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Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftsregime

Titel: Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftsregime

Hausarbeit , 2020 , 19 Seiten , Note: 1.0

Autor:in: Staatlich anerkannter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (B.A.) Tim Winkelmann (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Die nationalsozialistische Herrschaft ist nicht nur ein dunkler Punkt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in der Arbeitshistorie der Profession der Sozialen Arbeit. In dieser Arbeit werden die Auswirkung der NS-Herrschaft auf die Soziale Arbeit in ausgewählten Handlungsfeldern beschrieben.

Die Jahre 1933-1945 zählen ohne Fragen aus heutiger Sicht zu den düstersten der noch recht jungen deutschen Geschichte und nehmen dementsprechend auch eine Sonderstellung ein. Allein das Wort Auschwitz genügt noch heute, um bei Millionen von Menschen Bedauern und Scham auszulösen, die das systematische Vernichten bestimmter Völkergruppen mit sich brachte. Mittlerweile ist die Phase des Nationalsozialismus und der aus deren Herrschaft resultierende Zweite Weltkrieg sowie die von den Nationalsozialisten angeordneten und begangenen Verbrechen an der Menschheit in jedem Geschichtslehrplan der Mittel- und Oberstufen inkludiert.

Für Personen, welche durch Bildungsinstitutionen, Fachliteratur und die Medien über die nationalsozialistischen Verbrechen und Handlungen aufgeklärt wurden, scheint bei oberflächlicher Betrachtung kein Platz für Berufe und Handlungen, welche der Sozialen Arbeit zugeordnet werden können. Dennoch ist unumstritten, dass auch Soziale Arbeit im Dritten Reich stattfand. Dies wirft die Frage auf, mit welchen Rahmenbedingungen die Beschäftigten der Sozialen Arbeit konfrontiert wurden und wie Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftsregime praktiziert wurde.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Historische Hintergründe

3.Einbettung der Sozialen Arbeit in das NS-Regime

3.1 Von der Wohlfahrt zu einer Volkspflege

3.2 Die Einbettung der Nationalsozialistischen Ideologie in die Soziale Arbeit

4. Umsetzung der Sozialen Arbeit in ausgewählten Handlungsfeldern

4.1 Umgang mit psychisch Erkrankten oder Menschen mit Behinderung

4.2 Die frühkindliche Bildung und Erziehung

4.3 Jugendpflege und -fürsorge im Dritten Reich

5. Verfolgung und Widerstand von Sozialarbeiter*innen im NS-Regime

5.1 Verfolgung von Sozialarbeiter*innen

5.2 Widerstand von Sozialarbeiter*innen

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Ausgestaltung der Sozialen Arbeit während des nationalsozialistischen Herrschaftsregimes zwischen 1933 und 1945. Dabei wird insbesondere analysiert, wie die Soziale Arbeit durch das NS-Regime in eine "Volkspflege" transformiert, ideologisch vereinnahmt und in verschiedenen Handlungsfeldern zur Durchsetzung rassenhygienischer und politischer Ziele instrumentalisiert wurde, sowie welche Formen der Verfolgung und des Widerstands unter Sozialarbeiter*innen auftraten.

  • Transformation der Wohlfahrt zur NS-Volkspflege
  • Ideologische Indoktrination in sozialen Ausbildungsgängen
  • Instrumentalisierung der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, Kindern und Jugendlichen
  • Verfolgung jüdischer und politisch oppositioneller Sozialarbeiter*innen
  • Formen und Motive des Widerstands in der Sozialen Arbeit

Auszug aus dem Buch

4.1 Umgang mit psychisch Erkrankten oder Menschen mit Behinderung

Menschen, die unter einer psychischen Krankheit litten oder jene, welche eine Behinderung aufwiesen, galten in im Nationalsozialismus als Ballastexistenzen (vgl. KUHLMANN 2012. S. 96). Gemäß der von den Nationalsozialisten propagierten Rassenlehre galten sie als minderwertig oder erbkrank und waren somit nicht fähig, der Fortpflanzungen einer arischen Herrenrasse beizutragen (vgl. BRAß 2004, S.35). Dies spiegelte sich auch in der Sozial-, Gesundheits- und Fürsorgepolitik der Nationalsozialisten wieder. So begann die Legislative damit, eine Vielzahl an sozialrassistischen und auf den Vorstellungen einer notwendigen Rassenhygiene basierende Gesetze zu verabschieden (vgl. LEHNERT 2010, S. 85). Das bereits am 14. Juli 1933 in Kraft getretene „Gesetzt zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ führte dazu, dass in Deutschland bis zum Jahr 1945 mehrere hunderttausend Menschen sich einer Zwangssterilisation unterziehen lassen mussten (vgl. BRAß 2004, S.35). Weit über die Hälfte davon wurde an Personen vorgenommen, die als ‚schwachsinnig‘ klassifiziert wurden, aber auch Menschen, die ihr Augenlicht verloren hatten oder gehörlos waren, zählten zur Anwendungsgruppe dieses Gesetztes (vgl. KUHLMANN 2012, S. 96).

Doch dies schien den nationalsozialistischen Rassenhygienikern nicht weit genug zu gehen. So erstellte Adolf Hitler persönlich ein Schreiben, welches auf den 1. September 1939 datiert ist, dass die systematische Tötung von Anstaltsinsassen, die (vermeintlich) unter einer geistigen Behinderung litten, anordnete (vgl. BRAß 2004, S. 190). 250 000 Menschen wurden draufhin ab 1940 von den Nationalsozialisten getötet (vgl. KUHLMANN 2012, S.96). Zu den Opfern zählten Männer, Frauen und Jugendliche, die an einer (vermeintlichen) psychischen Störung erkrankt waren, aber auch jene mit körperlichen Beeinträchtigungen, Fehlbildungen oder Entwicklungsstörung (vgl. BRAß 2004, S. 109). Entgegen dem von den Nationalsozialisten verwendeten Begriff der Euthanasie (zu Deutsch Gnadentot) ging es dabei jedoch nicht um die Erlösung von totkranken Menschen mit deren Einverständnis, sondern vielmehr um eine bürokratische Tötungsaktion, der ökonomisches und sozialrassistisches Nutzendenken zu Grunde lagen (vgl. ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Bedeutung der Jahre 1933-1945 ein, hinterfragt die Rolle der Sozialen Arbeit in dieser Zeit und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Untersuchung der Rahmenbedingungen und praktischen Ausgestaltung.

2.Historische Hintergründe: Hier wird der Kontext der Weimarer Republik, deren Stabilisierung und anschließende Destabilisierung sowie der politische Aufstieg der NSDAP bis zur Machtübernahme 1933 dargelegt.

3.Einbettung der Sozialen Arbeit in das NS-Regime: Dieses Kapitel erläutert die Umwandlung der privaten Wohlfahrt in eine nationalsozialistische „Volkspflege“, die Gleichschaltung der Wohlfahrtsverbände und die ideologische Durchdringung der Lehre.

4. Umsetzung der Sozialen Arbeit in ausgewählten Handlungsfeldern: Der Fokus liegt hier auf der praktischen Umsetzung der NS-Ideologie in der Behindertenhilfe, der frühkindlichen Bildung und der Jugendpflege, wobei die Instrumentalisierung für rassistische und militärische Zwecke verdeutlicht wird.

5. Verfolgung und Widerstand von Sozialarbeiter*innen im NS-Regime: Dieses Kapitel beleuchtet einerseits die Verfolgung und Vertreibung jüdischer sowie politisch unliebsamer Fachkräfte und zeichnet andererseits unterschiedliche Formen und Motive des Widerstands innerhalb der Sozialen Arbeit nach.

6. Resümee: Hier werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und die Schlussfolgerungen für das heutige Selbstverständnis der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession abgeleitet.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Soziale Arbeit, Volkswohlfahrt, Gleichschaltung, Rassenhygiene, Zwangsterilisation, Euthanasie, Jugendpflege, Hitlerjugend, Widerstand, Verfolgung, Alice Salomon, Sozialpädagogik, Menschenrechte, Berufsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und Anpassung der Sozialen Arbeit unter der nationalsozialistischen Herrschaft zwischen 1933 und 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der Umgestaltung der Wohlfahrt zur „Volkspflege“, der ideologischen Indoktrination in sozialen Berufen, der Instrumentalisierung in spezifischen Handlungsfeldern sowie der Verfolgung und dem Widerstand von Sozialarbeiter*innen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es zu klären, mit welchen Rahmenbedingungen die Beschäftigten der Sozialen Arbeit konfrontiert waren und wie diese Arbeit unter den Vorgaben des NS-Regimes in der Praxis vollzogen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse historischer Kontexte sowie biographischer und fachwissenschaftlicher Quellen zur Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die institutionelle Gleichschaltung der Wohlfahrt, die Veränderungen in der Ausbildung, die rassistische Praxis in der Behindertenhilfe sowie die Auswirkungen auf Kindergärten und die Jugendarbeit (HJ/BDM).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Nationalsozialismus, Volkswohlfahrt, Rassenhygiene, Gleichschaltung, Sozialarbeiter*innen, Widerstand und Menschenrechtsprofession.

Welche Rolle spielte die NSV bei der Gleichschaltung der Wohlfahrt?

Die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt“ (NSV) fungierte als staatliches Instrument zur Unterbindung der Diversität in der Wohlfahrtspflege, erreichte eine Monopolstellung und diente der propagandanischen Verbreitung sowie der ideologischen Kontrolle des Sozialwesens.

Wie lässt sich der Widerstand von Sozialarbeiter*innen einordnen?

Der Widerstand war quantitativ gesehen sehr gering, nicht einheitlich strukturiert und entsprang unterschiedlichen politischen oder konfessionellen Motiven, reichte jedoch von Flugblattverteilung über Fluchthilfe bis hin zum Gewähren von Unterschlupf für Verfolgte.

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Details

Titel
Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftsregime
Note
1.0
Autor
Staatlich anerkannter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (B.A.) Tim Winkelmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V1139588
ISBN (eBook)
9783346515001
ISBN (Buch)
9783346515018
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale arbeit NS-Zeit Sozialarbeitsgeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Staatlich anerkannter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (B.A.) Tim Winkelmann (Autor:in), 2020, Soziale Arbeit im nationalsozialistischen Herrschaftsregime, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139588
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