Stress am Arbeitsplatz. Begünstigende Faktoren durch ständige Erreichbarkeit


Essay, 2021

17 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2 Was ist ständige Erreichbarkeit?
2.1 Wie wird ständige Erreichbarkeit definiert?
2.1.1 Ständige Erreichbarkeit nach Strobel
2.1.2 Ständige Erreichbarkeit nach Pangert et al.
2.2 Wie entsteht ständige Erreichbarkeit?
2.3 Bedeutung von ständiger Erreichbarkeit im Rahmen der Arbeit

3 Was ist Stress?
3.1 Wie wird Stress definiert?
3.2 Wie entsteht Stress?
3.2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Modell nach Rohmert und Rutenfranz
3.2.2 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus und Folkman
3.3 Bedeutung von Stress im Rahmen der Arbeit

4 Ständige Erreichbarkeit und psychische Beanspruchung 6
4.1 Zusammenhang nach der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga)
4.1.1 iga.Report 23 von Strobel
4.1.2 iga.Report 27 von Hessenmöller et al.
4.2 Zusammenhang nach der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Formen erweiterter Erreichbarkeit (Pangert et al., 2016, S. 9)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Megatrends wie New Work und Konnektivität brechen starre Arbeitsstrukturen auf (Zukunftsinstitut GmbH, 2018). Das Prinzip der Vernetzung dominiert den gesellschaftlichen Wandel und lässt neue Verhaltensmuster entstehen. In Verbindung mit New Work weichen streng regulierte Arbeitsbedingungen, flexiblen Arbeitsformen.

1.1 Problemstellung

Theorien wie die Boundary- (Ashforth et al., 2000) und Border- (Clark, 2000) Theorie nehmen an, dass unterschiedliche Lebensbereiche durch zeitliche, räumliche und psychologische Grenzen getrennt sind. Moderne Kommunikationstechnologien ermöglichen jedoch die zunehmende Erreichbarkeit von Beschäftigten in Arbeitsbelangen außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten (Menz et al, 2016). Rund ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland berichten, in der Freizeit in arbeitsbezogenen Belangen kontaktiert zu werden. Von einem Viertel wird erwartet, auch im Privatleben für arbeitsbezogene Belangen erreichbar zu sein (BAuA, 2016; DAK, 2017). Bereits 2011 bestätigen rund 40 % der Beschäftigten, dass sie zwischen Privatleben und Arbeit keine Grenze mehr sehen (BITKOM).

Die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben erzielt durch das Entgrenzungsphänomen der ständigen Erreichbarkeit eine starke Medienpräsenz. Mittlerweile existieren Studien, die mögliche Auswirkungen der ständigen Erreichbarkeit in Arbeitsbelangen untersucht haben. Diese Arbeit greift die Untersuchungsergebnisse auf. Der Fokus liegt dabei auf dem möglichen Stressempfinden, das durch die Erreichbarkeit hervorgerufen wird. Die zu beantwortende Frage lautet: Inwiefern begünstigt die ständige Erreichbarkeit am Arbeitsplatz das Auftreten von Stress?

1.2 Vorgehensweise

Im Hauptteil dieses Essays werden zunächst die Begriffe „ständige Erreichbarkeit“ (Kap. 2) und „Stress“ (Kap. 3) näher erläutert. Anschließend werden in Kapitel 4 anhand bisheriger Forschungsergebnisse mögliche Zusammenhänge zwischen ständiger Erreichbarkeit am Arbeitsplatz und dem Auftreten von Stress aufgezeigt. Das Essay schließt mit einem Fazit zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragestellung ab (Kap. 5).

2 Was ist ständige Erreichbarkeit?

Erreichbar zu sein bedeutet, zeitlich und räumlich zugänglich zu sein und auf die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu reagieren (Bergmann et al., 2007). Erreichbarkeit besteht in allen Lebensbereichen. Diese Arbeit thematisiert die arbeitsbezogene Erreichbarkeit von Beschäftigen in ihrer Freizeit. Diese wird oftmals als ständige Erreichbarkeit bezeichnet und führt zu einer Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben.

2.1 Wie wird ständige Erreichbarkeit definiert?

Bisher besteht keine einheitliche, wissenschaftliche Definition von ständiger Erreichbarkeit im Arbeitskontext. In diesem Kapitel erfolgt daher zunächst eine definitorische Einordnung des bislang noch recht unspezifischen Begriffs.

2.1.1 Ständige Erreichbarkeit nach Strobel

Strobel (2013) bezeichnet ständige Erreichbarkeit als „weitestgehend unregulierte Form einer erweiterten Verfügbarkeit für dienstliche Belange außerhalb der regulären Arbeitszeiten“ (S. 8). Er stützt sich dabei auf Ausarbeitungen zur Rufbereitschaft, die als regulierte Verfügbarkeit für die Erwerbsarbeit definiert wird (Dettmers et al., 2014). In Abgrenzung zur Rufbereitschaft handle es sich bei ständiger Erreichbarkeit jedoch um eine unregulierte Form der Verfügbarkeit. Zudem wird deutlich, dass die Erreichbarkeit nicht permanent gegeben sein muss, wie der Begriff „ständig“ suggeriert. Strobel spricht daher statt von ständiger Erreichbarkeit von erweiterter Verfügbarkeit.

2.1.2 Ständige Erreichbarkeit nach Pangert et al.

In Anlehnung an Strobel verstehen Pangert et al. (2016) ständige Erreichbarkeit als Verfügbarkeit, die über die Grenze eines Lebensbereiches hinaus geht. Sie sprechen daher von erweiterter Erreichbarkeit und unterscheiden zwischen arbeitsbezogener und privater erweiterter Erreichbarkeit. Als Aspekte arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit führen sie die Verfügbarkeit von Beschäftigten für Arbeitsbelange und die Verfügbarkeit von Arbeitsbelangen für Beschäftigte an. Handelt es sich um keine vertraglich festgelegte Verfügbarkeit, wird diese als unreguliert klassifiziert. Die nachstehende Abbildung 1 veranschaulicht die verschiedenen Formen der erweiterten Erreichbarkeit nach Pangert et al.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Formen erweiterter Erreichbarkeit (Pangert et al., 2016, S. 9).

2.2 Wie entsteht ständige Erreichbarkeit?

Die Ausstattung mit technischen Geräten wie Smartphones, ermöglicht neben der Arbeit an einem festgelegten, stationären Arbeitsplatz zunehmend auch mobiles, orts- und zeitunabhängiges Arbeiten. Forschungen zeigen jedoch, dass auch im Unternehmen festgelegte Normen die Erreichbarkeit von Beschäftigten beeinflussen. Haben Beschäftigte den Eindruck, dass technikgestützte Überstunden oder eine Erreichbarkeit erwartet wird, arbeiten sie häufiger nach der eigentlichen Arbeitszeit von Zuhause aus weiter (Adkins et al, 2014; Barber et al., 2015). Auch eine hohe Arbeitsmenge und der Antrieb, Anerkennung durch Vorgesetzte zu erhalten, fördern die Erreichbarkeit und Arbeit im Privatleben (Glavin et al., 2012; Ohly et al, 2014).

2.3 Bedeutung von ständiger Erreichbarkeit im Rahmen der Arbeit

In dieser Arbeit wird der Definition von Pangert et al. gefolgt, da diese den Ansatz Strobels aufgreift, ohne sich auf zeitliche Grenzen festzulegen. Ständige Erreichbarkeit wird demnach im Sinne einer unregulierten, arbeitsbezogenen erweiterten Erreichbarkeit von Beschäftigten verstanden, die sich über die Arbeitsdomäne hinaus auf andere Lebensbereiche erstreckt. In dieser Ausarbeitung wird dabei neben der vollzogenen Kontaktierung von Beschäftigten auch die erwartete Erreichbarkeit einbezogen, da bereits diese die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben beeinflusst.

3 Was ist Stress?

Für die Bedeutung und Entstehung von Stress existieren in der Psychologie verschiedene Definitions- und Erklärungsansätze. Nachfolgend werden daher zunächst der Stressbegriff näher bestimmt und ausgewählte Stresstheorien dargelegt. Abschließend wird die Bedeutung des Stressbegriffs im Rahmen dieser Arbeit eingeordnet.

3.1 Wie wird Stress definiert?

Eine überdauernde Definition des Stressphänomens wird durch den Einfluss gegenwärtiger wissenschaftlicher Erkenntnisse verschiedener Disziplinen sowie den umgangssprachlichen Gebrauch erschwert. So beschreiben zahlreiche Stresstheorien das Stressphänomen aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Begriffen.

Nach Bartholdt et al. (2010) beschreibt Stress als wissenschaftlicher Oberbegriff den gesamten Prozess vom Eintreten eines potenziell stressauslösenden Ereignisses bis zu den Stressauswirkungen. Diese Definition betrachtet das Stresserleben wertneutral. Auch Selye (1956) unterscheidet nach positivem Stress („Eustress“) und negativem Stress („Distress“). Umgangssprachlich wird der Stressbegriff jedoch eher zur Bezeichnung einer Überlastung verwendet und mit einem negativen oder bedrohten Wohlbefinden assoziiert (Reif et al., 2018). Auch einige bekannte Stresstheorien postulieren ausschließlich die negative Konnotation des Stressbegriffs.

3.2 Wie entsteht Stress?

Um ein Verständnis für die Entstehung von Stress und verschiedene, in der Stressforschung verwendete Begriffe zu gewinnen, werden nachfolgend zwei bekannte Stresstheorien erläutert.

3.2.1 Belastungs-Beanspruchungs-Modell nach Rohmert und Rutenfranz

Mit der Einführung des Belastungs-Beanspruchungs-Modells von Rohmert und Rutenfranz (1975) erfolgte erstmals eine klare terminologische Abgrenzung der in der Stressforschung u. a. verwendeten Begriffe „Belastung“ und „Beanspruchung“. (vgl. Zapf et al., 2004). Sie definieren Belastung als das Einwirken von äußeren Reizen auf den Menschen und deren Auswirkung im Menschen als Beanspruchung.

Ergänzt um psychische Aspekte wurden die Begriffe 1987 in einer DIN-Norm verankert. Denn sprechen Beschäftigte von Stress, sprechen Sie vor allem von psychischer Belastung (Rusch, 2019). Nach DIN EN ISO 10075-1 (2018) ist psychische Belastung „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf es einwirken.“ Psychische Beanspruchung ist die „unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien.“

Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell unterscheidet demnach zwischen Belastungsfaktoren und deren individuelle Wirkung auf ein Individuum. Die entstehende Beanspruchung kann abhängig von den persönlichen Fähigkeiten sowohl positiv als auch negativ sein.

3.2.2 Transaktionales Stressmodell nach Lazarus und Folkman

Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und Folkman (1984) fokussiert auf das subjektive Erleben von Stress und den Einfluss kognitiver Bewertungsprozesse. Für die Autoren ist Stress durch folgende Merkmale gekennzeichnet: Besteht eine neue Anforderung, bewertet ein Individuum zunächst, ob diese positiv, neutral oder belastend empfunden wird („primary appraisal“). Im einem zweiten Bewertungsschritt werden die persönlichen Fähigkeiten zur Bewältigung der Anforderung eingeschätzt („secondary appraisal“). Basierend auf dieser Einschätzung werden Bewältigungsstrategien gewählt, nach deren Anwendung eine Neubewertung der Anforderung erfolgt („reappraisal“).

Stress entsteht nach dem transaktionalen Stressmodell dann, wenn ein Ungleichgewicht zwischen einer als belastend bewerteten Anforderung und den persönlichen Bewältigungsfähigkeiten des Individuums besteht. Das Stressempfinden bleibt bestehen, wenn die gewählten Bewältigungsstrategien nicht zu einer entlastenden Neubewertung führen. Die an das Individuum gestellten Anforderungen werden in diesem Modell auch als Stressoren bezeichnet.

3.3 Bedeutung von Stress im Rahmen der Arbeit

Die aufgeführten Theorien verdeutlichen, dass Stress durch das Einwirken äußerer Reize entsteht. Diese werden u. a. als Belastungsfaktoren oder Stressoren bezeichnet. Die Ausprägung des Stressempfindens ist dabei abhängig von den individuellen Ressourcen und Fähigkeiten. Derselbe Belastungsfaktor kann für ein Individuum eine Bedrohung, für ein anderes eine spannende Herausforderung darstellen.

Im Folgenden wird Stress als psychische Beanspruchung aufgefasst, die aus der subjektiven Bewertung von arbeitsbedingten Belastungsfaktoren in Abhängigkeit zu den persönlichen Fähigkeiten entsteht. Da positive Stresswirkungen in der wissenschaftlichen Literatur kaum betrachtet werden (Le Fevre et al., 2003), erfolgt zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragestellung eine Fokussierung auf das Auftreten negativer psychischer Beanspruchung. Mögliche Beanspruchungsfolgen nach Selye (1953) sind je nach Intensität der Belastung u. a. Erschöpfung, Depression, Kopfschmerzen, Gereiztheit und Aggressivität. Explizit für den Arbeitskontext findet sich in der Literatur zudem noch Arbeitsunzufriedenheit als mögliche Folge negativer Beanspruchung (Karasek, 1979).

4 Ständige Erreichbarkeit und psychische Beanspruchung

Zu den bereits lange bekannten Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz zählt u. a. die Gestaltung der Arbeitsaufgabe (Stadler et al., 2003). Als Folge technischer und organisatorischer Veränderungen entstehen neue arbeitsbedingte Belastungsfaktoren, die das Auftreten negativer psychischer Beanspruchung begünstigen können. Ständige Erreichbarkeit wird als einer dieser neuen Faktoren eingestuft (Scharnhorst, 2019). Nachfolgend wird diese Annahme zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragestellung überprüft.

4.1 Zusammenhang nach der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga)

Die iga verfolgt das Ziel, die Gesundheit im Arbeitsleben zu fördern. In regelmäßigen Reporten veröffentlichen Autoren der Initiative wissenschaftliche Erkenntnisse und Erhebungsergebnisse zur Arbeitssituation in Deutschland. Die arbeitsbezogene ständige Erreichbarkeit wurde als Schwerpunktthema bereits mehrfach betrachtet.

4.1.1 iga.Report 23 von Strobel

Im Rahmen der iga.Reporte wird die Thematik der arbeitsbezogenen ständigen Erreichbarkeit erstmals von Strobel (2013) aufgegriffen. Mittels einer qualitativen Studie sollte u. a. die Frage möglicher Gesundheitsauswirkungen beantwortet werden.

Die befragten wissenschaftlichen Experten schätzen ständige Erreichbarkeit als eine der großen modernen Belastungsfaktoren von Beschäftigen ein. Als Gründe für diese Einordnung werden die hervorgerufene Beeinträchtigung der Erholungsfähigkeit, der permanente Unruhezustand sowie Einschränkungen in der Freizeitgestaltung aufgeführt. Eine klare Abgrenzung von anderen möglichen Belastungen sei jedoch schwierig. Grundsätzlich müsse von einer multidimensionalen Belastungsstruktur ausgegangen werden, in der auch ständige Erreichbarkeit eine Rolle spielt.

Gestützt auf Erkenntnisse aus verwandten Bereichen (u. a. Rufbereitschaft) konnten die Befragten mögliche negative Gesundheitsauswirkungen einschätzen. Die Aufzählung beinhaltet Beschwerden wie Bluthochdruck und Erschöpfung aber auch Krankheiten wie Depression oder Burnout.

4.1.2 iga.Report 27 von Hessenmöller et al.

Hessenmöller et al. (2014) thematisieren den steigenden Einfluss der Arbeit auf das Privatleben in Bezug auf erhöhte Flexibilitätsansprüche. In ihrer Untersuchung betrachten die Autoren arbeitsbezogene ständige Erreichbarkeit als Flexibilitätsanforderung. Die entsprechende Untersuchungshypothese lautete: Flexibilitätsanforderungen gehen mit zeit- und beanspruchungsbasierten Konflikten zwischen Arbeit und Privatleben und emotionaler Erschöpfung der Beschäftigten einher. Die Datengrundlage der Untersuchung bildet das iga.Barometer 2013, eine repräsentativen Befragung von Beschäftigen in Deutschland.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Zusammenhänge zwischen von Beschäftigen erwarteter ständiger Erreichbarkeit und emotionaler Erschöpfung ( r = .23, p < .001) sowie zeit- und beanspruchungsbasierten Konflikten ( r = .41, p = < .001; r = .31, p = < .001). Auch die abgefragten Belastungswerte fallen umso höher aus, je höher die Erwartung, auch im Privatleben in Arbeitsbelangen erreichbar zu sein.

4.2 Zusammenhang nach der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Im Jahr 2014 hat die BAuA das Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ initiiert. Das Forschungsprojekt zielte darauf ab, Wissenslücken zu psychischen Belastungsfaktoren zu identifizieren (BAuA, 2017). Die Ergebnisse der Forschung wurden in regelmäßigen Berichten veröffentlicht.

Im Arbeitszeitreport 2016 der BAuA werden Arbeitsanforderungen sowie deren Zusammenhang zu der Gesundheit von Beschäftigten thematisiert. Die Datengrundlage bildet die im Jahr 2015 durchgeführte BAuA-Arbeitszeitbefragung von 20.000 Beschäftigten in Deutschland. Im Rahmen der Betrachtung flexibler Arbeitszeiten wurden auch mögliche Zusammenhänge zwischen ständiger Erreichbarkeit und der Gesundheit von Beschäftigten untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Beschäftigte, die im Privatleben häufig in Arbeitsbelangen kontaktiert werden, öfter von gesundheitlichen Beeinträchtigungen (u. a. Schlafstörungen und Erschöpfung) betroffen sind als Beschäftigte, die selten oder nie kontaktiert werden. Auch die Bewertung der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und die Arbeitszufriedenheit fallen schlechter aus. Weiterhin wird deutlich, dass bereits die von Beschäftigten erwartete Erreichbarkeit ausreicht, um Gesundheit und Zufriedenheit negativ zu beeinflussen. Wird die Erreichbarkeit von den Beschäftigten als zumutbar eingeschätzt, sind die Werte des Gesundheitszustandes innerhalb der Gruppe der betroffenen Beschäftigten höher sowie die der gesundheitlichen Beschwerden niedriger.

5 Fazit

Aus den aufgeführten Forschungsergebnissen lässt sich schließen, dass ständige Erreichbarkeit einen arbeitsbezogenen Belastungsfaktor darstellt und negative psychische Beanspruchung begünstigen kann. Die ermittelten Beanspruchungsfolgen reichen von Schlafstörungen bis hin zu Depression. Dies entspricht der Erwartung, dass Aspekte flexibler Arbeitszeiten, die einen stärkeren Anforderungscharakter aufweisen, eher mit negativen Auswirkungen verbunden sind (Costa et al., 2006).

Ursächlich für die Einordnung als Belastungsfaktor ist u. a. die mit arbeitsbezogener ständiger Erreichbarkeit einhergehende, verkürzte oder unterbrochene Ruhezeit (Strobel, 2013). Diese Einschätzung korrespondiert mit bisherigen Forschungsergebnissen zu Auswirkungen verkürzter Ruhezeiten. Auch kurzfristige Unterbrechungen der Ruhezeiten oder die Erwartung dieser, können die Erholungsqualität reduzieren (Barber et al., 2014; Derks et al., 2014; BAuA, 2016).

Es zeigt sich jedoch, dass Beschäftigte ständige Erreichbarkeit nicht gleichermaßen als Belastung empfinden. Schätzen Beschäftigte die ständige Erreichbarkeit als zumutbar ein, entstehen geringere Beanspruchungsfolgen (BAuA, 2016). Auch der Grad der Einschränkung der Erholungsfähigkeit wird durch die persönliche Konstitution der Beschäftigten bedingt. Weiterhin beeinflussen individuelle Präferenzen nach Permeabilität der Lebensbereiche Arbeit und Privatleben die Ausprägung der psychischen Beanspruchung, die aufgrund ständiger Erreichbarkeit entsteht (Ashforth et al., 2000). Neben den persönlichen Fähigkeiten scheinen nach Strobel (2013) auch betriebliche Bedingungen das Empfinden der psychischen Beanspruchung zu beeinflussen. So scheint ständige Erreichbarkeit zusammen mit anderen Belastungsfaktoren (z. B. Arbeitsintensität) zu besonderen Belastungskonstellationen zu führen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Stress am Arbeitsplatz. Begünstigende Faktoren durch ständige Erreichbarkeit
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1139313
ISBN (eBook)
9783346517708
ISBN (Buch)
9783346517715
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ständige Erreichbarkeit, Arbeitspsychologie, Organisationspsychologie, Stress, Psychische Belastung, Beanspruchung, Gesundheitsmanagement
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Stress am Arbeitsplatz. Begünstigende Faktoren durch ständige Erreichbarkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139313

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Stress am Arbeitsplatz. Begünstigende Faktoren durch ständige Erreichbarkeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden