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Die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns "Ereck"

Titel: Die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns "Ereck"

Bachelorarbeit , 2021 , 55 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jella Delzer (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die identitätsanalytische Arbeit untersucht die Konzeption der Protagonistenidentität im "Ereck" und hat den Anspruch, anhand von einer modernen Analysekategorie zu zeigen, dass Hartmanns erster Artusroman eine didaktische Intention verfolgt und für die zeitgenössische Rezeption eine identitätsstiftende Funktion aufweist. Die Arbeit wird zeigen, dass der mittelhochdeutsche Autor stellenweise von seiner Vorlage abweicht, wodurch Hartmanns signifikanterer Fokus auf die Identitätskonzeption des titelgebenden Protagonisten evident wird. Die Konzeption der Protagonistenidentität wird in dieser identitätsanalytischen Arbeit textnah untersucht, um die Gefahr, moderne Vorstellungen und Ideen auf vormoderne Literatur des Mittelalters zu projizieren, zu eliminieren. Obwohl die Arbeit einen mittelhochdeutschen Text unter dem modernen Identitätsbegriff untersucht, soll die folgende Untersuchung nicht als eine psychologisch motivierte Arbeit verstanden werden, sondern vielmehr aufzeigen, dass eine identitätsanalytische Arbeit einen fruchtbaren Zugang zu Hartmanns komplexem und sorgfältig konzipiertem Artusepos bietet. Des Weiteren wird versucht, das Werk in seiner soziokulturellen Gesamtheit zu verstehen und eine historisch angemessene Interpretation der fiktionalen Identitätskonzeption des Titelhelden zu gewährleisten. Die Arbeit stellt die These auf, dass Hartmann in seinem Artusepos anhand der Identitätskonzeption des Protagonisten ein appellierendes und insbesondere idealisiertes Identitätsmodell entwirft und dass dieses Identitätsmodell nicht nur einen Rückgriff auf Hartmanns idealisierte Identitätsvorstellungen erlaubt, sondern auch auf zeitgenössische.

Seit einigen Jahrzehnten erlebt die Frage nach Identität in mittelalterlichen Texten in der mediävistischen und altgermanistischen Forschung eine Hochkonjunktur, wobei besonders die in der höfischen Literatur entworfenen Identitätskonzepte viel Aufmerksamkeit erhalten. In der Forschung zählt die Annahme, dass die Identitätskonzeption der Protagonisten und die damit verbundene Identitätsproblematik das zentrale Thema der Hartmannschen Artusepen ist, zu den allgemeinen literaturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Dennoch ist die Forschung bis dato zu keinem Konsens in der Beurteilung der Protagonistenidentitäten gekommen. Besonders Hartmanns Ereck, dem als erster deutschsprachiger Artusroman eine hohe innovative und literaturgeschichtliche Bedeutung zuteil kommt, ist seit jeher in der Literaturwissenschaft präsent.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identität – methodischer Zugriff

3. Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere

4. Zweite Identitätsgenese: Die Identitätskrise

5. Dritte Identitätsgenese: Die Läuterung

6. Das Artusepos als idealisiertes Identitätsmodell

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns Artusepos Ereck, um zu zeigen, dass Hartmann ein didaktisch motiviertes, idealisiertes Identitätsmodell entwirft, das eine identitätsstiftende Funktion für das zeitgenössische Publikum aufweist.

  • Analytische Untersuchung der Identitätsentwicklung Erecks durch drei Identitätsgenesen.
  • Differenzierung zwischen mittelalterlichen und modernen Identitätskonzepten innerhalb der höfischen Literatur.
  • Untersuchung des Konfliktpotenzials zwischen individuellem Streben und gesellschaftlichen Pflichten.
  • Die didaktische und christliche Dimension von Hartmanns Ritterideal im Vergleich zur altfranzösischen Vorlage.
  • Rolle von Minne, Ehe und Herrschaft als Identitätskomponenten des Protagonisten.

Auszug aus dem Buch

Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere

Am Anfang des Epos ist Erecks Identität ausschließlich durch seine Zugehörigkeit zum Artushof bestimmt. Die ersten tausend Verse demonstrieren die scheinbare Idealität des Artushofes u. a. anhand des edlen, gattungstypischen Pfingstfestes, „daz Ee noch seit / nie kain grössere ward gesehen.“ Dieser „idealtypisch[e] Entwurf höfischen Gesellschaftslebens“ ist jedoch nicht ohne Konfliktpotenzial konzipiert. Es besteht unter den Rittern eine Uneinigkeit darüber, wer „das schöneste weib“ (E. V. 357) ist. Nur Ereck ist später in der Lage, den Streit und die damit verbundenen Spannungen am Artushof aufgrund seiner neu erworbenen Minnepartnerin zu lösen.

Während die Artusritter einem alten Brauch nachgehen, die Jagd auf den weißen Hirsch, begleitet Ereck die Königin auf einen Ausritt (vgl. E. V. 999 f.). Die Tatsache, dass Ereck nicht an der Jagd teilnimmt, zeigt, dass der Titelheld noch kein vollkommen ausgebildeter Artusritter ist. Dies wird ebenfalls dadurch deutlich, dass er unbewaffnet ist: „Eregk was plos als ein weib“ (E. V. 1097). Darüber hinaus wird er als „jun[g]“ (E. V. 1012) und „junger rait“ (E. V. 1139) beschrieben. Somit unterscheidet sich der Hartmannsche Protagonist stark von der altfranzösischen Vorlage, in welcher ein fünfundzwanzigjähriger tapferer Held, der den Inbegriff des Artusrittertums verkörpert, eingeführt wird. Demnach nimmt Hartmann eine Umakzentuierung der Protagonistenidentität vor, indem er einen Schwerpunkt auf Erecks Identitätsmodifikation zum vollkommenen, höfischen Ritter legt, die erst noch stattfinden muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die zentrale Bedeutung der Identitätsthematik in Hartmanns Ereck ein und umreißt die methodische Herangehensweise.

2. Identität – methodischer Zugriff: Dieses Kapitel definiert den Identitätsbegriff für den literarischen Kontext und grenzt mittelalterliche Identitätskonzepte von modernen ab.

3. Erste Identitätsgenese: Der erste Verlust der ere: Die Untersuchung analysiert Erecks initiale Identität am Artushof und den ersten Ehrverlust als Ausgangspunkt seiner Entwicklung.

4. Zweite Identitätsgenese: Die Identitätskrise: Hier wird der Konflikt zwischen den verschiedenen Rollen Erecks thematisiert, der in eine existenzielle Krise und das verligen mündet.

5. Dritte Identitätsgenese: Die Läuterung: Das Kapitel behandelt den Weg zur Wiedergewinnung der Identität durch soziale Bewährung, Nächstenliebe und Mitleid.

6. Das Artusepos als idealisiertes Identitätsmodell: Die Arbeit resümiert Hartmanns Entwurf eines idealisierten Identitätsmodells, das als Vorbild für ein christlich-höfisches Rittertum fungiert.

7. Fazit: Die abschließenden Ergebnisse bestätigen die didaktische Intention Hartmanns und die Bedeutung der Identitätsmodifikation für den Status des Protagonisten.

8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Ereck, Hartmann von Aue, Identitätskonzeption, Identitätsgenese, Rittertum, Artusroman, Minne, Ehre, Gesellschaft, Individuum, Mittelalter, Didaktik, Christliches Ritterideal, Protagonist, Identitätskrise.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Konzeption der Identität des Protagonisten Ereck in Hartmanns Artusepos und zeigt auf, wie der Autor ein idealisiertes Modell ritterlicher Identität entwirft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Identität durch Krisen, das Spannungsfeld zwischen individuellem Streben und gesellschaftlicher Verantwortung sowie die ethische Sublimierung des Ritterideals.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es, textnah zu belegen, dass Hartmann durch die Identitätsmodifikation seines Protagonisten eine didaktische Intention verfolgt und ein Modell für zeitgenössische Rezipienten schafft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung erfolgt auf literaturtheoretischer Ebene durch eine chronologische, textnahe Analyse des Epos, ergänzt durch einen Vergleich mit der altfranzösischen Vorlage.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Identitätsgenesen – den ersten Verlust der Ehre, die Identitätskrise durch das verligen und die finale Läuterung –, die Erecks Reifungsprozess nachzeichnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätskonzeption, Artusrittertum, Ehre (ere), Minne, didaktische Intention, individuelles und gesellschaftliches Interesse sowie christliches Ethos charakterisiert.

Warum spielt das Schweigegebot für die Identität eine wichtige Rolle?

Das Schweigegebot fungiert als Ausdruck der Identitätskrise und der unhöfischen Behandlung Enites, was Erecks Desintegration und seinen Selbstverlust verdeutlicht.

Welche Bedeutung hat das verligen in diesem Kontext?

Das verligen beschreibt den Zustand der gesellschaftlichen Vernachlässigung und Isolation des Protagonisten, der den Bruch mit den höfischen Pflichten markiert und zur Krise führt.

Wie trägt die Aufnahme der achtzig Witwen zur Identitätsbildung bei?

Diese Episode zeigt den Übergang von einem rein auf Ehrakkumulation ausgerichteten Helden zu einem altruistischen, mitleidsfähigen Ritter, der seine Herrscheridentität vervollkommnet.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns "Ereck"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophische Fakultät - Germanistisches Seminar)
Note
1,0
Autor
Jella Delzer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
55
Katalognummer
V1139385
ISBN (eBook)
9783346517098
ISBN (Buch)
9783346517104
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Artusroman Hartmann Mittelhochdeutsch Ältere Deutsche Literatur Mediävistik Literaturwissenschaft Erec Ereck Epos Identität Protagonist Protagonistenidentität Identitätskonzeption Artushof Identitätsmodell Ideologie Identitätskonzept idealisiert Individualität zeitgenössische Rezeption didaktisch Identifikation Identitätsbildung Identitätsentwurf Appell Literatursoziologie idealisierte Identitätsvorstellung Intention Hartmann von Aue
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jella Delzer (Autor:in), 2021, Die Konzeption der Protagonistenidentität in Hartmanns "Ereck", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139385
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Leseprobe aus  55  Seiten
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