Das „Boston Massaker". Eine angemessene Bezeichnung für die Geschehnisse vom 5. März 1770?


Essay, 2021

8 Seiten

Anonym


Leseprobe

Das Massaker von Boston bzw. das „Boston Massacre“ am Abend vom 5. März 1770 war ein Ereignis in der Nordamerikanischen Stadt Boston während der Amerikanischen Revolution. Amerika war in viele Kolonien aufgeteilt, die unterschiedlichen Ländern gehörten. Besonders viel vertreten waren Großbritannien und Frankreich. Nach dem siebenjährigen Krieg um die Kolonien, in dem England gewonnen hatte, mussten die Briten ihre Kriegsschulden ausgleichen. Um das Geld zu bekommen fingen sie 1763 an, in den amerikanischen Kolonien sämtliche Steuern einzuführen. Ein Beispiel hierfür ist die Stempelakte vom damaligen Premierminister Grenville, die großen Widerstand der Kolonien mit sich brachte. Das war eine Gebühr für Urkunden, Zeitungen und alle anderen Schriftstücke. 1766 musste sie infolge des großen Widerstands zurückgenommen werden. Die sog. „Townshend Acts“ wurden 1767 vom Britischen Parlament beschlossen. Es handelte sich um Gesetze, mit denen Zölle für die Einfuhr verschiedener Güter und Alltagswaren aus Großbritannien in die Kolonien erhoben wurden. Die besteuerten Güter waren hauptsächlich Alltagsgegenstände wie Glas, Leder, Papier oder Tee. Die Zollzentrale war in der Stadt Boston. Um Aufstände und Unruhen zu verhindern, wurden britische Regimenter in die Stadt verlegt. Am 5. März 1770 kam es zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den britischen Soldaten und den Kolonisten. Es starben dabei fünf Zivilisten.

Diese Geschehnisse werden oft als das „Massaker von Boston“ bezeichnet. Doch war es wirklich ein Massaker? Was ist genau passiert? Inwiefern kann man die Ereignisse als ein Massaker bezeichnen?

Zunächst einmal muss man sich klarmachen, was ein Massaker überhaupt ist. Ein Massaker ist ein Massenmord oder ein Blutbad von unschuldigen Menschen, welches aus Hass, Neid oder Rache geschieht. Das Wort kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt „Schlachthaus“. Massaker werden außerdem von Soldaten bzw. militärischen Kräften unabhängig vom Krieg an Zivilisten verübt und haben die Funktion, Terror und Schrecken zu verbreiten. Eine weitere Funktion kann auch eine Bestrafung für etwas sein. Die Menschen, die diese Morde ausüben, erwarten eine Straflosigkeit und Konsequenzlosigkeit ihrer Taten. Ein Beispiel für ein Massaker ist eine Niederschlagung einer Demonstration oder eines Aufstandes, gewalttätige Durchsetzungen von etwas oder Morde aus Hass gegenüber einer bestimmten Gruppe. Ein Massaker ist immer sehr brutal und oft mit Folter verbunden. Weitere Synonyme sind Völkermord, Menschenrechtsverletzung und Massenmord.

Doch was ist genau am 5. März 1770 passiert und was waren die genauen Ursachen dafür?

Nachdem die Kolonien britische Waren boykottiert hatten und gegen die vielen Steuer protestiert haben, mussten die Engländer ihre Steuereinnahmen verringern. Doch es musste gezeigt werden, dass die Kolonien immer noch unter der Macht der britischen Krone standen und keine Mitentscheidungsrechte hatten. Die Wiedereinführung der Steuern 1766 (Deklarationsgesetz) und 1767 (Townshend Acts) waren ein Zeichen der Autorität und der politischen Macht: England wollte die Macht in den Kolonien nicht aufgeben. Die Kolonisten waren schon allgemein gegen jede Steuerart oder Gesetze der Briten feindlich gestimmt. Sie sahen alles Neue als „Einmischung“ und haben protestiert. Die politischen Gremien in den Kolonien setzten sich mit den Steuergesetzen auseinander. Darunter waren zum Beispiel Benjamin Franklin, James Otis und Thomas Jefferson, die eine zentrale Rolle für den weiteren Verlauf der Revolution spielten. Die amerikanischen Kolonien begannen sich durch die gemeinsame Ablehnung gegen die englischen Gesetze zusammenzuschließen und die Feindlichkeit gegenüber Großbritannien wurde schnell immer größer. Die sog. „Sons of Liberty“, Söhne der Freiheit, welche schon gegen die Stempelakte kämpften, wuchsen immer mehr zu einer einflussreichen und radikalen Organisation, die gegen jede Art der britischen Kolonialverwaltung demonstrierte [6]1. Sie verfolgten das Prinzip „no taxation without representation“ (keine Steuern ohne Vertretung im Parlament). Die Kolonien waren nämlich nicht im britischen Parlament vertreten [1]2. Berühmte Mitglieder waren zum Beispiel John und Samuel Adams. Unter anderem organisierten sie den Boykott der britischen Importe. John Hancock, ein weiteres Mitglied der „Sons of Liberty“, wurde von den britischen Zollbeamten deswegen konfrontiert und sein Schiff „Liberty“ wurde beschlagnahmt. Die britischen Soldaten haben nur nach einem Grund gesucht, ihn zu verhaften [7]3. Zahlreiche, sich steigernde Straßenproteste bewegten die Zollbehörde in Boston dazu, das britische Parlament zu benachrichtigen und Regimente, unter anderem das „29th Regiment of Foot“, 1768 in die Stadt zu schicken, um weitere große Proteste zu verhindern und für Ordnung zu sorgen. Die Soldaten waren aber eine Provokation für die Bostoner Bevölkerung. Sie beschlagnahmten öffentliche Gebäude und zerstörten Freiheitsbäume, die von den Bewohnern als Zeichen des Protests gepflanzt wurden [2]4.

Die Historikerin Charlotte A. Lerg schreibt in ihrem Buch „Die Amerikanische Revolution“ über die Regimenter und wie die Bevölkerung darauf reagierte. Das Eintreffen von rund 2000 Soldaten heizte die Stimmung seit 1768 immer weiter an und die Wut und die Proteste stiegen in der Stadt. Viele Einwohner Bostons hatten wegen der Soldaten das Gefühl in einer besetzten Stadt zu leben.

Außerhalb ihrer Dienstzeiten versuchten die Soldaten zusätzlich Geld zu verdienen, zum Beispiel als Hafenarbeiter. Auch ohne die Soldaten war es für die Bürger wegen des Boykotts schwierig eine Arbeit zu finden, es gab einen ausgedünnten Arbeitsmarkt. Die Regimenter drückten die Löhne, erhöhten den Konkurrenzdruck und nahmen der Bevölkerung die Arbeitsplätze weg. Stadtbewohner und Soldaten wurden immer mehr zu Feinden und der Konflikt spitzte sich immer weiter zu. Im Laufe des Jahres 1769 kam es häufiger zu Schlägereien und Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen. In der Quelle wird neutral und allgemein über diese Zuspitzung berichtet. Im Buch werden die „Sons of Liberty“ außerdem als ziemlich radikal beschrieben. Die Organisation der „Sons of Liberty“ wurde immer weniger überschaubar und kontrollierbar. Die Gruppenmitglieder wurden gewalttätig, aggressiv und radikal. Es kam zu Übergriffen, Gewaltaktionen und brutalen Beschlagnahmungen bzw. Zerstörungen von Eigentümern. Das alles fand gegen die Feinde der Organisation statt. Die Regimenter waren dazu da, diese Radikalisierung zu stoppen [5]5.

Der US- amerikanische Zeitungsverleger John Holt veröffentlicht eine Woche nach den Geschehnissen einen Bericht in der Zeitung. Die Regimenter wurden in „Friedenszeiten“ eingesetzt und unterdrückten den Freiheitsgeist der Bevölkerung. Außerdem versetzten sie die Stadt in Schrecken und griffen regelmäßig die Zivilisten an. Sie beschuldigten zusätzlich die Städter, einen Sergeant ermordet zu haben, während dieser in einem „Freudenhaus“ unverletzt später vorgefunden wurde.

Eine Gruppe von Soldaten hat am helllichten Tag eine geladene Muskete auf die Einwohner abgefeuert und den Magistrat angegriffen [3]6. In dieser Quelle ist deutlich, dass sie gegen die Briten gerichtet ist und der Verfasser auf der Seite der „unschuldigen“ und „friedlichen“ Kolonien ist.

Das eigentliche „Massacre“ begann am Montag- Abend, dem 5. März. Mehrere Soldaten des „29th Regiment of Foot“ gingen durch die Straßen Bostons, beschimpften die Zivilisten und verwundeten sie mit Messern. Vier Jugendliche namens Edward Archbald, William Merchant, Francis Archbald und John Leech trennten sich an der Ecke „Doctor Loring's“, zwei von ihnen kamen in eine schmale Gasse, die zu einer Baracke führte. Dort war ein Soldat, bewaffnet mit einem Schwert, mit dem er gegen die Wände schwang und Feuer schlug, und eine andere Person mit einer Keule. Als sich die beiden jungen Männer Edward Archbald und William Merchant vor den Waffen schützen wollten, wurde auf sie von den Soldaten zugeschlagen. Zur Hilfe kam ein junger Bursche John Hix,

[...]


1 Möller, Silke: Kursheft Geschichte. Die Amerikanische Revolution, Berlin 2019, S. 38.

2 Dorfman JG: The Founder's legal case „no taxation without representation“ versus Taxation no Tyranny, S. 1396­1400.

3 York, Neil L: The Boston Massacre, a history with documents, 2010, Boston As Focal Point.

4 Everard, Major H: Farringtons Regiment, History, the 29th Worcestershire Foot 1694 to 1891, 1891, S. 58.

5 Lerg, Charlotte A: Die Amerikanische Revolution, Tübingen 2010, S.23-27.

6 Holt, John: An account of a late military massacre at Boston, or the consequences of quartering troops in a populous town, March 12, 1770, New York, 1770.

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Details

Titel
Das „Boston Massaker". Eine angemessene Bezeichnung für die Geschehnisse vom 5. März 1770?
Jahr
2021
Seiten
8
Katalognummer
V1139211
ISBN (eBook)
9783346512680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
boston, massaker, eine, bezeichnung, geschehnisse, märz
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Das „Boston Massaker". Eine angemessene Bezeichnung für die Geschehnisse vom 5. März 1770?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139211

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