Die Anorexia nervosa ist eines der schwerwiegendsten Krankheitsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Behandlung ist oft langwierig, außerdem muss über Jahre hinweg mit einem hohen Rückfallrisiko gerechnet werden. Auch aufgrund der steigenden Inzidenz sowie der für eine psychiatrische Erkrankung relativ hohen Mortalität, besteht bei der Magersucht ein hoher Forschungsbedarf, insbesondere an Therapiestudien.
Von Interesse ist dabei insbesondere die noch nicht geklärte Pathogenese der Anorexia nervosa. Es wird angenommen, dass unter anderem eine Vulnerabilität im serotoninergen Neurotransmittersystem ätiologisch relevant ist.
Obwohl keine evidenz-basierte medikamentöse Standardtherapie in der Langzeitbehandlung der Anorexia nervosa existiert, wurden häufig selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) angewandt, nicht zuletzt wegen der Effektivität dieser Medikamentengruppe bei Zwangs- und Depressionserkrankungen, die als komorbide Störungen bei Anorexia nervosa häufig zu beobachten sind.
So wollten wir in dieser Arbeit untersuchen, inwiefern eine additive SSRI-Behandlung positive Auswirkungen auf den Verlauf der komorbiden Symptomatik bei jugendlichen Patienten mit Anorexia nervosa hat.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Einführung
1.2. Beschreibung des Krankheitsbildes
1.2.1. Anorexia Nervosa
1.2.2. Komorbidität bei Anorexia Nervosa
1.3. Serotoninerges System
1.3.1. Neuroendokrine Störungen bei Anorexia Nervosa
1.3.2. Serotonin
1.3.3. Bedeutung von Serotonin bei Anorexia Nervosa
1.3.4. Bedeutung von Serotonin bei Depression und Zwang
1.4. Pharmakotherapie mit selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI)
1.4.1. Substanzen
1.4.2. Wirk-Mechanismus
1.4.3. Pharmakokinetik
1.4.4. Substanzen
1.4.5. Nebenwirkungen
1.4.6. Indikation und Einsatz bei Depression und Zwang
1.4.7. Indikation und Einsatz bei Anorexia und Bulimia Nervosa
1.5. Eigene Studie
1.6. Fragestellung und eigene Zielsetzung
2. Methodik
2.1. Probanden
2.1.1. Aufnahme von Patienten in die Schule
2.1.2. Studienteilnehmer
2.1.3. Aufklärung und Einverständnis
2.1.4. Gruppeneinteilung
2.2. Studienbeschreibung
2.2.1. Versuchsablauf
2.2.2. Messzeitpunkte
2.3. Datenerhebung
2.3.1. Fragebögen und Interviews
2.3.2. Interviewer
2.4. Datenanalyse
2.4.1. Verfahren
2.4.2. Programme
3. Ergebnisse
3.1. Ergebnisse für die gesamte Untersuchungsgruppe bei Beginn
3.2. Vergleich SSRI versus Non-SSRI-Gruppe
3.2.1. Aufnahme
3.2.2. Zehnte stationäre Woche (Medikationsbeginn)
3.2.3. Stationärer Verlauf und Entlassung
3.2.4. Poststationärer Verlauf
4. Diskussion
4.1. Begründung für die Durchführung der Studie
4.2. Wirkung der SSRI auf die komorbiden Störungen bei Anorexia nervosa
4.3. Vergleich der Daten zum Verlauf
4.4. Nachteile und Einschränkungen der vorliegenden Untersuchung
4.5. Stärken der vorliegenden Untersuchung
4.6. Schlussfolgerung
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob der Einsatz von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) als additive medikamentöse Therapie bei gewichtsrehabilitierten jugendlichen Patientinnen mit Anorexia nervosa positive Auswirkungen auf den Verlauf der komorbiden depressiven und zwanghaften Symptomatik hat.
- Rolle des serotoninergen Systems in der Pathogenese der Anorexia nervosa.
- Komorbidität bei Anorexia nervosa, insbesondere Depression und Zwangsstörungen.
- Effektivität und Verträglichkeit einer additiven SSRI-Therapie.
- Verlauf der komorbiden Symptomatik nach Gewichtsnormalisierung unter SSRI-Einfluss.
- Vergleichende Analyse von SSRI- und Non-SSRI-Patientengruppen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Einführung
Die Anorexia nervosa ist eines der schwerwiegendsten Krankheitsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Behandlung ist oft langwierig, außerdem muss über Jahre hinweg mit einem hohen Rückfallrisiko gerechnet werden. Auch aufgrund der steigenden Inzidenz sowie der für eine psychiatrische Erkrankung relativ hohen Mortalität, besteht bei der Magersucht ein hoher Forschungsbedarf, insbesondere an Therapiestudien.
Von Interesse ist dabei insbesondere die noch nicht geklärte Pathogenese der Anorexia nervosa. Es wird angenommen, dass unter anderem eine Vulnerabilität im serotoninergen Neurotransmittersystem ätiologisch relevant ist. Obwohl keine evidenz-basierte medikamentöse Standardtherapie in der Langzeitbehandlung der Anorexia nervosa existiert, wurden häufig selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) angewandt, nicht zuletzt wegen der Effektivität dieser Medikamentengruppe bei Zwangs- und Depressionserkrankungen, die als komorbide Störungen bei Anorexia nervosa häufig zu beobachten sind.
So wollten wir in dieser Arbeit untersuchen, inwiefern eine additive SSRI-Behandlung positive Auswirkungen auf den Verlauf der komorbiden Symptomatik bei jugendlichen Patienten mit Anorexia nervosa hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Relevanz der Anorexia nervosa in der Kinder- und Jugendpsychiatrie dar, diskutiert die Bedeutung des serotoninergen Systems und begründet die Anwendung von SSRI bei komorbiden Störungen.
2. Methodik: Hier werden das Studiendesign, die Auswahl der Probanden, die verwendeten Fragebögen und Interviews sowie die angewandten statistischen Verfahren beschrieben.
3. Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die klinischen Daten und Testergebnisse für die gesamte Untersuchungsgruppe sowie den Vergleich zwischen SSRI- und Non-SSRI-Patienten im zeitlichen Verlauf.
4. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, die Nachteile und Stärken der Studie diskutiert und der klinische Nutzen einer additiven SSRI-Therapie bewertet.
5. Zusammenfassung: Eine abschließende Synthese der durchgeführten Pilot-Studie, ihrer Ergebnisse bezüglich der SSRI-Behandlung und der Schlussfolgerungen für die klinische Praxis.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Serotonin, SSRI, Depression, Zwangsstörung, Komorbidität, Jugendliche, Magersucht, Pharmakotherapie, Psychopathologie, Gewichtsnormalisierung, Adjuvante Therapie, Klinische Studie, Essstörung, Serotoninerges System.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) auf komorbide depressive und zwanghafte Symptome bei jugendlichen Patientinnen, die an Anorexia nervosa leiden.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Pathogenese der Anorexia nervosa, insbesondere das serotoninerge System, die Komorbidität mit Depression und Zwangsstörungen sowie die medikamentöse Behandlung mit SSRI.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob eine additive medikamentöse SSRI-Behandlung zu einer Verbesserung des Verlaufs der komorbiden Symptomatik bei jugendlichen Patienten mit Anorexia nervosa führt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine naturalistische, prospektive klinische Verlaufstudie (Pilot-Studie), bei der Daten an fünf Messzeitpunkten mittels standardisierter Fragebögen und Experten-Interviews erhoben wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Erkrankung, das serotoninerge System, die Pharmakotherapie mit SSRI, die detaillierte Methodik der Datenerhebung sowie die ausführliche Darstellung der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anorexia nervosa, SSRI, Serotonin, Depression, Zwangsstörung, Komorbidität und Gewichtsrehabilitation.
Warum wurde eine "naturalistische" Verlaufstudie gewählt?
Die Entscheidung über den Einsatz von SSRI wurde studienunabhängig von den zuständigen Ärzten nach medizinischer Indikation getroffen, was eine realitätsnahe klinische Beobachtung ermöglichte.
Welche Rolle spielt die Gewichtsrehabilitation für die Behandlung?
Die Studie zeigt, dass eine Gewichtsnormalisierung ein zentrales Ziel der multimodalen Therapie ist, und untersuchte, ob SSRI in dieser Phase der Besserung bei persistierender Psychopathologie einen zusätzlichen therapeutischen Nutzen bieten.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin hinsichtlich der SSRI-Anwendung?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass ein genereller Nutzen von SSRI bei Anorexia nervosa fraglich ist und eine solche Behandlung nur im Einzelfall bei persistierender, ausgeprägter komorbider Symptomatik individuell diskutiert werden sollte.
- Quote paper
- Nadja Kaiser (Author), 2008, Der Einfluss selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) auf depressive und zwanghafte Verhaltensweisen bei adoleszenter Anorexia nervosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114044