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Die pragmatischen Maximen der Turmgesellschaft in Goethes „Wilhelm Meister“ und der Fortschrittsbegriff der Aufklärung unter Berufung auf Kant

Titel: Die pragmatischen Maximen der Turmgesellschaft in Goethes „Wilhelm Meister“ und der Fortschrittsbegriff der Aufklärung unter Berufung auf Kant

Hausarbeit , 2003 , 14 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Nathalie Klepper (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

1) Immanuel Kant als Folie für den Fortschrittsbegriff der Turmgesellschaft

Im Jahre 1784 erschien Immanuel Kants Aufsatz „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“, der zentrale Thesen des aufklärerischen Fortschrittsbegriffes enthält und von großer Bedeutung für Goethes elf Jahre später erschienenen Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ ist, da die Maximen der im Roman dargestellten „Turmgesellschaft“ die Kantschen Begriffe und Ideale spiegeln. Kants Aufsatz geht von drei Grundvoraussetzungen aus: der Geschichtsphilosophie, der Anthropologie und der Naturwissenschaft.
Die Geschichtsphilosophie ist teleologisch ausgerichtet, hat also ein Ziel, eine Vision; daher ist sie optimistisch und entwirft eine Zukunft, in der die menschliche Gattung durch Vernunft einen „allgemeinen weltbürgerlichen Zustand“, das heißt eine auf Vernunft basierende Rechtsbürgergesellschaft, erreichen kann: „Man kann die Geschichte der Menschengattung im großen als die Vollziehung eines verborgenen Planes der Natur ansehen, um eine innerlich –und zu diesem Zwecke auch äußerlich- vollkommene Staatsverfassung zu Stande zu bringen, als den einzigen Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit völlig entwickeln kann“ (8. Satz). Darin wird Kants Teleologie besonders deutlich.
Die Anthropologie hingegen befasst sich mit der Naturbestimmtheit und Beschaffenheit des Menschen; da der Mensch fehlbar ist, ist die Anthropologie skeptisch und pessimistisch. Die Vernunft kann sich nur in der Menschengattung vollständig entwickeln, nicht im einzelnen Individuum, welches beschränkt ist und alleine nicht zur Totalität gelangen kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1) Immanuel Kant als Folie für den Fortschrittsbegriff der Turmgesellschaft

2) Die pragmatischen Maximen und der Fortschrittsbegriff der Turmgesellschaft an Hand von Goethes Roman

2.1) Ideal der Vernunft

2.2) Ideal eines tätigen Lebens

2.3) Zurücknahme des Individuums zugunsten der Gemeinschaft

2.4) Bürgerliche Ökonomie und Pragmatismus

2.5) Bildung und Erziehung

3) Rückbezug auf Kants Theorien

4) Konflikt der Wilhelm-Figur mit den Maximen der Turmgesellschaft

4.1) Wilhelms Bildungsgesinnung

4.2) Die Maximen der Turmgesellschaft als Inversion zu Wilhelms Lebensentwurf

4.3) Aussöhnung der Gegensätze

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Korrespondenz zwischen den aufklärerischen Fortschrittsidealen Immanuel Kants und den pragmatischen Maximen der Turmgesellschaft in Johann Wolfgang von Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kants philosophische Grundannahmen in der fiktionalen Gesellschaft des Romans reflektiert werden und inwiefern der Protagonist Wilhelm durch die Konfrontation mit diesen Idealen eine Entwicklung erfährt, die ihn von einem individuellen Wunsch nach ästhetischer Selbstverwirklichung zu einer sozialen Integration führt.

  • Vergleich der Kantschen Philosophie (Geschichtsphilosophie, Anthropologie, Naturwissenschaft) mit den Maximen der Turmgesellschaft.
  • Analyse des Vernunft- und Tätigkeitsideals als Basis der Turmgesellschaft.
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Individuum und Gemeinschaft (gesellschaftliche Integration).
  • Darstellung der ökonomischen und erzieherischen Vorstellungen innerhalb der Turmgesellschaft.
  • Kritische Würdigung von Wilhelms persönlichem Bildungsprozess im Konflikt mit den Anforderungen der Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

2.1) Ideal der Vernunft

Um eine Annäherung an die Maximen der Turmgesellschaft in Goethes Roman vorzunehmen, wenden wir uns zunächst dem allgemeinen Vernunftbegriff der Turmgesellschaft zu, den ein Abgesandter derselben folgendermaßen formuliert: „Das Gewebe dieser Welt ist aus Notwendigkeit und Zufall gebildet; die Vernunft des Menschen stellt sich zwischen beide und weiß sie zu beherrschen; sie behandelt das Notwendige als den Grund ihres Daseins; das Zufällige weiß sie zu lenken, zu leiten und zu nutzen, und nur, indem sie fest und unerschütterlich steht, verdient der Mensch, ein Gott der Erde genannt zu werden“ (I, 17).

Als Quintessenz lässt sich also festhalten, dass die Vernunft die Basis für das Handeln des Menschen sein soll, welches immer zweckmäßig ausgerichtet sein muss. Jeglicher Glaube an Schicksal, wie ihm der junge Titelheld Wilhelm frönt, hat in den Vorstellungen der Turmgesellschaft keinen Platz. Auf Wilhelms Frage „So glauben Sie kein Schicksal?“ (I, 17) antwortet der Vertreter der Gesellschaft: „Es ist hier die Rede nicht von meinem Glauben, (...) hier ist nur die Frage, welche Vorstellungsart zu unserm Besten gereicht“ (I, 17). Bei der Betrachtung aller Phänomene muss die Vernunft immer treibende Kraft bleiben.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Immanuel Kant als Folie für den Fortschrittsbegriff der Turmgesellschaft: Die Einleitung etabliert die philosophischen Grundlagen Kants, insbesondere dessen geschichtsphilosophische und anthropologische Konzepte, als theoretischen Rahmen für die Analyse von Goethes Werk.

2) Die pragmatischen Maximen und der Fortschrittsbegriff der Turmgesellschaft an Hand von Goethes Roman: Dieses Kapitel arbeitet die zentralen Leitsätze der Turmgesellschaft heraus, wobei Ideale wie Vernunft, stetige Tätigkeit und die Unterordnung des Individuums unter die Gemeinschaft im Zentrum stehen.

3) Rückbezug auf Kants Theorien: Hier werden die zuvor analysierten Maximen der Romanfiguren direkt mit den Textstellen von Kant gespiegelt, um die inhaltliche Übereinstimmung der Expansionspläne und des Fortschrittsbegriffs zu belegen.

4) Konflikt der Wilhelm-Figur mit den Maximen der Turmgesellschaft: Dieser Abschnitt behandelt die Entwicklung Wilhelms, der sich initial gegen die pragmatischen Anforderungen der Turmgesellschaft sträubt, bis er schließlich durch diese eine Form der persönlichen und sozialen Reife findet.

Schlüsselwörter

Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Turmgesellschaft, Aufklärung, Fortschrittsbegriff, Vernunft, tätiges Leben, Individuum, Gemeinschaft, Bildungsroman, Pragmatismus, soziale Integration, Idealismus, Selbstverwirklichung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Parallelen zwischen den Ideen Immanuel Kants zur Aufklärung und den Maximen der sogenannten Turmgesellschaft, wie sie in Goethes Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ dargestellt werden.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen das aufklärerische Fortschrittsdenken, das Verhältnis von Vernunft und Schicksal, das Ideal des tätigen Lebens, die Rolle des Individuums in der Gemeinschaft sowie Konzepte der Erziehung und Bildung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll aufgezeigt werden, wie die „Turmgesellschaft“ im Roman als Verkörperung aufklärerischer Ideale fungiert und wie die Titelfigur Wilhelm durch diese Prinzipien eine Transformation vom individuellen Künstlerwunsch zur gesellschaftlich integrierten Persönlichkeit vollzieht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine vergleichende Textanalyse, bei der philosophische Primärtexte von Kant auf literarische Passagen von Goethes Roman angewendet werden, um textimmanente Zusammenhänge und ideengeschichtliche Verbindungen aufzudecken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Maximen der Turmgesellschaft (Vernunft, Tätigkeit, Gemeinschaftssinn, Ökonomie, Bildung) und den anschließenden Abgleich dieser Maximen mit Kants Schriften sowie die Untersuchung der Konfliktentwicklung von Wilhelm Meister.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Aufklärung, Kant, Goethe, Bildungsroman, Turmgesellschaft, Vernunftideal, Individualität und soziale Integration definieren.

Warum spielt die Figur des Lothario eine so wichtige Rolle für das Verständnis der Turmgesellschaft?

Lothario repräsentiert den sogenannten „Reformadel“, der sich von traditionellen feudalistischen Strukturen distanziert und durch ein pragmatisches, vernunftorientiertes Handeln die aufklärerischen Ideale der Turmgesellschaft im realen Leben umsetzt.

Inwiefern unterscheidet sich das Bildungskonzept des Abbés von dem anderer Mitglieder?

Der Abbé favorisiert eine Pädagogik, in der der Zögling durch das eigene Durchlaufen und Erschöpfen von Irrtümern zu einer echten, selbst erarbeiteten Einsicht gelangt, während andere Mitglieder wie Jarno eher zu einem direkteren, regelbasierten Eingreifen neigen.

Kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Wilhelm Meister eine vollendete Persönlichkeit ist?

Nein, die Arbeit stellt fest, dass Wilhelm am Ende des Romans zwar noch nicht „vollendet gebildet“ ist, aber durch die Symbiose der Ideale der Turmgesellschaft einen Weg gefunden hat, die Poesie seines Herzens mit der Prosa der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

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Details

Titel
Die pragmatischen Maximen der Turmgesellschaft in Goethes „Wilhelm Meister“ und der Fortschrittsbegriff der Aufklärung unter Berufung auf Kant
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Grundkurs
Note
1,7
Autor
Nathalie Klepper (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V113958
ISBN (eBook)
9783640147090
ISBN (Buch)
9783640147229
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maximen Turmgesellschaft Goethes Meister“ Fortschrittsbegriff Aufklärung Berufung Kant Grundkurs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nathalie Klepper (Autor:in), 2003, Die pragmatischen Maximen der Turmgesellschaft in Goethes „Wilhelm Meister“ und der Fortschrittsbegriff der Aufklärung unter Berufung auf Kant, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113958
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Leseprobe aus  14  Seiten
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