In Zeiten einer Gesundheitskrise pandemischen Ausmaßes, in der es gilt, Ansteckungen, Erkrankungen und Todesfälle mit und durch das Coronavirus durch die Kommunikation und Durchsetzung „pandemiekonformen Verhaltens“ zu verhindern, widmet sich die vorliegende Arbeit daher den Fragen: Wie kann Reaktanz insbesondere durch Gestaltung der öffentlichen Kommunikation entstehen? Und wie kann man sie, durch entsprechend angepasstes Kommunikationsdesign verhindern oder reduzieren?
Die Arbeit gliedert sich dazu wie folgt: Im ersten Teil des Hauptteils wird die Entstehung und Äußerung von Reaktanz allgemein beschrieben und es findet eine Abgrenzung zu Akzeptanz statt. Anschließend werden Ergebnisse der Reaktanz-Forschung im Kontext von Kommunikationsdesign im Allgemeinen und im Spezifischen während der COVID-19-Pandemie untersucht. Die Möglichkeiten der Einflussnahme, im Abgleich erfolgter und künftiger öffentlicher Kommunikation der Covid-19 Pandemie werden im Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Entstehung und Äußerung von Reaktanz
2.2 Reaktanz im Kontext von Kommunikation
2.3 Forschung während der Covid-19 Pandemie
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht das psychologische Phänomen der Reaktanz im Kontext der COVID-19-Pandemie. Ziel ist es, zu analysieren, wie durch die Gestaltung öffentlicher Kommunikation Reaktanz hervorgerufen wird und durch welche Strategien des Kommunikationsdesigns diese Widerstandsbewegungen reduziert oder vermieden werden können.
- Grundlagen der Reaktanztheorie und deren Relevanz in der Pandemie
- Einfluss von Kommunikationsformen und Framing auf die Reaktanzbildung
- Die Rolle der Sender-Empfänger-Beziehung und des Expertenstatus
- Strategien zur Förderung von Akzeptanz durch soziale Normen
- Ableitung von Empfehlungen für eine effektive Risikokommunikation
Auszug aus dem Buch
2.1 Entstehung und Äußerung von Reaktanz
Werden Menschen mit Einschränkungen konfrontiert, reagieren sie i.d.R. unterschiedlich. Abhängig ist dies unter Anderem von dem Absolutismus der empfundenen Einschränkung. Aronson stellte beispielsweise. 1987 fest, dass Menschen auf eine endgültige Beschränkung einer Option reagieren, indem sie die beigemessene Bedeutung der verlorenen Option minimieren, und die verbleibende Option positiver bewerten (Aronson, 1989, S. 72). Auch aktuellere Forschungen unterstützen diese Annahme. Menschen reagieren also auf absolute Freiheitseinschränkungen nicht mit Reaktanz, sondern mit Akzeptanz (Laurin, Kay, Proudfoot & Fitzsimons, 2013, S. 155). Im Gegensatz dazu wurde festgestellt, dass bei nicht absoluten, hinterfragbaren Einschränkungen eher Reaktanz entsteht (Laurin, Kay & Fitzsimons, 2012, S. 205). Menschen reagieren demnach negativer und gewichten die Bedeutung der eingeschränkten Freiheit deutlich höher, wenn die Möglichkeit besteht, dass die Einschränkung nicht in Kraft tritt und sei diese Möglichkeit auch noch so gering (Laurin, Kay & Fitzsimons, 2012, S. 209).
Reaktanz entsteht damit nicht erst, wenn die Einschränkung einer Freiheit erfolgt ist, sondern vielmehr dann, wenn eine Bedrohung der Freiheit potenziell erwartet wird (Steindl, Jonas, Sittenthaler, Traut-Mattausch, & Greenberg, 2015, S. 205) und beginnt damit auch bei der Kommunikation bevorstehender Einschränkungen. So ruft beispielsweise das Überbringen einer Anweisung Reaktanz hervor, da sie die Begegnung mit einer Freiheitsbedrohung darstellt (Brehm, 1981, S. 37; Worchel & Brehm, 1971; Wright, 1986). Im Kern der Forschung zeigte sich, dass gerade Kommunikation, die mit der Intention der Überzeugung wirken will, eher als Bedrohung für die Freiheit angesehen wird (Brehm & Brehm, 1981; Wicklund, 1974) und damit das Gegenteil von dem erzielt, was sie leisten soll. Untersuchungen legen nahe, dass die beim Individuum wahrgenommene Absicht des Gegenübers es von einer Sache zu überzeugen genügt, um Widerstände aufzubauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Reaktanz während der COVID-19-Pandemie ein und erläutert die zentrale Fragestellung zur Gestaltung der öffentlichen Kommunikation zur Vermeidung von Reaktanz.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Reaktanz, die Analyse von Kommunikationsfaktoren wie Framing sowie die Darstellung spezifischer Forschungsergebnisse aus der Pandemiezeit.
2.1 Entstehung und Äußerung von Reaktanz: Dieses Unterkapitel beschreibt, unter welchen Bedingungen Menschen mit Reaktanz auf Freiheitsbedrohungen reagieren und wie sich diese kognitiv sowie emotional äußert.
2.2 Reaktanz im Kontext von Kommunikation: Hier wird untersucht, wie verschiedene Arten der Kommunikation, etwa durch Framing oder den Befehlston, die Entstehung von Reaktanz fördern oder hemmen können.
2.3 Forschung während der Covid-19 Pandemie: Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf die spezifische Situation der Pandemie und beleuchtet die Rolle sozialer Normen zur Förderung präventiven Verhaltens.
3 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Empfehlungen zusammen und diskutiert, wie durch angepasstes Kommunikationsdesign die Akzeptanz von Maßnahmen gesteigert werden kann.
Schlüsselwörter
Reaktanz, Psychologie, COVID-19, Pandemie, Kommunikation, Kommunikationsdesign, Freiheitsbedrohung, Framing, Soziale Normen, Risikokommunikation, Verhaltensänderung, Prävention, Expertenstatus, Handlungsfreiheit, Überzeugungsarbeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen Reaktanztheorie und deren Anwendung auf die Kommunikation während der COVID-19-Pandemie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Reaktanz bei Freiheitseinschränkungen, der Einfluss von Sprachgestaltung (Framing) und die Rolle des Senders bei der Vermittlung von Maßnahmen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, wie durch eine gezielte Gestaltung der öffentlichen Kommunikation Reaktanz minimiert und die Akzeptanz für notwendige Gesundheitsmaßnahmen erhöht werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung psychologischer Studien, um evidenzbasierte Ansätze für das Kommunikationsdesign abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Reaktanz, die Wirkungsweise von Kommunikationsformen im Kontext von Einschränkungen und spezifische Forschungsergebnisse zur COVID-19-Kommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Reaktanz, Kommunikationsdesign, soziale Normen, Risikokommunikation und psychologische Freiheitsbedrohung.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen deskriptiven und präskriptiven Normen?
Die Arbeit zeigt, dass beide Arten von sozialen Normen helfen können, präventives Verhalten zu stärken, wobei präskriptive Normen oft besonders wirksam sind, um das Handeln im Sinne gesellschaftlicher Werte zu fördern.
Warum ist laut der Autorin die "Gedankenkontrolle" problematisch?
Der Versuch, das Denken oder Verhalten der Menschen zu stark zu kontrollieren, wird häufig als Freiheitsbedrohung wahrgenommen, was bei den Empfängern Reaktanz auslöst und den gewünschten Effekt der Kommunikation ins Gegenteil verkehren kann.
- Citar trabajo
- Carina König (Autor), 2021, Reaktanz in der COVID-19-Pandemie. Einfluss der Kommunikation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139437