Die Darstellung der Radha in zwei Übersetzungen von Jayadevas Werk Gitagovinda: Die Frage nach der religionspsychologischen Bedeutung Radhas


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
19 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Darstellung der R ā dh ā in Jayadevas Werk G ī tagovinda
2.1 Die verliebte Rādhā
2.2 Die eifersüchtige Rādhā
2.3 Die zornige Rādhā
2.4 Die verletzte und leidende Rādhā
2.5 Die stolze Rādhā
2.6 Die leidenschaftliche Rādhā

3 Die Frage nach Rādhās religionspsychologischer Bedeutung

4 Schlussfolgerungen

5 Literatur

1 Einleitung

Die hinduistischen Religionen sind Strömungen, die viele Götter kennen und verehren. Im Hinduismus sind sowohl männliche als auch weibliche Figuren bzw. Götter von großer Bedeutung. Neben den Göttinnen Śrī Lakshmī, Pārvatī, Sītā, Durgā oder Kālī kommt auch Rādhā immer wieder in hinduistischen Texten vor. Vor allem in der romantischen Literatur der bengalischen Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielt Rādhā eine zentrale Rolle.1 Ein herausragendes Werk der Sanskrit-Literatur2, in dem

Rādhā die Heldin spielt, ist das indische Hohelied Gītagovinda3 des bengalischen

Dichters Jayadeva.4

Der Legende nach wurde Jayadeva in einer brahmanischen Familie in Kendubilva im Staat Bengal geboren.5 Obgleich sein genaues Geburtsjahr unbekannt ist, wird vermutet, dass es im elften Jahrhundert gelegen haben muss.6 Jayadevas Gītagovinda, das der Verehrung Krishnas gewidmet ist, hatte und hat bis heute in Bengal großen Einfluss auf den Krishna-Kult.7

In einem ersten Schritt soll in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet werden, wie Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda dargestellt wird. Es wird ein Überblick darüber gegeben, mit welchen unterschiedlichen Eigenschaften Jayadeva Rādhā in seinem Werk darstellt, um zu zeigen, dass Rādhā im Gītagovinda eine Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit ist. In einem zweiten Schritt soll durch die Herausarbeitung von Rādhās Persönlichkeit die Frage geklärt werden, welche religionspsychologische Bedeutung Rādhā hat.

Rādhā wird meistens in den Zusammenhang mit einem männlichen Begleiter, namentlich Krishna, gebracht. Ihre Geschichte zeigt sich in verschiedenen Werken des Hinduismus, wobei sie vornehmlich in Verbindung mit Krishna Erwähnung findet.

Nach der Legende soll Rādhā, ein Kuhhirtenmädchen8, am Ufer des Yamunā-Flusses Krishna zum ersten Mal begegnet sein.9 Krishna ist zu dieser Zeit noch ein Jugendlicher, seine Liebesbeziehung zu Rādhā „findet in dem Hirtendorf Vraja und in den Wäldern und Gemächern von Vrndāvana statt“.10 Rādhā, die zu Krishnas liebsten Gopīs11 zählte, erlangte im Laufe der Geschichte göttlichen Status.12

Anhand von zwei Übersetzungen der Gītagovinda, die eine von Barbara Stoler Miller13 und die andere von Friedrich Rückert14 sowie entsprechender Sekundärliteratur soll zusammengefasst werden, wie Jayadeva die Figur der Rādhā in seinem Werk Gītagovinda darstellt. Mit Hilfe der erarbeiteten Ergebnisse, was Rādhās Persönlichkeit betrifft, soll dann, ebenfalls unter Verwendung von Sekundärliteratur, ihre religionspsychologische Wirkung untersucht werden.

Ein besonders umfassendes Bild der Rādhā liefern unter anderem die Werke von Banerjee Appropriation Of A Folk-Heroine : Radha in Medieval Bengali Vaishnavite Culture, die von Hawley & Wulff (Hrsg.) The Divine Consort : R ā dh ā And The Goddesses Of India und die von Kuppuswamy & Hariharan (Hrsg.) Jayadeva And G ī tag ō vinda : A Study. Sumanta Banerjee beschäftigt sich vor allem mit der Frage, welche Rolle Rādhā in der Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielte. Bei Kuppuswamy & Hariharan liegt zwar der Fokus auf Jayadevas Gītagovinda, allerdings beschäftigen sich nur zwei Artikel intensiv mit der Figur der Rādhā, in den übrigen Beiträgen wird Rādhā nur peripher behandelt. Im Gegenzug zu den gerade aufgeführten Werken soll sich im Folgenden nur auf einen Aspekt in Bezug auf die Darstellung der Rādhā im Gītagovinda konzentriert werden. Der Schwerpunkt wird darin bestehen, Rādhās vielgestaltige Persönlichkeit vorzustellen.

Jayadeva. Leipzig: Insel-Verlag, 1920.

2 Die Darstellung der Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda

In Jayadevas Werk Gītagovinda, das in zwölf Kapitel untergliedert ist, kommen drei Figuren vor: Die beiden Protagonisten Krishna und Rādhā sowie eine Gefährtin der Rādhā, die in den abwechselnden Dialogen zwischen Rādhā und Krishna vermittelt.15 Rādhās Beziehung zu Krishna ist durch typische menschliche Emotionen in einer Liebesbeziehung wie Eifersucht, Gereiztheit, Zorn und Befriedigung gekennzeichnet.16 Mit diesen Gefühlen, die sie zur Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit machen, wird Rādhā auch im Gītagovinda dargestellt, wie im Folgenden werden soll.

2.1 Die verliebte Rādhā

Zunächst wird Rādhā als ein verliebtes und nach Rückert als „allverliebt[es]“17 Mädchen dargestellt, welches sich unsterblich in Krishna verliebt hat. In der Übersetzung von Friedrich Rückert heißt es, dass Rādhās Sinne durch des „Kāma’s Kummer“18 ganz verwirrt seien. Das Sanskritwort k ā ma bedeutet so viel wie „Wunsch, Begehren, Liebe, Liebestrieb“19, d.h. Rādhā ist in der Tat am Beginn des Gedichts als sehr verliebt zu sehen.

In der englischen Übersetzung von Barbara Stoler Miller ist wiederholt die Rede von „passion“ und „passionate“; zwei Begriffe, die sehr gut diesen Zustand des Verliebtseins beschreiben.20 An anderer Stelle bzw. am Ende des zweiten Gedichts heißt es bei Miller „Seeking Krishna in his many haunts“21, was nochmals Rādhās Situation als verliebte Person untermauert.

Barbara Stoler Miller weist selbst in ihrem Werk Love Song Of The Dark Lord : Jayadeva’s G ī tagovinda darauf hin, dass Rādhā eng mit Leidenschaft verbunden wird bzw. als das personifizierte k ā ma gesehen wird.22 Auch Charlotte Vaudeville betont in ihrem Artikel „Krishna Gopāla, Rādhā, and The Great Goddess“, dass Rādhā als Verkörperung der reinen Liebe bzw. mah ā bh ā va gesehen wird.23

2.2 Die eifersüchtige Rādhā

Ein weiterer Gemütszustand, mit dem Rādhā beschrieben wird, ist die Eifersucht. In verschiedenen Textpassagen sowohl bei Kreyenborg als auch bei Miller wird davon gesprochen, dass Rādhā sehr eifersüchtig ist, da Krishna sich mit mehreren tausend Gopīs vergnügt24.

So steht in der Übersetzung von Rückert: „Rādhā, während allverliebt im Haine Hari scherzte, Ging hinweg, ob dem verlorenen Vorzug eifersüchtig, […].“25 Bei Miller heißt es unter anderem: „Frail Rādhā, I know jealousy Wastes your heart.“26 Auch weitere Abschnitte, ohne die „Eifersucht“ oder „jealousy“ besonders zu thematisieren, beschreiben, wie sich Rādhā fühlt, nachdem sie sehen musste, dass Krishna neben ihr noch viele andere Geliebte hat.

So wird im fünften Gedicht in der Übersetzung von Barbara Stoler Miller beschrieben, wie Rādhā ihrer Freundin die Situation mit Krishna darstellt.27 An Rādhās Worten kann man deutlich erkennen, dass sie jedes Mal sehr eifersüchtig ist, wenn Krishna sie zurücklässt, um sich mit „more young women“28 zu vergnügen. Im achten Gedicht bei Miller wird nochmals dieses Motiv der Eifersucht mit den Worten

„Jayadeva sings he lament of a jealous girl deceived by passion“29 aufgenommen.

Auch Donna Marie Wulff berichtet in ihrem Beitrag über Rādhā nochmals über die Eifersucht auf die anderen Kuhhirtenmädchen im Gītagovinda.30 Rādhās Eifersucht ist einer der zentralen Aspekte ihrer Persönlichkeit, der von Jayadeva in seinem Werk Gītagovinda immer wieder aufgenommen und dargestellt wurde.

[...]


1 vgl. Banerjee (1993), S. 4.

2 vgl. Rath (1980), S. 84.

3 Der Begriff “Gitagovinda” setzt sich zusammen aus den zwei Wörtern g i ta mit der Bedeutung „Lied, Gesang“ und govinda in der Verwendung als Beiname des Krishna.

4 vgl. Miller (1977), S. 26.

5 vgl. ebd., S. 3 & Hota (1980), S. 25.

6 vgl. Sinha (1980), S. 39.

7 vgl. Miller (1977), S. ix & Vaudeville (1982), S. 1.

8 vgl. Banerjee (1993), S. 7.

9 vgl. Schumann (2004), S. 84.

10 Kinsley (2000), S. 115.

11 Der Begriff gop i bedeutet “Hirtenmädchen”, Mylius (72001), siehe unter gop i.

12 vgl. Renou (1962), S. 51.

13 Miller, Barbara Stoler (Hrsg.): Love Song of the Dark Lord : Jayadeva’s G i tagovinda. New York: Columbia University Press, 1977.

14 Kreyenborg, Herman (Hrsg.): G i tagovinda : Das indische Hohelied des bengalischen Dichters

15 vgl. Kreyenborg (1920), S. 58.

16 vgl. Dimock (1966), S. 63.

17 Kreyenborg (1920), S. 11.

18 ebd., S. 7.

19 Mylius (72001), siehe unter k a ma.

20 vgl. Miller (1977), S. 69.

21 ebd., S. 74.

22 Miller (1977), S. 36.

23 vgl. Vaudeville (1982), S. 11.

24 vgl. Kreyenborg (1920), S. 8-12 & Miller (1977), S. 76 ff.

25 Kreyenborg (1920), S. 11.

26 Miller (1977), S. 83.

27 vgl. ebd., S. 78-80.

28 ebd., S. 80.

29 ebd., S. 107.

30 vgl. Wulff (1982), S. 27.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der Radha in zwei Übersetzungen von Jayadevas Werk Gitagovinda: Die Frage nach der religionspsychologischen Bedeutung Radhas
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V114052
ISBN (eBook)
9783640137596
ISBN (Buch)
9783640138999
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Radha, Jayadevas, Werk, Gitagovinda, Frage, Bedeutung, Radhas
Arbeit zitieren
Ishan Hegele (Autor), 2008, Die Darstellung der Radha in zwei Übersetzungen von Jayadevas Werk Gitagovinda: Die Frage nach der religionspsychologischen Bedeutung Radhas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114052

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