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Die Gründung der CDU. Geboren aus dem Widerstand?

Title: Die Gründung der CDU. Geboren aus dem Widerstand?

Seminar Paper , 1995 , 25 Pages

Autor:in: Markus Horeld (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Summary Excerpt Details

Einleitung

„Die geistigen Wurzeln der CDU liegen in der Sozialethik der christlichen Kirchen, in der liberalen Tradition der europäischen Aufklärung und im christlich motivierten Widerstand
gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime.“(1) Diese grundlegende De£nition entstammt nicht einem der ersten Programme, sondern einer Veröffentlichung aus jüngster Zeit. Der „christlich motivierte Widerstand“ als geistige Wurzel der CDU wurde und wird
immer häu£ger genannt, doch selten näher erläutert. Seine Erwähnung allein muß oft der historischen Selbstbestimmung genügen. Das Zitat scheint den Widerstand als geistigen, das heißt als einen der inhaltlichen Ursprünge der Christlich-Demokratischen Union zu
bestimmen, und impliziert damit zumindest die teilweise Übernahme der Ideen des Widerstands in die CDU-Programmatik. Selbst umgekehrt – und bei weitem radikaler – ließe sich die De£nition deuten: die CDU als eine Konsequenz der Pläne und Vorstellungen des
Widerstands!
Die Kritik mancher Widerstandskämpfer am Weg der frühen CDU verstummt angesichts so unre¤ektiert benannte Ursprünge, und auch Hans Mommsen scheint allein mit seiner These, im Neuanfang Deutschlands keines der Ziele des Widerstands verwirklicht zu
sehen.(2)
Publikationen wie die oben zitierte umgehen die Schwierigkeiten, die ein Vergleich der Zielvorstellungen des Widerstands und der frühen CDU-Programmatik mit sich bringt, sie vermengen Gegensätze, wie sie größer nicht sein könnten: das mordende System und Überlegungen
zu alternativen (Übergangs-) Regierung auf der einen, das besetzte Deutschland und die wählerwerbende Charakteristik der Parteiprogramme auf der anderen Seite. Meist begnügt man sich deshalb mit der Nennung der Gründungsmitglieder der CDU(D), die tatsächlich nahezu sämtlich aktiv Widerstand leisteten oder wenigstens zu ihm Verbindung hatten.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Parteien – Das Ende von Weimar

2.1 Ein starker Staat ohne Parteien

2.2 Das Prinzip der „kleinen Gemeinschaften“

3 Ein bewährter Neuanfang

3.1 Politisches Vakuum

3.2 Vorsichtige Lizenzvergabe

3.3 Neue Kontakte

4 Die CDU und das Erbe des Widerstands

4.1 Katakombengeist

4.2 Erste Programme (1945–1946)

4.2.1 Keine Erwähnung des Widerstands

4.2.2 Legitimation durch das Christentum

4.2.3 „Organischer“ Staatsaufbau

4.2.4 Zwischen Plan- und Marktwirtschaft

4.2.5 Parlamentarische Verfassung

5 Schluß

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das historische Verhältnis zwischen den Zielvorstellungen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus und der Programmatik der frühen Christlich-Demokratischen Union (CDU) in den Jahren 1945 bis 1946. Ziel ist es zu klären, inwieweit die Ideen des Widerstands tatsächlich als geistige Vorstufe oder konzeptionelle Basis für die Gründung der CDU fungierten oder ob es sich primär um eine nachträgliche Legitimationserzählung handelt.

  • Analyse der politischen Vorstellungen konservativer Widerstandskreise (Goerdeler-Gruppe, Kreisauer Kreis) zum Ende der Weimarer Republik.
  • Untersuchung des "politischen Vakuums" unmittelbar nach 1945 und des Neuanfangs der demokratischen Parteien.
  • Vergleich von programmatischen Kernpunkten wie Staatsaufbau, Wirtschaftsordnung und Verfassungsverständnis.
  • Bewertung des Einflusses christlicher Grundwerte auf sowohl die Widerstandspläne als auch das Parteiprogramm der CDU.

Auszug aus dem Buch

4.1 Katakombengeist

Die lange Liste der Namen, die auf der ersten Großkundgebung der CDU in Köln verlesen wurde, zeugt deutlich von der geistigen Herkunft derer, die 1945 den Neuaufbau wagen wollten. Namen wie Letterhaus, Habermann, Groß, P. Siemer und vieler andere, bewiesen eindrücklich, in wessen Nachfolge sich die CDU-Gründer sahen. Leo Schwering bezeichnete es als den im Widerstand, in den Gefängnissen und KZs geborenen „Katakombengeist“, der die Überlebenden nach Kriegsende wieder zusammenkommen ließ, im festen Willen, ein „neues“, „ein ganz anderes“ Deutschland aufbauen zu helfen. Direkt Bezug auf den Widerstand nehmen im Juni 1945 die Verfasser des vorläufigen Entwurfs der Kölner Leitsätze vom Juni 1945: „In Ehrfurcht neigen wir uns vor den Blutzeugen des christlichen Glaubens und der bürgerlichen Freiheit, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Im Geiste dieser Toten sind wir fest entschlossen, dem deutschen Volke im Rahmen des Reiches mit all unseren Kräften zu dienen.“

Allerdings haben solcherart Bekenntnisse selten Eingang in die ersten Veröffentlichungen der CDU-Gründerkreise gefunden, wohl auch aufgrund der schon erwähnten Tatsache, daß nach Kriegsende die Not und ihre Linderung im Vordergrund standen. Unter Umständen wollte man potentielle Wähler nicht ständig mit dem Widerstand, und damit mit der geringen Zahl derer, die Widerstand leisteten, konfrontieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen der modernen Selbststilisierung der CDU als Partei, die aus dem Widerstand erwuchs, und der tatsächlichen, komplexen Quellenlage der Nachkriegszeit.

2 Parteien – Das Ende von Weimar: Dieses Kapitel arbeitet die tief sitzende Skepsis des bürgerlich-konservativen Widerstands gegenüber dem Parteiensystem der Weimarer Republik und dessen vermeintlicher Schwäche heraus.

3 Ein bewährter Neuanfang: Es wird die Situation des politischen Vakuums 1945 analysiert, in der sich Überlebende des Widerstands und neue politische Akteure unter dem Druck der Besatzungsmächte formierten.

4 Die CDU und das Erbe des Widerstands: Das Kernkapitel vergleicht die inhaltlichen Forderungen der Widerstandskreise mit den ersten CDU-Programmen und beleuchtet die Rolle des Christentums als verbindendes Element.

5 Schluß: Die Zusammenfassung bilanziert, dass die CDU-Gründung weniger eine bewusste Fortführung der Widerstandspläne war, sondern vielmehr aus ähnlichen historischen Erfahrungen und Traditionen entsprang.

Schlüsselwörter

CDU, Widerstand, Kreisauer Kreis, Goerdeler-Gruppe, Christdemokratie, Parteigründung 1945, Neuanfang, Christlicher Sozialismus, Parlamentarismus, Weimarer Republik, Katakombengeist, Nachkriegspolitik, politische Programmatik, Interkonfessionalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Verbindung zwischen den Zielen des Widerstands gegen Hitler und den frühen politischen Programmen der Christlich-Demokratischen Union (CDU) nach 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Schwerpunkten gehören das politische Erbe des "Katakombengeistes", die Rolle christlicher Werte bei der Parteigründung und die Debatte um staatliche Wirtschafts- und Verfassungsstrukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob die CDU tatsächlich als direkte Konsequenz der Widerstandspläne entstand oder ob sie aus anderen, älteren Traditionen heraus entwickelt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine tiefgehende historische Quellenanalyse durch, indem er zeitgenössische Parteiprogramme, Aufrufe und Schriften des Widerstands vergleichend gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Weimarer Zeit aus Sicht der Opposition, eine Untersuchung der Gründungsumstände 1945 sowie einen detaillierten Vergleich von Programmpunkten wie Sozialethik, Staatsaufbau und Wirtschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind CDU-Gründung, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Christlicher Sozialismus, politischer Neuanfang und die Rolle der Alliierten bei der Parteienzulassung.

Welche Rolle spielte der "Katakombengeist" bei den CDU-Gründern?

Er beschreibt das verbindende Bewusstsein der Widerstandskämpfer, die nach dem Krieg den festen Willen hatten, ein grundlegend neues Deutschland aufzubauen, was in den ersten Kölner Leitsätzen explizit erwähnt wurde.

Warum findet man in den frühen Parteiprogrammen oft keine direkte Berufung auf den Widerstand?

Dies lag primär an der unmittelbaren Not der Nachkriegszeit; die Parteigründer wollten potenzielle Wähler nicht durch eine zu starke Fokussierung auf die zahlenmäßig kleine Gruppe der Widerständler abschrecken.

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Details

Title
Die Gründung der CDU. Geboren aus dem Widerstand?
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Geschichte)
Course
Proseminar: Der dritte Weg - Die Zielvorstellungen des Widerstandes
Author
Markus Horeld (Author)
Publication Year
1995
Pages
25
Catalog Number
V1139
ISBN (eBook)
9783638107129
Language
German
Tags
CDU Widerstand Nationalsozialismus Parteien Union Kreisauer Kreis Goerdeler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Horeld (Author), 1995, Die Gründung der CDU. Geboren aus dem Widerstand?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139
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