführt, distanziert sich jedoch in der Serie Nudes bewusst von deren strengem dokumentarischen Ansatz, um stattdessen Irritation und eine "Anti-Kommunikation" zu forcieren.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von Pornografie in Ruffs Arbeit?

Der Autor interpretiert die Verwendung von Pornobildern als notwendiges, aber durch Ruffs Manipulation entfremdetes Material, das primär dazu dient, die Grenzen der Wahrnehmung zu testen und das "Dogma der fotografischen Präzision" zu unterwandern.

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Details

Titel
Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“. Die Neutralität im Obszönen am Beispiel von Thomas Ruffs Bilderserie Nudes
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Sprache und Kommunikation)
Veranstaltung
Web Science
Note
1,3
Autor
Sarah Leifheit (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1139196
ISBN (eBook)
9783346512734
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Persönlichkeit Fotografie jpeg Digitalisierung Web Science Web Medien Medientheorie Medienwissenschaft Fotograf Düsseldorfer Fotoschule Fotodiskurs Essay Medienessay vibe glitch Aktfotos nudes nacktheit thomasruff ruff
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Leifheit (Autor:in), 2020, Wenn die Persönlichkeit „entglitcht“. Die Neutralität im Obszönen am Beispiel von Thomas Ruffs Bilderserie Nudes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139196
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Leseprobe aus  9  Seiten
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