Ein Leitfaden und Attraktivitätsbarometer für Direktinvestitionen in Tschechien aus der Sicht österreichischer Unternehmen


Seminararbeit, 2005
27 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Ziel und Aufbau der Arbeit
1.2. Begriffsdefinition
1.3. Betrachtungsebenen und Arten von DI
1.4. Vor und Nachteile von DI

2. Länderanalyse Tschechien
2.1. Makroökonomische Schlüsselgrößen
2.2. Arbeitsmarkt
2.2.1. Aktuelle Situation
2.2.2. Lohnkosten
2.2.3. Arbeitsrecht
2.3. Steuerliche Aspekte
2.3.1. Einkommenssteuer
2.3.2. Körperschaftssteuer und Abschreibungen
2.3.3. Umsatzsteuer
2.3.4. Zollsystem und Grunderwerb
2.4. Infrastruktur
2.4.1. Transportinfrastruktur
2.4.2. Telekommunikation
2.4.3. Immobilienmarkt
2.4.4. Energieversorgung

3. Investitionsklima
3.1. Investitionsanreize
3.1.1. Chancen
3.1.2. Förderungen
3.2. Investitionskiller
3.2.1. Risiken
3.2.2. Einfluss des EU-Beitritts auf DI-Zuflüsse

4. Basisinformationen zur DI in Tschechien:
4.1. Dienstleistungen von CzechInvest
4.2. Unternehmensformen in Tschechien

5. Schlussfolgerungen
5.1. Branchenanalyse und Attraktivitätsbarometer
5.2. Abschließende Betrachtungen

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Betrachtungsebenen von DI

Abb. 2: Ausgewählte Indikatoren

Abb. 3. Nebenlohnberechnung in Mitteleuropäischen Ländern

Abb. 4: Bemessungsgrundlage ESt Tschechien

Abb. 5: Ausbau des Straßen- und Autobahnnetzes

Abb. 6: Mietpreise Produktionsflächen und Büroräume

Abb. 7: Strompreise in ausgewählten Ländern

Abb. 8: FDI Zustrom Tschechien 1993 – 2002

Abb. 9: Motive österreichischer DIs in Tschechien

Abb.10: Länderrating Tschechien

Abb.11: Branchenattraktivitätsbarometer

Abb.12: Branchenattraktivität gewichtet

1. Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung wird es für Unternehmen immer wichtiger international präsent zu sein. Dafür gilt es verschiedenste Gründe zu vermerken. Der heimische Markt reicht beispielsweise nicht mehr aus, um die gestiegene Produktion abzusetzen. Oft ergeben sich allerdings auch komparative Kostenvorteile durch niedrigere Arbeitskosten, interessante Steuersysteme oder günstige Grundstückspreise. Weitere Anreize für Geschäftstätigkeiten im Ausland entstehen durch das Fehlen von Konkurrenz. Unerschlossene Märkte bieten daher Pionieren große Chancen, bergen jedoch auch viele Risken.

Nach der Ostöffnung 1989 standen ausländischen Investoren aus Westeuropa alle Türen und Tore offen um in Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Polen oder Kroatien als Vorreiter Geschäftstätigkeiten aufzunehmen. Dies war anfänglich nicht so einfach möglich, da die verkrusteten Strukturen der ehemals kommunistischen Länder nicht so ohne weiteres an westliche Standards zu adaptieren waren. Diese galt es aufzubrechen und ein kontinuierlicher Reformationsprozess startete der bis heute noch andauert. In den meisten der ehemals kommunistischen Länder wurde bereits Pionierarbeit geleistet und so vor allem durch Direktinvestitionen (DI) in Richtung stabile und langfristige Beziehungen hingearbeitet.

Schließlich ist noch hinzuzufügen, dass ausländische Direktinvestitionen in Reformländern erhebliche Wirtschaftsantreiber darstellen. Durch die Kapitalströme wird es möglich funktionierende Kapitalmärkte aufzubauen und der Know-how Zufluss erhöht die Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Arbeitsplätze werden geschaffen und dadurch langfristig der Wohlstand im Land erhöht.

1.1. Ziel und Aufbau der Arbeit

Für einen ausländischen Investor stellt sich vor allem eine Frage, wenn er in einem Land Investitionstätigkeiten aufnehmen will:

Welche Potentiale kann ich in diesem Land in Zukunft ausnützen?

Um dies einschätzen zu können, ist es vor allem wichtig sich einen guten Überblick über das Land zu verschaffen. Das Ziel dieser Arbeit daher einen Leitfaden durch den Direktinvestitionsdschungel in Tschechien zu legen. Am Ende soll eine klare Einschätzung über die Attraktivität Tschechiens für Direktinvestitionen aus der Sicht österreichischer Investoren erfolgen. Diese Seminararbeit ist dazu in folgende Abschnitte gegliedert:

Zuerst findet eine Begriffsabgrenzung von Direktinvestitionen statt und es werden Einblicke in die Marktstrukturen Tschechiens gegeben. Dann erfolgt eine Darstellung des Einflusses des EU Beitritts Tschechiens auf die DI Ströme und es werden Angaben über das Investitionsklima gemacht. Zusätzlich werden die Agentur CzechInvest und Förderungsmöglichkeiten vorgestellt.

Am Ende der Arbeit erfolgt eine Bewertung des Landes bezüglich der Attraktivität für DI in den einzelnen Branchen.

1.2. Begriffsdefinition

Es ist schwierig in der Literatur eine einheitliche Definition von ausländischen Direktinvestitionen (ADI) zu finden. Zurzeit bestehen mehrere Ansätze diese zu erläutern, wobei Internationale Organisationen wie die OECD an einem einheitlichen Konzept arbeiten. In der dritten Ausgabe des Berichtes der OECD über eine Benchmark Definition hinsichtlich ADI von 1999 in Paris wird folgendes festgelegt:

Ausländische Direktinvestitionen reflektieren das Ziel eines Investors eine langfristige Beteiligung an einem Unternehmen in einem anderen Land zu erhalten. Dies impliziert eine dauerhafte Geschäftsbeziehung zwischen dem Investor und dem Unternehmen und ein signifikantes Ausmaß an Einfluss auf das Management des Zielunternehmens. DI umfassen einerseits den anfänglichen Kaufabschluss, aber auch alle folgenden Kapitalbewegungen zwischen den Unternehmen.

Unter Direktinvestitionsunternehmen versteht man ein Unternehmen das nicht notwendigerweise an der Börse zu notieren hat und an dem mindestens ein ausländischer Investor zu 10% oder mehr beteiligt ist. Dadurch wird impliziert, dass der Investor zumindest fähig ist das Management zu beeinflussen. Absolute Kontrolle durch den ausländischen Investor ist nicht notwendig.

Nicht zu verwechseln sind DI mit Portfolioinvestitionen. Diese sind reine Finanzinvestitionen im Ausland und werden rendite- bzw. spekulationsorientiert eingesetzt, wobei sie mit einem kurz- bis mittelfristigen Interesse getätigt werden. Das Motiv der Ertrags- und Risikodiversifikation steht im Vordergrund (Kutschker 2004, S. 81).

1.3. Betrachtungsebenen und Arten von DI

Direktinvestitionen können einerseits nach der Richtung, andererseits nach der Art der Größen unterschieden werden. Dies lässt sich in Form einer Matrix anschaulich verdeutlichen (Kutschker, 2004, S.87, 88).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Betrachtungsebenen von DI

Quelle: Kutschker 2004, S. 88

Die Attraktivität eines Standortes wird häufig an den DI-Beständen oder DI-Zuflüssen gemessen. DI-Zuflüsse schauen in die Zukunft, daher wird sich diese Arbeit auf die Darstellung dieser Größen richten, welche aus der Sicht des österreichischen Investors aktive DI, für das tschechische Unternehmen passive DI darstellen. Die Arten von Direktinvestitionen können sehr unterschiedlich sein. Man unterscheidet Erst- und Folgeinvestitionen, sowie Eigenkapital und Fremdkapitalbeteiligungen (Kutschker, 2004, S. 89 – 91).

Erstinvestitionen umfassen Neugründungen (Greenfield-Investments) oder Unternehmensakquisitionen (Brownfield-Investments, Mergers and Acquisitions), die sowohl im Alleingang, als auch in Form eines Joint Ventures erfolgen können. Unter Folgeinvestitionen versteht man die Aufstockung von Beteiligungen oder den Ausbau von Portfolioinvestitionen, sodass eine Beteiligung von über 10 % entsteht.

Direktinvestitionen können sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalanteile umfassen, wobei Fremdkapitalbestandteile langfristige Kredite, kurzfristige Finanzkredite und kurzfristige Handelskredite beinhalten.

1.4. Vor und Nachteile von DI

Ausländische Direktinvestitionen bringen zahlreiche Effekte mit sich. Manche davon sind als positiv, manche sind allerdings auch als negativ zu vermerken.

Laut Kutschker 2004 S. 85 – 86 ergeben sich unter anderem folgende positive Konsequenzen aus der Sicht des Empfängerlandes:

- Know-how wird transferiert (z.B. Technologien, Managementtechniken)
- Verbesserung lokaler Strukturen (Produktivitätssteigerungen,...)
- Schaffung von Arbeitsplätzen und Erhöhung des Lebensstandards
- Integrationsförderung wirtschaftlicher, soziokultureller und politischer Natur

Als problematisch erweist sich allerdings:

- große Marktmacht von Multis, die Politik und Recht im Gastland in hohem Ausmaß beeinflussen können
- Gewinne werden in das Stammland zurücktransferiert
- Nur einfachste Tätigkeiten werden in das Gastland verlagert, kein Beitrag zur Weiterentwicklung (Forschung und Entwicklung im Stammland durchgeführt)
- Gefahr des negativen Einflusses auf das politische und soziokulturelle Umfeld, fehlende Verbundenheit der ausländischen Investoren mit dem Gastland (plötzlicher Abzug der Unternehmen)

Weiters kann, was für das Gastland positiv ist, für das kapitalgebende Land negativ sein. Ein Know-how Zuwachs in Tschechien könnte beispielsweise einen Know-how Abfluss für Österreich darstellen und dadurch langfristig zu Wettbewerbsnachteilen führen. Aber vor allem negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden in der Literatur kritisch diskutiert. Befürchtet wird, dass Direktinvestitionen im Ausland einen Verlust von Arbeitsplätzen im Inland verursachen (Kutschker, 2004, S. 86 – 87).

2. Länderanalyse Tschechien

2.1. Makroökonomische Schlüsselgrößen

Die Fläche der Tschechischen Republik beträgt 78.866 km² und das Land besteht aus 10,2 Mio. Einwohnern. Der aktuelle Präsident ist Vaclav Klaus und der Ministerpräsident Jiri Paroubek (Weidmann 1 u. 2/2005, S. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Ausgewählte Indikatoren

Quelle: in Anlehnung an CEE-Report Weidmann 1-2005 BA-CA

Wie aus Abbildung 2 ersichtlich, ist das tschechische Bruttoinlandsprodukt (BIP) innerhalb der letzten 4 Jahre stetig gestiegen. Ein Wachstum von 3,6% in Tschechien steht müden 2% in Österreich im Jahr 2004 gegenüber, im Jahr 2003 waren es gar nur 0,8% (BA CA Österreich Konjunktur 2005, S.5). Das Wirtschaftswachstum in Tschechien boomt und eine anhaltende Dynamik wird auch in Zukunft zu verzeichnen sein. Ein Indiz dafür ist die anhaltende Investitionskonjunktur. Die Bruttoanlageinvestitionen wiesen in den letzten 4 Jahren durchgehend hohe Wachstumsraten auf. Im Jahr 2004 betrug das Wachstum sogar 9,1 %, was vor allem auf den EU Beitritt Tschechiens im Mai des Jahres zurückzuführen war.

Die Veränderung der Verbraucherpreise weist eine absteigende Tendenz auf, in 2001 lag sie noch bei einem Plus von 4,7%, im Jahr 2004 ging sie auf 2,8% zurück. Die Inflationsrate ist demgemäß rückläufig, die Teuerung hat offensichtlich ihren Höhepunkt überschritten. Dies wirkt sich ebenso positiv auf die tschechische Wirtschaft aus, wie die Verringerung der Zunahme der Bruttoauslandsverschuldung. Der Saldo der Leistungsbilanz ist zwar durchgehend negativ (die Importe übersteigen die Exporte), dies kann allerdings immer noch durch anhaltende ausländische Direktinvestitionsströme ausgeglichen werden (BA-CA Investitionsleitfaden 2004, S. 12, Weidmann 1/2005, S. 2).

Einen interessanten Verlauf verzeichnen die Flüsse von ausländischen Direktinvestitionen nach Tschechien. Ihren Höhepunkt hatten sie mit 8.791 Mio. EUR im Jahr 2002 erreicht. Große Investmentprojekte wurden in diesem Jahr im Automobil- und Energiesektor durchgeführt, aber auch der bevorstehende EU Beitritt 2004 könnte als Motor gewirkt haben (OECD 2004, S. 3). Weiters spielten die erfolgten Privatisierungen von großen Staatsunternehmen, wie auch die Steigerung der Greenfield-Investments eine große Rolle (BA-CA Investitionsleitfaden 2004, S.10). In der Vorbereitungsphase zum EU Beitritt wurden außerdem zahlreiche Reformen durchgeführt, die ausländische Investoren anlockten. Seitens der EU wurden zusätzlich verstärkt Unterstützungsprogramme durchgeführt. Im Jahr 2004 beliefen sich die ausländischen DIs nur noch auf 3.650 Mio. EUR, doch es wird mit einem weiteren Anstieg 2005 und 2006 gerechnet. Der große Boom der ausländischen DIs ist allerdings vorübergehend beendet. Ein Grund dafür ist die erwartete Angleichung der Löhne und damit der Produktionskosten an das europäische Niveau (OENB Bericht Dell’mour 2004).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Ein Leitfaden und Attraktivitätsbarometer für Direktinvestitionen in Tschechien aus der Sicht österreichischer Unternehmen
Hochschule
Fachhochschule Burgenland  (Controlling)
Veranstaltung
Seminar Internationales Controlling
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V113985
ISBN (eBook)
9783640142972
ISBN (Buch)
9783640218479
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leitfaden, Attraktivitätsbarometer, Direktinvestitionen, Tschechien, Sicht, Unternehmen, Seminar, Internationales, Controlling
Arbeit zitieren
Mag. (FH) Vera Roth (Autor), 2005, Ein Leitfaden und Attraktivitätsbarometer für Direktinvestitionen in Tschechien aus der Sicht österreichischer Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113985

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